• Sie können sich hier registrieren, um Beiträge zu schreiben. Registrierte Nutzer können sich oben rechts anmelden.

Borderline und Stresslevel

Einklappen

X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • Borderline und Stresslevel

    Hallo!

    Also ich habe schon zwei Therapien gemacht. Dort habe ich unter anderem die Diagnose Boderline bekommen. Das fasst zumindest die Tendenz meiner Probleme zusammen. Ich bin allerdings keine Klischeeborderlierin und Risikoverhalte, selbstschädigendes Verhalten usw. habe ich mittlerweile gut im Griff. Ich meine vermutlich ist das hier auch nicht so ganz das richtige Forum - vielleicht.
    Es geht halt darum, dass ich oft in so einem hohen Stresslevel bin, weil ich eben oft in so einem emotionalen Chaos bin. Ich meine mittlerweile komme ich damit besser klar, aber ich frage mich eben, wie erleben "normale" Menschen den Alltag? Das ist eben eine Frage, die mich die ganze Zeit beschäftigt. Nicht, weil ich denke, dass ich das erreichen könnte, sondern weil ich irgendwie noch anders damit umgehen will, eben wie ein halbwegs "normaler" Mensch.

    Konkret belastet mich eben die Situation auf der Arbeit. Es reicht ein Blick, ein Wort ein Satz und ich bin wirklich in so einem Ausnahmezustand. Ich kann das auch nicht richtig erklären. Also z. B.: Auf der Arbeit verstehe ich mich mit allen gut. Es ist eher ein lockerer Umgang. Dann: irgendeine Art "Witz", der eine leichte Abwertung enthält, irgendwelche dummen Sprüche, Kritik. Früher hat sich das dann so entwickelt, dass ich das auf der Arbeit dann unter Kontrolle hatte, es dann aber Zuhause so weit ging, dass ich dann ausgeprägte Suizidgedanken hatte. 2 Tage später war aber alles wieder super, wenn eben keine Sprüche kamen. Und es sind wirklich harmlose Sprüche, also z. B. "Oh, sieh an, die Frau XYZ arbeitet auch mal!" (uns wird von den anderen Mitarbeitern immer halb im Spaß unterstellt, wir hätten weniger zu tun als die anderen). Sind also wirklich eher harmlosere Sticheleien, weil ich mit allen sonst ja auch klar komme.
    Aber solche Situationen kommen ständig, immer und überall vor. Es sind ja nicht alle immer total lieb und nett usw. Und ich dachte auch jahrelang ich gewöhne mich daran. Mache ich aber nie. Ich kann zwar momentan etwas besser damit umgehen. Aber naja.... Ich finde diesen ganzen Zwischenmenschlichen Kram 1.0000000 Mal stressiger, als wirklich mal extrem viel zu tun zu habe und durch die Arbeit an sich gestresst zu sein.
    Da kann ich noch so viel zu tun haben.

    Deshalb frage mich auch, wie oft und ob überhaupt andere Meschen ab Tag sich emotional verletzt fühlen ... Ob sie diesen Schmerz kennen, der einen den Brustkorb zusammezieht und der sich halt richtig schlecht anfühlt..., bei eigentlich kleineren alltäglichen Dingen, wie sie ständig im Alltag vorkommen... Und wie lange das anhält
    .... Ist anderen Menschen so etwas egal? Finden sie es wirklich spaßig und witzig? Macht es sie wütend? Ist es ihnen meistes egal? Denken sie den ganzen Tag auf der Arbeit über so etwas nach? Oder nur kurz und dann ist es vergesse? Sind sie durch so zwischenmenschliche Dinge so belastet, dass sie gar nicht mehr richtig klar denken können, weil sie so von Emotionen überschwemmt werden?
    Ich bin 80% oder mehr mit solchen Dingen beschäftigt... Um meine Arbeit kümmere ich mich nur nebenbei. Mir wird dann oft vorgeworfen, dass ich so abwesend wirke....
    Im Privatleben ist allerdings alles noch viel schlimmer. Aber das ist im Moment nicht so wichtig, weil ich versuche Privatleben zu vermeiden. Das hört sich jetzt merkwürdig ab. Ist natürlich auch keine Dauerlösung. Aber das ist noch stressiger. Arbeit an sich ist da eher immer eine Erholung. Ich brauche gerade eine Art Urlaub von meinem Privatleben. Irgendwann werde ich das auch mal wieder angehen.

    Also irgendwie will ich herausfinden, wie unnormal ich bin. Ich meine halt manche Dinge sind halt offensichtlich bei mir nicht so ganz normal gewesen. So selbstschädigende Dinge. Aber ich wäre halt gerade einfach mal gern für 3 Stunden oder so ein anderer Mensch. Aber auch gerade schwierig zu erkläre.

    VG


  • Re: Borderline und Stresslevel

    es dann aber Zuhause so weit ging, dass ich dann ausgeprägte Suizidgedanken hatte. 2 Tage später war aber alles wieder super, wenn eben keine Sprüche kamen.
    Das kenne ich sehr gut.
    Ich denke es hat damit zu tun das die meisten Menschen solche Dinge einfach nicht auf sich beziehen, oder felsenfest davon überzeugt sind das der andere unrecht hat, bzw. überhaupt nicht emotional auf das reagieren was nicht eindeutig gesagt wird.
    Das man es sich so zu Herzen nimmt liegt wohl daran, das der Selbstwert nicht so dolle ist, man alles sehr auf sich bezieht, allem was auch nur ansatzweise Kritik beinhaltet besondere Aufmerksamkeit widmet, selbst wenn es nicht so gemeint war.
    Ich kann mir vorstellen das man das eigene, nicht sehr gute, Selbstbild in die Äußerungen und Blicke anderer projiziert, so leidet man weniger an dem Verhalten von Außen, als an der eigenen Meinung über sich selber.
    Belastend ist es auch das man diese Dinge mit nach hause nimmt, also niemals wirklich abschalten kann.

    Wenn es dir gelingt dich selber mehr zu schätzen und zu glauben das du einen hohen Wert hast, auch für andere, dann ließe sich sicher einiges leichter nehmen.

