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Was darf ein Patient vom Therapeuten erwarten?

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  • Was darf ein Patient vom Therapeuten erwarten?

    Hallo,

    eine Frage, die mich, sowohl aus Experten-/ als auch Laiensicht, interessiert.

    Jeder Mensch hegt wohl Erwartungen an etwas und/oder jemanden und für gewöhnlich münden Erwartungen in Enttäuschungen, so zumindest meine Erfahrung.

    Ist es also verkehrt, wenn man unzählige, negative Beziehungserfahrungen Zeit seines Lebens gemacht hat, zu erwarten, dass der Therapeut sich auf den Patienten und seine Lebensgeschichte und dem damit verbundenen Leid einlässt?!

    Bisher scheiterten früher oder später alle Therapieversuche, sei es das Erstgespräch, das Vorgespräch, die VT, die stationäre Therapie oder eben jetzt bald wohl auch die TPT.
    Bei dem jetzigen Versuch habe ich aus gutem Grund eine Traumatherapie ausgewählt, da die Vermutung nahe liegt, dass innere Anteile ein anderes 'besseres' Leben mit positiven Beziehungserfahrungen etc. abwehren und einzig ein Leben in Leid und in Qualen verdient wird.

    Ist es also nun ein Fehler vom Patienten, wenn er erwartet, dass der Therapeut, dem man immerhin sehr verletzende Erfahrungen offen gelegt hat, mit einem die 'Reise' antritt?!
    In meinen Augen bedeutet dies nicht, dass man mir bedingungslose Liebe entgegen bringt, sondern dass man das Wagnis eingeht, mit gravierenden und immens herausfordernden Übertragungen (und was sie mit sich bringen) des Patienten fertig zu werden und gemeinsam den Kern der Problematik aufzuschlüsseln, anstatt diese Konfliktsituationen ständig nur als 'Übertragung' darzustellen und überhaupt gar nicht die positiven Anteile der Übertragung zu erwähnen.

    Leider ist das Ganze wieder sehr komplex formuliert, daher kann ich es nachvollziehen, wenn die Rückmeldung dementsprechend ausfällt, bedanke mich aber trotzdem fürs Lesen

    Bin ich in einer Gruppentherapie eventuell besser aufgehoben?
    Oder ist der 'Beziehungstest' eine Chance?

    Danke im Voraus!!
    ​​​​​​​


  • Re: Was darf ein Patient vom Therapeuten erwarten?

    Hi,
    ich denke es kommt darauf an.
    Ich erwarte vom Therapeuten dass er mir zuhört und unvoreingenommen ist, sich aber nicht in meine Welt begibt sondern darüber wacht dass man sich eben nicht darin verliert.
    Dass er sagt wenn ich seiner Meinung nach etwas hätte anders machen sollen und auch mit Kritik ehrlich ist.
    Er sollte aber neutral bleiben und den nötigen Abstand zu dem was ich erzähle haben, was nicht heißt dass er in allem keine Meinung haben sollte, aber eben die des Außenstehenden mit kühlem Kopf.

    Wenn ich z.B. eine VT mache und dort über belastende Situationen aus der Kindheit berichte, dann ist es klar dass dort keine tiefenpsychologische Analyse gemacht wird und der Fokus darauf liegt eine Lösung im Hier und Jetzt zu finden, das Verhalten vielleicht anzupassen.
    Aber trotzdem auch ein wenig am Alten arbeitet, so gut er eben kann und authentisch in seinen Reaktionen ist, was dabei hilft befürchtete Verurteilungen aus dem Weg zu räumen.
    Ich mag nicht diese Therapeuten die eine Maske aufsetzen und so in ihrer Rolle sind das keine Verbindung entstehen kann, ich brauche auch mal eine Reaktion um jemanden einschätzen zu können, was ja Voraussetzung für Vertrauen und Chemie ist.

    Ja, es ist sehr komplex und durch die unterschiedlichen Probleme und Therapieformen eigentlich nicht wirklich zu beantworten.
    Am Wichtigsten ist wohl das was normalerweise am Anfang der Therapie gemacht wird.
    Einen Vertrag schließen wo drin steht was ich mir erwarte und der Therapeut sollte halt schauen dass der Klient den Weg dorthin zumindest im Ansatz nachvollziehen kann, was dann dir Möglichkeit gibt ziemlich klar zu umreißen was gemacht und erwartet wird.
    Wenn etwas nicht passt, muss allerdings der Klient nachhaken, es ansprechen, was sich viele nicht trauen.

