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Sind Depressionen/Angstzustände heilbar?

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  • Sind Depressionen/Angstzustände heilbar?

    Sehr geehrtes Expertenteam,

    hier eine kurze Info vorab:

    Nachdem ich (29 J.) wegen diverser Beschwerden (Antriebslosigkeit, Schwindel, Magenbeschwerden, Unruhezustände etc.) einen wahrhaftigen Ärztemarathon hinter mir hatte, wurde Anfang 2009 die Diagnose Depression/Angststörung bei mir gestellt. Zeitnah begann ich eine tiefenfundierte Kurzzeittherapie. Recht bald zeigte sich in Kombination (Therapie + Medikation Citalopram 20) auch eine Besserung. Stück für Stück erarbeitete ich mir mein "altes" Leben wieder...(auch wenn es alles immer noch nicht so war wie früher).

    Mein Problem ist nun, dass ich seit ca 3 Wochen das Gefühl habe, Tag für Tag mehr abzubauen (verspüre alle Symptome wie damals). Habe z.ZT. auch einen Krankenschein, um erst einmal meinem Hauptstressfaktor (Arbeit) aus dem Weg zu gehen. Versuche mir Ruhe anzutun. Jedoch habe ich Angst, dass alles wieder von vorne anfängt. Und ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass ich die Kraft habe, wieder dagegen anzukämpfen.

    Nun meine Frage: Kann man oben genannte Diagnosen/Beschwerden vollständig heilen? Oder bleibt man immer für Stressoren empfänglich?

    Vielen Dank für Ihre Antwort.

    MfG


  • Re: Sind Depressionen/Angstzustände heilbar?


    "Kann man oben genannte Diagnosen/Beschwerden vollständig heilen? Oder bleibt man immer für Stressoren empfänglich?"

    Das sind genau genommen zwei Fragen, wenngleich zwischen ihnen eine Beziehung besteht.

    Zur ersten: Ja, wenn man unter Heilen das völlige Verschwinden von Krankheitssymptomen versteht.

    Zur zweiten: Ja, wenn der auslösende Stress die individuelle Kompensationsfähigkeit dauerhaft übersteigt.

    Zur Prognose: An der Kompensationsfähigkeit kann man arbeiten. Es gibt verhaltenstherapeutische Konzepte, die genau dieses Ziel haben.
    Noch einfacher sind natürlich soziale Maßnahmen, die den Stress minimieren.
    Am besten Beides.

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    • Re: Sind Depressionen/Angstzustände heilbar?


      "Therapie + Medikation Citalopram 20"

      Endlich mal eine Kombination, die gerade bei Angststörungen mit depressiver Symptomatik viel besser wirkt, als nur ein Verfahren allein!

      Kommentar


      • Re: Sind Depressionen/Angstzustände heilbar?


        Leider klingts fast schon ein wenig unglaubwürdig, wenn ich sage, dass ich Mobbing kenne bis zum letzten Schritt ( wollte nur mehr sterben)- dass ich Panikattacken kenne die mich veranlasst haben mich einweisen zu lassen in die Nervenklinik, dass ich Depressionen hatte die es mir unmöglich gemacht haben auch nur einen Finger zu bewegen.

        Heute kann ich verstehen warum, wieso, weshalb.

        Ausserdem würde mir so was heute nicht mehr passieren.

        Ich erzähle dir gerne wie mir Schritt für Schritt geholfen worden ist.

        Kommentar



        • Re: Sind Depressionen/Angstzustände heilbar?


          Hallo,

          habe seit Jahren ähnliche Probleme - siehe mein Beitrag "Hypochondrie". Ich hatte in meiner Kindheit auch ständig mit einer stark depressiven Mutter zu tun, weiß also wovon Du sprichst. Was mich beim Lesen Deines Beitrages vor allem bewegte, war Dein Alter!!! Ich weiß nicht, ob ich recht habe, aber mir scheint, dass ein Hauptproblem in Deinem Job besteht!! Das solltest Du genau überlegen. Ich kenne aus meiner ferneren Vergangenheit auch die Situation, dass man nach einigen Tagen Krankheit oder Urlaub wieder zur Arbeit muss, und plötzlich richtig gehende Angst, schlaflose Nächte bis hin zu körperlichen Beschwerden, wie Durchfall usw. hat. Falls das in Deinem Fall zutrifft, unbedingt überlegen, ob Du an Deinem Job etwas ändern kannst oder schlimmstenfalls die Arbeit wechseln kannst, besonders falls, wie hier im Forum bereits erwähnt, Dinge wie Mobbing eine Rolle spielen sollten.
          Persönlich habe ich auch sehr gute Erfahrungen mit Sport im Verein gemacht. Körperliche Aktivität erzeugt sogenannte Endorphine (Glückhormone) auf natürliche Weise, besonders im lockeren Gespräch mit anderen und wirken antidepressiv und angstlindernd.
          Du musst Dir vielleicht auch Depressionen/Angstzustände wie ein zweites (böses) Ich vorstellen, dass in Dir wütet und Dich vom Leben abhalten will. Zeig ihm dass Du die Chefin bist und das Du bestimmst wo es lang geht!!!

