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Begutachtung neurologisch psychiatrisch

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  • Begutachtung neurologisch psychiatrisch

    Hallo,

    1. Mich würde sehr interessieren, wie eine neurologisch psychiatrische Begutachtung in der Regel abläuft ? Es soll überprüft werden, in welchem Umfang Beschwerden mit einem früheren schweren Unfall in Verbindung stehen.

    2. Ist es eigentlich möglich chronische Schmerzen und psychische Beschwerden irgendwie zu messen? Oder ist man der Meinung/Einstufung eines Gutachters vielmehr ausgeliefert?

    3 Kann ein längerer Betäubungsmittelkonsum auch als Unfallfolge mit bewertet werden? Würde mich bei der Begutachtung schon gerne dazu äussern, ich möchte nur vermeiden, das meine Beschwerden wohlmöglich nachher darauf geschoben werden.

    Viele Grüße

  • Re: Begutachtung neurologisch psychiatrisch

    "..in welchem Umfang Beschwerden mit einem früheren schweren Unfall in Verbindung stehen."

    Das hängt von der Art des Unfalls und den beteiligten Organsystemen ab.

    Beim schweren Schädel-Hirn-Trauma z.B. werden nach kognitiver Beeinträchtigung, emotionaler Instabilität und vegetativen Beschwerden gefahndet. Dafür gibt es auch Messmethoden.

    Wenn die Schmerzmitteleinnahme in direkter Beziehung zum Unfall steht, müssen Sie keine Beziehungsumkehr befürchten.

    Überhaupt ist es immer besser, sachlich zu bleiben und eine demonstrative Steigerung bei der Beschwerdeschilderung zu vermeiden.
    Da das so oft vorkommt, haben die Gutachter dafür einen geschulten Blick.

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    • Re: Begutachtung neurologisch psychiatrisch

      Sehr geehrter Herr Dr.Riecke,

      vielen Dank für ihre Antwort.

      Es geht hier um einen schweren Verkehrsunfall, der lange zurück liegt.
      Die Folgen sind orthopädische Einschränkungen mit stark verminderter Belastungsfähigkeit/Schmerzen und psychische Störungen/Trauma. Dies soll nun erstmals bewertet werden.
      Eine rezeptierte Schmerzmitteleinnahme erfolgt in dem Sinne nicht. Aber ich konsumiere schon länger Cannabis. In welche Beziehung würde der Konsum da zum Unfall stehen? Für mich wäre es schlimm, wenn psychische Beschwerden auf diesen Konsum geschoben würden.

      Meine Beschwerden wurden schon recht Umfangreich schriftlich für den Termin festhalten. Was ist mit "demonstrative Steigerung der Beschwerdeschilderung" genauer gemeint ? Über ein kurzes Beispiel wäre ich Dankbar.

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      • Re: Begutachtung neurologisch psychiatrisch

        Ich kenne mich da zwar nicht wirklich aus, außer dass ich das ein oder Gutachten bekommen habe, aber ich denke da solltest du auf dein Gefühl hören.
        Cannabis sind zwar in der Schmerztherapie salonfähig geworden, aber wie der Gutachter das einschätzt ist wieder eine andere Frage.
        Wenn nicht klar kommuniziert wird, könnte auch angenommen werden dass du schon vorher konsumiert hast und da weiß man gar nicht welche Auswirkungen das hätte, aber es gibt viele Vermutungen in Sachen Psyche, wo es wieder vom Gutachter abhängig ist wie er das einordnet.

        Es ist aber definitiv so, dass Cannabis erst "offiziell" als Arzneimittel akzeptiert wird, wenn alles andere versagte und wenn du rein gar nichts in Sachen Schmerztherapie versucht hast, dann könnte dir das als eine Rechtfertigung für Cannabiskonsum ausgelegt werden.

        Sicher gibt es da Richtlinien wie was zu beurteilen ist und verantwortungsvolle Gutachter werden dir keinen Strick draus drehen, nur wenn du dummerweise Pech hast, dann kann es doch zu Unstimmigkeiten kommen.