    Kommentar


    • Re: Borderline und Stresslevel

      Hi,

      vorweg: Mir geht’s ähnlich, ich kenne das. Bis hin zu den körperlichen Reaktionen und Symptomen: Emotionale Knoten, Angst, Herzklopfen, Rauschen in den Ohren, Druck auf der Brust. Streß pur eben.
      Ich bin jetzt vielleicht aber auch nicht ganz in dem Sinne „normal“, wie Du es meinst , aber hoffentlich doch „normal“ genug:

      Ich mache seit ziemlich exakt einem Jahr mit einer leichten bis mittelgradigen Depression rum, und solche Begebenheiten gerade auch im Büro, wie Du sie erwähnst, kenne ich zur Genüge: Auch bei mir gab und gibt es Tage und Stunden, da reicht ein „blöder“ Witz im falschen Augenblick, ein vermeintlich komisches Stirnrunzeln oder scheinbar vielsagender meines Gegenübers (bspw. meines Chefs), und ich kann meinen stimmungsmäßigen Abrutsch geradezu live mitverfolgen. Entsprechend „schlimmer“ sieht es dann (natürlich) auch mit berechtigter Kritik aus.
      Insbesondere in meinen beiden akuten Phasen im letzten November und dieses Jahr Mai-Juli bin ich da diesbezüglich besonders dünnhäutig gewesen, mittlerweile hat sich das im Zuge der voranschreitenden Genesung wieder etwas gelegt. Aber trotzdem: Ich habe immer noch tageweise spürbare Stimmungsschwankungen, und wenn dann so ein Kommentar an einem schlechteren Tag kommt, geht auch bei mir direkt das Gedankenkarussell los und die Laune mehr oder weniger stark in den Keller.

      Allerdings – je weiter ich mich mit diesen ganzen Thematiken beschäftige und im Netz auch andere Erfahrungsberichte lese: Ich habe mittlerweile echt Zweifel daran, daß es den „normalen Menschen“, wie Du oder auch ich ihn meinen, überhaupt gibt. Zum einen stimme ich Tired zu, daß es sicher eine Frage der individuellen Selbstsicherheit ist. Zum anderen denke ich aber auch, daß so ziemlich jeder Mensch im Laufe seines Lebens selbstsicherere und eben auch unsicherere Phasen durchmachen dürfte. Der eine früher, der andere später. Der eine kürzer, der andere länger. Manch einer, der nur kurze Phasen hat, dafür vielleicht umso häufiger immer mal wieder… Keine Ahnung. Aber ich bin doch einigermaßen davon überzeugt, daß doch sehr viel mehr Menschen, denen wir tagtäglich auf der Straße über den Weg laufen, mit ähnlichen Gedanken und Problemen beschäftigt sind, als wir gemeinhin glauben. Es wird uns nur immer von aller Welt und den Medien vorgegaukelt, der „normale“ Mensch hätte solche Probleme nicht. Und wenn dann doch mal an die Öffentlichkeit kommt, daß ein Kollege, Freund oder Promi unter Strom steht, Borderliner ist, unter Depressionen leidet, jähzornig oder Alkoholiker ist, usw., dann wird das direkt immer als etwas außergewöhnliches und schreckliches dramatisiert. Wir setzen alle letzten Endes fast den ganzen Tag über eine Maske auf, spielen eine Rolle, wollen keine Schwächen zeigen, damit jeder glaubt: „Mann, toll ey, der ist ja echt locker drauf und hat sein Leben im Griff!“ Und in den meisten Fällen klappt es ja auch – deswegen erschreckt es einen dann, wenn man selbst es plötzlich nicht mehr so gut gebacken bekommt.

      Das sind dann die Momente, wo ich mich an die frische Luft, ins Auto oder – bei schlechtem Wetter zur Not – auch mal auf die Toilette flüchte, um mal für einen Moment meine Maske fallen lassen zu dürfen und zu versuchen mich wieder zu sammeln.
      Mal klappt’s, mal nicht (so gut)…

      Ich selbst zumindest versuche, meiner Krankheit, meinem Streß und meinen Gedankenkarussells gleich welcher Art mit solchem Wissen und Handeln mehr und mehr den Schrecken zu nehmen.
      Ich gehe manchmal auch regelrecht auf die Suche nach Beispielfällen, und wenn ich sie dann gefunden habe, mache ich mir wieder und wieder klar, daß ich selbst eigentlich so „normal“ bin wie viele, viele andere Menschen auch, denen es besser, ähnlich oder sogar schlimmer geht als mir. Ich bemühe mich, mich in meiner jetzigen Situation so zu akzeptieren, wie ich bin, so gut ich es eben kann. Und das fällt mir – so blöd es vielleicht klingt – phasenweise etwas leichter, wenn ich mich ganz bewußt eben nicht mit dem beschäftige, was gemäß gesellschaftlicher Doktrin „normal“ sein sollte und müßte, sondern mit dem, was ich mal als „realen“ Menschen bezeichnen möchte. Und unter denen gibt es mehr als genug, die wie gesagt ähnlich gelagerte Probleme haben, es irgendwie geregelt bekommen und mir daher irgendwo auch leuchtendes Beispiel sein können, frei nach dem Motto „Mach Dir keinen Kopf, das kann gar nicht persönlich gemeint gewesen sein. Anderen geht es genauso. Die meisten Menschen mögen mich.“ usw.

      Sowas hilft mir. Wie gesagt nicht immer gleich gut, aber in der Tendenz auf jeden Fall.

      Deswegen versuche, Dich zu allererst von der Sicht frei zu machen, Deine Gedanken, Reaktionen, Stimmungen u.ä. in Bezug auf solche Situationen seien „unnormal“ – das liegt immer im Auge des Betrachters. Und ich würde da mal glatt behaupten, daß Deine Reaktionen da genauso „normal“ oder „unnormal“ sind wie die sehr, sehr vieler, vieler anderer Menschen auf diesem Planeten auch Entschärfe selbstverständlich den Teufelskreis, aber akzeptiere auch, daß es ihn aktuell und in Ansätzen wahrscheinlich auch noch lange Zeit geben wird. Nimm ihm den Wind aus den Segeln, wie es so schön heißt, indem Du Deiner emotionalen Seite einerseits zustimmst („ja, ich fühle mich durch das, was er/sie gerade gesagt hat, verletzt“). Aber argumentierte auch im gleichen Atemzug dagegen („ich weiß allerdings nicht so recht, warum; einen besonderen Grund dafür kann ich nicht erkennen. Folglich besteht für mich kein Grund, deswegen jetzt im Erdboden zu versinken.“) So oder ähnlich mache ich es, zur Not auch mal fünf oder zehn Minuten „am Stück“ bzw. so lange, wie es eben dauert, das Gedankenkarussell abzubremsen.


      Hoffe, das alles hilft Dir ein bißchen weiter und ich hab da jetzt nicht zuviel durcheinander oder am Thema vorbei geschrieben. Alles Gute

      Kommentar


      • Re: Borderline und Stresslevel

        "...und ich hab da jetzt nicht zuviel durcheinander oder am Thema vorbei geschrieben."

        Nein, ganz und gar nicht!

        Sie haben sehr schön dargestellt, dass bei vermindertem Selbstwert (Symptom einer Depression) kleine Geschehnisse im Umfeld, die den Charakter einer Kritik haben, sich verheerend auswirken können.

