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Schmerzen, aber keine auffälligen Befunde

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  • Schmerzen, aber keine auffälligen Befunde

    Hallo an alle, ich hoffe ich kann hier eine Fachmeinung einholen...
    Seit Ende September habe ich Probleme mit Gelenksschmerzen. Da ich einer landwirtschaftlichen Tätigkeit nachgehe, führte ich dies auf eine Überlastung zurück und habe mit Diclofenac Creme behandelt, ohne nennenswerte Besserung. Anfang November waren immer mehr Gelenke betroffen (zuerst nur Handgelenke, dann Ellbogen, Sprunggelenke, Knie...). Die Gelenke Schmerzen und werden ganz warm. Vor allem nach Belastungen, aber auch in Ruhephasen. Im November ließ ich mich im Krankenhaus untersuchen, Blutproben ergaben einen leicht erhöhten Crp und Aslo Wert (hatte im Juli eine schwere Streptokokkenangina).
    Das Krankenhaus überwies mich weiter an die Uniklinik.
    Dort wurde wieder ein Blutbild gemacht, sowie Röntgen und MRT. Alles unauffällig.
    Meine Schmerzen nehmen hingegen immer mehr zu, es tut alles weh, teilweise fühlt es sich so an wie Muskelkater am ganzen Körper.
    Ich bin sehr druckempfindlich und bekomme sehr schnell blaue Flecken. Die Ärzte meinten auch, sie ziehen ein psychsosomatisches Leiden in Betracht, da entsprechende Vorgeschichte. Schmerzmittel wie zB. Ibuprofen und Parkemed helfen nicht.
    Meine Mutter hatte in ihrer Jugend starkes infektreaktives Rheuma. Ich bin auch erst 16 Jahre alt.
    Ich warte noch auf eine Antwort der Uniklinik zum weiteren Verlauf.

    Können Sie sagen, welche Möglichkeiten angesichts dieser Beschreibung gegeben wären? Ich drehe schon durch, da alle Untersuchungen (Röntgen, Blut, MRT) nichts auffälliges feststellen konnten und mich langsam niemand mehr ernst nimmt... Ich finde kein Verständnis von meiner Familie...

    Mfg

  • Re: Schmerzen, aber keine auffälligen Befunde

    Hallo Sorgenfalte!

    Typisches Zeichen für entzündliches Rheuma ist der Ruheschmerz, der sich pochend und heiß anfühlt - besonders extrem in der Nacht.. Bei mir schwellen die betroffenen Gelenke nach ca. 8-10 Stunden auch unförmig an. Hinzu kommt sehr oft eine ausgeprägte Morgensteifigkeit, die mehrere Stunden anhalten kann. Im Blutbild ist im Akutstadium der crP-Wert meist deutlich erhöht. Bei der bekanntesten rheumatischen Erkrankung, der rheumatoiden Arthritis (RA) ist oft auch der Rheuma-Faktor erhöht. Im Schub einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung hilft eine ordentliche Cortison-Dosis eigentlich immer und auch herrlich durchgreifend. Bei den sog. seronegativen Gelenkentzündungen ist der Cortison-Test deshalb wichtig für die Diagnose. Bei nicht entzündlichen Gelenkbeschwerden wirkt Cortison nicht.

    Ich selbst habe bald 30 Jahren eine Psoriasis-Polyarthritis (PsA). Diese ist seronegativ. Es dauerte geschlagene 10 Jahre, bis ich endlich eine Diagnose und eine Therapie hatte.

    Wenn Du in einer Uniklinik warst, bist Du da in der Rheumatologie gewesen? Falls nein, solltest Du das unbedingt nachholen.

    Alles Gute für Dich und liebe Grüße
    Monsti

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    • Re: Schmerzen, aber keine auffälligen Befunde

      Nachtrag: Warst Du zur Abklärung Deiner Beschwerden in einer Rheumaambulanz? Das wäre nämlich wichtig. Zuständig für rheumatische Erkrankungen sind internistische Rheumatologen.

      Im übrigen wird Dir sicher noch Dr. Ulrichs antworten, aber er wird vermutlich auch nichts anderes schreiben. Bitte hab' ein wenig Geduld, er schaut zuverlässig hier rein, aber eben nicht täglich.

      Lg Monsti

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      • Re: Schmerzen, aber keine auffälligen Befunde

        Vielen, vielen Dank Monsti!

        Ja, ich war in der Rheumatologie. Rheumafaktoren wurden keine gefunden und der Entzündungswert war etwas erhöht. Entzündungshemmer sprachen auch keine an. Mit Cortison habe ich bis jetzt noch keine Erfahrungen. Ich habe allerdings eine Schmerzmittelempfehlung bekommen:.Novalgin. Da nichts anderes mehr hilft, sollte ich es mal mit dem probieren. Allerdings habe ich mich noch nie getraut es zu nehmen... Ich habe Angst dass sich sozusagen die Wirkung abschwächt und im Notfall nichts mehr bringt.
        Anfangs empfand ich die Schmerzen als schubweise, jetzt sind sie teilweise sehr lang durchgehend da in ähnlicher Stärke.
        Da sie vor allem nach Belastungen richtig stark sind, habe ich Angst vor Anstrengung und Sport. Ich vermeide nicht immer alles, ich versuche einfach, mit den Schmerzen umzugehen und finde mich teilweise ab.