        Ich würde den Konsum nicht erwähnen, außer ich hätte in dem Moment das absolut sichere Gefühl dass es erwähnt werden sollte.

        Warum willst du das erzählen?
        Gibt es dafür einen besonderen Grund?
        Vielleicht dass du ansonsten keine Schmerztherapie hattest und dadurch die Schmerzen natürlich nicht so gewürdigt werden könnten wie es nötig wäre?
        Dann wäre abzuwägen, inwiefern der Beweis der Schmerzen notwendig ist und wenn du es authentisch rüber bringst, dann würde das auch jeder Gutachter akzeptieren, sofern er nicht in irgendeiner Weise pro Versicherung ist.
        Ich jedenfalls habe die Erfahrung gemacht, dass es am Besten ist da ganz unvoreingenommen hin zu gehen und auf die Fragen so zu reagieren wie es gerade angebracht erscheint und sich auch (teilweise) vom Gefühl leiten zu lassen, aber sicher gibt es auch eine Menge gegenteiliger Erfahrungen.
        Im Grunde habe ich auch einfach immer nur gesagt wie es ist und bin damit ganz gut gefahren, auch bei grenzwertigen Fragen, da habe ich mir erst gar keinen Kopf gemacht was besser wäre und was nicht.

        Aber, natürlich, wenn es schief geht dann würde man sich wünschen es vorher besser gewusst zu haben, das geht aber nicht.#
        Die Gutachter sind nicht vollkommen durchschaubar und somit kann man nicht vorher wissen was man besser nicht gesagt hätte, oder besser doch gesagt hätte.

        Kommentar


        • Re: Begutachtung neurologisch psychiatrisch

          "Was ist mit "demonstrative Steigerung der Beschwerdeschilderung" genauer gemeint ? Über ein kurzes Beispiel wäre ich Dankbar."

          Aus Furcht, dass der Gutachter z.B. Schmerzen nicht ernst nimmt und demzufolge auch nicht hinsichtlich des Grades der Einschränkung bewertet, werden in der Schilderung schon sprachlich die höchsten Steigerungsstufen verwendet.
          Bei der körperlichen Untersuchung stöhnen die Patienten schon beim leichten Berühren, können sich kaum bücken, weil die LWS so schmerzt. Lässt der Gutachter dann aber einen Stift fallen, heben sie ihn höflich auf -- ohne eine Einschränkung zu haben.

          Reicht Ihnen das Beispiel?

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          • Re: Begutachtung neurologisch psychiatrisch

            Hallo Tired,

            Danke für Deine Antwort!

            Richtig, wie der Gutachter das einschätzt ist eine andere Frage. Nein einen bestimmten Grund gibt es nicht das ich dies offen legen wollte, ich bin einfach lieber bei der Wahrheit, aber werd es mir Dank Dir wohl gut überlegen. Wenn man aufgrund des Unfalls unter anderem eine Persönlichkeitsstörung hat, möchte man natürlich nicht das dies auf Cannabis Konsum geschoben wird, genauso wenn es um Angstzustände geht.

            Ich war bei dem Verkehrsunfall noch ziemlich jung, deshalb hat der Cannabis Konsum erst ca. 5-6 Jahre später begonnen.
            In dem Zusammenhang könnte ich noch erzwähnen, das ich nach dem Unfall im Krankenhaus eine ganze Zeit Morphium gegen die Schmerzen bekommen habe.

            Ansonsten habe ich bisher keine Schmerztherapie bekommen, also ist der Cannabis Konsum in Eigenregie das einzigste. Der Konsum von Schmerztabletten scheue ich sehr, deshalb kommt es ganz selten dazu.



            Guten Tag Herr Dr. Riecke,

            vielen Dank für das Beispiel, natürlich reicht dieses vollkommen aus.