        Andererseits haben Sie auch beschrieben, wie man damit umgehen kann.
        Das war ganz sicher hilfreich!

        Kommentar



        • Re: Borderline und Stresslevel

          Ich denke es hat damit zu tun das die meisten Menschen solche Dinge einfach nicht auf sich beziehen, Das man es sich so zu Herzen nimmt liegt wohl daran, das der Selbstwert nicht so dolle ist
          Ja, mein Selbstwert und ich, das ist auch so eine Sache. Aber meine Vergangenheit ist eben auch wirklich krass. Ich war 4 Mal zwangsweise in der Psychiatrie. Und ein Mensch, der noch nie einsperrt war, kann wohl auch nicht verstehen, was das bedeutet. Vor allem mit wirklich extremen anderen Menschen auf engstem Raum einsperrt, Monate. Deshalb toppe ich eben immer alles. Und natürlich wird man auch nicht einfach so in eine Psychiatrie geschickt, sondern nur wenn man verrückt ist und eine Gefahr für sich darstellt. Und das ist eben meine Vergangenheit.
          Aber ich denke, dass so eine Vergangenheit kein Mensch aus meinem Umfeld hat. Damit ist es halt schwer ein Selbstwert aufzubauen. Vor allem, wenn man dann im Alltag sein Defizite merkt, also vor allem, dass ich so empfindlich und instabil bin.


          Deswegen versuche, Dich zu allererst von der Sicht frei zu machen, Deine Gedanken, Reaktionen, Stimmungen u.ä. in Bezug auf solche Situationen seien „unnormal“
          Ja, oder ich würde es eher so versuchen. Dass ich eben manchmal anders als andere Mensche reagiere. Ob man das nun unnormal nennt oder nicht... ich sollte es eben nicht städig bewerten. Sondern mich dann eben eher auf die Situation an sich konzentrieren und wie ich am besten damit umgehen kann.


          So oder ähnlich mache ich es, zur Not auch mal fünf oder zehn Minuten „am Stück“ bzw. so lange, wie es eben dauert, das Gedankenkarussell abzubremsen.
          Ja, so ähnlich mache ich es auch. Also erst mal muss ich mich aus diesem emotioalen Chaos rausholen. Ansonsten kommt kein rationaler Gedanke bei mir an. Deshalb muss ich mich ablenken, irgendwas anschauen, was mich wieder mehr in die Realität bringt usw. und dann versuche ich mich z. B. bei Kritik auf Dinge zu konzentriere die ich vor ein paar Tagen noch gut gemacht habe. Und denke mir dann das ein Fehler kein Weltuntergang ist. Und das andere Dinge im Leben wichtiger sind, als von anderen Menschen gesagt zu kriegen wie toll man ist. Ich konzentrier mich auch mehr auf meine Freizeit oder im Berufsalltag achte ich auch mehr auf die DInge, die dazu führen dass es mir gut geht.

          Aber trotzdem trifft es mich ja erstmal extrem. Also der emotionale Schmerz der Ewigkeiten anhält, den lindert das nicht. Es verhindert dann nur das ich komplett durchdrehe. Nur wenn ich mehrere solcher Situationen am Tag habe und der eine Schmerz ist nicht vorbei und dann kommt schon wieder der nächste, der nächste und der nächste.... Das Problem bei mir ist, dass das nicht unbedingt durch meine GEdanken hervorrgerufen wird, dass es mir schlecht geht. Es ist eben so, dass ich eben auf einer rein emotionalen Ebene so reagiere, weil es bestimmte Dinge aus der Vergangenheit reaktiviert. Es ist so ähnlich, wie man sich immer bei einem lauten, plötzlichen Geräusch erschreckt. Natürlich kann man sich danach sagen, dass es nur etwas ungefährliches war, dass man in Sicherheit ist. Aber trotzdem rast das Herz, man wird sich erstmal so schnell wie möglich zur Geräuschquelle drehen und es dauert einige Zeit bis man sich wieder beruhigt. So ähnlich ist das eben mit diesem emotionalen Schmerz, der dann Ewigkeiten nicht weggeht. Ich muss dann eben erst mal damit klarkommen. Nur wenn es sehr viel auf einmal kommt, dann bin ich damit echt irgendwann etwas überfordert, weil es auch anstrengend ist.

          Ich denke zum Beispiel bei Kritik gar nicht, dass ich schlecht bin, dass ich gar nichts kann oder so etwas. Ich weiß, dass ich einiges kann und in vielem besser bin als andere Leute. Die Kritik an sich ist nicht das Problem. Eher, dass ich mich dann abgelehnt fühle, so als ob mich alle loswerden wollen und auf so was reagiere ich dann extrem.


          VG

          Kommentar


          • Re: Borderline und Stresslevel

            Es ist so ähnlich, wie man sich immer bei einem lauten, plötzlichen Geräusch erschreckt.
            In anderen Zusammenhängen geht es mir ähnlich, das hast du gut beschrieben, mit dem Erschrecken.

            Ich denke es ist normal, passiert jedem mal, nur Menschen die emotional sensibilisierter sind, auch Erinnerungen haben die diesem Gefühl einen bedrohlicheren Status geben, leiden halt mehr darunter.
            Ich vergleiche das immer mit dem Schreck im Zug eingeschlafen zu sein und dann kurz vor Arbeitsbeginn in vollkommen unbekannten Gefilden aufzuwachen.

            >>>Also irgendwie will ich herausfinden, wie unnormal ich bin.<<<

            Du willst herausfinden was bei dir nicht normal ist und was normal?
            Bisher habe ich nichts gelesen was ich nicht in irgendeiner Form kenne, du bist also vollkommen normal, oder ich bin genauso unnormal.
            Du musst das alles ja auch vor den Hintergründen sehen, so ähnlich wie du reagierst, würde fast jeder mit der gleichen Erfahrung reagieren, also ist das etwas absolut nachvollziehbares und ja, normal.

            Menschen die solch Probleme nie hatten, keinerlei Erfahrungen mit einer kranken Psyche und der Psychiatrie kennen, die halten das natürlich nicht für normal, aber wenn sie in einer ähnlichen Situation wären wie du, dann würden sie es verstehen und ihre Reaktionen wären in Anbetracht der Umstände normal.
            Jeder der Erfahrungen mit Depressionen u.ä. Erkrankungen hat, der kann dich, zumindest über lange Strecken, verstehen und wird nichts ungewöhnliches an deinen Schilderungen finden.

            Also überlege nicht inwieweit du normal bist, oder wie unnormal dein Verhalten, Empfinden ist, es ist so wie es jedem geht dem es so geht, zu etwas unnormalen wird es nur durch die Unwissenheit und Engstirnigkeit derer, die noch niemals mit so etwas konfrontiert wurden und vor allem vorurteilsbelastet sind.