    Man kann sich von einem Therapeuten natürlich auch nur das erwarten was er leisten kann, außerhalb der Qualifikationen ist es Glückssache wie weit er sich auf den Klienten einlassen kann, oder eben nicht.
    Dann gibt es wohl auch Unterschiede bei den Lehren, wenn einer nach Freud arbeitet dürfte es so einer sein mit dem ich ziemlich wenig anfangen kann.
    Also es gibt vieles auf dass man bei der Auswahl achten muss um überhaupt Erwartungen stellen zu können und wissen tun das auch die Wenigsten, dass es schon bei der Auswahl große Unterschiede geben kann.

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    • Re: Was darf ein Patient vom Therapeuten erwarten?

      Liebe Tired,

      danke für die ausführliche Rückmeldung.

      Eine Maske setzt sich meine Therapeutin nicht auf, jedoch spüre ich keine Aufrichtigkeit und Wärme in ihren Worten, insbesondere dann wenn Floskeln wie 'Es tut mir leid.' verwendet werden. Für mich ist solch ein Satz nämlich mindestens genauso wertvoll wie 'Ich liebe dich.' Hier erscheint es mir so, dass es einfach nur ein Satz ist der angewandt wird um den Patienten in seinem vorherrschenden Affekt wieder auf den Boden zu bringen. Im Nachhinein stellt man nämlich meist enttäuscht fest, dass der Person gar nicht daran gelegen ist, dass sich das Leid verbessert und ein Zugang zu den Gründen für diesen Affekt gesucht wird, sondern einzig die Ruhe im Raum und damit einhergehenden Gehorsam dem Gegenüber.

      Selbstverständlich ist es richtig, dass hier eindeutige Parallelen zu Beziehungen der Eltern sichtbar sind, jedoch ist es mir zu lieblos, gleichgültig und nicht engagiert genug es mit dieser Begründung einfach abzutun.
      So gewinnt man als Patient den Eindruck als ob der Therapeut sich für die Perfektion, wie sie im Duden steht, hält, da sie weder auf Kritik noch sonstiges reagiert, da sie es einfach 'hinnimmt', weil es nunmal so ist.

      Es mag sicherlich auch sein, dass ich einen Großteil dazu beitrage, dass mein Gegenüber irgendwann so frustriert und verärgert von meinem Dasein ist, dass er nur noch eiskalte Gleichgültigkeit empfindet, aber genau da liegt das Problem.
      Wenn ein Therapeut diese Dinge, sei es projektive Identifizierung, Übertragungsneurose, negative Übertragung etc., als so abartig empfindet, wie kann ich mich dann mit diesen Emotionen anfreunden?

      Sollte ein Therapeut nicht eigentlich als Vorbild fungieren?

      Mein Gesamteindruck ist am Ende der, dass wenn ein ausgebildeter Therapeut, sei es nun Facharzt oder Psychotherapeut, so zornig auf meine Existenz ist, dass ich dann auch kein Grund habe, zu hoffen, dass es irgendwann einmal anders sein wird und alles 'nur' auf innere Konflikte zurückzuführen ist, sondern ich als Mensch und mein Dasein der wahre Fehler ist.

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      • Re: Was darf ein Patient vom Therapeuten erwarten?

        Jedes Mal bemühe ich mich intensiv um eine Veränderung und lasse all meine vorhandene Motivation, Engagement und Willen einfließen, doch alles versickert immer noch in den frühen Anfängen.

        Wie soll es überhaupt jemals gelingen?

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        • Re: Was darf ein Patient vom Therapeuten erwarten?

