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ständige Schuldgefühle

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  • ständige Schuldgefühle

    Hallo an Alle. Habe den Text vorgeschrieben und muss ihn in zwei Teilen posten, da er zu lang ist.
    Es kommt selten vor, dass ich mal selbst einen Text im Forum verfasse. Ganz oft lese ich mich durch Foren durch und versuche durch ähnliche Erfahrungen mir Hilfe zu erschließen. Momentan ist meine Situation für mich unerträglich, habe das Gefühl, noch nie in so einem Gefühlschaos gesteckt zu haben. Wo fange ich am besten an...
    Das Gefühl, anders zu sein, eine Mutter zu haben, die einem nicht gut tut, weil sie aus allem was man für Sie und mit ihr tun möchte ein großes Durcheinander macht. Gefühle und Schrulligkeiten an die man sich gewöhnt hat und sie akzeptiert hat/musste. Seitdem, als mein Vater Anfang Dezember 2020 verstarb, ist Alles anders. Mein bisheriges Leben fühlt sich wie eine einzige Lüge an. Ich fühle mich benutzt, verraten, unfähig einen klaren Gedanken zu fassen, Entscheidungen zu fällen, wie es vor allem in meinem Beruf weitergehen soll kann ich nicht treffen. Habe Angst vor irgendwelchen Konsequenzen.
    Ich war schon immer eher ein unsicherer Mensch. Seit meinem 25. Lebensjahr jedoch, als ich den Umzug in ein anderes Bundesland gewählt habe und eine 8-jährige Karriere bei der Bundeswehr absolviert habe, habe ich viel an Selbstbewusstsein gewonnen. Übe jetzt sogar einen Job als Erzieherin aus, im ambulanten Bereich psychisch kranker Menschen.
    Erst jetzt wird mir richtig bewusst, dass meine Mutter eine narzisstische Persönlichkeitsstörung hat.

    Ich fühle mich dumm, dass ich es bisher nicht so wahrgenommen habe, somit meinem Vater keine große Hilfe sein konnte, um sich aus diesem Zustand der Kränkungen, Manipulationen etc. zu lösen. Als mein Papa noch lebte, hat er des öfteren Situationen beschrieben, in denen sie an allem herummeckerte was er für sie tat, meine Mutter ihn psychisch fertig machte, indem sie u.a. abgesprochene Ausflüge, Fahrten zu uns Kindern, (ich habe drei Kinder im Alter von 4-14 Jahre, im letzten Moment verweigerte. Wir wohnen 400 km entfernt, die Möglichkeit, dass meine Eltern uns besuchen konnten war da. Sich durchzusetzen fiel ihm schwer. Einen Dialog mit ihr zu führen fällt jedem schwer, da sie den Eindruck vermittelt nicht zuzuhören, sondern ständig ihre Sichtweise darzustellen oder über andere Menschen herzuziehen. Uns allein zu besuchen, hat er dennoch einige Male durchgezogen, aber in ständiger Unruhe, da er Angst hatte, sie allein zu lassen, da sie auf einen Rollator angewiesen ist und die Wohnung nicht wirklich behindertengerecht eingerichtet ist. Das kommt daher, dass meine Mutter kaufsüchtig ist, nicht merkt, dass sie keinen Platz mehr für dekorative Gegenstände wie Porzellanfiguren, Blumentöpfe, zig Uhren, Bücher, (die gleichen in jedoch mehreren Ausgaben) hat. Sie schläft sogar auf Büchern, hat nur eine kleine Mulde im Bett wo sie noch Platz zum Liegen findet. Meine Mutter hatte vor 8 Jahren Krebs und zwei Schlaganfälle. In der Zeit, als meine Mutter im Krankenhaus lag, hat mein Vater für einen Neuanfang gesorgt. Eine neue gemeinsame Wohnung angemietet, viel Ramsch (alte Zeitungen, kaputte Gegenstände, von denen sie sich auch nicht trennen wollte) entsorgt. Meine Mutter hat ihre Krankheiten relativ gut überstanden, ist aber auf einen Rollator angewiesen. Leider konnte mein Vater die Kaufsucht nicht unterbinden. Heimlich, wenn er nicht da war, bestellte sie. Den anfänglichen Gegendruck konnte er nicht lange aufrechterhalten.

    Mein Vater war ein aktiver, praktischer Mensch. Hat gerne geangelt, Pilze gesammelt. Mit ihrer körperlichen Diagnose war er immer mehr mit ans Haus gebunden.

