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ständige Schuldgefühle-Teil 2

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  • ständige Schuldgefühle-Teil 2

    Als mir die Ärzte nach 2 Tagen mitteilten, dass das Gehirn meines Vaters so der maßen zerstört worden ist, dass er niemals das Bewusstsein wiedererlangen würde, wurde ich auch gleichzeitig mit der Entscheidung konfrontiert, die Maschinen abstellen zu lassen. Alle Informationen wurden mit meinem Bruder und meiner Mutter besprochen. Ein gemeinsames Beratungsgespräch mit den Ärzten wurde von meiner Mutter abgelehnt. Somit standen mein Bruder und ich allein mit der Verantwortung. Ein normales Zusammensetzen mit der Mutter, wie ich mir gewünscht hätte in der Situation war nicht möglich. Den Kontakt hat sie nicht zugelassen. Meinen Vater im Krankenhaus zu besuchen, indem wir sie mitnehmen, da wir eh an ihrem Wohnort vorbeigefahren sind, hat sie auch abgelehnt. Stattdessen ist sie allein mit dem Taxi dort hin gefahren.

    Als es klar war, dass Papa stirbt, wollte ich zum Abschied an ihren Wohnort fahren, noch einmal Papas Spuren nachgehen, sein Auto vor der Tür sehen, mit meiner Tochter zum Spielplatz gehen, auf dem sie zusammen mit Opa war. Gerade als wir vor der Haustür meiner Eltern waren, kam meine Mutter mit dem Taxi angefahren. Ich habe sie seit dem August das erste Mal wiedergesehen. Meine Mutter hat mich zu meiner Überraschung dem Taxifahrer vorgestellt. Ich half meiner Mutter mit dem Rollator, in den Flur reinzukommen. In diesem Moment wünschte ich mir sie in den Arm zu nehmen, sie zu trösten, von ihr getröstet zu werden. Ich bat sie mir zu zeigen wo sie Papa gefunden hat. Stattdessen hat sie sich entschuldigt, sie wäre nun sehr müde und möchte allein sein. Sie hat uns nicht reingelassen, uns die Tür vor der Nase zugeknallt und meinte noch durch die geschlossene Tür mit uns reden zu können. Ihre jungen Nachbarn haben sich das Spektakel angeschaut. Ich fühlte mich so gedemütigt, geschockt und traurig, und dennoch bat ich die Nachbarn mir Bescheid zu geben, wenn meine Mutter Hilfe benötigen sollte. Zu meiner Tante sagte sie empört, was ich doch hier so lange wolle. Was fällt mir ein Urlaub zu machen und meine großen Kinder allein mit meinem Partner zu hause zu lassen. Meine guten Absichten hat sie niedergemacht.

    Die Ärzte, mein Bruder und ich waren uns einig, dass mein Vater ein Leben an den Maschinen nicht gewollt hätte. Die Empörung der Noch-Frau meines Bruders und seiner erwachsener Kinder war groß. Wir wurden als Mörder tituliert. Obwohl wir noch zwei andere ärztliche Meinungen eingeholt hatten und sogar das Ethikkomitee mit involviert war, sind wir für meine Noch-Schwägerin und meine Nichte die Mörder. Bis zum Schluss saß ich am Bett meines Vaters, er ist alleine eingeschlafen, ohne dass die Maschinen abgestellt wurden. Ich hatte ihm versprochen mich um meine Mutter zu kümmern, sofern sie es zulässt. Ich hatte den Eindruck, dass er sonst nicht in Frieden gegangen wäre. Er hatte sich ja stets für alles verantwortlich gefühlt.

    In den zwei Wochen, in der mein Vater im Krankenhaus war, habe ich meine Mutter nur einmal im Krankenhaus gesehen und einmal vor ihrer Haustür.