          Liebe Tired,

          Mein Gesamteindruck ist am Ende der, dass wenn ein ausgebildeter Therapeut, sei es nun Facharzt oder Psychotherapeut, so zornig auf meine Existenz ist, dass ich dann auch kein Grund habe, zu hoffen, dass es irgendwann einmal anders sein wird
          Vielleicht ist dein Eindruck auch falsch.
          Könnte es nicht sein dass du Gesten, Worte und Sätze mit etwas negativem verbindest, ohne dass die Thera überhaupt nur einen negativen Gedanken gefasst hat?
          Für dich ist der Satz "Es tut mir leid", wie das Bekenntnis "Ich liebe dich", für die meisten Menschen aber nicht.
          Da ist klar dass du diese Tiefe die der Satz für dich bedeutet, nicht in der Therapeutin wieder findest.
          Es kann ihr durchaus leid tun, aber sicher nicht in der Dimension die du damit verbindest, es ist also kein Betrug von ihr das zu behaupten, nur eine andere Definition.
          Auch dass sie kalt ist und zornig auf deine Existenz, könnte doch eine Fehlinterpretation sein und eben die Art wie Fachleute versuchen Distanz zu bewahren, möglicherweise auch Unsicherheit was sie mit dir anfangen sollen.

          Ich habe die Erfahrung gemacht dass Fachleute die einem Patienten gegenüber so empfinden würden, ihn an Kollegen verweisen würden und Therapie oder Behandlung ablehnen.
          Der Therapeut sucht sich seine Klienten genauso aus wie umgekehrt, wer nicht passt der wird auch nicht genommen, oder es wird abgebrochen.
          Vielleicht siehst du in diesen Menschen mehr deine eigenen Befürchtungen gespiegelt, als dass es wirklich so ist?

          Frag sie doch mal.

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          • Re: Was darf ein Patient vom Therapeuten erwarten?


            Könnte es nicht sein dass du Gesten, Worte und Sätze mit etwas negativem verbindest, ohne dass die Thera überhaupt nur einen negativen Gedanken gefasst hat?
            Das Einzige, was ich permanent bei einer Kontaktaufnahme zu meinem Wesen empfinde, ist die innere Überzeugung, dass in Wirklichkeit hinter allem nur eine Absicht steckt, meist die Absicht mich bei Belieben zu quälen und jede Art der Kommunikation nur Lockmittel sind um meine Schwächen und Ängste ausfindig zu machen und sie gegen mich zu verwenden und möglichst schwerwiegende Folgen anzurichten.
            Also eine denkbare schwierige Ausgangsbasis für Vertrauen...

            ...möglicherweise auch Unsicherheit was sie mit dir anfangen sollen.
            Tatsächlich sagte sie in der letzten Sitzung auch, dass sie nur Fragezeichen bei dem sieht, was sich gerade abspielt.

            Aus dieser Tatsache entspringt dann auch die tiefe Hoffnungslosigkeit, dass mir sowieso keiner helfen kann.

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            • Re: Was darf ein Patient vom Therapeuten erwarten?


              Das Einzige, was ich permanent bei einer Kontaktaufnahme zu meinem Wesen empfinde, ist die innere Überzeugung, dass in Wirklichkeit hinter allem nur eine Absicht steckt, meist die Absicht mich bei Belieben zu quälen und jede Art der Kommunikation nur Lockmittel sind um meine Schwächen und Ängste ausfindig zu machen und sie gegen mich zu verwenden und möglichst schwerwiegende Folgen anzurichten.
              Also eine denkbare schwierige Ausgangsbasis für Vertrauen...
              Hast du das der Therapeutin mal erzählt?
              Vielleicht gibt es Wege diese Gedanken in eine positivere Richtung zu lenken.

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              • Re: Was darf ein Patient vom Therapeuten erwarten?

                In der vorletzten Sitzung hatte ich ihr mitgeteilt, dass ich mich im Prinzip wie in einem Meer von Sadisten fühle, rational betrachtet Unsinn, aber im Inneren eine verankerte Überzeugung, aber auch hier war sie ratlos und hat diese Problematik nicht weiter vertieft.

                Eine positive Wendung kann sich derzeit und wohl auch nicht in den nächsten Monaten einstellen, da der Grundkonflikt Autonomie vs. Nähe alles immer wieder zerstört und gerade auch sehr fleißig am Brodeln ist, sodass alles, egal was, negativ ausgelegt wird.

                Also ist die einzige Option der Abbruch um sein Gesicht zu wahren und nicht verletzt und/oder verlassen zu werden, denn das was ich benötige finde ich nicht, wohl bei niemanden, weil es einfach etwas ist, dass man in seiner Kindheit hätte erleben müssen.
                Und so lebt die Sehnsucht die tiefe Verbundenheit zu einem Menschen, der einen als Mensch sieht, nur als Mensch, wo also weder das Aussehen noch die geschlechtliche Identität eine Rolle spielen, für immer fort und die Gewissheit der Leere wird immer bleiben...