            Du kannst dich ja sehr gut einschätzen, machst du denn noch eine Therapie um deine Einschätzungen besser ordnen und bearbeiten zu können?

            Kommentar


            • Re: Borderline und Stresslevel

              Guten Morgen,


              da gebe ich Dir absolut recht: Seit ich die seelischen Qualen meiner Depri erlebt habe, weiß ich, daß man sich so etwas als Außenstehender, der das noch nie erlebt hat, nur schwer vorstellen kann. Ähnlich und schlimmer dürfte es bei Dir und den Klinikaufenthalten gewesen sein. Ich kann es Dir allerdings schon insofern etwas nachfühlen, als ich ja selbst dreieinhalb Wochen in einer psychiatrischen Klinik war – zwar freiwillig und noch dazu auf ner offenen Station. Aber das fand ich schon heftig genug, weil man sieht ja auch Patienten, denen es deutlich schlechter geht.

              Deswegen kann ich gut verstehen, daß diese Erlebnisse für Dich so prägend sind. Und ich wünsche und drücke Dir von ganzem Herzen die Daumen, daß Du da das schlimmste hinter Dir hast

              In jedem Fall kann ich Tired wieder nur beipflichten und mich wiederholen: “Normal“ sein, ist ein sehr relativer Zustand. Zum einen denke ich, daß es viele „normale“ Zustände gibt, die ausschließlich von subjektiven Standpunkten abhängen. Und einer der wesentlichsten, mit dem wir tagtäglich in Kontakt kommen, ist eben die „gesellschaftliche Norm“. Was auch immer die genau sein soll… das muß man sich immer wieder klar machen! Wir leben in einer stark medialen Welt, und da wird uns aus diversesten Gründen alles mögliche vorgegaukelt und für „normal“ verkauft. Dabei dürfte sehr sehr vieles, was da abläuft, nach objektiven und natürlichen Maßstäben im Laufe der letzten Jahre und Jahrzehnte nicht mehr sonderlich „normal“ im Sinne von „natürlich“ und "menschlich" sein. Und das betrifft eben auch unseren Umgang mit Krankheiten, insb. psychischen, weil wir in einer Zeit leben, in der Gesundheit, Wellness, Spa usw. vor allem zum Zwecke des Erhalts der Leistungsfähigkeit fast schon zu nem göttlichen Status erhoben werden.
              Zum anderen kann ein „normaler“ Zustand auch vergehen und in einen anderen „normalen“ Zustand übergehen.

              Ich denke deswegen, einer der größten „Fehler“ die man als „normaler“ Mensch mit einer psychischen Krankheit machen kann, ist, sich als „unnormal“ stigmatisieren zu lassen und sich selbst so zu bewerten – das dürfte für den Heilungsprozeß absolut kontraproduktiv sein.
              Daß man sich unwohl und teils richtig beschissen fühlt: Reicht. Bewußtsein für die Krankheit entwickeln: Ja. Negativ werten: Nein.
              Aber das schreibst Du eigentlich selbst auch schon ganz richtig so. Und wie häufig ist das alles leichter geschrieben und gesagt, als getan


              Die körperlichen und emotionalen Symptome sind mindestens nervig, mitunter richtig übel, so daß man sich nur schwer davon ablenken kann, da kann ich Dir nur beipflichten. Und immer, wenn ich wieder nen spürbareren Schub bekomme, so wie gestern Vormittag (Angst), denke ich gleich: „Nicht schon wieder… jetzt geht das schon wieder seit ner Stunde so... hört das denn nie auf?!? Wieso kann ich mich nicht einfach „normal“ fühlen?“
              Aber das ist in solchen Situationen bei solchen Krankheiten „normal“ – genauso, wie ein Grippe-Erkrankter Fieber bekommt oder ein Magen-Darm-Kranker sich erbricht. Leider… :/
              Aber wie Du schön sagst (wenn auch in anderem Zusammenhang): Das ist zum Glück nicht der Weltuntergang. Die Symptome vergehen auch wieder. Zumindest versuche ich es so zu sehen – mal mehr, mal weniger


              Nach allem, was und wie Du ansonsten so schreibst, denke ich, daß Du auf einem sehr guten Weg bist: Du weißt mittlerweile, wie Du tickst; Du hast Mechanismen, wie Du aus der Falle rauskommen kannst; Du relativierst Deine Gedanken und machst rein rational aus Mücken keine Elefanten. Das ist ne ganze Menge, und das ist – wage ich mal zu behaupten – mehr, als viele „gesellschaftlich normale“ unserer Mitmenschen von sich behaupten können (bis sie früher oder später womöglich selbst in eine solche Situation geraten wie Du/wir) ! Darauf kannst Du zu Recht stolz sein

              Ablehnen tut Dich garantiert niemand – ich denke, das weißt Du rein rational auch, so, wie Du das schreibst.
              Da schwingt aber unterbewußt etwas mit, und das ist hinter zig Ecken garantiert ein echter, eben unbewußter Gedanke – auch, wenn Du das Problem zunächst nur als Gefühl wahrnimmst. Irgendwo in den Wirren Deiner Gehirnwindungen (und meiner übrigens auch; speziell dieses Thema des Sich-Abgelehnt-Fühlens kenne ich nur zu gut) rast mit Lichtgeschwindigkeit ein Gedanke durch: „Der will nix mehr von mir wissen; ich hab eh schon wenig Freunde, und er/sie kann mich jetzt garantiert nicht mehr leiden; das ist jetzt aber echt ein ziemlicher *Sarkasmus* „Zufall“, daß die Verabredung schon wieder geplatzt ist…; mit anderen redet der doch auch nicht so…“ usw.
              Geh in der Richtung mal auf die Suche. Erforsche behutsam eventuelle Kindheits- und Jugenderfahrungen, wo Du Außenseiter/in gewesen bist; abgeblitzt bist; mit vollem Herzen in ner Clique sein wolltest, aber immer wieder rausgedrängt wurdest; oder vielleicht auch Vater oder Mutter sehr viel Druck auf Dich ausgeübt haben, dem Du nicht gerecht geworden bist und weswegen Du – eben unterbewußt – glaubst, nicht zu genügen. usw. Das ist ein großes Feld – und leider eines, in dem sehr vieles verborgen liegt, vergraben, verschüttet, verdrängt, seit Jahren und Jahrzehnten vergessen…
              Wenn Du da fündig werden solltest, hast Du die halbe Arbeit schon geschafft… der Rest kommt mit der Zeit und mit Geduld (hoffe ich zumindest bei mir – ich hab da definitiv meine Baustellen).