    Mit kurzen Unterbrechungen, in der ich nach hause pendeln musste um auch bei meinen großen Kindern und meinem Partner da zu sein, war ich fast zwei Wochen in der Nähe meiner Mutter. Eine lange Zeit um ihr Trost zu spenden, zu helfen, evtl. Einkäufe zu tätigen, Haushalt zu machen- wenn sie es zugelassen hätte. Stattdessen kamen mir Geschichten zu Ohren. Meine Mutter versuchte einen Keil zwischen mir und meinem Bruder zu treiben. Sie verteilte bereits das Erbe, wollte mir das 20000 € Auto geben, mein Bruder sollte jedoch nichts bekommen. Dies habe ich dankend abgelehnt.

    Als mein Papa starb, bat sie mich dennoch die Beerdigung zu organisieren. Da ich eine Bestatterin im Bekanntenkreis hatte, habe ich dem zugestimmt. Leider vollzog sich die gemeinsame Absprache bezüglich der Beerdigung mit ihr und meinem Bruder auch wieder nur telefonisch. Mein Bruder und ich waren uns stets einig. Da mein Papa ein großer Angler war, schien eine Seebestattung das Richtige zu sein. Eine Trauerfeier sollte jedoch dort stattfinden, wo mein Papa gelebt hatte, so dass sich auch die gesamte Familie von ihm verabschieden konnte. Auch einen Gedenkstein haben wir anfertigen lassen, der trotz der Seebestattung an ihn erinnern würde. Anfangs gab es viele Unstimmigkeiten. Meine Mutter hätte es gern gesehen, dass keine Trauerfeier stattfindet, da sie die gesamte Familie für falsch hält, sondern ich ihm ein Grab an meinem Wohnort erstellen lasse. Nach vielen Gesprächen fand sie unsere Vorschläge gut, sie hatte sogar die Lieder mit ausgesucht.

    Drei Tage vor der Trauerfeier, nachdem schon alle Gäste eingeladen wurden, wollte sie plötzlich etwas ganz anderes. Mein Vater wurde bereits eingeäschert, seine Urne 400 km entfernt, es sind bereits die Haupt-Kosten entstanden. Mein Bruder schaffte es sie zu beruhigen mit der Option nach der Trauerfeier immer noch eine normale Beisetzung zu vollziehen zu einem späteren Zeitpunkt. Aber sie wollte kein normales Grab, als sie hörte, dass es mit vielen Kosten und Verpflichtungen über Jahre verbunden wäre. Eine Begleitung zum Friedhof lehnte sie ab. Ein weiterer Schlag für uns. Gerne hätten wir sie abgeholt. Und nach alldem Hin und Her kam sie nicht. Mit ihrem Nicht-Erscheinen hat sie es geschafft, einen großen Raum einzunehmen. Wir waren fassungslos. Eine Trauerfeier, die sehr persönlich gehalten wurde, mit viel Liebe gestaltet, mit einer Diashow und Lieblingsmusik meines Vaters, wurde so im Nachhinein von ihr mit Füßen getreten. Zwei Tage nach der Trauerfeier bekam ich einen Anruf von ihr. Was uns Kindern eingefallen wäre, ihm so einen schrecklichen Abschied herzurichten. Ich legte auf, als sie noch weiter in die Vergangenheit ging und alte Geschichten, die nicht stimmten, vom Besten geben wollte. Ich kann diese Beschimpfungen nicht mehr ertragen. Seitdem habe ich nicht mehr mit ihr gesprochen.

    Nun habe ich Post vom Anwalt bekommen, drei Wochen nach der Trauerfeier, dass sie die Rechnung nicht begleichen wird, da sie von der Organisation herausgehalten wurde.

    Daraufhin wehre ich mich anwaltlich dagegen. Es ist sehr beschämend, so einen Schritt gehen zu müssen. Meine Mutter wird nun aufgefordert, den Nachlass darzulegen. Sie hat das Geld locker über, für die Beerdigung, die meines Vaters als auch für ihre. Ich kann es nicht auf mir sitzen lassen,

    Das Geld für die Beerdigung, dass ich nun als Ausrichterin beglichen habe, habe ich mir mühevoll zusammengespart. Mein Vater hätte es nicht gewollt, dass ich es bezahle. Und ich hätte es nicht ausgehalten, dass Schulden entstehen, die mit meinem Vater in Verbindung gebracht werden.