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                • Re: Was darf ein Patient vom Therapeuten erwarten?

                  Also ist die einzige Option der Abbruch um sein Gesicht zu wahren und nicht verletzt und/oder verlassen zu werden, denn das was ich benötige finde ich nicht, wohl bei niemanden, weil es einfach etwas ist, dass man in seiner Kindheit hätte erleben müssen.
                  Diese Lücke kann und darf deine Therapeutin ohnehin nicht füllen.

                  Sie ist VT?
                  Da ist dann auch klar dass sie etwas überfordert ist, aber anscheinend liegt ihr (Beruflich gesehen) dann doch so viel an dir.
                  Sie gibt nicht auf, auch wenn sie vielleicht nicht weiter weiß, lässt sie dir weiterhin die Gelegenheit und die Möglichkeit mit ihr zu reden.
                  Sicher wird sie sich auch selber Gedanken darüber machen wie ihr anders vorgehen könntet, damit sich Fortschritte einstellen können.

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                  • Re: Was darf ein Patient vom Therapeuten erwarten?

                    Genau dasselbe sagte sie mir auch, denn irgendwann ist die Therapie beendet und wenn Sie im Verlauf der Therapie die Rolle der 'Mutter' übernimmt, käme es einem Verlassen gleich, sodass ein Weitereben keinen Sinn hat und ich aus diesem Grunde diese Tatsache, die Realität ist, akzeptieren muss.

                    Jene Tatsache ist jedoch so schmerzhaft, dass sie kaum ertragen werden kann und es schwer fällt in dem Ganzen, die Beziehung zu ihr, einen Sinn und einen Wert zu sehen, also beginnt man das Positive was erreicht wurde zu entwerten, damit der Schmerz den man fühlt, von ihr gespürt wird, wofür man sich noch viel mehr hasst, da man so ein Mensch eigentlich gar nicht sein möchte, aber innerlich alles 'Nein' schreit.

                    Nein, sie arbeitet mit einem tiefenpsychologischen Ansatz und hat eine PITT-Weiterbildung absolviert, also eigentlich die allerbeste Grundlage, aber offenbar ist die Problematik der Bejahung zu einer Beziehungsaufnahme und all den Risiken, aber auch Hoffnungen, viel gravierender.

                    Wenn ihr etwas an mir liegt, wieso reagiert sie dann vollkommen gleichgültig auf einen großen Fortschritt in meinem Privatleben? Durch die Blume habe ich ihr damit eigentlich meinen Dank zum Ausdruck gebracht, da man es sich nun offenbar gemütlich in dieser Welt machen möchte und wieder etwas Farbe in seinen vier Wänden bringt, aber auch da keine Reaktion außer 'So sollte es auch sein.'

                    Wieso also Dank äußern, wenn es ohnehin irrelevant ist und einfach abprallt?

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                    • Re: Was darf ein Patient vom Therapeuten erwarten?

                      Wieso also Dank äußern, wenn es ohnehin irrelevant ist und einfach abprallt?
                      Wie hätte sie denn reagieren sollen?
                      Der Fokus liegt auf dir und nicht auf ihr.
                      "Dass es auch so sein sollte", bedeutet ja auch dass sie es registriert hat, aber sie wird auch wissen dass der Grad zwischen Abgrenzung und Zuwendung schmal ist.
                      Eine persönliche Beziehung, oder eine gewisse Abhängigkeit, egal ob ein oder beidseitig, möchte kein Therapeut riskieren.
                      Du scheinst dazu zu neigen, zu extremen, entweder ist es ganz furchtbar mit der Thera oder sie ist eine wichtige Person in deinem Leben, sie versucht beides zu vermeiden und natürlich vor allem letzteres.

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                      • Re: Was darf ein Patient vom Therapeuten erwarten?

                        Letzten Endes kann man es mir auch nicht recht machen, denn entweder hat man das Gefühl, dass ihre Anteilnahme in mein ganzes Wesen eindringt und mich aufspießt und mir die Autonomie nimmt oder eben das sie mich lieblos behandelt, vernachlässigt und wie ein Putzlappen liegen lässt und wegwirft.