          Bonne Chance !!!

          Kommentar


          • Re: Sind Depressionen/Angstzustände heilbar?


            Vielen Dank für Deinen lieben Beitrag. Werde das alles beobachten...und im schlimmsten Fall muss ich mich beruflich anderweitig orientieren...

            LG, Sandra

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            • Re: Sind Depressionen/Angstzustände heilbar?


              Hallo Elektraa,

              vielen Dank für Deinen Beitrag.

              Ich würde gerne über Deine Erfahrungen lesen.

              Vor allem interessiert mich, ob sich die ambulanten Therapieansätze von den stationären unterscheiden.

              Ich denke, dass bei diesem Krankheitsbild jeder Tipp hilfreich sein kann.

              LG, Sandra

              Kommentar



              • Re: Sind Depressionen/Angstzustände heilbar?


                Liebe Sandra,

                Ich habe nur ein paar Wochen Tabletten genommen, im akutem Fall habe ich Spritzen erhalten- es war ein enormer Stress da, bodenlose Angst, wirklich absoluter Schrecken und echtes Lebensbedrohendes Ängstigen damals bei mir.
                Wenn ich nach dem Rat eines Arztes gegangen wäre, dann würde ich heute noch Tabletten schlucken, würde mich elend fühlen und echt krank.

                Hab stattdessen zufällig Bücher in die Hand gekriegt die mir eine Erklärung meines Zustandes geliefert haben und zugleich damit eine Beruhigung.
                Ich habe mich dem ganzen gestellt auf eine ganz andere Weise.
                Hab die Umstände meines Lebens grundlegend geändert. Alle Faktoren ausgeräumt die mich immer wieder wütend gemacht haben und hilflos fühlen lassen haben.

                Richtig überzeugt bin ich auf alle Fälle von der Tatsache, dass viele Depressionen und Zustände der Angst mit dem Druck von aussen zusammenhängen den die Umwelt auf einen ausübt.
                Durch die Erziehung werden wir regelrecht gezwungen anders zu sein, zu machen, zu handeln als unsere Grundnatur gestaltet ist.
                Dieser beständige Streit in uns, dieser Widerspruch macht regelrecht verrückt vor Wut.
                Naja, Wut haben ist verboten, streng untersagt, da richten sie wir halt gegen uns selbst..

                Zum besseren Verständnis- wenn wir lieber links gehen würden, aber der Partner, die Norm, der Regelfall rechts geht, dann fügen wir uns lieber als uns gegen diese Übermacht zu stellen.
                In unserer Angst mißverstanden zu werden, nicht mehr angenommen zu sein, ausgegrenzt zu werden fügen wir uns lieber.
                Rote Wolke ist ein typisches Fallbeispiel.
                Ingeheim wird er von der Schüssel ferngehalten- seine Frau verweigert Liebe, Sex und Zärtlichkeit.
                Er reagiert mit Krankheit- aggressivem Verhalten- halt gegen sich, nicht gegen die Übermacht dieser Partnerin.
                Die Übermacht, die Macht über sein Wohl hat aber er ihr eingeräumt.
                Zug um Zug so erzogen worden schon von daheim weg, ja nicht aufmucken, sonst gibts was..
                Bei mir war es ungefähr gleich.
                Die Eigenständigkeit ist unterbunden worden wo es nur ging.
                Das Nein sagen, das Gegenhalten absolut bestraft.