    Eine Pflegehilfe hat sie stets abgelehnt. Und mein Vater aus Scham vor den wohnlichen Verhältnissen und den verbalen Aussetzern seiner Frau gegenüber Anderen, hat sich dem gefügt und den kompletten Haushalt, samt Kochen, Einkaufen, Putzen...übernommen. Meine Mutter war stets in ihrer Welt, eigentlich schon seitdem ich denken kann. Eine Welt in der sich alles nur um Bücher und Fernsehgucken dreht. Wir Kinder waren uns selbst überlassen. Mein 10 Jahre älterer Bruder war die Hauptperson für mich. Selbst wenn ich sie mit meinen Kindern nach einem längeren Zeitpunkt von ca. halben Jahr besuchen kam, gab es Diskussionen bezüglich Fernseher ausmachen wenn mein Vater zu Tisch bat. Den Tisch freizuräumen, weil da zig Keramikfigürchen standen, war meinem Vater und mir nicht gestattet. Stattdessen blieb sie am Couchtisch sitzen, da dort ja mehr Platz war auf dem Tisch und sie auch noch trotzdem Fernsehgucken durfte. Mein Vater schämte sich sehr für die Zustände. Ich konnte nicht gut schweigen. Natürlich hab ich versucht friedlich zu vermitteln, wenn eine Auseinandersetzung zwischen meinen Eltern entflammte. Am Ende habe ich böse Sprüche von meiner Mutter kassiert. Wir wurden des öfteren so verabschiedet, dass es schön war uns zu sehen, sie sich aber jetzt sehr auf ihre Ruhe freut. Ich habe mich stets darauf gefreut meine Eltern, vor allem meinen Vater wiederzusehen. Jedes mal gab es diese Enttäuschung. Ich habe stets versucht ihr freundlich entgegen zu treten, mit Aufmerksamkeiten zu Geburtstagen, an Muttertagen. Die Kinder dazu animiert ihr zwischendurch mal eine Postkarte zu schreiben.

    Es gab auch schöne Wiedersehen, z.b. das letzte Mal als meine Eltern im August zum Geburtstag meines Sohnes anreisten. Aus diesem Anlass schlug ich meinen Eltern vor, einen gemeinsamen Urlaub in den Herbstferien zu machen. Sie war einverstanden. Ich organisierte nach längerer Recherche ein barrierefreies Haus. Und siehe da, kaum war es gebucht, da wollte sie nicht mehr. Stattdessen fuhr eine gute Freundin mit. Meinem Vater tat es sehr leid, dass er diesen Urlaub mit uns nicht gemacht hat. Dort hätten wir zusammen seinen 72. Geburtstag feiern können. Trotz der Entfernung von 400 km seit 2001, haben wir jedes Jahr seinen Geburtstag zusammen gefeiert. Er war sehr gerne mit seinen Enkeln zusammen, hat sich stets um sie bemüht. Er war mir stets eine große Stütze, sowohl moralisch als auch finanziell, da ich einige Jahre alleinerziehend war. Ich konnte meinem Vater alles erzählen. Er war sehr tolerant und hat mich meinen Weg gehen lassen.

    Am 20.11. bekam ich einen Anruf von meiner Mutter, Papa wäre im Krankenhaus. Sie hatte ihn morgens im Wohnzimmer bewusstlos vorgefunden. Obwohl sein Herz zweimal aufgehört hatte zu schlagen, konnten ihn die Ärzte wiederbeleben und mit dem Hubschrauber abtransportieren. Die Klinik befand sich 60 km vom Wohnort meiner Eltern entfernt. Logisch, dass es für meine Mutter

    eine Hürde bedeutete dort alsbald hinzufahren. Bereits am Telefon machte mich meine Mutter darauf aufmerksam, dass sie keinen Besuch in ihrer Wohnung gestattet, aus Angst vor Corona. Und ob es nötig sei, dass ich überhaupt käme.

    Für mich war klar, dass ich helfen will, vor allem meinem Vater. Bereits am nächsten Tag nahm ich die Strecke mit meinem lieben Partner auf mich. Mein Vater befand sich im Koma. Eine Prognose konnten mir die Ärzte noch nicht geben.

    Übernachten konnten wir bei meinem Bruder, der nur 7 km von meinen Eltern entfernt wohnt, der jedoch schon längere Zeit ein zerrüttetes Verhältnis zu meiner Mutter hat. Er hatte sich schon früher von ihren Launen abgegrenzt. Der Kontakt zu meinem Vater bestand dennoch und war sehr gut.

    Im Krankenhaus wurde mir das Amt der Vormundschaft für meinen Vater angeboten mit der Begründung, dass die Ärzte mit meiner Mutter nicht kommunizieren könnten. Aus ihrer Sicht würde sie nichts verstehen und der Bitte nicht nachkommen weniger anzurufen. Ich habe das Amt angenommen, da ich im Falle eines Notfalls schneller handeln könnte. Eine Patientenverfügung bestand nicht.