                        Indem Sie sich mit mir über diesen Fortschritt gefreut hätte, dass etwas Positives in meinem Leben passiert ist. Und da genau diese Reaktion nicht erfolgte, gewinne ich das Gefühl, dass meine Existenz gleichgültig ist, ob ich nun im Straßengraben liege oder ihr gegenüber sitze, scheint vollkommen egal zu sein.

                        Wie soll also ein Therapeut eine Beziehung zu jemanden aufbauen und Wärme und Aufrichtigkeit vermitteln, in meinen Augen unerlässlich, ohne aber den Patienten in ein Abhängigkeitsverhältnis zu bringen oder falsche Hoffnungen bzw. Erwartungen zu wecken?

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                        • Re: Was darf ein Patient vom Therapeuten erwarten?

                          Eine Beziehung ohne Wärme, Aufrichtigkeit und Anteilnahme, ohne aber miteinander zu verschmelzen, ist für mich unvorstellbar.
                          Alles ist ohnehin leer, eiskalt und furchtbar düster in Inneren, wenn dies nicht da ist, fehlt für mich der Sinn des Ganzen.

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                          • Re: Was darf ein Patient vom Therapeuten erwarten?

                            Also bei meinem klappt das ganz gut, ist aber sicher auch eine Frage des Menschentyps.
                            Er ist einfach nicht in der Lage manche Emotionen zu verbergen, vielleicht ist es auch einfach nur so dass ich diesen Typ Mensch ganz gut lesen kann.

                            Ich denke aber dass die Therapeuten während der Ausbildung sehr darauf gedrillt werden Distanz zu wahren, die Stunden nicht zu überziehen, immer neutral zu sein.
                            Es wird zum Berufsbild gehören, denn bevor ich bei meinem Therapeuten gelandet bin war ich auch auch bei mehreren zu denen ich gar keinen Draht gefunden hatte.
                            Mag jetzt Zufall sein, aber das waren alles Frauen, aber mit Frauen passt es in der Hinsicht sowieso nicht so gut bei mir.

                            Kommentar


                            • Re: Was darf ein Patient vom Therapeuten erwarten?

                              Eine Beziehung ohne Wärme, Aufrichtigkeit und Anteilnahme, ohne aber miteinander zu verschmelzen, ist für mich unvorstellbar.
                              Alles ist ohnehin leer, eiskalt und furchtbar düster in Inneren, wenn dies nicht da ist, fehlt für mich der Sinn des Ganzen.
                              Du beschreibst da aber eine Beziehung mit einem Menschen der dir sehr nahe steht, für die Beziehung zu einer Therapeutin ist zu viel davon Tabu.
                              Welcher Therapeut würde seinen Job lange gut machen können, wenn er sich emotional dermaßen auf seine Klienten einlässt?
                              Das funktioniert nicht auf Dauer, sondern macht den Therapeuten auch irgendwann therapiebedürftig.

                              Kommentar


                              • Re: Was darf ein Patient vom Therapeuten erwarten?

                                Ein einziges Mal war ich bei einem männlichen Therapeuten, wo ich einfach nur pure Angst verspürte, gleichzeitig aber auch eine unbeschreibliche Akzeptanz und Geborgenheit, ein Gefühl von 'Angekommen-Sein', recht irritierend.

                                Aus diesem Grund stellt sich mir die Frage, ob die Erwartungshaltung der bedingungslosen Liebe, die aber nicht erfüllt wird, das Problem ist oder das Geschlecht.

                                Wunderbar, dass du schon angekommen bist und das Gefühl von 'Sein dürfen' gefunden hast

                                Auf mich wirkt Distanz grundsätzlich recht schnell unmenschlich. Nur weil man Therapeut oder Arzt ist hat man doch trotzdem Gefühle, aber ständig werden die Emotionen verborgen, gleichzeitig aber erwartet, dass der Patient sich anvertraut??

                                Kommentar


                                • Re: Was darf ein Patient vom Therapeuten erwarten?


                                  Du beschreibst da aber eine Beziehung mit einem Menschen der dir sehr nahe steht...
                                  Für mich ist dieses Fundament grundlegend um überhaupt jemanden zu vertrauen. Irgendeine Form, welcher Art auch immer, von dieser Beziehung muss geschaffen werden ohne aber dass einer den anderen in die Fluten (mit-)reißt.