                So entwickelt man halt heimliche Strategien um sich wenigstens nicht immer ausliefern zu müssen- man stellt sich "tot".
                Kannst nichts mehr anfangen mit mir, ich bin nicht in der Lage, bin krank, bin schwach.
                So geht man lieber ein, bevor man den Mut aufbringt sich von dieser Mühle auszukoppeln ganz und gar und sein eigenes Leben so einzurichten wie es wirklich gut tut oder täte.
                Diese Arbeit kündigen, eine ganz andere annehmen, eventuell noch einmal von vorne anfangen, Kurse besuchen eruieren: wozu bin ich geformt, in der Lage, was macht mir echt Vergnügen, was gefällt MIR- nicht dir.
                Ich habe mich scheiden lassen- ein Mann der sagt er liebt mich und zugleich lässt er mich im Zustand der völligen Wehmut, unterbindet jede Freude- das ist nicht glaubwürdig.

                Ich habe mir meine Freiheit genommen- zugleich war ich auch frei von diesem Druck diesen Leuten genügen zu müssen, die mir keine Chance gelassen haben meine Eigenheiten auszuleben.
                Wer schneller gehen muss, weil alle so schnell gehen- aber ein langsamer Typ ist, der ist bereits in der Vorstufe der Angst.

                Wer um fünf aufstehen muss, owohl er von Natur aus ein Langschläfer ist, der ist mit den Jahren einfach groggy- ohne zu wissen warum. Insgeheim macht er schlapp wo es nur geht- ein Kreislauf. Er wird gezwungen - entweder Existenznot oder dauernde Überwindung.

                Dabei ist für mich jetzt ganz klar- die echte Existenz ist deine Natur, die natürliche Form wie du bist.
                Je mehr du dich von dieser entfernst, umso größer ist das Gefühl der Panik.

                Hilfe- ICH bin nicht mehr- was anderes tritt an meine Stelle.
                Bin in der Irre- ganz wo anders gelandet als es zu mir passt.
                Weil ich Angst gehabt habe ohne Geld zu sein, habe ich eine Arbeit angenommen die absolut nicht meinem Können, meinem Tempo, meiner Begabung entspricht...
                Weil ich Angst gehabt habe, dass ich nicht geliebt werde habe ich diesen Mann nicht gesagt, dass ich eigentlich nicht so will, wie er es will- hab mich gefügt...

                Für mich gilt das nicht mehr- dieses: für die paar Brosamen die du mir gibst kann ich jetzt nicht mehr lange schlafen, darf ich jetzt nicht mehr faul sein, ist mir unmöglich gemacht einfach nur hinzufahren wo hin ich mag- weil du dann böse bist und mich nicht mehr magst...

                Verstehst du?

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                • Re: Sind Depressionen/Angstzustände heilbar?


                  Es ist ein peinharter Poker...sich durchzusetzen.
                  Ich trage zum Beispiel jetzt langes Haar- bin aber schon jenseits der Fünfzig.
                  Die Norm ist: anders..
                  In mir drin ist ein Kampf derzeit- ich habe offensichtlich auch IN MIR wen, der abwägt: was ist richtig- was alle machen ist richtig...so geht dieser Zensor in mir vor.
                  Ich kenne mich nicht aus mit Psychologie und dergleichen, hab meine eigenen Theorien mittlerweile.
                  Immer wieder meine ich- da herrscht in meinem Kopf so was wie ein Google- Suchsystem.
                  Denke ich mir aus wie ich meine Haare haben möchte letztendlich, dann ist sofort die Suche gestartet: wie haben es die andern?
                  Was ist normal?
                  Schon wird zu Schere gegriffen...

                  Was hast du dir zu wünschen...?
                  Gooogle sucht: ah ja, Geld, Lotto, Haus, Auto, Reisen, Partner und Kind...

                  Das individuelle Einzelwesen "ICH" geht unter unter dem gegenüberstehendem "DU".
                  Es wird regelrecht geschluckt, wenn du nicht aufpasst und schnell rettest was DEIN ist- nur du hast, oder nur du magst- sonst kaum einer bis keiner.
                  Für die andern ist das sicherlich ein dauernder Störfaktor- anders als sie sind.
                  Jetzt will man ja nicht immer stören, nicht immer auffallen in seiner eigenen Farbe und Art und deshalb nimmt man halt die Farbe aller an.
                  Grau...
                  Kaum bist du bunt, so wie du eigentlich geboren bist kommt die graue Macht und macht dich auch grau, oder pikst dich solange, bis du der Norm entsprichst oder stirbst.
                  Die Logik der Masse zerstört unbewußt alles was nicht ins Schema passt.
                  Leider.
                  Du kennst sicher diese Intelligenztests- was passt nicht in die Reihenfolge, was ist anders?
                  Ein "intelligentes" Wesen streicht und streicht und streicht- statt zu streicheln was endlich einmal anders ist.