    Bereits in der Zeit, als es darum ging meinem Vater zu helfen, habe ich das wahre Gesicht meiner Mutter erkannt. Für eine Therapie, um meinen Vater wieder ins Bewusstsein zurückzuholen, baten mich die Ärzte private Gegenstände mitzubringen, die die Sinne anregen könnten, z.B. ein Parfüm. Meine Mutter weigerte sich, meinte, sie hätte jetzt nicht die Lust das zu suchen, ich könnte doch ein neues kaufen, wenn ich in zwei Tagen wieder zu ihm fahren würde. Ich musste ja zwischendurch wieder nach Hause, die Betreuung meiner Kinder regeln, mich krankschreiben lassen. Die Bitte, meine 4-jährige Tochter bei ihr für zwei Stunden zu lassen während ich bei Papa im Krankenhaus bin, hat sie abgelehnt, mit der Ausrede, ihre Heizungen wären ausgefallen und die Wohnung wäre nun sehr ungemütlich. Stattdessen konnte ich meine Kleine bei Freunden und einer Tante, die ich jahrelang nicht gesehen hatte, lassen.



  • Re: ständige Schuldgefühle

    Als mir die Ärzte nach 2 Tagen mitteilten, dass das Gehirn meines Vaters so der maßen zerstört worden ist, dass er niemals das Bewusstsein wiedererlangen würde, wurde ich auch gleichzeitig mit der Entscheidung konfrontiert, die Maschinen abstellen zu lassen. Alle Informationen wurden mit meinem Bruder und meiner Mutter besprochen. Ein gemeinsames Beratungsgespräch mit den Ärzten wurde von meiner Mutter abgelehnt. Somit standen mein Bruder und ich allein mit der Verantwortung. Ein normales Zusammensetzen mit der Mutter, wie ich mir gewünscht hätte in der Situation war nicht möglich. Den Kontakt hat sie nicht zugelassen. Meinen Vater im Krankenhaus zu besuchen, indem wir sie mitnehmen, da wir eh an ihrem Wohnort vorbeigefahren sind, hat sie auch abgelehnt. Stattdessen ist sie allein mit dem Taxi dort hin gefahren.

    Als es klar war, dass Papa stirbt, wollte ich zum Abschied an ihren Wohnort fahren, noch einmal Papas Spuren nachgehen, sein Auto vor der Tür sehen, mit meiner Tochter zum Spielplatz gehen, auf dem sie zusammen mit Opa war. Gerade als wir vor der Haustür meiner Eltern waren, kam meine Mutter mit dem Taxi angefahren. Ich habe sie seit dem August das erste Mal wiedergesehen. Meine Mutter hat mich zu meiner Überraschung dem Taxifahrer vorgestellt. Ich half meiner Mutter mit dem Rollator, in den Flur reinzukommen. In diesem Moment wünschte ich mir sie in den Arm zu nehmen, sie zu trösten, von ihr getröstet zu werden. Ich bat sie mir zu zeigen wo sie Papa gefunden hat. Stattdessen hat sie sich entschuldigt, sie wäre nun sehr müde und möchte allein sein. Sie hat uns nicht reingelassen, uns die Tür vor der Nase zugeknallt und meinte noch durch die geschlossene Tür mit uns reden zu können. Ihre jungen Nachbarn haben sich das Spektakel angeschaut. Ich fühlte mich so gedemütigt, geschockt und traurig, und dennoch bat ich die Nachbarn mir Bescheid zu geben, wenn meine Mutter Hilfe benötigen sollte. Zu meiner Tante sagte sie empört, was ich doch hier so lange wolle. Was fällt mir ein Urlaub zu machen und meine großen Kinder allein mit meinem Partner zu hause zu lassen. Meine guten Absichten hat sie niedergemacht.

    Die Ärzte, mein Bruder und ich waren uns einig, dass mein Vater ein Leben an den Maschinen nicht gewollt hätte. Die Empörung der Noch-Frau meines Bruders und seiner erwachsener Kinder war groß. Wir wurden als Mörder tituliert. Obwohl wir noch zwei andere ärztliche Meinungen eingeholt hatten und sogar das Ethikkomitee mit involviert war, sind wir für meine Noch-Schwägerin und meine Nichte die Mörder. Bis zum Schluss saß ich am Bett meines Vaters, er ist alleine eingeschlafen, ohne dass die Maschinen abgestellt wurden. Ich hatte ihm versprochen mich um meine Mutter zu kümmern, sofern sie es zulässt. Ich hatte den Eindruck, dass er sonst nicht in Frieden gegangen wäre. Er hatte sich ja stets für alles verantwortlich gefühlt.