              Abschließend: Ich selbst fühle mich heute – und auch schon am Wochenende – sicher nicht „gesellschaftlich normal“. Aber „natürlich-menschlich normal“, denke ich – und das ist ok. Nicht perfekt, nicht der Traum meiner schlaflosen Nächte. Aber ok. Damit kann ich erstmal leben


              Weiterhin alles Gute, laß Dich nicht unterkriegen

              Kommentar



              • Re: Borderline und Stresslevel

                Du kannst dich ja sehr gut einschätzen, machst du denn noch eine Therapie um deine Einschätzungen besser ordnen und bearbeiten zu können?
                Ja, aber das Ende der Therapie steht schon fest. Ab nächsten Monat habe ich nur noch alle 2 Wochen einen Termin und danach nur noch alle 3 Wochen und dann ist de Therapie beendet.
                Aber ich weiß auch schon so, was sie dazu sagen würde, ohne dass ich das dort besprechen muss.

                Das ist ein großes Feld – und leider eines, in dem sehr vieles verborgen liegt, vergraben, verschüttet, verdrängt, seit Jahren und Jahrzehnten vergessen…
                Wenn Du da fündig werden solltest, hast Du die halbe Arbeit schon geschafft…
                Ja, ich weiß das mittlerweile also ich weiß, woher das kommt. Und mittlerweile weiß ich auch das ich Emotionen haben. Das hört sich vielleicht komisch an, aber früher war es so, dass ich mich einfach extrem gestresst gefühlt habe oder extrem angespannt usw. UNd das wars. Irgendwann ging es mir dann extrem schlecht und erst da habe ich überhaupt richtig wahrgenommen, dass es mir schlecht geht.
                Mittlerweile merke ich das aber viel eher und kann überhaupt wahrnehmen dass ich negative Emotionen habe.
                Aber jetzt merke ich, dass ich viel zu viele Emotionen habe. Ok, ich hatte in letzter Zeit nicht mehr diese extremen Abstürze, aber trotzdem schon wieder irgendwelche "unnormalen" Gedankengänge.

                Zum Beispiel, dass ich in irgendwelche Läde etwas stehlen sollte und das mehrmals. Dann mehrmals erwischt werden und einfach komplett ausrasten, damit die Polizei mich in eine Klinik schickt. Sowas ist einfach krank. Also ich werde es nicht machen. (Früher hätte ich sowas tatsächlich einfach gemacht). Aber sowas mache ich zum Beispiel, weil ich anderen nicht sagen kann, wie schlecht es mir geht. Heute versuche ich das irgendwie anders zu kommunizieren.

                Ach keine Ahnung.
                Klar ich verstehe was ihr meint. Aber es gibt nun mal eine Norm auf die sich die Gesellschaft geeinigt hat. Da kann man ja auch nicht einfach so tun, als ob es die nicht gäbe. Es gibt eine Norm. Klar, sie existiert nur in den Köpfen der Menschen. Aber jeder kann sagen, wie ein normaler Hund aussieht. Wenn plötzlich ein Hund mit drei Augen auftaucht, weiß jeder sofort, dass es nicht normal ist, so funktioniert eben der Mensch.
                Und ich kann mich nicht selbst belügen.

                .

                Kommentar


                • Re: Borderline und Stresslevel

                  Moin

                  Ok, ich hatte in letzter Zeit nicht mehr diese extremen Abstürze, aber trotzdem schon wieder irgendwelche "unnormalen" Gedankengänge.
                  Kenne ich, zum Beispiel auch wieder gestern, wie aus heiterem Himmel, ohne besonderen Anlaß, wahrscheinlich voll automatisierte Bewertungen im Unterbewußtsein. Und wenn ich denen nicht beikomme, sie nicht entlarvt bekomme, und sie nicht als das abtue, was sie sind - sinnlose Gedanken, die mich nicht weiterbringen (aber sehr wohl zu mir gehören), dann graben sie weiter.
                  Ich vermute, da hilft nur konsequentes Bewußtmachen und Training. Immer und immer wieder. Und ich bin davon überzeugt, daß es auch irgendwann funktionieren wird. Die Frage ist nur, wann...?

                  Zum Beispiel, dass ich in irgendwelche Läde etwas stehlen sollte und das mehrmals. Dann mehrmals erwischt werden und einfach komplett ausrasten, damit die Polizei mich in eine Klinik schickt. Sowas ist einfach krank.
                  Nein, sowas ist nicht krank - nicht in diesem Wortsinn.
                  Das ist vielmehr ein innerer Schrei nach Hilfe, wie Du selbst sagst: Der Versuch, anders zu kommunizieren.
                  Meinst Du nicht, jeder Mensch - auch der "gesunde" - hat nicht hin und wieder solche und ähnliche Gedanken?
                  Kennst Du den Film "Und täglich grüßt das Murmeltier"? Ich glaube, viel plastischer kann man kaum darstellen, auf welche abstrusen Gedanken und Ideen auch ein "gesunder" Mensch kommt - und daß er sie sogar umsetzt, wenn er nur die "Gelegenheit" dazu bekommt. Jetzt überleg Dir mal, wer sich diese Story ausgedacht hat: "Normale", "gesunde" Menschen. Und der Film ist ein Klassiker, auch einer meiner Lieblingsfilme zur Weihnachtszeit (zumindest bis zum Beginn meiner Depri; weiß nicht, ob ich den jetzt so gut verkraften würde. Aber ok...).

                  Oder kennst Du das Lied "Die Gedanken sind frei" ?
                  Solche Lieder entstehen nicht ohne Grund. Sie entstehen genau deshalb, weil es absolut "normal" und "gesund" ist, auch mal "unnormale" und scheinbar "kranke" Gedanken zu haben. Sie gehören zu unserem Mensch-sein dazu. Wichtig ist nur, sie nicht umzusetzen, sondern sie einfach als Gedanken zu belassen. Es geht nicht darum, wirklich zu klauen, sein Auto vor die Wand zu setzen oder ne (Selbst)Mordüberlegung in die Tat umzusetzen!

                  Ich selbst habe in den akuten Phasen meiner Depri häufig nur den Wunsch gehabt, am nächsten Morgen nicht mehr aufzuwachen. Daß der liebe Gott von heute auf morgen, von jetzt auf gleich, einfach mein Herz zu schlagen aufhören läßt. Schon vor Jahren hab ich bei extrem stressigen und scheinbar für mich nicht beherrschbaren, unlösbaren Ereignissen (z.B. eben auch Zurückweisungen oder Vorwürfen in meine Richtung, die ich extremer und persönlicher genommen habe, als nötig) mal so ein paar Sekunden lang auch darüber nachgedacht, wie es wäre von einer Brücke zu springen, mit dem Auto vor einen Baum zu fahren, hab Selbstmordvarianten ausgeschlossen, die mal so grad gar nicht für mich in Frage kämen, wie bspw. mich vor einen Zug oder eine U-Bahn zu werfen.