                  Vielleicht beneiden wir berühmte Schauspieler, Künstler und dergleichen deshalb, weil sie den Mut gehabt haben sich vorzustellen: so bin ich. ICH.

                  Jeder Schauspieler kennt aber das Lampenfieber.

                  Ich habe auch immer Lampenfieber wenn ich in einer Runde sitze und mich gegen die normale Meinung stelle und meine eigene vetreten mag.

                  Du hast Angst und Panik- ich glaube auch das das wie Lampenfieber ist- willst was- wagst es aber nicht.

                  Dir fehlt der Mut.

                  Ist nicht der Mut das Gegenteil von Angst???

                  Kommentar


                  • Re: Sind Depressionen/Angstzustände heilbar?


                    Ich schreib weiter...

                    Liebe Gesellschaft, du warst eine Zeit lang meine Mutter, meine Ernährerin, meine Existenz...
                    In deinem Bauch bin ich bis zu einem gewissen Reifegrad herangewachsen- bis ich groß genug war um mir selber eine eigene Existenz zu verschaffen.

                    Ich hab gespürt so gehts nicht mehr weiter.
                    Dann habe ich die Panik gekriegt, die gleiche die ein Baby hat wenn es im Geburtskanal steckt, hab mich abgelöst von früheren Bindungen, hab gespürt so gehts nicht mehr und hab wahrgenommen- entweder oder...

                    ..Tabletten nehmen und so weiterleben oder allem den Rücken kehren und ganz anders machen.

                    Also ich habe den Absprung überlebt.
                    Und die ganze Fürchterei da drin in mir verstehe ich sehr wohl die damals war.

                    Heute bin ich irrsinnig froh, auch sehr glücklich, keine Spur von krank. OBWOHL...frage ich die andern, dann sagen alle: liebe R. du bist völlig meschugge, echt krank.
                    :-)) ich kann sie aushalten diese Diagnose.
                    Diese Panikmache: wehe du tust nicht was man dir anrädt, was anständig ist und richtig und ebenso normal, wehe, dann ...diese Drohungen habe ich hinter mich bringen können.

                    Wenn ich das geschafft habe dann du sicher auch.

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                    • Re: Sind Depressionen/Angstzustände heilbar?


                      Darf man eigentlich viele Beiträge hintereinander schreiben oder muss man immer warten bis dazwischen wer anderer schreibt... :-))

                      Sandra- hab den Mut und sei so lange krank wie du nur kannst.
                      Nicht aufgeben dich wieder zu finden wie du am glücklichsten bist.
                      Dazu brauchst du einmal extra viel Schlaf. Den gönne dir.
                      Im Schlaf wird sortiert und geordnet und geputzt und gebügelt von Seiten des Unterbwußtseins her.
                      Die Aufregung kannst du ohne Weiteres dämpfen mit guten Medikamenten bis du wieder ein wenig weniger Unruhe spürst.
                      Wenn man Kopfweh hat, dann ist es unsinnig keine Medizin zu nehmen, aber ich denke die Ursache des Schmerzes MUSS herausgefunden werden, was sonst??
                      Das Symptom bekämpfen wäre denke ich nicht lange nützlich.

                      Die Therapie ist sicherlich bestens geeignet die Ursache deines Unwohlseins herauszusuchen.
                      Vielleicht lernst du dich da einfach erst einmal gut zu verstehen und auch ein wenig zu trösten und bestimmt auch dir ein bißchen Abstand zu schaffen von allem, was dir derzeit zu schaffen macht. Das kann vielleicht das Fehlen eines Hormons sein, oder der Mangel an bestimmten Glücksstoffen, oder einfach der Appetit auf ganz was Besonderes.

                      Apropos-
                      Jetzt koche ich mir was Feines- habs mir verdient und ausserdem quält mich schon lang der Magen mit seinem lauten Knurren.
                      Das Knurren ist ein Symptom, die leise Stimme meines inneren Kindes: Hilfe!, Hunger, koch mir was!....
                      Lang, lang lebe die Fähigkeit mein inneres Kind leben zu lassen und ihm das zu geben was es echt braucht und will.
                      Würde es zufrieden sein, wenn ich mit Beruhigigungs-Tabletten seinen Hunger stillen würde?
                      Oder ein Gespräch mit ihm machen würde?