    In den zwei Wochen, in der mein Vater im Krankenhaus war, habe ich meine Mutter nur einmal im Krankenhaus gesehen und einmal vor ihrer Haustür.

    Mit kurzen Unterbrechungen, in der ich nach hause pendeln musste um auch bei meinen großen Kindern und meinem Partner da zu sein, war ich fast zwei Wochen in der Nähe meiner Mutter. Eine lange Zeit um ihr Trost zu spenden, zu helfen, evtl. Einkäufe zu tätigen, Haushalt zu machen- wenn sie es zugelassen hätte. Stattdessen kamen mir Geschichten zu Ohren. Meine Mutter versuchte einen Keil zwischen mir und meinem Bruder zu treiben. Sie verteilte bereits das Erbe, wollte mir das 20000 € Auto geben, mein Bruder sollte jedoch nichts bekommen. Dies habe ich dankend abgelehnt.

    Als mein Papa starb, bat sie mich dennoch die Beerdigung zu organisieren. Da ich eine Bestatterin im Bekanntenkreis hatte, habe ich dem zugestimmt. Leider vollzog sich die gemeinsame Absprache bezüglich der Beerdigung mit ihr und meinem Bruder auch wieder nur telefonisch. Mein Bruder und ich waren uns stets einig. Da mein Papa ein großer Angler war, schien eine Seebestattung das Richtige zu sein. Eine Trauerfeier sollte jedoch dort stattfinden, wo mein Papa gelebt hatte, so dass sich auch die gesamte Familie von ihm verabschieden konnte. Auch einen Gedenkstein haben wir anfertigen lassen, der trotz der Seebestattung an ihn erinnern würde. Anfangs gab es viele Unstimmigkeiten. Meine Mutter hätte es gern gesehen, dass keine Trauerfeier stattfindet, da sie die gesamte Familie für falsch hält, sondern ich ihm ein Grab an meinem Wohnort erstellen lasse. Nach vielen Gesprächen fand sie unsere Vorschläge gut, sie hatte sogar die Lieder mit ausgesucht.

    Drei Tage vor der Trauerfeier, nachdem schon alle Gäste eingeladen wurden, wollte sie plötzlich etwas ganz anderes. Mein Vater wurde bereits eingeäschert, seine Urne 400 km entfernt, es sind bereits die Haupt-Kosten entstanden. Mein Bruder schaffte es sie zu beruhigen mit der Option nach der Trauerfeier immer noch eine normale Beisetzung zu vollziehen zu einem späteren Zeitpunkt. Aber sie wollte kein normales Grab, als sie hörte, dass es mit vielen Kosten und Verpflichtungen über Jahre verbunden wäre. Eine Begleitung zum Friedhof lehnte sie ab. Ein weiterer Schlag für uns. Gerne hätten wir sie abgeholt. Und nach alldem Hin und Her kam sie nicht. Mit ihrem Nicht-Erscheinen hat sie es geschafft, einen großen Raum einzunehmen. Wir waren fassungslos. Eine Trauerfeier, die sehr persönlich gehalten wurde, mit viel Liebe gestaltet, mit einer Diashow und Lieblingsmusik meines Vaters, wurde so im Nachhinein von ihr mit Füßen getreten. Zwei Tage nach der Trauerfeier bekam ich einen Anruf von ihr. Was uns Kindern eingefallen wäre, ihm so einen schrecklichen Abschied herzurichten. Ich legte auf, als sie noch weiter in die Vergangenheit ging und alte Geschichten, die nicht stimmten, vom Besten geben wollte. Ich kann diese Beschimpfungen nicht mehr ertragen. Seitdem habe ich nicht mehr mit ihr gesprochen.

    Nun habe ich Post vom Anwalt bekommen, drei Wochen nach der Trauerfeier, dass sie die Rechnung nicht begleichen wird, da sie von der Organisation herausgehalten wurde.

    Daraufhin wehre ich mich anwaltlich dagegen. Es ist sehr beschämend, so einen Schritt gehen zu müssen. Meine Mutter wird nun aufgefordert, den Nachlass darzulegen. Sie hat das Geld locker über, für die Beerdigung, die meines Vaters als auch für ihre. Ich kann es nicht auf mir sitzen lassen,

    Das Geld für die Beerdigung, dass ich nun als Ausrichterin beglichen habe, habe ich mir mühevoll zusammengespart. Mein Vater hätte es nicht gewollt, dass ich es bezahle. Und ich hätte es nicht ausgehalten, dass Schulden entstehen, die mit meinem Vater in Verbindung gebracht werden.

