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Bestrahlung u. Hormontherapie?

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  • Bestrahlung u. Hormontherapie?

    Bei meinem Vater (76) wurde nach einer Gewebeentnahme ein Prostatakarzinom festgestellt. Nach Aussage des Urologen handle es sich um ein Karzinom, das so klein sei, dass eine Operation nicht in Betracht käme. Im ersten Termin nach der Gewebeuntersuchung schlug er meinem Vater daher eine externe Strahlentherapie vor. Als mein Vater seinen Unmut darüber äußerte, dafür merhmals wöchentlich in eine 40 km entfernte Klinik fahren zu müssen, schlug der Urologe eine Hormontherapie ("chemische Kastration") vor.

    Ich recherchierte daraufhin im Internet, entdecke die Brachytherapie (Bestrahlung in Form eingesetzter "Seeds") und berichtete davon meinem Vater. Beim nächsten Termin beim Urologen erklärte dieser, dass für die Brachytherapie der PSA-Wert zu hoch sei. Er überwies nun meinen Vater an einen Radiologen zur weiteren Untersuchung und verkündete noch im selben Termin, dass sowohl eine externe Strahlentherapie als auch eine Hormontherapie durchgeführt werden soll.

    Zunächst irritiert mich, dass der Urologe überhaupt schon Aussagen zur Therapie macht, bevor durch weitere Untersuchungen das Stadium der Erkrankung festgestellt wurde. Dann wundert mich vor allem, dass bei einem für einem Operation zu kleinen Karzinom nun sowohl eine Strahlentherapie als auch eine Hormontherapie durchgeführt werden soll. Vor allem die möglichen Nebenwirkungen der letzteren sind ja erheblich. Muss bei einem "kleinen" Karzinom (genauere Angaben habe ich leider nicht) wirklich zusätzlich zur Strahlentherapie dieses Geschütz aufgefahren werden?

    Für mögliche Antworten bedanke ich mich im Voraus.

  • RE: Bestrahlung u. Hormontherapie?


    Ich habe vor 1½ Monaten bei unter antiandrogener Therapie steigenden PSA-Werten (PSA > 9ng/ml) ein C11-Cholin-PET/CT und ein MRT anfertigen lassen. Ich bekomme außerdem 4-wöchentlich Zometa.

    Im Befund steht:
    Knochen: ausgedehnte osteosklerotische Metastasen im R. inferior des Os pubis. Weiter punktförmige osteosklerotische Metastasen 2x im Os ilium. Im Os sacrum, in LWK5, LWK2, BKW10, am vetebralen Anteil der 6. Rippe. Alles ohne Cholin-Mehranreicherung“.

    Wie würden Sie, Hr. Dr. Kahmann, die Tatsache werten, dass meine Knochenmetastasen kein Cholin anreichern? Angenommen, ich würde jetzt ein konventionelles Skelettszintigramm anfertigen lassen, würden Sie davon ausgehen, dass dieses ebenfalls negativ wäre. Ich würde das vermuten. Kann ich davon ausgehen, dass meine Knochenmetastasen ruhen?

    Ich habe Ostase (<2,0µg/l – Grenzwert Männer 3,8 - 21,3µg/l) und natürlich alkalische Phosphatase (46U/l) bestimmen lassen. Beide Werte sind im niedrigen Bereich. Das spricht m. E. gegen Knochenaktivitäten und würde damit meine Vermutung ruhender Knochenmetastasen stützen. Ich habe keine Knochenschmerzen.

    Wenn meine Knochenschmerzen ruhen, wo kommt dann aber mein steigendes PSA her?

    Im Befund steht weiterhin:
    „Lokalbefund Prostataloge: Keine eindeutige Weichteilvermehrung. Im Anastomosenbereich angedeutete Cholin-Mehranreicherung.

    LK-Status: iliacal und inguinal kein Nachweis von pathologisch vergrößerten LK oder Cholin-Mehranreicherungen. Retroperitoneal unspezifisch vergrößerte LK bis zu 1 cm Cholin-positiv. Nachweis eines 8mm großer LK rechts hilär mit vermehrter Cholin-Aufnahme. Sonst keine suspekte LK-Vergrößerung“.