                      Tschüß
                      bis dann

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                      • Re: Sind Depressionen/Angstzustände heilbar?


                        Das, was Du schreibst stimmt total!!!

                        Im Rahmen meiner ambulanten Therapie habe ich schon ein wenig gelernt, auf mich zu schauen.

                        Doch muss ich gestehen, dass mir der gesellschaftliche Druck schon zu schaffen macht. Eigenartigerweise lege ich - obwohl ich schon charakterstark bin - immer noch Wert auf die Meinungen oder eher das Ansehen meiner Umgebung. Habe mich auch schon oft gefragt, warum das so ist. Vielleicht bin ich doch nicht so stark wie ich gerne wäre. :-(((

                        Aber vielleicht ist das auch eine Entwicklung, die ich erfahren muss...

                        Kommentar


                        • Re: Sind Depressionen/Angstzustände heilbar?


                          "Darf man eigentlich viele Beiträge hintereinander schreiben.."

                          Man darf - und von Ihnen wird es inzwischen fast erwartet.

                          Kommentar


                          • Re: Sind Depressionen/Angstzustände heilbar?

                            Hallo Sandra,

                            Jedoch habe ich Angst, dass alles wieder von vorne anfängt. Und ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass ich die Kraft habe, wieder dagegen anzukämpfen.
                            Ich kann Deine Befürchtungen nachvollziehen – auch ich hab seit nem Jahr ne Depression, die im Frühjahr schon gut abgeklungen war, und dann kam im Sommer ein Rückfall, mit dem ich immer noch zu schaffen habe.
                            Es geht mir zwischenzeitlich wieder ziemlich gut, aber ich hab meine schwermütigeren und ängstlicheren Momente und Stunden, so wie bspw. heute Vormittag auch wieder ein bißchen. Entsprechend schwingt da auch latent immer mal wieder die Angst mit, es könnte wieder schlimmer und richtig akut werden.

                            Meine Erfahrung und Meinung dabei ist mittlerweile, daß das vor allem auch dadurch passieren kann, daß und wenn ich es zulasse. Solange ich am Ball bleibe, da aktiv gegenzuarbeiten und positiv gegen zu denken, solange bekomme ich es ganz gut in Schach gehalten, bis die Angst und Depri irgendwann erstmal wieder den Rückzug antreten.

                            Trotzdem bleibt auch bei mir immer noch die Sorge, es noch nicht überstanden zu haben und irgendwann wieder – früher als mir lieb wäre – in eine akute Phase abzurutschen.

                            Deswegen nehme ich auch mein SSRI weiter, Fluoxetin, 30 mg / täglich. Weil ich zwischenzeitlich davon überzeugt bin, daß das ein wesentliches Fundament für mich ist, auf einem guten Level zu bleiben und ich ohne wahrscheinlich abrutschen würde – so, wie im Frühsommer…

                            Ergo:
                            Nun meine Frage: Kann man oben genannte Diagnosen/Beschwerden vollständig heilen? Oder bleibt man immer für Stressoren empfänglich?
                            Ja, es ist leider so, daß es Menschen gibt, die für Depressionen und Angststörungen empfänglicher sind als andere und das auch bleiben.
                            Aber es ist grundsätzlich genauso gut möglich, daß man sie auch ein für allemal überwindet und danach praktisch keine besonderen Beschwerden und Symptome mehr zurückbleiben.

                            Sicher ist die Heilungschance größer, wenn man die grundlegenden Ursachen und Defizite in seinem Leben identifiziert und eliminiert bekommt.

                            Das ist aber meiner Meinung nach nicht ganz einfach:

                            Ich stimme der Ansicht von Elektraa zu einem großen Teil zu:
                            Richtig überzeugt bin ich auf alle Fälle von der Tatsache, dass viele Depressionen und Zustände der Angst mit dem Druck von aussen zusammenhängen den die Umwelt auf einen ausübt.
                            Durch die Erziehung werden wir regelrecht gezwungen anders zu sein, zu machen, zu handeln als unsere Grundnatur gestaltet ist.
                            Dieser beständige Streit in uns, dieser Widerspruch macht regelrecht verrückt vor Wut.
                            Ich glaube aber, daß es nicht immer ganz einfach ist,
                            1. seine Grundnatur zu erkennen;
                            2. sie anzuerkennen und anzunehmen;
                            3. und sie dann auch noch ausleben und umsetzen zu können.