                  Ich würde mal vermuten, solche oder ähnliche Gedanken hat jeder Mensch mal. Und auch garantiert bei mehr als einer Gelegenheit.
                  Sind deswegen alle Menschen "krank"?

                  Ich glaube nicht - im Rahmen dessen, wie der Mensch funktioniert und sein Gehirn und (Unter-)Bewußtsein ticken, sind das ganz "normale", "natürliche" und "gesunde" Gedanken. Auch, wenn sie sicher nicht schön sind und man sich dafür schämt, sie loswerden möchte. Aber auch das ist ganz normal.

                  Das schädlichste, was wir in unseren psychischen Verfassungen machen können, ist es, all das zu verdrängen, sich übermäßig dafür zu schämen, sich zu geißeln, sich selbst zu stigmatisieren und das Urteil der Welt vorweg zu nehmen. Wie üblich: Bewußtsein ja, die Gedanken relativeren ja. Sich geißeln nein.
                  Mal so einen Gedanken zu haben, ist ok. Nicht gut, nicht schlecht - einfach ok. Punkt, abhaken, weiter zu positiveren Gedanken


                  Aber ich kann Dich verstehen:
                  Das sind alles tolle Überlegungen, flott geschrieben und gelesen. Wie üblich ist die "Umsetzung" zeitaufwendig und teilweise unbefriedigend. Ich lerne selbst noch, und das wird wohl auch noch ne ganze Zeit lang so gehen. Mein bisheriges Leben und die bis dahin angelernten Denkmuster überschreibe ich nicht im Laufe von ein paar Wochen. Leider. ... oder doch zum Glück...?

                  Klar ich verstehe was ihr meint. Aber es gibt nun mal eine Norm auf die sich die Gesellschaft geeinigt hat. Da kann man ja auch nicht einfach so tun, als ob es die nicht gäbe.
                  Das ist richtig, Du sollst sie ja auch nicht ignorieren.
                  Aber Du kannst Dir sehr wohl selbst überlegen und für Dich entscheiden, inwieweit Du Dich dieser Norm anschließt. Du bist frei in dem, wie Du selbst die Dinge interpretierst und sie sehen möchtest. Du wirkst wach und reflektiert genug, um sehr wohl für Dich selbst entscheiden zu können, als wie "krank" und "unnormal" - oder eben "gesund" und "normal" Du Dich ansehen möchtest. Du bist ja nun nicht schwer psychotisch, schizophren oder psychopathisch, lebst nicht abgeschottet in einer eigenen Phantasiewelt, bist keine Gefahr für Dich selbst oder andere.
                  Zuguterletzt gibt es auch nicht DIE Norm: In jeder Gesellschaft gibt es Unterteilungen, die einen, die es so sehen, die anderen, die es anders sehen. Und sehr viele Graustufen dazwischen. Die Norm von heute kann morgen schon veraltet sein; was einem heute noch als visionär und vielleicht "spinnert" erscheint, ist in zehn Jahren vielleicht schon ganz "normal". Gerade in Bezug auf den Umgang mit Krankheiten und Kranken ist es eher unsere Gesellschaft, die in den letzten Jahrzehnten "unnormal" und "krank" geworden ist. Warum sonst gibt es alle möglichen Akzeptanz- und Bewußtmachungs-Kampagnen für Aids, Krebs, Ebola, oder eben auch Depressionen u.ä.? Wohl kaum, weil unsere Gesellschaft damit "normal" und "gesund" umgeht, oder?
                  Und es geht ja nun wie gesagt nicht darum, Diebstahl, Prügeleien, Sklaverei, Vergewaltigungen oder Morde u.ä. zur Norm zu erklären - das werden hoffentlich immer Straftaten bleiben und sollten entsprechend be- und verurteilt werden.


                  Deswegen halte Dir das immer wieder vor Augen: Soweit man das auf die Entfernung sagen kannst, bist Du nicht "abnormal schwer krank"! Oder "unnormal". Ja, Du hast eine Krankheit, die nicht schön ist. Die sogar ernst ist, ja, da kann man nicht widersprechen. Aber nach allem, was ich von Dir lese, bist Du sicher nicht kränker als viele, viele andere Menschen auf diesem Planeten, die sich für gesund halten. Und im Gegensatz zu denen sind Dir ein paar Dinge bewußt - das ist ein großer Schritt nach vorn.
                  Und es geht auch nicht um's Selbst-Belügen - das kann ich auch nicht.
                  Aber es geht um das Zurechtrücken Deiner Ansichten, das Relativieren und Objektivieren. Das bewußte Entscheiden "was nehme ich an, was mache ich - und was nicht".
                  Das ist ein Weg, mitunter ein langer Weg. Wenn Du Dir Gleichgesinnte suchst, die ähnlich denken und nicht so auf die gesellschaftlichen Normen pochen, gelingt Dir das vielleicht leichter (was wiederum sicher nicht leicht ist, solche Leut's zu finden, weiß ich ).Sich dem Mainstream anzupassen, kann irgendwann echt anstrengend werden, das ist so. Wir sind nicht alle gleich.


                  Bleib ruhig Du bist gesund. Du bist normal. Rein diagnostisch sicher "kränker" als andere und in Deinen Denkweisen evtl. besonderer als manch anderer - so wie ich auch. Aber sehr, sehr viele andere Menschen sind auch "krank", einige davon richtig. Und garantiert nur die allerwenigsten sind wirklich "gesund", gedanklich in ihren geheimen, persönlichen Ansichten mal auf gar keinen Fall. "Die Gedanken sind frei." Davon bin ich überzeugt.

                  Arbeite weiter an Dir. Nimm die Therapie wahr. Beantrage ggfs. eine Verlängerung, wenn Du Dich ohne unwohl fühlst - das werden die nächsten Wochen zeigen.

                  Du bist normal

                  Eine schöne Woche

                  Kommentar


                  • Re: Borderline und Stresslevel

                    Ich denke der Anspruch "normal" zu sein, ist ein vollkommen falscher Ansatz, schon alleine weil Normalität von anderen definiert wird.
                    Man sollte sich einzig und alleine daran orientieren was man selber ändern möchte, womit man nicht klar kommt und nicht daran wie was, auf andere wirkt.

                    Eine Therapie sollte auch dazu dienen seine Besonderheiten als, für sich, normal akzeptieren zu lernen und damit umgehen zu können.
                    Wir sind doch nicht auf der Welt um uns ständig anzustrengen, in ein auferlegtes Schema zu passen, sondern um selber zufrieden zu sein, egal wie die Umstände sind und ob sie von anderen verstanden werden oder nicht.

