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Dammriss und Dammschnitt

Letzte Änderung:
Nächste Aktualisierung von Till von Bracht • Medizinredakteur
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Die Vorfreude auf die Geburt eines neuen Kindes wird oft getrübt durch die Angst vor einem Dammriss oder einem Dammschnitt. Heutzutage werden Dammschnitte aber immer seltener durchgeführt, und sowohl Dammschnitte als auch Dammrisse verheilen meist problemlos.

Allgemeines

Der Damm ist der Teil des Beckenbodens beziehungsweise der Beckenbodenmuskulatur, der sich zwischen Scheide (Vagina) und After befindet. Während des Geburtsvorgangs kann der Damm unter bestimmten Umständen reißen, z.B. wenn:

Um einem Dammriss vorzubeugen, wurde früher routinemäßig ein Dammschnitt (Episiotomie) durchgeführt. Heutzutage geht die Tendenz eher dahin, einen Dammschnitt nur in seltenen Fällen durchzuführen und gegebenenfalls einen Dammriss zuzulassen.

Durch spezielle Grifftechniken während der Geburt und kann ein erfahrener Geburtshelfer, beispielsweise eine Hebamme, einen Dammriss in vielen Fällen verhindern. Oft reicht es, wenn die Hebamme die werdende Mutter genau anleitet, sodass das Kind nicht zu schnell geboren wird und sich so der Druck auf den Damm nur langsam und schonend aufbaut. Schon während der Schwangerschaft können Frauen außerdem mit einfachen Mitteln versuchen, einem Dammriss vorzubeugen, etwa über Heublumen-Sitzbäder und Dammmassage.

Dammriss

Unter einem Dammriss versteht man eine Verletzung der Weichteile bei der Geburt, bei welcher die Scheidenhaut einreißt.

Ein Dammriss kann unterschiedlich ausgeprägt sein und lässt sich in vier Grade einteilen:

Kommt es zu einem Dammriss, näht der anwesende Arzt oder die Hebamme den Riss gleich anschließend an die Geburt. Im Allgemeinen heilen Dammrisse ohne Komplikationen ab. Wurde die Muskulatur verletzt, können kühlende Kompressen Blutergüsse mildern und die Heilung fördern. Bei Dammrissen dritten und vierten Grades sollte man zusätzlich auf eine geregelte Verdauung und einen weichen Stuhlgang achten.

Selten können Dammfisteln entstehen und auch die früher häufige lang anhaltende Darminkontinenz, vor allem nach Rissen dritten und vierten Grades, ist heute äußerst selten.

Kurze Sitzbäder (max. zwei Minuten) unterstützen die Abheilung eines Dammrisses. Elastische Ringe aus dem Sanitätshaus entlasten das Gewebe beim Sitzen und geben Schutz und Halt.

Dammschnitt (Episiotomie)

Ein Dammschnitt (Episiotomie, Episio = Schamgegend, - tomie = Schnitt) ist ein Schnitt von der Scheide aus in den Damm, um die Geburtsöffnung künstlich zu weiten und so die Geburt zu erleichtern.

Der Dammschnitt soll verhindern, dass der mütterliche Damm bei der Geburt reißt oder überdehnt wird. Außerdem kann mithilfe des Dammschnitts bei einer Frühgeburt der Druck auf den kindlichen Kopf vermindert werden.

Einen Dammschnitt wird der Arzt beispielsweise dann durchführen,

Einen Dammschnitt kann der anwesende Arzt durchführen. Bei einer Hausgeburt oder einer Entbindung im Geburtshaus nimmt die Hebamme, wenn nötig, den Dammschnitt vor. Arzt oder Hebamme nähen den Dammschnitt, sobald das Baby geboren ist.

Während der Dammschnitt früher routinemäßig durchgeführt wurde, ist er heute eine umstrittene Methode, da der Beckenboden dadurch geschwächt wird und dauerhafte Schmerzen beim Geschlechtsverkehr auftreten können.

Dammrisse heilen häufig besser als ein Dammschnitt, da das Gewebe an "günstigeren" Stellen reißt.

Ein Dammschnitt (Episiotomie) kann in drei verschiedene Richtungen erfolgen:

Mediane Episiotomie

Für die mediane Episiotomie nimmt der Arzt oder die Hebamme den Dammschnitt entlang der Mittellinie des Damms vor.

Die Vorteile liegen darin, dass es sich bei der medianen Episiotomie um einen relativ kleinen Schnitt mit einer kleinen Naht handelt, der im Normalfall sehr gut heilt und wenig Beschwerden nach der Geburt bereitet. Es müssen keine Muskeln, größeren Gefäße, Nerven- oder Fettgewebe durchtrennt werden, die Blutung ist nur gering.

Nachteile der medianen Episiotomie bestehen darin, dass diese Schnittführung die Geburtsöffnung nur begrenzt erweitert und der Damm weiter einreißen kann.

Mediolaterale Episiotomie

Die mediolaterale Episiotomie ist die am häufigsten durchgeführte Schnittführung. Bei ihr nehmen Arzt oder Hebamme den Dammschnitt von der Scheidenmitte aus in einem Winkel von 45 Grad nach rechts oder links vor. Es handelt sich hierbei um die Schnittführung, welche die größte Erweiterung der Geburtsöffnung ermöglicht und damit die Gefahr für einen Dammriss erheblich senkt.

Eingesetzt wird die mediolaterale Episiotomie bei einem sehr engen Geburtskanal, einem sehr großen Kind und bei einer Zangen- oder Saugglockengeburt.

Die Nachteile des mediolateralen Dammschnitts liegen darin, dass Gefäße durchschnitten werden müssen, sodass es zu einem größeren Blutverlust kommt. Außerdem treten häufiger Wundheilungsstörungen mit Schmerzen auf.

Laterale Episiotomie

Für die laterale Episiotomie schneiden Arzt oder Hebamme etwa zwei Zentimeter links oder rechts neben der Mittellinie des Damms. Da diese Schnittführung eine sehr schlechte Heilungstendenz hat, gilt sie mittlerweile als veraltet und wird für gewöhnlich nicht mehr verwendet.

Schnittführungen beim Dammschnitt

Vorbeugen

Um das Dammgewebe weich und flexibel zu machen und so einem Dammriss vorzubeugen, können Schwangere etwa ab der 34. Schwangerschaftswoche das Dammgewebe täglich mit einem Öl massieren. Natürliche Öle sind am besten zur Unterstützung der Dammmassage geeignet.

Nehmen Sie für die Dammmassage eine bequeme Haltung auf einem Stuhl ein und winkeln Sie ein Bein an den Körper an. In dieser Position können Sie das Öl in U-förmigen Bewegung in das Dammgewebe einmassieren. Viele Frauen massieren den Damm im Stehen, indem Sie ein Bein beispielsweise auf der Badewanne oder einem Hocker aufstellen.

Auch Sitzbäder mit Lindenblüten oder Heublumen lockern das Gewebe. Beckenbodentraining, eine ausgewogene Ernährung und viele Bewegung unterstützen außerdem eine normale Geburt und senken das Risiko, dass der Damm reißt oder ein Dammschnitt nötig wird.

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Dammriss und Dammschnitt":

Quellen:

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2016)

Stauber, M., Weyerstahl, T.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013

Goerke, K., Steller, J., Valet, A.: Klinikleitfaden Gynäkologie Geburtshilfe. Urban & Fischer, München 2013

Letzte inhaltliche Prüfung: 09.09.2016
Letzte Änderung: 08.05.2018