    Schuldgefühle, ein großes Thema in meinem Leben. Ich wehre mich, gegen das Verhalten meiner Mutter, hole mir anwaltlich mein Geld zum Teil wieder. Aus der Sorge um sie und das Versprechen, dass ich meinem Vater am Sterbebett gab, habe ich eine gesetzliche Betreuung für sie angeregt.

    Die größte Sorge meiner Mutter ist, dass sie ins Heim Kommt. Auch mit diesem Wissen konnte ich nicht umher die Betreuung anzuregen. Ich möchte nicht für den Tod meiner Mutter verantwortlich sein, wenn sie stürzt und keiner bekommt es mit, da sie den Kontakt zu ihren Kindern, auch der gesamten Familie die im Umfeld wohnt verweigert.

    Ich bin an diesem Punkt in meinem Leben angelangt, das erste Mal, dass ich kein gutes Selbstbewusstsein habe. Nach außen hin merkt man es mir nicht an. Ich bin eine Kämpferin, bin stets aufgestanden als es mir nicht gut ging. Habe mir falsche Partner gesucht, von denen ich Kinder habe. Wegen des immer schlechten Gewissens dauerte es lange mich von ihnen zu lösen.

    Seit fast drei Jahren lebe ich in einer glücklichen Beziehung auf Augenhöhe. Mein Partner ist sehr verständnisvoll und ein toller "Ersatzpapa" für meine Kinder.

    Dennoch habe ich das Gefühl, dass ich nun an dem Punkt bin eine Therapie machen zu wollen und müssen. Mein Gefühl lässt sich nur schwer beschreiben. Ich kann mich nur schwer konzentrieren, die Vorstellung mich beruflich um psychisch kranke Menschen zu kümmern, wichtige Entscheidungen zu treffen, womöglich etwas falsches zu sagen, da ich mich nicht auf andere einlassen kann, verursacht mir eine große Angst. Dennoch ist da dieses Pflichtgefühl, niemanden enttäuschen zu wollen, die Menschen die auf mich warten und der überlastete Arbeitgeber.

    Ich muss noch dazu sagen, dass meine Fehlzeiten sich angehäuft haben. Seit dem 23.11. bin ich krankgeschrieben. Als mein Vater den Schlaganfall hatte, war ich schwanger und wusste aber schon, dass ich das Kind verlieren werde. Das war meine 3. Fehlgeburt innerhalb eines Jahres.
    Mein Gefühl sagt mir, dass ich in einem anderen Bereich arbeiten möchte. Habe auch Angst, eine Kündigung zu bekommen.

    Ich habe einfach das Gefühl, dass mir die Ruhe momentan gut tut. Aber dennoch ist da dieses schlechte Gefühl sich aus der Verantwortung zu ziehen. Und traurigerweise ist es auch fast unmöglich in baldiger Nähe therapeutisch unterstützt zu werden.

    Ich wäre sehr dankbar für Anregungen, die mir helfen, zu mir selbst zu finden.




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    • Re: ständige Schuldgefühle

      Nochmal Hallo;-)

      Da hast du ja einige Baustellen, klar dass es dir damit nicht gut geht.
      Also muss man schauen wo man den Stress minimieren kann, wo du Pausen für Entspannung und Sport fest einplanen kannst, Batterien aufladen ist wichtig.

      Da bietet sich die Mutter natürlich an, als Feld der Stressreduktion.
      Sie will eigentlich keine Unterstützung, sie ist erwachsen, wenn sie sich nicht so verhält dann hast du alles Recht der Welt dich zurückzuziehen.
      Da ist nun die Frage, weshalb hast du dennoch ein schlechtes Gewissen?
      Ist es weil sie halt deine Mutter ist und es gesellschaftlich so vorgegeben ist dass du dich kümmerst, ansonsten ein schlechtes Licht auf dich fällt?
      Oder, weil sie eben deine Mutter ist, du sie liebst und einfach nicht anders kannst als helfen zu wollen da es ihr sichtbar nicht gut geht, auch gegen ihren Willen weil der Teilweise irrational und einer Krankheit ist?
      Oder vielleicht vor allem, weil du es deinem Papa versprochen hast und dich dem verpflichtet fühlst, ihm gegenüber ein schlechtes Gewissen hast und dem Umstand eines gefühlten Wortbruchs wenn du es nicht tust, egal ob du was dafür kannst oder nicht?