            Diese Furch besitze ich auch, habe wirklich Angst vor einer falschen und unausreichenden Bewertung meiner Bescherden/Einschränkungen. Ein weiteres Problem bei mir ist, das ich meine schwere Situation nicht wirklich jemandem gegenüber verkörpern kann. Aus dem Grund habe ich mir wie schon erwähnt einige Notizen zu meinen Beschwerden vorbereitet. Dort verwende ich aber auch die Wörter "sehr","häufig" und "stark", ob dies zuviel des guten ist, keine Ahnung. Ich wüsste nicht wie ich dies anders vermitteln sollte.

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            • Re: Begutachtung neurologisch psychiatrisch

              Vielleicht entschärft es etwas, wenn du die Wörter wie es dir geht, gegen eine Skala austauschst.

              Ich finde ja es wirkt to much, vorbereitet.
              Keine Ahnung ob das gut ist, ich selber ging immer vollkommen unvorbereitet in Gutachten, habe einfach gesagt wie es ist und auch als der kaputte Fuß das Thema war, hatte ich mir (aus Gewohnheit) Mühe gegeben nicht zu hinken, oder zu stolpern, was auch gut gelungen ist.
              Das Gutachten war trotzdem ok.

              Nun kommt es da sicher auch auf den Verlauf an, der ja durch die behandelnden Ärzte dokumentiert wird, wo es zum Teil um messbare Beschwerden geh, ein längerer Zeitraum dokumentiert wird und wo der Gutachter meist auch Einsicht hat. (Schweigepflichtentbindung).

              Warst du denn überhaupt in Behandlung?
              Man sollte meinen das spielt keine Rolle, aber natürlich wird auch geschaut ob jemand zwischenzeitlich beim Arzt war und wenn nicht, dann wird auch mal angenommen dass die Beschwerden dann eben doch nicht groß genug waren.

              So etwas kann man natürlich durch psychische Besonderheiten erklären, z.B. Angst vor Medikamenten, oder Ärzten, ich glaube dann ist es aber sehr speziell und wirklich vom Gut Will des Gutachters abhängig.

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              • Re: Begutachtung neurologisch psychiatrisch

                Die frage ist, ob diese Form des entschärfens wirklich nötig erscheint, aber Danke für die Idee mit der Skala. Für mich sind meine Angaben/Beschwerden keineswegs übertrieben dargestellt. Natürlich habe ich mir aber auch Gedanken gemacht, das es zu gut vorbereitet wirken könnte. Aber aus Erfahrungen, das allgemein wenig Zeit bei Ärzten bleibt, der Tatsache das ich mich schwer jemandem gegenüber öffnen kann und dazu über die hälfte vergessen würde oder aus Scham nicht erwähnen würde, sprechen für mich stark dafür.

                Unterlagen aus der ärztlichen orthopädischer Dokumentation, sollten bei dem Psych. Gutachten laut Unfallversicherung vorliegen. Aber ich gehe davon aus in sehr abgespeckter Form, da meine Akte dort sehr umfangreich ist.

                Ob ich überhaupt in Behandlung war, in psychischer oder orthopädischer Hinsicht? Das ganze ist sehr Komplex über die vielen Jahre, auf jedenfall war ich in beiderlei Hinsicht schon Aktiv. Aber sicher beurteilt das jeder anders,
                Genau dieses "mal annehmen/mutmaßen" des Beschwerdemaßes aufgrund solcher Hintergründe ist für mich nicht akzeptabel.
                Man kann ja auch nicht einfach sagen, jemand der Antidepressiva nimmt, dem geht es schlecht und jemand der keine nimmt, dem geht es noch zu gut. Da gibst Du mir doch sicher recht oder?

                Du hast eine gute Spürnase, es ist wirklich so, das ich unter anderem Angst vor Ärzten, OPs, Medikamenten habe. Mir fällt es sehr schwer zu vertrauen, was sicher auch an den vielen gemachten negativ Erfahrungen in allen Lebensbereichen liegt.
                Gut Will spielt wohl immer eine Rolle, ich denke die Persönlichkeitsebene ist auch sicher wichtig.



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