    Man könnte vermuten, dass mein PSA-Anstieg vorwiegend oder ausschließlich vom Lymphknotenbefall herrührt. Würden Sie diese Auffassung teilen? Würden Sie noch eine Möglichkeit sehen, diesen Lymphknotenbefall lokal zu therapieren - Strahlentherapie, OP, was auch immer?

    Ich bin schmerzfrei und körperlich leistungsfähig. Gleichwohl ist meine Situation äußerst prekär. Mein PSA steigt unter antiandrogener Therapie stramm. Was tun?

    WinW

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    • RE: Bestrahlung u. Hormontherapie?


      Die vonIhnen durchgeführetn Untersuchungen sind aller Wahrscheinlichkeit nach durch die Hormontherapie in Ihrer Ausaggekraft eingeschränkt. Deshalb sind Untersuchungen, die auf Basis von Stoffwechselprozessen basieren, wie das PET nicht indiziert. Untersuchungen wie das MRT sind jedoch von der Hormontherapie nicht beeinflusst und zeigen morphologisch die Metastasen an. Deshalb sind Ihre Befunde nur vordergründig widersprüchlich. Der PSA Anstieg muss nicht von den Knochenmetatstasen her stammen, er kann auch durch Zunahme der Metatstasen in den Lymphknoten bedingt sein. Insofern ist Ihre Aussage diesbezüglich nicht von der Hand zu weisen.
      Bezüglich der weiteren Therapie sind operative und Strahlentherapeutische Massnahmen nicht ausreichend. Die Frage stellt sich, welche Form der Hormontherapie derzeit angewandt wird und ob man hier noch Möglichkeiten z.B. der maximalen Androgenblockade ausnutzen kann.

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      • RE: Bestrahlung u. Hormontherapie?


        Zur Beurteilung der Therapiemöglichkeiten benötige ich von Ihnen weitere Aussagen: bitte teilen Sie den PSA Verlauf, die Anzahl der Biospien, wieviele waren mit Tumor befallen, welcher Gleason Grad wurde diagnostiziert mit.
        Sie wundern sich zurecht über die Meinungsbildung Ihres Urologen. Sobald Sie uns die fehlenden Angaben gemacht haben, kann ich Ihnen besser Auskunft geben.

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        • Arzt im Urlaub


          Mein Vater sagte mir heute, dass der Urologe bis zum 07.01. im Urlaub ist; bis dahin sehe ich leider keine Möglichkeit, die Werte in Erfahrung zu bringen. Vielen Dank für die Hinweise und die Bereitschaft zu weiteren Auskünften. Ich werde die Informationen nachtragen, sobald es mir möglich ist.

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          • Werte nun bekannt


            Gestern waren folgende Werte zu erfahren:

            PSA-Verlauf?
            17 - 13,5 - 11,5 - 13,7

            Anzahl Biopsien / wie viele davon befallen?
            10 / 2 li

            Gleason-Grad?
            7

            Tumorstadium?
            T2

            Lymphknoten befallen?
            NX M0

            Radiologische Untersuchung ergab keine Knochenmetastasen.

            Nachdem mein Vater noch mal sein Unbehagen über eine Hormontherapie geäußert hat, meinte der Urologe gestern, es würde auch eine externe Strahlentherapie ausreichen.

            Nachdem, was ich bisher gelesen habe, ist wohl leider der PSA-Wert tatsächlich zu hoch für eine Brachytherapie (Seeds). Oder wird bei den genannten Werten auch die Möglichkeit einer Brachytherapie vertreten?

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            • Re: Werte nun bekannt


              Vielen Dank für die weiteren Infos. Bei den angegebenen Parameteren kommt eine alleinige Brachytherapie nicht in Betracht. Man kann jedoch eine sogenannte Kombination aus einer reduzierten Brachytherapie mit 110 Gy (anstelle von 145 Gy)und einer reduzierten externen Bestrahlung (45 anstelle von 72 Gy) durchführen. Diese Kombination führen wir seit vielen Jahren durch. Die Erfolge sind gut bei geringfügig höherer langfristiger Toxizität als bei einer alleinigen Brachytherapie.