                    Man muss also erst lernen auf sich selber zu hören, zu wissen was man braucht um zufrieden sein zu können, oder was dem entgegen steht.
                    Erst dann kann man die einzelnen Punkte aufarbeiten, sich Ziele stecken und nur dann kann eine Therapie erfolgreich sein, wenn man auf sich und nicht auf die Norm hört.

                    Du schreibst du weißt schon was deine Therapeuten dazu sagen wird, deshalb musst du es auch nicht sagen.
                    So kann eine Therapie aber auch nicht funktionieren, wissen kann man das nicht und sie lebt davon das Therapeuten die Gelegenheit bekommen das von dir gesagte zu erwidern, es dadurch besser reflektiert wird.
                    Wenn man vieles nicht sagt, weil man meint zu wissen was dabei raus kommt, dann wird der Therapie ein wichtiger Grundstock genommen. Erst mal das Reflektieren und dann kann ein Therapeut auch nicht wissen um was es eigentlich geht, nicht drauf reagieren, sich nicht auf dich einstellen.

                    Es kann auch Möglichkeiten geben die Therapie zu verlängern, oder umzuwandeln in eine wo es mehr Stunden gibt, je nachdem.
                    Das Ausschleichen passiert ja u.a. um zu sehen ob es auch ohne geht, wenn nicht gibt es für den Notfall Gesprächsminuten, in denen man auch noch einiges besprechen kann.
                    Wirken tut das alles natürlich nur, wenn auch der Ehrgeiz da ist, seinen eigenen Weg herauszufinden und mit sich selber umgehen zu lernen und nicht unbedingt eine Heilung, im Sinne von Normalität, das einzige Bestreben ist.
                    Dadurch verlieren kleine Schritte die man macht, an Wert und ohne diese kommt man aber nicht weiter, geschweige denn an irgendein Ziel.

                    Kommentar



                    • Re: Borderline und Stresslevel

                      Also ich habe 2 kleine Kinder und einen Vollzeitjob...unter Stress habe ich ständig gelitten und dann ging es soweit dass ich aggressiv zu meinen Kindern wurde. Ich fand einfach keine innere Ruhe. Dann hat mein Mann mich auf eine methode aufmerksam gemacht, wie man mit bestimmten Sounds, welche einfluss auf das Nervensystem nehmen, den Stress loswird. Also ich hab zunächst garnicht an sowas geglaubt aber als ich es dann mal versucht habe, war ich die Ruhe in Person. Es war der Wahnsinn wie diese Sounds mich runtergebracht haben.... einfach unglaublich. Seit dem ist mir das wort stress fremd...also wer sich selbst heilen möchte, versucht es mal....die seite heisst www. Be-relaxx. com Viel spass findet eure innere ruhe wieder!

                      Kommentar


                      • Re: Borderline und Stresslevel

                        Hi!

                        Ja, das kann sein, dass man sich nicht so extrem an einer Norm orientieren sollte. Aber an irgendetwas muss man sich ja orientieren.

                        "Man sollte sich einzig und alleine daran orientieren was man selber ändern möchte, womit man nicht klar kommt"
                        Ja, aber, was ist wenn das einzige was ich will ist, normal zu sein und ich damit nicht klar komme, wenn ich es nicht bin.
                        Ich weiß nicht, was ich sons wollen könnte.... Zumindest im Moment. Aber vielleicht sollte ich mich nicht so extrem auf die Norm von anderen konzentrieren oder von dem, was ich denke, was die Norm der anderen sein könnte.

                        Jetzt gerade im Moment will auch eher einfach ohne Therapie klarkommen, weil eben so lange Therapie zu machen, eben auch Nachteile hat.
                        Ich will halt erst mal versuchen allein klar zu kommen.

                        OFFTOPIC

                        .die seite heisst www.XXX.com
                        Also so etwas finde ich immer vollkommen asozial!!! Ich war nicht auf der Seite (wer weiß, was für Viren man sich da einfängt), aber ich bin mir 10000% ig sicher, dass man dort für irgendeinen Scheiß Geld bezahlen soll. Und dann schreibt man sowas in einen Thread, wo Menschen sind, die psychisch etwas labil sind, in der Hoffnung denen das Geld aus der Tasche ziehen zu können. Getarnte Werbung als einen Ratschlag.
                        ASOZIAL! Wie ich sowas hasse, echt. Ekelhaft!!!

                        Kommentar


                        • Re: Borderline und Stresslevel

                          Ja, aber, was ist wenn das einzige was ich will ist, normal zu sein und ich damit nicht klar komme, wenn ich es nicht bin.
                          Das Problem an der Denkweise - die ich absolut kenne, seitdem ich meine Depri hab - ist, daß es DIE Norm eben nicht gibt. Leider oder zum Glück...
                          Die Schwierigkeiten, sich selbst (wieder)zu finden, werden meiner Meinung nach heutzutage eben noch durch die modernen Medien verstärkt. Man kann ja den TV nicht mehr einschalten, keine Straße mehr entlanggehen etc., ohne mit allem möglichen bombadiert zu werden, was man zum "Normalsein" angeblich braucht. Oder zum "in" sein, zum "trendy" sein, usw.
                          Aber das sind unter'm Strich alles nur Marketingmaschen. Und da die halbe Welt darauf anspringt und niemand die Maske mal fallen läßt bzw. die Wahrheit sagt, sieht das dann eben auch noch sehr "normal" aus... :/

                          Andererseits: Wie "normal" die Welt ist, sieht man eigentlich auch immer dann, wenn mal wieder in den Nachrichten ein Fall geschildert wird, in dem ein Mann seine Frau schlägt oder eine Mutter ihr Neugeborenes in einem Kanal aussetzt... Das sind jetzt Extrembeispiele, aber auch im Kleinen spielt sich da sicher ne Menge ab, was man so von außen einfach nicht mitbekommt, weil jeder seine "normale" Maske aufgesetzt hat und "normal" funktionieren möchte.