                                  Denn Distanz gleich Desinteresse.

                                  Kommentar


                                  • Re: Was darf ein Patient vom Therapeuten erwarten?


                                    Für mich ist dieses Fundament grundlegend um überhaupt jemanden zu vertrauen. Irgendeine Form, welcher Art auch immer, von dieser Beziehung muss geschaffen werden ohne aber dass einer den anderen in die Fluten (mit-)reißt.
                                    Ja, das würde auf eine Freundschaft oder Partnerschaft passen, Therapeuten müssen dies aber vermeiden.
                                    Du scheinst dir große Wärme und Zuneigung zu erwarten, was jeder Therapeut ablehnen würde und da diese Thera tut was ihr von berufswegen geboten ist, fühlst du dich abgelehnt und tief verletzt.
                                    Die Therapeutin kann das nicht ändern, sie ist so weil es für sie zu ihrem Berufsbild gehört.
                                    Du könntest vielleicht deine Sichtweise darauf ändern, sie darf nur ein bestimmtes Maß an Wohlwollen und Geborgenheit vermitteln, wenn eine Klientin darauf fixiert ist, dann muss sie es eher reduzieren als steigern, um euch beide zu schützen.
                                    Versuch die Frau als Instrument zu sehen, jemanden der eine Therapie verabreicht und die sich nicht auf jeden Klienten emotional so einstellen kann dass er sich absolut gut mit ihr fühlt, dafür müsste sie ein Stück ihrer Distanz aufgeben und das geht nicht.
                                    Sie ist so weil sie es nach ihrer Berufsauffassung sein muss, nicht wegen dir, oder weil sie nicht will, sie kann und darf nicht.

                                    Ich bin sicher dass sie auch Wärme und Sicherheit ausstrahlt, sich über Erfolge freut und du kannst es vielleicht nicht erkennen weil du nur die großen Gefühle akzeptierst, das ist aber nicht ihre Aufgabe.
                                    Diesen Hunger danach kannst du mit ihr besprechen, aber stillen darf sie ihn nicht, nur dir dabei helfen eine Lösung zu finden um diesen Hunger in den Griff zu bekommen.

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                                    • Re: Was darf ein Patient vom Therapeuten erwarten?


                                      Denn Distanz gleich Desinteresse.
                                      Für mich ist eine professionelle Distanz Selbstschutz und das Schützen des "Schütz"lings.

                                      Du und viele andere, würden kaputt gehen wenn sich solch enge Beziehungen aufbauen und dann ist die Therapie beendet.
                                      Die Therapeuten könnten sich vor Stalkern nicht mehr retten, da fast alle in einer emotionalen Abhängigkeit zu ihnen wären.
                                      Abhängigkeit ist Sucht und genau das muss vermieden werden, es geht darum wieder alleine klar zu kommen und da würde eine zu tiefe Bindung nicht stören, sondern auch schaden.

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                                      • Re: Was darf ein Patient vom Therapeuten erwarten?

                                        Eine Beziehung ohne Wärme, Aufrichtigkeit und Anteilnahme, ohne aber miteinander zu verschmelzen, ist für mich unvorstellbar.
                                        Dazu fällt mir noch ein, der erste Teil ist sicher machbar in einer Therapie, bis zu einem gewissen Punkt.
                                        Vielleicht versucht sie dies auch zu vermitteln, du erkennst es nur nicht weil das Verschmelzen fehlt und das ist ein Nogo.
                                        In der Verwandtschaft haben wir eine Therapeuten, da ist ein absolutes Nogo mit Angehörigen eine Therapie zu machen.
                                        Die Nähe würde den Erfolg zum scheitern verurteilen, es gehört zum Berufsethos niemanden zu therapieren zu dem eine enge Bindung besteht.
                                        Es wäre irrwitzig wenn diese Bindung dann mit unbekannten Klienten aufgebaut würde, um dann zu therapieren, es würde nichts werden.

