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An den Experten: Selbstverletzungsdruck

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  • An den Experten: Selbstverletzungsdruck

    Sehr geehrter Herr Doktor,

    ich litt jahrelang unter Depressionen und habe mich selbstverletzt. Ich nehme jetzt fast einem Jahr gar keine Psychopharmaka mehr, hatte zuletzt auch nur noch ein niedrig dosiertes Neuroleptikum.
    Entgegen der Erwartungen der Ärzte habe ich mich seit mehr als einem Jahr nicht mehr geritzt. Trotzdem merke ich, wenn ich in Situationen bin, in denen ich unter Druck stehe wie z.B. letztens vor einer Prüfung, bekomme ich starken Ritzdruck. Ich werde dann unruhig und alles dreht sich um den Drang sich ritzen zu wollen. Ich habe sehr mit mir gekämpft.
    Da mir Skills nie wirklich geholfen haben und ich auch eigentlich keine Borderline-Patientin bin, habe ich versucht die Sache über den kognitiven Weg in den Griff zu bekommen. Also indem ich mir sage, dass das ritzen nur viele negative Folgen hat.
    Trotzdem geht der Ritzdruck natürlich mit starken Gefühlsschwankungen einher, die ich aber nur in diesen Ritzdruckphasen habe. Was kann man dagegen tun? Hört der Ritzdruck nicht irgendwann auf, wenn man sich lange genug nicht geritzt hat?
    Zumindest ist es besser geworden. Früher bekam ich auch ohne Grund Ritzdruck, einfach wenn ich mich "lange" nicht mehr geritzt habe. Es kann fast soetwas wie eine Sucht darstellen, da es einem den Druck und die explosiven Gefühle nimmt. Kann man das Ritzen als "Suchterkrankung" bezeichnen? Was würden Sie vorschlagen, was ich tun könnte? Ich will unbedingt vom Ritzen wegkommen, aber ich habe einen schweren Weg hinter mir. Ich hatte starkes Übergewicht, habe über 30kg abgenommen und habe gleichzeitig aufgehört mit dem Ritzen. Es ist als wenn jemand aufhören will mit Rauchen und gleichzeitig Diät hält.
    Hinzu kommt die hohe Belastung durch meine körperlichen Krankheiten wie die vor drei Jahren neu aufgetretenen Grand Mal Anfälle.

    Vielen Dank und viele Grüße


  • Re: An den Experten: Selbstverletzungsdruck

    Hi,
    bin zwar nicht der Experte aber ich gebe mal meinen Senf dazu.

    Ich glaube dass es bestimmte Trigger gibt die den Druck immer wieder auslösen, jene Trigger die tiefer sitzen auch nicht so leicht verschwinden und auch nach Jahren immer wieder aufflammen.
    Da wäre es gut diese Trigger zu kennen und zu bearbeiten, um deren Einfluss zu minimieren.
    Also wenn der Druck in bestimmten Situationen immer wieder präsent ist, versuchen diese Situationen über die Psyche zu stabilisieren und zu entschärfen.
    Ist es z.B. bei speziellen Stresssituationen so, dann könnte versucht werden den Stresssituationen eine andere Wertigkeit zu geben, mit anderen Gedankenmustern und Entspannungstechniken.

    Ich glaube auch dass es durchaus mit einer Sucht vergleichbar ist, da das Ritzen Erleichterung verschafft und damit das Belohnugssystem bedient, wo man eventuell auch den Mechanismus der Belohnung durch anderes Herangehen umleiten könnte.

    Meiner Meinung ist das Problem bei Handlungen die das Belohnungssystem betreffen, dass man sich dermaßen auf das Unterlassen konzentriert, dass das Ritzen dadurch eher noch mehr Raum in den Gedanken einnimmt, anstatt nachzulassen.
    Es müssten also neue Verbindungen geschaffen werden, dass man etwas tut dass für sich eine ähnliche Aufmerksamkeit fordert, das Ritzen immer mehr aus den Gedanken verdrängt und das Potenzial hat es zu ersetzen.
    Der Ansatz hierfür dürfte im Denken und Fühlen liegen, was beim Bedürfnis des Ritzens automatisch abläuft, dieser Automatismus müsste ersetzt werden, wofür es viel Übung und Durchhaltevermögen braucht.
    Je länger die Strategie durchgehalten wird, desto mehr tritt das Bedürfnis in den Hintergrund, ich würde aber annehmen dass es wie bei der Sucht immer im Hintergrund bleibt und darauf lauert sich wieder bemerkbar zu machen.

    Z.B. Süchtige die das Glück haben das Aufhören für eine unumstößliche Sache zu nehmen und es schaffen für sich zu entscheiden dass es nie wieder Stoff geben wird egal was passiert, diese Entscheidung auch für sich bewahren können, haben es etwas leichter als welche die immer wieder über die Verfügbarkeit stolpern.
    Es ist also auch eine mentale Sache, den Weg und das Gegendenken zu finden welches man verinnerlichen kann und was sich dazu eignet dem Druck stand zu halten.

    Kommentar


    • Re: An den Experten: Selbstverletzungsdruck

      "Was würden Sie vorschlagen, was ich tun könnte?"

      Sie haben beschrieben, dass Ihnen das Ritzen den Druck und die explosiven Gefühle nimmt.
      Also brauchen Sie eine Art Ersatzmechanismus, um diesen Druck zu nehmen.

      Wir hatten in einer klinischen Versuchsreihe mal einen Modus probiert, dass unangenehme körperlich Anstrengung nur für zwei Minuten schon den Druck verdrängte.

      Je nach individueller Vorliebe (oder eigentlich Abneigung) machten die Teilnehmer Liegestütze, Kniebeugen oder Klimmzüge. Jeweils mit maximalem Tempo.

      Das Programm wirkte bei allen! Natürlich unterschiedlich stark.

      Klimmzüge werden Sie zu Hause kaum machen können. Aber gegen Liegestütze haben Sie doch sicher eine gewisse Abneigung, dann wäre diese Variante geeignet.

      Versuchen Sie es...

      Kommentar


      • Re: An den Experten: Selbstverletzungsdruck

        "Danke für die Infos."

        Machen Sie die Klimmzüge für Lufti?

        Kommentar


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