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      • Re: ständige Schuldgefühle

        Hallo und vielen Dank.
        Ein schlechtes Gewissen habe ich, da ich Handlungen vornehme, wie das Betreuungsgericht beauftragen oder der Kampf ums Geld.
        irgrndwie fühle ich mich wie ein kleines Kind, dem man schlechtes Gewissen eingeredet hat. Irgendwie hatten so viele Leute an meinen Entscheidungen rumgemeckert, vor allem die Mutter, von der ich fast nie eine moralische Unterstützung bekommen habe.
        ich habe auch Schuldgefühle wenn ich noch nicht wieder arbeiten gehe.

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        • Re: ständige Schuldgefühle

          Das könnte an einem mangelnden Selbstwert liegen, Minderwertigkeitskomplexe, du definierst dich über Leistung und Erfolge, schwächelst du da erfüllst du deine Vermeintliche Pflicht nicht?

          Das wäre zumindest schlüssig, bei der Mutter, schließlich warst du nie gut genug.

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          • Re: ständige Schuldgefühle

            Vielen Dank. Ja, da erkenne ich mich wieder. Aber wie baut man sein Selbstwertgefühl auf?

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            • Re: ständige Schuldgefühle

              Also helfen kann da Sport, Kampfsport, Mannschaftssport.
              Dann umdenken lernen, Autosuggestion, Gedanken dass du deine Pflicht nicht erfüllst erst gar nicht groß werden lassen, gegen denken: Ja was denn noch, ich mach schon mehr als verlangt wird, ich bin gut!"
              Eine Psychotherapie wäre natürlich gut, gerade da kann man gute Strategien entwickeln die auf dich zugeschnitten sind.

              Versuche auch deine Mutter als erwachsenen und mündigen Menschen zu sehen, sie entscheidet was sie zulassen will und was nicht, sie entscheidet wie sie dich behandelt und ob sie dementsprechend den Kontakt vertieft oder versanden lässt.
              Das ist nicht deine Entscheidung, du musst nicht ständig versuchen sie zu retten wenn sie es nicht will.
              Denk dir dass deine Mutter ihr Leben so haben will wie es ist, auch wenn es einer Erkrankung geschuldet ist, so hat sie sich dafür entschieden so zu leben ohne etwas dagegen tun zu wollen.
              Deine Aufgabe als Tochter liegt nicht darin das zu ändern, sondern darin das zu akzeptieren und damit auch die Reibungspunkte zu minimieren, wenn sie was nicht will dann eben nicht, wenn sie was braucht soll sie sich melden und dich respektvoll behandeln, tut sie das nicht dann ist das eine indirekte Entscheidung ihrerseits dass du dich zurückziehen kannst.

              Du musst den Kontakt nicht abbrechen, aber dich jedes mal zurückziehen sobald er zu belastend wird.
              Das kannst du vorher kommunizieren, oder in der Situation: Mama, das tut mir gerade nicht gut, melde dich wieder wenn du dich mir gegenüber so verhalten kannst wie es üblich ist, auf Augenhöhe, ohne Streit, mit gegenseitigem Respekt".Mach ihr die Ansage und beende den Kontakt jedes mal sobald sie eine Grenze überschreitet, ab da ist es ihre Entscheidung ob sie wieder Kontakt haben möchte und sich dir gegenüber respektvoll verhält, wenn sie das beim nächsten Mal immer nicht macht, brichst du wieder ab.
              Wenn du das jedes mal machst, ohne viel blabla, nur einmal erklären warum du das tust und dass du das von nun an immer so machen wirst, dann wird sie sich entweder anpassen und zusammenreißen, dadurch lernen Respekt vor die zu haben, oder nicht, was dann bedeutet dass sie es ist die den Kontakt nicht möchte, sondern nur jemanden sucht der ihr als Ventil dient, dafür bist du zu schade.

              Beginne Kleinigkeiten zu genießen, achtsam mit dir und dem was du tust umzugehen.
              Nicht den Kaffee nebenbei trinken, sondern hinsetzen und genießen, mach das mit allem so, mach das was du tust bewusst und genieße es bewusst.

              Und schreibe abends auf was an dem Tag schön war, auch wenn es nur Kleinigkeiten wie ein Kaffee, oder ein Lächeln von einer anderen Person sind, lerne dir bewusst zu machen dass vieles einen hohen Wert hat, nicht nur Leistung, sondern vor allem dein Empfinden bei dem was du tust.