                                        Versuch das aus dieser Sicht zu sehen, dann kannst du vielleicht einen Umgang damit finden der die Therapie möglich macht, ohne dass die nötige Distanz verletzend auf dich wirkt.
                                        Denn die Distanz wird ja nicht zu dir gehalten weil du du bist, sondern zu jedem Klienten, immer und eben weil erfahrungsgemäß zu viel Nähe die gesamte Therapie gefährdet und das Ende dieser Bindung viele in ein tiefes Loch stürzen würde.

                                        Kommentar


                                        • Re: Was darf ein Patient vom Therapeuten erwarten?


                                          Versuch das aus dieser Sicht zu sehen, dann kannst du vielleicht einen Umgang damit finden der die Therapie möglich macht, ohne dass die nötige Distanz verletzend auf dich wirkt.
                                          Denn die Distanz wird ja nicht zu dir gehalten weil du du bist, sondern zu jedem Klienten, immer und eben weil erfahrungsgemäß zu viel Nähe die gesamte Therapie gefährdet und das Ende dieser Bindung viele in ein tiefes Loch stürzen würde.
                                          Diese Sichtweise hat mir nun wieder Hoffnung gespendet.
                                          DANKE!!

                                          Wenngleich das Gefühl, dass ich ihr gleichgültig bin, sobald sie sich distanziert zeigt, direkt aufflackern wird, jedoch werde ich versuchen die Sichtweise, dass auch andere Patientinnen diesen Schmerz aushalten müssen und lernen müssen, dass dieses Bedürfnis nicht befriedigt werden darf und kann, zumindest von der Therapeutin, im Hinterkopf zu behalten und es als Ansporn nutzen herauszufinden wie ich selbst diese Geborgenheit zu mir herstellen kann ohne dies von einem Mitmenschen zu verlangen.

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                                          • Re: Was darf ein Patient vom Therapeuten erwarten?

                                            Kennst du den Film Chloe?

                                            Der Film demonstriert auf eine höchst eindrucksvolle Art und Weise wie die Welt 'draußen' ist.
                                            Die Schönheit und der Körper einer Frau ist begehrenswert, aber nicht ihr inneres Wesen und dessen Bedürfnis nach Geborgenheit.

                                            Ganz am Ende, die Schlussszene, da betont sie, dass sie seit jeher nur von allen Menschen benutzt wurde, benutzt als Katalysator um eigene Beziehungen wieder zu entfachen, aber der Wert als Mensch, der sich auch nach einem derartigen Engagement und Hingabe für die Existenz sehnt, wurde vollkommen außer Acht gelassen.

                                            Aus diesem Grunde benötige ich Hingabe von meinem Gegenüber um überzeugt zu sein, dass ich nicht nur benutzt werde.

                                            Die Menschen inszenieren sich immer so als ob Gefühle der Nagel zum Sarg wären und dementsprechend im Alltag nichts zu suchen haben, wundern sich dann aber, wenn sie seelisch krank werden, weil sie permanent diese Maske aufgezogen haben.
                                            Für mich passt das einfach nicht zusammen.
                                            Man kann in meinen Augen hingebungsvoll sein und trotzdem im Alltag bestehen, die Leugnung der Gefühle und das man ein Mensch ist viel schlimmer.

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                                            • Re: Was darf ein Patient vom Therapeuten erwarten?

                                              Aus diesem Grunde benötige ich Hingabe von meinem Gegenüber um überzeugt zu sein, dass ich nicht nur benutzt werde.
                                              Aber benutzt du diese Menschen dann nicht auch, wenn du erwartest dass sie sich hingeben müssen und voller Vorwurf bist wenn sie dies nicht tun?

                                              Das kann auch nicht jeder, mir selber würde im Traum nicht einfallen mich hingebungsvoll zu zeigen, um mit jemanden in engeren Kontakt zu treten.
                                              Ich mag lieber eine gewisse Distanz, kommt jemand und erwartet eine solche Nähe bin ich weg, nach Außen kann und will ich meine Gefühle gar nicht ausstellen.
                                              Trotzdem erwarte ich nicht von den Menschen dass sie auf Abstand bleiben, es ist meine Sache und ich muss akzeptieren dass nicht alle gleich sind.
                                              Jeder hat das Recht so zu sein wie er ist, oder wie er sich gibt, niemand darf erwarten dass sich andere an den eigenen Bedürfnissen orientieren, denn die anderen haben ganz andere Bedürfnisse und auch Intentionen.

