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Ich fühle mich nicht als normaler Mensch!

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  • Ich fühle mich nicht als normaler Mensch!

    Hallo liebe Community,

    nachdem mir einige von euch vor kurzem so nett und ermutigend zur Problematik meiner Tochter geschrieben haben, muss ich mich heute mal über mich ausheulen.
    Ich bin Anfang 40 und kann sagen, dass mir noch nie, wirklich noch NIE, etwas in meinem Leben gelungen ist. Außer der Tatsache, dass ich eine wunderbare Tochter habe, die mir viel Kraft gibt. Ich war von Anfang an alleinerziehend.

    Ich habe mich schon als Kind schwerer getan als Andere. Alles, was andere Kinder mühelos erlernten, fiel mir schwer. Ich war auch in allem unglaublich langsam, was meine Mutter dazu brachte, manchmal hysterisch zu werden. Sie war im Allgemeinen eine lieblose Person. Ich schob ihre Unzufriedenheit lange darauf, dass sie mich nicht liebte. Bis man auch in der Schule oft bald wahnsinnig wurde, weil ich ja so eine Schnecke war.

    Im Grunde haben sich meine Eltern nie für mich interessiert, ich wurde zu Hause überhaupt nicht gefördert und war meistens mir selbst überlassen. Deshalb fiel ihnen wohl auch nur meine Langsamkeit und mein zurückgezogenes Wesen auf.
    Nur meiner Oma, die mich liebte, fiel auf, dass etwas mit mir nicht stimmen konnte. Ich erinnere mich, wie oft sie mich "Träumerchen" nannte, wenn ich mich mal wieder weggebeamt hatte und kurze Zeit auf nichts reagierte.
    Einen Vorfall werde ich nie vergessen. Ich saß in ihrer Küche und war in ein Buch vertieft. Meine Oma war im Haus beschäftigt, während auf dem Herd Essen kochte. Ich war komplett "weg", als ich plötzlich ganz überraschend in die Realität zurückgeholt wurde, weil meine Oma schreiend in die Küche gestürzt kam. Das Essen auf dem Herd war angebrannt und die Küche war voller Dampf. Ich hatte es nicht mitbekommen...
    Schade, dass meine Oma sich nicht weiter darum gekümmert und nicht mit meinen Eltern darüber gesprochen hat.

    In der Schule träumte ich mich auch ganz oft weg und verpasste dadurch ganze Unterrichtsstunden. Immerhin schaffte ich einen Realschulabschluss mit einem durchschnittlichen Ergebnis.

    Es würde den Rahmen sprengen, wenn ich weitere Details anführen würde.
    Jedenfalls habe ich im Berufsleben einiges ausprobiert und bin doch nirgendwo zurechgekommen. Den einzigen Job, den ich ein paar Jahre behalten habe, war in einem Callcenter. Doch irgenwann war ich seelisch so erschöpft von der Monotonie und der Schichtarbeit, dass ich den Job hinschmiss.
    Ich habe schon mehrere Jahre von ALG II gelebt, weil ich zwischendurch immer wieder langzeitarbeitslos war. Ich mache mir natürlich den Vorwurf, für meine Tochter kein gutes Vorbild zu sein, aber ich schaffte es nicht besser.
    Wo sich allerdings die Chance auftat zu arbeiten, ergriff ich sie auch. Egal, ob es Jobs auf dem zweiten Arbeitsmarkt oder Putzstellen waren.

    Ich hatte lange den Verdacht, unter ADS zu leiden und suchte verschiedene Psychiater und Neurologen auf. Die ersten, an die geriet, nahmen meine Problematik gar nicht ernst. Nach dem Motto: es gibt halt diese Hans-guck-in-die-Luft, kann man nicht ändern.
    Bis ich an einen Psychiater geriet, der zumindest ein EEG machen ließ. Er sprach von einem abnormen EEG mit vielen langsamen Wellen, also Thetawellen. Dabei hatte ich ihm gesagt, dass ich seit Jahren ein Antidepressivum nehme, was ihn aber nicht von der Meinung abbrachte, dass da wohl etwas nicht stimmt. Er tippte auf eine "frühe Hirnschädigung".
    Ich war also nicht schlauer und machte irgendwann noch mal einen Termin bei einem Neurologen. Der hörte sich sehr geduldig meine ganze Kindheitsgeschichte an und veranlasste auch ein EEG. Er stellte unspezifische Aufälligkeiten fest, die er meinen Schilderungen nach einer Epilepsie zuordnen würde. Er würde mir gern ein Antiepileptikum verschreiben.
    Da ich ihm so viele Zweifel anmerkte, habe ich das Medikament nicht genommen.