                            Das hängt meiner Meinung nach auch damit zusammen, daß das menschliche Denken zu einem sehr großen Teil unbewußt abläuft. Und vielem, vielen Gedanken, die einer Depression oder Angststörung zugrundeliegen, liegen unterbewußte, automatisiert ablaufende Denkweisen und Einstellungen zugrunde, die wir in unserem hektischen Alltag i.d.R. nicht einmal wahrnehmen, geschweige denn in Frage stellen. Sie sind mit der Zeit einfach Teil unserer Selbst geworden, wie Haut, Knochen, Muskeln usw.

                            Soll heißen:
                            Alternativ (oder ergänzend) zu Elektraas Weg, aus möglichst vielem, was einen stört den Ausstieg zu machen, kann man sich auch überlegen, wo die eigenen Denkweisen und Einstellungen vielleicht etwas überzogen und unverhältnismäßig sind.
                            Mobbing ist sicher so ein Extrem, wo man um einen Ausstieg = Kündigung und anderen Job suchen, nicht umhin kommt.
                            Täglicher Frust mit einzelnen Kollegen oder Vorgesetzten ist vielleicht eher etwas, wo man sich einmal überlegen sollte, ob man sich da selbst nicht einfach zu viel zu Herzen nimmt.

                            Mir ging es lange Zeit ähnlich wie Dir: Ich habe einen überwiegenden Teil meines Problems im Job gesehen, mangelnde Anerkennung, tägliche Routine, Kindergarten unter Erwachsenen, usw.
                            Deswegen habe ich auch sehr lange immer wieder darüber nachgedacht, den Job zu wechseln. Aber niemand garantiert mir, daß es in einem anderen Job auf Dauer besser würde. Weil eben viel auch mit meiner eigenen Einstellung zu Kritik, täglicher Routine, usw. abhängig ist. Weiterhin erscheint mir ein Wechsel gerade jetzt in meiner etwas stimmungsanfälligen Phase auch nicht gerade als das Optimum, weil man sich auf einer neuen Stelle in einer neuen Firma ja auch erstmal beweisen muß – das ist auch nicht ganz streßfrei. Und währen der Probezeit mit einem Depri-Rezidiv krankzufeiern – ich glaub, das ist kontraproduktiv
                            Daher bemühe ich mich aktuell noch mehr und mehr darum, die Dinge in eine richtige Relation zu setzen und nicht alles so persönlich zu nehmen. Für den Augenblick klappt das ganz gut.
                            Ob dann irgendwann zu einem späteren Zeitpunkt ein Jobwechsel kommt… mal sehen.

                            Klar ist ein solcher Einstellungswandel nicht über Nacht zu erreichen und erst recht nicht, wenn man akute Beschwerden hat – das weiß ich nur zu gut… ich arbeite da immer noch dran, und das wird sicher noch ne ganze Weile so weitergehen. Es ist ein Weg.
                            Aber eben hier haben mir das richtige Medikament und die Psychotherapie das erforderliche Fundament gesetzt.

                            (Bei echtem Mobbing brauchen wir aber wie gesagt nicht lange zu diskutieren – da hilft wahrscheinlich wirklich nur ein Jobwechsel.)