                                              In Sachen Thera erwartest du definitiv zu viel und im Grunde überschreitest du damit auch ihre Grenze zum Privatmensch.
                                              Trotz allem ist es ihr Job, ein Job, den sie da macht und die Bedürfnisse anderer mit ihren eigenen Emotionen zu stillen, das gehört sicher nicht zum Profil.

                                              Einzig du kannst etwas ändern, indem du deine Einstellung dazu änderst, dass jeder so zu sein hat und ansonsten kannst du nicht vertrauen.
                                              Ich finde gerade die Distanz schafft vertrauen, was für ein Grund sollte jemand haben mein Vertrauen auszunutzen, wenn ich keine persönliche Beziehung zu ihm habe?
                                              Je hingebungsvoller, desto Riskanter in Sachen Vertrauensbruch.
                                              Ich möchte ja keine Liebesbeziehung mit der Thera eingehen, es ist eine Geschäftsbeziehung und in der geht es ausschließlich um mich und nicht um sie.

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                                              • Re: Was darf ein Patient vom Therapeuten erwarten?


                                                Aber benutzt du diese Menschen dann nicht auch, wenn du erwartest dass sie sich hingeben müssen und voller Vorwurf bist wenn sie dies nicht tun?
                                                Aus diesem Blickwinkel ist es sicherlich eine Forderung, die ich stelle, das stimmt schon. Jedoch nicht um einseitig einen Gewinn zu haben, sondern um gegenseitig voneinander zu profitieren und das Beste herauszuholen.

                                                Jeder hat das Recht so zu sein wie er ist, oder wie er sich gibt, niemand darf erwarten dass sich andere an den eigenen Bedürfnissen orientieren, denn die anderen haben ganz andere Bedürfnisse und auch Intentionen.
                                                Selbstverständlich, aber offenbar liegt das Problem dann wohl doch eher im Machtgefälle und darin, dass die Therapeutin mich in und auswendig kennt und ich nicht ein Fünkchen von ihr.

                                                In Sachen Thera erwartest du definitiv zu viel und im Grunde überschreitest du damit auch ihre Grenze zum Privatmensch.
                                                Trotz allem ist es ihr Job, ein Job, den sie da macht und die Bedürfnisse anderer mit ihren eigenen Emotionen zu stillen, das gehört sicher nicht zum Profil.
                                                Wortwörtlich was sie auch gesagt hat :O

                                                Ich finde gerade die Distanz schafft Vertrauen, was für ein Grund sollte jemand haben mein Vertrauen auszunutzen, wenn ich keine persönliche Beziehung zu ihm habe?
                                                Gute Frage...

                                                Es ist eine Geschäftsbeziehung und in der geht es ausschließlich um mich und nicht um sie.
                                                Es fällt mir sehr schwer, dass so zu betrachten. In jedem Kontakt, nicht nur auf die Therapie bezogen, sehe ich auch immer das Wesen hinter dem Gesicht, aus den unterschiedlichsten Gründen, entweder würde ich gerne wissen wie es dieser Mensch schafft so etwas Positives und Lebensbejahendes auszustrahlen oder warum derjenige gerade so unfreundlich zu der Bäckereiverkäuferin war obwohl sie sich die größte Mühe gegeben hat.
                                                Ich möchte meine Mitmenschen gerne kennenlernen und daher ist es für mich schwer vorstellbar mich einerseits anzuvertrauen und andererseits die Gewissheit zu haben, dass alles nur 'künstlich' erschaffen ist :/

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                                                • Re: Was darf ein Patient vom Therapeuten erwarten?

                                                  Eigentlich macht es einen sogar ziemlich traurig und die Gewissheit, dass die Existenz keine Bedeutung hat und man jederzeit austauschbar ist.

                                                  Wenn ich mir vorstelle, dass im weiteren Verlauf Momente erfolgen, in denen sie mich unterstützt und anleitet meine inneren Kinder zu versorgen und ich keine Dankbarkeit dafür empfinden darf, weil es dann bedeutet, dass sie eine Bedeutung in meinem Leben hat, ist es schon ziemlich schlimm.

                                                  Allein ist es qualvoll, gemeinsam aber auch.

                                                  Fraglich, ob sich jemals genügend Selbstliebe ausbildet um sich selbst vollkommen zu sein...

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