    So hat sich das Elend fortgesetzt.
    Ich wollte unbedingt wieder arbeiten und habe zu Beginn diesen Jahres eine Stelle als Seniorenassistentin in einem Altenheim angetreten. Es war bisher eine schwere Zeit, doch ich habe tapfer durchgehalten. Immer wieder wurde mir vorgeworfen, dass ich zu still und vergesslich bin und kein gutes Zeitmanagement habe. Eine Mitarbeiterin mochte mich auf den ersten Blick hin nicht und schikaniert mich. Ich tue aber alles, um den Umgang mit den Bewohnern liebevoll und fürsorglich zu gestalten. Wahrscheinlich wurde ich deswegen noch nicht rausgeschmissen. Ich bemerke aber, dass sich meine Vorgesetzte mir gegenüber zunehmend abwertend und geringschätzig verhält.
    Im Januar läuft mein Vertrag aus und ich habe die Befürchtung, dann wieder arbeitslos zu sein.

    Ich habe keine Ahnung, wie es weitergehen soll. Ob es sich lohnt, noch weitere Ärzte aufzusuchen, um herauszufinden, was wirklich mit mir los ist.

    Könnt ihr mir einen Rat geben?
    Können meine Probleme vielleicht rein psychische Ursachen haben?

    Liebe Grüße,
    Annea



  • Re: Ich fühle mich nicht als normaler Mensch!

    Hi,
    so wie du schreibst und was du schreibst, denke ich dass du vollkommen normal bist.
    Und ja, die Menschen sind unterschiedlich und es ist schade dass nicht jeder nach seinem Tempo, seinen Neigungen und Talenten leben kann, stattdessen immer das Soll des schnellsten und rentabelstem erfüllen muss, darunter leiden sehr viele Menschen.

    Du hast doch viel geschafft und ein Kind richtet sich nicht nach dem Vorbild ob jemand arbeitslos ist, sondern danach wie dieser mit dem Kind umgeht und was er ihm vermittelt.
    Man kann Kindern durchaus verständlich machen, dass es nun mal für einige Mensch so ist dass sie keinen Job bekommen, aber sehr gerne arbeiten würden und auch als Arbeitslose genau die Werte vermittel wie als Arbeitnehmer.
    Du bist kein schlechtes Beispiel, sondern ein gutes da du dich durchbeißen kannst obwohl es viele Widrigkeiten gab und gibt.

    An deiner Stelle würde ich versuchen einen Termin an einer neurologischen Institutsambulanz zu bekommen, wahrscheinlich brauchst du dann eine Überweisung von deinem Neurologen.
    Dort sind sie auf dem neuesten Stand und haben alle Möglichkeiten der Untersuchungen, können also besser abklären ob und was da los ist, als ein Niedergelassener.

    Kommentar


    • Re: Ich fühle mich nicht als normaler Mensch!

      Hallo Tired,

      vielen Dank für deine schnelle Antwort.

      Ja, leider leben wir in einer absolut leistungsorientierten Gesellschaft. Wer nicht halbwegs mithalten kann, wird gnadenlos aussortiert.
      Schon in der Schule hat man mir gesagt: "Welcher Arbeitgeber soll DICH denn schon beschäftigen wollen"?

      Es ist kein Wunder, dass heutzutage so viele Menschen dem Druck im Berufsleben nicht mehr gewachsen sind und psychisch krank werden. Als ich mich mal von einem Psychiater habe krankschreiben lassen, weil ich die Schikanen von meinem ehemaligen Chef nicht mehr ausgehalten habe, hätte er mich am liebsten in der Luft zerrissen und hat gleich mit Kündigung gedroht. Er meinte, dass es vielleicht mit meiner Erkrankung zusammenhänge, dass ich langsamer sei als Gleichaltrige.

      Ein Neurologe hat mal gesagt, dass ich akzeptieren müsse, dass es Menschen gibt, die schneller und effektiver arbeiten als Andere. Wenn ich das akzeptiert habe, könnte ich vielleicht sogar begreifen, dass Langsamkeit auch eine Stärke sein kann. Doch was nutzt es mir, wenn kein Arbeitgeber und auch die meisten Kollegen nicht damit zurechtkommen und man deswegen ständig angefeindet wird?

      Danke, das hast du nett geschrieben.
      Auch wenn ich einige Male langzeitarbeitslos war, so habe ich immer versucht, meiner Tochter bestimmte Werte mit auf den Weg zu geben, wie z.B. Sozialkompetenz vor allem in Form von Hilfsbereitschaft, Ehrlichkeit und Empathie. Ich meine auch, dass mir das ganz gut gelungen ist.
      Auch jetzt versuche ich ihr immer noch zu vermitteln, wie wichtig es ist, sich trotz aller Schwierigkeiten durchzubeißen. Wie ich ist sie ein Sensibelchen und würde die Schule am liebsten sofort hinschmeißen, wenn sie eine Klassenarbeit verhauen hat. Ich sage ihr dann, dass sie im Berufsleben mehr wird wegstecken müssen als so was.