    Schuldgefühle, ein großes Thema in meinem Leben. Ich wehre mich, gegen das Verhalten meiner Mutter, hole mir anwaltlich mein Geld zum Teil wieder. Aus der Sorge um sie und das Versprechen, dass ich meinem Vater am Sterbebett gab, habe ich eine gesetzliche Betreuung für sie angeregt.

    Die größte Sorge meiner Mutter ist, dass sie ins Heim Kommt. Auch mit diesem Wissen konnte ich nicht umher die Betreuung anzuregen. Ich möchte nicht für den Tod meiner Mutter verantwortlich sein, wenn sie stürzt und keiner bekommt es mit, da sie den Kontakt zu ihren Kindern, auch der gesamten Familie die im Umfeld wohnt verweigert.

    Ich bin an diesem Punkt in meinem Leben angelangt, das erste Mal, dass ich kein gutes Selbstbewusstsein habe. Nach außen hin merkt man es mir nicht an. Ich bin eine Kämpferin, bin stets aufgestanden als es mir nicht gut ging. Habe mir falsche Partner gesucht, von denen ich Kinder habe. Wegen des immer schlechten Gewissens dauerte es lange mich von ihnen zu lösen.

    Seit fast drei Jahren lebe ich in einer glücklichen Beziehung auf Augenhöhe. Mein Partner ist sehr verständnisvoll und ein toller "Ersatzpapa" für meine Kinder.

    Dennoch habe ich das Gefühl, dass ich nun an dem Punkt bin eine Therapie machen zu wollen und müssen. Mein Gefühl lässt sich nur schwer beschreiben. Ich kann mich nur schwer konzentrieren, die Vorstellung mich beruflich um psychisch kranke Menschen zu kümmern, wichtige Entscheidungen zu treffen, womöglich etwas falsches zu sagen, da ich mich nicht auf andere einlassen kann, verursacht mir eine große Angst. Dennoch ist da dieses Pflichtgefühl, niemanden enttäuschen zu wollen, die Menschen die auf mich warten und der überlastete Arbeitgeber.

    Ich muss noch dazu sagen, dass meine Fehlzeiten sich angehäuft haben. Seit dem 23.11. bin ich krankgeschrieben. Als mein Vater den Schlaganfall hatte, war ich schwanger und wusste aber schon, dass ich das Kind verlieren werde. Das war meine 3. Fehlgeburt innerhalb eines Jahres.
    Mein Gefühl sagt mir, dass ich in einem anderen Bereich arbeiten möchte. Habe auch Angst, eine Kündigung zu bekommen.

    Ich habe einfach das Gefühl, dass mir die Ruhe momentan gut tut. Aber dennoch ist da dieses schlechte Gefühl sich aus der Verantwortung zu ziehen. Und traurigerweise ist es auch fast unmöglich in baldiger Nähe therapeutisch unterstützt zu werden.

    Ich wäre sehr dankbar für Anregungen, die mir helfen, zu mir selbst zu finden.









  • Re: ständige Schuldgefühle-Teil 2

    Hi,
    vorab würde ich dir empfehlen diesen Beitrag in deinem anderen Thread, unter Teil eins zu posten, ansonsten kommen wir vielleicht durcheinander, wenn der eine Thread durch Inaktivität verschwindet, oder in diesem und jenem geantwortet wird.
    Also einfach ins Antwortfeld rein kopieren und absenden.;-)
    Dann haben wir alles zusammen, in einem Thread.

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    • Re: ständige Schuldgefühle-Teil 2

      Hallo,
      danke für den Tipp, habe es soeben auf diese Weise verbunden :-)

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      • Re: ständige Schuldgefühle-Teil 2

        Gerne, ich schreib dann später noch was, im anderen Thread.;-)

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        • Re: ständige Schuldgefühle-Teil 2

          danke. Ich bin gespannt...

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