              Ein Ehrenamt im sozialen Bereich kann auch den Selbstwert steigern, man gibt etwas und bekommt dafür etwas zurück, nämlich das Gefühl sehr wertvolles Dinge zu tun und anderen helfen zu können, auch ohne sich dafür verlieren zu müssen.
              Andere werden deine Hilfe annehmen und glücklich darüber sein, was dann auch noch zeigt dass es nicht deine Schuld ist dass es mit deiner Mutter so schwierig ist, sondern dass es einfach nicht geht wenn ein geben und nehmen nicht gemeinsam sondern nur einseitig stattfindet..
              Lerne und erfahre, dass es im Zwischenmenschlichen auch ganz anders sein kann als mit deiner Mutter und dass nicht du dafür verantwortlich bist, sondern das Unvermögen deiner Mutter, wofür sie zwar auch nichts kann und deshalb auch keine Schuld hat, aber wofür du noch viel weniger kannst und schon gar keine Schuld hast oder Schuldgefühle haben musst.

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              • Re: ständige Schuldgefühle

                Hallo und vielen lieben Dank für die vielen Tipps und Anregungen. Deinen Text habe und werde ich mir öfters durchlesen, er ist so klug. Vom Gefühl her kann ich jetzt noch nicht wieder mit meiner Mutter sprechen, zu verletzt bin ich durch ihre Worte und Taten. Aber ich weiß, dass die Zeit es zeigen wird.
                Generell bin ich kein Mensch der "nie" sagt. Ich würde es mir wünschen, wenn wir irgendwann einen Weg finden. Deine Tipps sind so wertvoll, danke schön.
                Öfters mal bewusste Pausen einlegen- und sich auch daran halten.
                Auf jeden Fall habe ich die Entscheidung gefällt wieder arbeiten zu gehen, dort aber nicht mehr zu tun als meine Gesundheit es zulässt. Ich werde dort gebraucht und das ist ein schönes Gefühl.
                Helfen, aber nicht nur anderen, sondern in Achtsamkeit mit sich selbst leben.
                Ganz liebe Grüße!

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                • Re: ständige Schuldgefühle

                  Hallo liebe Blanka

                  Mich wundert, dass du nicht siehst, wie diese Frau irritiert ist- da muss es Gründe dafür haben, die selbstverständlich mit dir und euch nichts zu tun haben. (Vorgeschichte, Gensache, so etwa).
                  Diese Sammlungen sind ihr Halt, ihre Stütze, ihre Lebenshilfe, so ein Bauwerk um sich herum wird sie brauchen, um sich besser zu fühlen. Man verknüpft alle Käufe mit Gefühlen und diese wärmen, also wärmen sie diese Sachen alle, weil sie keine Wärme von anderen fühlt? Wie denn, wenn sie so "nachweislich" komisch ist für alle, das wird sie halt zu sich sagen.

                  Deine Aufgabe wär, ihr ihr Leben zu lassen und aber in regelmässigen Abständen ihren Wahn ein wenig zu zersetzen- indem du nicht auf ihn einsteigst. Sie knallt dir die Tür zu, weil sie meint, du magst sie eh nicht...keiner will sie, keiner versteht sie, keiner begreift sie, alle könnt ihr ihr gestohlen bleiben, keinen lässt sie zu sich, alle seid ihr doof...

                  Lass ihr dieses Vergnügen, sich so eingerichtet zu haben- das geht dich eigentlich nichts an und leiden drunter braucht ihr auch nicht, wozu, sie will es ja so. Das ist ihr trip- den nimmt sie noch mit, bevor sie überwechselt in ein anderes Leben, irgendwann.

                  Ich kann nicht nachvollziehen, wie man nur einen Papa-Beerdigungs-Vorgang so wichtig nehmen kann. Aber das war nicht immer so, seit ich lebe, ändert sich eine Meinung und eine Idee nach der anderen, ich werde immer eines Besseren belehrt, im Laufe der Geschichte.

                  Daher sag ich dir zuerst einmal- du erlebst gerade eine Passage, eine Erfahrung, die sich natürlich gegen eine andere mal eintauscht.

                  Wichtig wär halt, dass du dich da nicht so derart hineinsteigerst in diese, momentane, jetzige Gefühlslage und wenigstens ab und zu mal ausklinkst und was anderes machst, als nachsinnen, was falsch geht. Wegen dem siehst du im jetzigen Verlauf alles viel schärfer, weil du deine ganze Aufmerksamkeit und dein Interesse da hin richtest, darum ist es soooooooo riesig.

                  Geh mal auf Abstand.. deine Mama ist, wie wir alle, einerseits "klein", aber eingewickelt in eine durchaus große Intelligenz, die manche "Gott" nennen, manche das "Höhere Selbst", manche gar nicht merken, weil das eigentlich egal ist. Man geht von A nach B und erlebt dabei etwas, im Sinne von: mach die Augen auf, merke dir, was du "erschaut" hast auf dieser Reise.