      Wobei ich sagen muss, dass ich die Kündigungen von Arbeitgeberseite auch nicht gut weggesteckt habe. Einmal bekam ich drei Kündigungen innerhalb von vier Jahren. Das nagt ganz schön am Selbstwertgefühl. Es liegt schon mehrere Jahre zurück, ist aber immer in meinem Kopf präsent, wenn ich einen neuen Job antrete.

      Es wäre wohl sinnvoll, einen Termin bei einer neurologischen Institutsambulanz zu machen. Allerdings kann ich nicht mehr zu dem Neurologen zurück, der von Epilepsie sprach, da ich bei ihm danach nicht in Behandlung war. Ich war überhaupt noch nicht in Behandlung bei einem Neurologen, nur beim Psychiater, der mir Antidepressiva verschreibt.
      Aber vielleicht kann ich ja mal meinen Hausarzt darauf ansprechen, ob er mir eine Überweisung ausstellt?

      Liebe Grüße,
      Annea

      Kommentar


      • Re: Ich fühle mich nicht als normaler Mensch!

        Ich weiß nicht wie es allgemein ist in den Ambulanzen, aber unsere hier verlangt eine Ü vom Facharzt, vielleicht ginge auch zur Not ein Psychiater, die ja meist auch Neurologen sind, das könntest du mit einem Anruf klären und ob das überhaupt bei denen so ist.

        Ja, du hast recht dass deine Tochter im Job vielleicht noch mehr einstecken muss, muss aber nicht so kommen und vielleicht ist das auch ein Hemmschuh wenn sie den Job als Kampf harte Sache vermittelt bekommt.
        Kinder sind am motiviert wenn sie wissen was sie erreichen wollen und wofür, ein Job wo mehr weg gesteckt werden muss, als das was für ein Kind die momentane Höchstgrenze sein wird, das will kein Kind und kein Erwachsener erreichen.

        Deine Tochter wird sicher mehr Perspektiven haben, weil du ja an ihrer Seite stehst und nur ein bisschen Glück dazu und sie muss nicht so sehr viel aushalten wie du vielleicht befürchtest, sondern schafft es ohne große Blessuren.
        Du warst ja alleine, schon alleine das ist etwas was das ganze Leben prägt und mehr zum Kampf macht, als auch zum Abenteuer welches genauso Freude und Spaß macht und letzteres darf auf keinen Fall fehlen.

        Kommentar



        • Re: Ich fühle mich nicht als normaler Mensch!

          "..könnte ich vielleicht sogar begreifen, dass Langsamkeit auch eine Stärke sein kann."

          Nicht nur das. Sie gehören auch zu den Wenigen, die völlig fehlerfrei schreiben - einschließlich Interpunktion und Groß- und Kleinschreibung.

          Das ist eine Leistung, die Ihrer Behauptung widerspricht, dass Sie nichts wirklich geschafft haben bisher.

          Sie schreiben, dass Sie von Anfang an alleinerziehend waren.
          Aber hatten Sie nie eine Partnerschaft oder eine längere Beziehung?

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          • Re: Ich fühle mich nicht als normaler Mensch!

            "..könnte ich vielleicht sogar begreifen, dass Langsamkeit auch eine Stärke sein kann."

            Nicht nur das. Sie gehören auch zu den Wenigen, die völlig fehlerfrei schreiben - einschließlich Interpunktion und Groß- und Kleinschreibung.

            Das ist eine Leistung, die Ihrer Behauptung widerspricht, dass Sie nichts wirklich geschafft haben bisher.
            Da kann man ansetzen... wer ist der, der gut rechtschreiben kann..??

            Es ist so viel nötig, um das mal zu schaffen. Von Kind an muss man sich da disziplinieren und sich anpassen können an die Gesetze, die man vorgegeben hat. Man schreibt hier groß, da klein, da verwendet man ein doppel ss dort ein scharfes ß usw...

            Ist das nicht gleichzusetzen mit einem vorgegebenem Lebensmuster? So macht man es und wer das nicht schafft, der ist ein Versager, der macht dauernd Fehler und ist blöd..

            Liebe Annea, eigentlich zeigst du viele Fehler, wenn es um die Orthograpischen Gesetze des Lebens geht und deine Lehrer alle klopfen dir ständig auf die Finger, weil du nicht machst, wie sie.

            Dürfen sie das???



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