                            Weiterhin will ich hier mal eine Metapher von Tired aufgreifen, die sie mir im Sommer einmal geschrieben hatte:
                            Unsere Gehirnbahnen gleichen der Infrastruktur unseres Straßennetzes und ich finde das ist auch ein gutes Beispiel um zu verstehen was ein Umdenken bewirkt und weshalb es so lange dauert. Deine üblichen Verhaltensweisen hast du wahrscheinlich schon fast dein ganzes Leben, sie sind in deinen Gehirnwindungen verankert und gleichen einer gut ausgebauten Autobahn, die du stetig genutzt hast. Willst du nun diese Autobahn stilllegen und eine neue Bauen, so beginnt der Bau der neuen erst mal mit einem ganz kleinen Trampelpfad und diesen zu nutzen ist sehr beschwerlich, denn dort wächst viel Gesträuch und das muss bei jedem Nutzen mühsam entfernt werden. Er wächst auch sehr schnell wieder zu, einmal nicht benutzt und schon macht sich wieder Unkraut breit, eine furchtbar nervtötende Sache ist es diesen Weg flott zu bekommen. […]
                            Je öfter es dir gelingt den Trampelpfad zu benutzen, desto schneller wird er zur Straße, dann zur Bundesstraße, irgendwann ist eine kleine Autobahn draus geworden und sie wächst und gedeiht, da du sie immer weiter ausbaust.
                            Die alte Autobahn ist dadurch aber nicht verschwunden, sie ist ein wenig überwuchert […]
                            Je hartnäckiger du dabei bist, desto leichter fällt es dir das Neue zu nutzen, aber die alte Autobahn wird niemals ganz verschwinden. Sie lauert zugewachsen und fast vergessen im Hintergrund und egal wie viel Zeit vergangen ist, verfährst du dich nur einmal wacht sie aus ihrem Dornröschenschlaf auf und verlangt danach befahren zu werden. […]
                            Ich finde das Bild sehr treffend. Es erfordert eben leider sehr gute „Baumaßnahmen“ in Bezug auf die neue Autobahn und eine hervorragende „Renaturierung“ bzgl. der alten. Trotzdem wirst Du unter der neu gewachsenen Flora hier und da immer wieder Asphaltreste der alten Strecke finden. Und jedesmal, wenn Du über einen solchen Stein stolperst, kommt eben eine Zeitlang noch die alte Angst wieder hoch… Bei dem einen sind das nur Wochen, beim nächsten Jahre, bei wieder anderen Jahrzehnte oder es endet quasi nie.

                            Trotzdem ist der beharrliche Ausbau der neuen Strecke und das bewußte Beseiteschieben der alten der einzige Weg, da mit der Zeit immer besser rauszukommen.


                            In diesem Sinne: Deine Sorgen sind für einen ehemals Depressiven bzw. Angstgestörten absolut normal, das dürfte garantiert den allermeisten so gehen. Aber mach Dich deswegen auch nicht verrückt! Da muß absolut nichts passieren.


                            Abschließend zwei praktische Tipps:
                            1. Beginne ein Stimmungstagebuch, in dem Du jeden Tag Deine Stimmung mit einer Zahl bspw. zwischen -10 (totale Depri, Angst, absolute Handlungsunfähigkeit, extremste Todes-/Suizidsehnsucht u.ä.) und +10 (absolute Motivation, Euphorie, totales Glück, Freude, Zufriedenheit) bewertest. Vorzugsweise der Tag noch wenigstens unterteilt nach „Vormittag, Nachmittag, Abend“. Auf diese Weise erhältst Du im Laufe der Zeit einen „objektiven“ Blick für die Entwicklung Deiner Stimmung und kannst besser beurteilen, ob Deine Angst, ein Rezidiv zu erfahren, berechtigt ist, oder nicht.
                            2. Je nach Ergebnis – und natürlich auch unabhängig davon – kannst Du Dir jetzt, frühzeitig, einen Psychiater mit heilpraktischer Weiterbildung suchen, der Dich eventuell mit einem homöopathischen Mittel sanft unterstützen kann. Es ist vielleicht besser, jetzt schon, wo Du solche Befürchtungen hast, die Lage mit etwas nebenwirkungsfreiem und -ärmerem zu stabilisieren, als aus falschem Stolz und „ich-schaff-das-auch-allein“-Ehrgeiz heraus in ein paar Monaten vielleicht doch wieder heftiger drinzuhängen. Aber das mußt Du selbst beurteilen, und da solltest Du Dich auf jeden Fall von einem Fachmann beraten lassen. (Und zwar nicht von einem „normalen“ Psychiater ohne Heilpraktiker-Zusatz, weil der kennt über seine Schulmedizin nur „echte“ Medikamente „ja/nein“.)
                              Und bloß keine Selbstversuche wie von cervina vorgeschlagen!! Maximal handelsübliche Beruhigungstees und/oder Baldriparan oder so was aus der Apotheke Deines Vertrauens!


                            So, hoffe, Du kannst hiermit was anfangen.
                            In jedem Fall halt die Ohren steif, gönn Dir Ruhe und laß den Kopf nicht hängen. Du bist da einmal rausgekommen, Du würdest es auch ein zweites Mal schaffen. Und wahrscheinlich passiert noch nicht mal was

                            LG,
                            Alex

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