                          Gerade heute Morgen hat mich recht überraschend einer unserer Nachbarn auf nen Kaffee eingeladen. Erkundigte sich danach, wie es mir ginge, wie sich meine Depression geäußert hätte bzw. äußern würde, usw. Ich war zunächst etwas unsicher, was das wohl geben sollte - das einzige, was ich an "Theater" in seiner Familie zuletzt mitbekommen hatte, war Streß mit der ältesten, pubertierenden Tochter. Soweit "normal"...
                          Tja, nachdem ich zehn Minuten lang geschildert hatte, wie das bei mir war und ist, kam er dann darauf zu sprechen, daß er glaubte, er wäre wohl gerade selbst dabei, ne Depression zu entwickeln: Schlaflosigkeit, Unfähigkeit und Unlust, Dinge zu machen, die er früher immer selbst gemacht hatte, innere Unruhe; usw. Alles wohl noch in einer frühen, noch unkritischen Phase, aber die (ersten) Anzeichen sind wohl da. Er wüßte eben auch noch nicht, wie er damit umgehen und was er dagegen machen könnte - das "übliche" "normale" in einer solchen Situation eben

                          Ich will mit dem Beispiel aus jüngster eigener Erfahrung einfach verdeutlichen:
                          Die "Norm" ist ein ganz großes, gesellschaftliches Theaterschauspiel, Tag für Tag.
                          Wenn Du ins Büro gehst und arbeitest, mit Deinen Kollegen sprichst und rumflachst, in die Kantine gehst und an "klugen" Besprechungen teilnimmst - dann bist Du "normal" - zumindest nach außen hin für jeden.
                          Aber morgens nach dem Aufstehen oder abends Zuhause - da sollst Du es nicht sein? Warum nicht...?
                          Wie gesagt - wir haben beide keine schweren, 100%ig todbringenden Krankheiten.

                          Umgekehrt gibt es auf Studien basierende Prognosen, wonach Depressionen und Angststörungen in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren zur Volkskrankheit Nr.1 werden könnten - wenn sich an den gesellschaftlichen "Normen" (und auch Streß ist ja heutzutage "normal"!) nichts ändert! Dann wären Depressionen "normal"; schon jetzt sind sie innerhalb psychischer Erkrankungen von der Häufigkeit her quasi mit Erkältungen vergleichbar.

                          Da fällt es mir langsam schwer, "normal" zu definieren...
                          Ich glaube, am einfachsten und die Zufriedenheit und Genesung am besten steigernde Denkweise ist daher, sich selbst als "normal" zu betrachten. Ich meine: Ich will ja niemanden verletzten, umbringen, Autos klauen, Kinder mißhandeln oder solche Dinge. Ich will "normal" leben - aber eben nach meiner eigenen Vorstellung. Und die kann in mehr oder weniger großen und kleinen Punkten auch mal deutlich von der gesellschaftlichen "Norm" abweichen

                          Oder betrachte mal Aussteiger: Die brechen teils recht massiv mit gesellschaftlichen Normen. Sind sie deswegen "unnormal"?

                          Ich weiß nicht, was ich sons wollen könnte.... Zumindest im Moment. Aber vielleicht sollte ich mich nicht so extrem auf die Norm von anderen konzentrieren oder von dem, was ich denke, was die Norm der anderen sein könnte.
                          Eben!
                          Ich arbeite - seit Wochen und Monaten, und sicher ist das auch noch eine ganze Zeit lang nicht abgeschlossen - genau daran, meine eigene Norm zu entwickeln und diese für mich in aller Ruhe und Zufriedenheit zu akzeptieren. (Womit aber selbstverständlich eben nicht die oben aufgezählten Extreme u.ä. gemeint sind, klar.)
                          Das ist nicht immer einfach, vor allem der Anfang nicht, wenn man noch etwas lustlos und gehemmt ist und vor lauter Legosteinen das Endprodukt noch nicht sieht und auch keine Bauanleitung dahin in Händen hat... kann ich verstehen, ging und geht mir phasenweise immer noch so.


                          Versuche wirklich, Deine eigene "Norm" aufzubauen, zu entwickeln und zu leben

                          Jetzt gerade im Moment will auch eher einfach ohne Therapie klarkommen, weil eben so lange Therapie zu machen, eben auch Nachteile hat.
                          Ich will halt erst mal versuchen allein klar zu kommen.
                          Probier's aus
                          Aber sei ehrlich zu Dir selbst und zieh die Reißleine, wenn Du wieder Therapie brauchen solltest. Falscher Stolz bringt Dich / uns nicht weiter
                          Manchmal braucht es eben doch auch Außenstehende, um einen wieder auf Kurs zu bringen.
                          Oder eben Medikamente - ich betrachte mein Fluoxetin bspw. als im Augenblick erforderliches Fundament, um halbwegs "normal" sein zu können. Ist eben so - vielleicht nicht ideal-perfekt, aber absolut in Ordnung und "normal"

                          Wünsche Dir was, lebe Dein Leben - und das meine ich jetzt nicht im esoterischen Sinne, sondern ganz praktisch. Und ja, der Anfang kann holprig sein, leider :/ Aber es wird besser mit der Zeit, versprochen. Und irgendwann macht es dann auch mehr und mehr Spaß

                          Kommentar


                          • Re: Borderline und Stresslevel

                            Gerade habe ich einen getroffen, der hat eine schizoide Psychose, ein ziemlich hartes los und bei dem war nie was normal und gut ging es ihm auch sehr viele Jahre nicht.
                            Jetzt läufts, er meinte das Glück glebt an ihm, Job, Ziele, sogar eine Freundin hat er gefunden und ist super glücklich.

                            Ich glaube das was bei ihm den Durchbruch brachte, war das er nun seine Erkrankung voll akzeptiert, alles was an ihm nicht "normal" ist, ist für ihn interessant und spannend.
                            Er hat Spaß an seinem Leben, macht so eine Art Karriere und baut alles um seine Erkrankung herum auf, ohne sich daran zu stören das er anders ist und die Anderen tun das auch nicht mehr.

                            Veränderung beginnt im "eigenen" Kopf, nicht normal zu sein ist nur schlimm weil du so denkst, es kann aber auch eine Chance sein einiges über sich zu lernen und mehr aus seinem Leben herauszuziehen, als es die meisten anderen Menschen jemals tun.

                            Habt ihr auch so Probleme einen Text zu schreiben? Also hier im Forum, nicht allgemein.;-)

                            Kommentar


                            • Re: Borderline und Stresslevel

                              "Da fällt es mir langsam schwer, "normal" zu definieren..."

                              Da sind Sie nicht allein, Alex.

                              Es gibt keine befriedigende wissenschaftliche Definition für "normal". Man arbeitet meistens mit dem statistischen Mittelwert.

                              Die Frage ist aber, ob man überhaupt danach streben sollte, "normal" zu sein. Menschen sind immer dann interessant, wenn sie aus der großen grauen Masse heraus ragen.
                              Natürlich brauchen wir ein paar steuernde Verhaltensregeln, um ein generelles Chaos zu vermeiden, aber Individualität ist trotzdem die Würze des Zusammenseins.

                              Übrigens Psychiater vermeiden gern das Wort "normal". Doch wenn Ihnen unterstellt wird, dass sie selbst auch ein bisschen "verrückt" wären, dann entgegnen sie: Nein, wir betonen nur unsere Normalität besonders.

                              Kommentar