                  Für deinen lieben Papa hat diese Reise im Krankenhaus geendet, wer weiß, wie selig er sich danach gefühlt hat, wieder abgelöst und losgelöst vom Weltgeschehen.
                  Wenn mir mal die letzte Stunde schlägt, dann ( so sag ich es auch dauernd meinen Kindern), dann bitte freut euch mit mir, das ist sicher "Gottgewollt, rechtzeitig, richtig"- sicher nichts, was man besonders schwer sehen darf. Mich hat man mal wiederbelebt nach einem "Ausfall", seither fürcht ich diesen Tag X gar nicht mehr. Aber selbst, wenn ich den fürchten sollte, es ist eine Erfahrung- man "bringt was hinter sich, fängt Neues an"- ganz bestimmt ist der Beteiligte dabei nicht echt zu bedauern. Wie ich mal ( das ist auch eine wichtige Wahrnehmung gewesen) bei einem Unfall getobt und geschrien habe vor Schmerz - so haben das meine Angehörigen erzählt, da habe ich selbst nichts gespürt, ich kann mich an keine solchen Tobereien und so einen Geschrei erinnern. Das wird eine Wahrnehmung gewesen sein, eine Regung, die "das Kleine" in uns so hat. Bei meinem Bruder, als er als Paragleiter gegen eine Felswand geprallt ist, ist auch null Erinnern da, wie das so war- da enthebt einem der Geist irgendwie aus diesem Geschehen, nur ein Teil vom Gesamten erlebt das so, ein anderer Teil ganz anders, ein anderes Bewusstsein, das wir auch haben, neben dem anderen.
                  Darum ist deine Erzählung für mich gefühlt spannend, aber zugleich glaub ich nicht, dass du Hilfe brauchst- du hast diese Zeit sicher nicht sinnlos.
                  Müh dich nicht ab, sie vergeht eh wieder. Bring dich ab und an ins Fantasieren an andere Begebenheiten, beame dich mal zur Abwechslung in andere Orte. Schau nicht so tief in dieses Geschehen, es sind Spuren im Sand.
                  Deine Mama wird bestimmt hinfallen, man wird sie aufheben, ihr helfen, sie wo hinbringen und ob sie sich sträubt, oder nicht, frei machen von IHREN Problemen, die sie halt hat im Moment und wo sie halt meint, das braucht sie.
                  Wenn sie mal das andere hat ( wie zum Beispiel ein Krankenhaus, wo man sie gipst, wo man sie bekocht, wo man sie nachher auf Reha schickt, anschließend in ein betreutes Wohnen, ist alles anders, da gewöhnt sie sich schon dran, lebt sie weiter, wie sie sehen wird, auch wenn sie das nicht für möglich hält im Moment.
                  Du glaubst, du hast dein Leben lang diese Sorgen- lass dir sagen, beizeiten lächelst du drüber. Bei mir war das jedenfalls immer so, mitten in einer Krise sieht man alles anders- ist man dann raus, dann schaut man gaaanz anders hin.
                  Ich wünsche dir ein irrsinnig schönes privates, eigenes Glück. Deine Mama ist eine Frau, die ihr eigenes Leben lebt. Du hast viel gesehen mit ihr zusammen, bei ihr, beim "Nebensein", was sicher wichtig ist und war. Das wird mitspielen, dass du dich sehr gut um deine Kinder kümmerst und sicher wenig zusätzliches kaufst, statt dessen auf andere Sachen wert legst.
                  Man lernt nicht aus...
                  Meine Kinder haben fest zusammengehaltene Familienstruktur- warum? Weil sie das Gegenteil erleben durften, wo es ganz anders war. Ich möcht nicht wissen, was meine Kinder erzählen, wie traumatisch ich war für sie. Ich hab immer erzählt, wie beklagenswert meine Mutter war und die hat uns in stundenlanger Ausführlichkeit erzählt, wie beklagenswert deren Mama war. Und immer wirds besser, immer weniger Fehler werden gemacht, die solche Menschen halt machen, wenn sie es nicht besser wissen.
                  Ich glaub, nichts ist bei dir falsch- du denkst vielleicht in Bahnen, die das Ganze als Falsch einordnen.
                  Besinne dich, dass du seine sehr große und sehr kluge Lebensspur ebenso in dir gespeichert hast, neben dieser, die sich so klein fühlt und machtlos. Das wird die Art sein, wie man hinschaut. Schau gelassener hin, das alleine gibt schon ein gaaanz anderes Feeling. Denk lieb an deine Mama und sag im Geiste, komm gut zurecht in deinem Chaos. Das wird sie auch, sie hat ja Hilfe von ihrer Seele, in die sie eingewickelt ist, ob sie das nun merkt, oder nicht.

                  Lieben Gruß

                  Elektraa

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