        Wie war das bei dir Monsti? Hattest du viel Rückhalt in deiner Familie? Ich spüre schon deutlich, dass meine Familie mir nicht wirklich glaubt und mich nicht ernst nimmt... Angefangen von: Eh klar dass du bei Kleinigkeiten Schmerzen hast, du bewegst dich ja auch nie! Bis zu: Nimm ab, das kommt alles nur von Zucker und Süßigkeiten. Sie meinten auch, sie werden auch nicht mehr wegen jedem kleinen Wehwechen zum Arzt fahren. Dabei hatte ich schon gut 1 1/2 Monate lang Schmerzen, bevor ich zum Doktor bin.
        Leider hatte ich in der Vergangenheit schon ziemliche Gesundheitsprobleme. Vor zwei Jahren wurde ich untersucht, da ich oft ungewollt eingeschlafen bin, starke Muskelkrämpfe hatte und auch letztes Jahr diverse psychische Probleme (Diagnose PTBS na h langem Ärztehopping).
        Langsam zweifle ich fast an meinem eigenen Verstand, da alle Befunde unauffällig sind...

        Langes Gerede, aber wie ging es dir damit, bevor du endlich eine Antwort auf deine Schmerzen bekommen hast?
        Lg Kleinesorgenfalte

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        • Re: Schmerzen, aber keine auffälligen Befunde

          Kleinesorgenfalte, vermutlich werden Dir meine Erfahrungen kaum weiterhelfen. Bei mir ging es mit ca. 35 Jahren los. Anfangs hatte ich noch lange Pausen zwischen den Schüben. Ich schob meine Beschwerden auf Überlastung (Tennis, Squash und sehr viel Tippen). Aber schon nach zwei Jahren kamen weitere Gelenke hinzu, die dann auch ordentlich anschwollen. Das war vor ca. 30 Jahren. Es dauerte geschlagene 10 Jahre, bis ich endlich eine Diagnose hatte und damit auch eine passende Therapie bekam. In dieser Zeit behalf ich mich mit NSAR (= Diclofenac, Paracetamol & Co.), was im Schub aber kaum half. Novalgin half 0,0. Novalgin hilft bei mir vor allem bei Nerven- und Wundschmerzen. Ich kühlte die betroffenen Gelenke, was zumindest ein bisschen half.

          Meine Familie hatte mit dem allem nur wenig zu tun und interessierte sich dafür auch nicht wirklich. Vor ca. 25 Jahren herrschte mich meine Mutter mal an: "Ernähr' dich so, wie ich mich ernähre, dann hast du auch kein Rheuma." Sie war damals auf einem phanatischen Rohkost-Trip, bis sie wegen erheblicher Mangelerscheinungen damit aufhören musste. Das zum Thema, wie meine Familie damit umging.

          Mein Mann sah die unförmig angeschwollenen Gelenke ja oft genug und nahm mein Problem auch ernst. Meinem früheren Hausarzt (jetzt pensioniert) habe ich zu verdanken, dass ich in die Rheumatologie der Uniklinik Innsbruck überwiesen wurde. Dann dauerte es noch einige Monate, bis die Diagnose feststand.

          Bei mir wurde wegen der unergiebigen Blut-Befunde ein Cortisonstoß-Test gemacht: Während eines extrem heftigen Schubs mit ca. 30 entzündeten Gelenken bekam ich initial 40 mg Prednisolon und war innerhalb von 48 Stunden komplett beschwerdefrei. Damals tanzte ich vor Freude durchs ganze Haus.

          Aaaber: Es gibt an die 400 verschiedene rheumatische Erkrankungen, davon ist ein Teil degenerativ (z.B. Arthrose), stoffwechselbedingt (v.a. Gicht) oder aber auch infektreaktiv (z.B. Borreliose, EBV, Streptokokken-Infektionen, i.d.R. bzw. effektiv therapiert zeitlich begrenzt). Die meisten rheumatischen Erkrankungen gehören aber zu den sog. Autoimmunerkrankungen, d.h. die Abwehr richtet sich gegen den eigenen Körper. Sie können die Gelenke, Sehnenansätze, Muskeln, die Haut und sogar innere Organe befallen.

          Liebe Grüße
          Monsti

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          • Re: Schmerzen, aber keine auffälligen Befunde

            Danke trotzdem dass du mir das alles beschrieben hast. Fühlt sich schon etwas besser an, wenn man weiß, dass man nicht allein dasteht!
            Ich habe heute auch das Novalgin ausprobiert, allerdings hat es mich eher ausgenockt als die Schmerzen bekämpft...
            Ich versuche es noch etwas und wenn es wirklich nicht anschlägt, setze ich es ab.
            Ansonsten hilft mir nämlich nichts außer Kälte. Schmerzmittel zeigen einfach keine Wirkung. Und ich kann ja schlecht in einem Kühlraum leben...

            ​​​​​Ich hoffe, dass ich bald die richtige Diagnose bekomme und sich nicht auch alles jahrelang hinzieht. Aber es ist halt knifflig.

            Lg

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            • Re: Schmerzen, aber keine auffälligen Befunde

              Ich kann mich Monstis Einschätzung nur anschließen.
              Zuerst müssen alle Untersuchungen abgewartet werden. Eine Diagnose ist zuweilen tatsächlich knifflig. Manchmal muss in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden.
              Aber immerhin kann schon mal festgestellt werden, dass "infektreaktives Rheuma" (eine reaktive Arthritis) nicht vererbt wird. Und die bisherigen Ergebnisse der Untersuchungen deuten eher weniger auf eine Erkrankung aus dem rheumatischen Formenkreis hin.
              Allerdings sollte man sich nicht mit dem Verdacht einer psychosomatischen Erkrankung abspeisen lassen.
              Eher käme eine reaktive Arthritis in Frage (also eine Reaktion des Körpers auf eine durchgemachte Infektion) - sollte sich das bestätigen, ist die Prognose gut, nach spätestens einem Jahr sind die Beschwerden abgeklungen.

              MfG,

              Ulrichs

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