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              • Re: Werte nun bekannt


                Danke, das klingt interessant. Also diese kombinierte Therapie wäre von den Nebenwirkungen her günstiger als eine nur externe Strahlentherapie bei einer vergleichbaren Erfolgsrate? Wissen Sie, ob so eine Therapie im Raum Braunschweig / Hannover (Umkreis 150 km) angeboten wird? Hat die Therapie vielleicht einen "griffigen" Namen für eine Google-Recherche?

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                • Re: Werte nun bekannt


                  Ich kann nicht sagen, dass die Kombinationstherapie von den Nebenwirkungen her deutlich günstiger ist als die alleinige externe Besrtahlung, unsere Erfahrungen haben jedoch gezeigt, dass gerade die Komplikationen im Bereich des Enddarmes wohl geringer sind, die Inkontinenz auf dem gleichen Niveau und die Impotenz ebenfalls vergleichbar ist. Ich bin mir nicht sicher, ob die Kollegen in Hannover (Vinzenz-KH oder MHH) die Kombi anbieten. Wir haben sicher die meiste Erfahrung auf diesem Gebiet. Wir führen die Kombi üblichewrweise bei auswärtigen Patienten so durch, dass die Seeds bei uns gelegt werden und dann ein Strahlentherapeut am Wohnort des Patienten später die externe Bestrahlung durchführt. Ich bin mir nicht sicher, ob Sie bei Google wirklich fündig werden. Man muss in den jeweiligen Kliniken direkt anfragen, ob diese Patienten mittels der Kombi behandeln.

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                  • Re: Werte nun bekannt


                    Vielen Dank, ich werde meinem Vater die Informationen mitteilen.

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                    • Antiandrogene


                      Mein Vater hat sich mittlerweile definitiv gegen eine Bestrahlung und gegen eine Hormontherapie ausgesprochen. Der PSA-Wert war bei der letzten Messung unverändert.

                      Ihm wurde nun das Androgen "Cyproteronacetat" verschrieben. Das wundert mich, weil in der Packungsbeilage und auch im Internet zu lesen ist, dies sei für Prostatakrebs im fortgeschrittenem Stadium gedacht, wogegen es sich bei meinem Vater ja eher um ein Anfangsstadium handelt.

                      In einem Text im Internet (ich finde die Seite leider nicht wieder) wurde folgende Sichtweise zu Antiandrogenen vertreten: Es gäbe zwei Sorten von Krebszellen, nämlich solche, die auf Antiandrogene ansprechen, aber eher gutmütig sind (langsames Wachstum) und solche, deren Wachstum mit Antiandrogenen nicht gebremst werden kann und die deutlich gefährlicher und aggressiver seien. Würden nun Antiandrogene verabreicht, berkämen ausgerechnet die aggressiveren Krebszellen die Oberhand und der Tumor entwickle sich nach einiger Zeit gefährlicher und streue scheller als es ohne jegliche Behandlung der Fall gewesen wäre. Ist da etwas dran?

                      Angesichts der erheblichen Risiken und Nebenwirkungen aller Behandlungsformen, dem Alter meines Vaters (76) und dem kaum Beschwerden bereitenden, auf die Kapsel beschränkten Tumor neige ich zu der Meinung, dass in diesem Fall das "watchful waiting" am sinnvollsten wäre. Ist das vertretbar?

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                      • Re: Antiandrogene


                        Die Behandlung mit Antiandrogenen ist letztendlich auch eine Hormontherapie wie z.B. die Dreimonatsspritze nur mit einem anderen Wirkprinzip. Beide Therapieansätze haben gemeinsam, dass keine Heilung erzielt wird, da nur die hormonsensiblen Zellen zertsört oder in einen Ruhezustand versetzt werden können. Wie Sie aber bereits erwähnten, gibt es in fast jedem Prostatatumor auch hormonunsensible Zellklone, die sich durch die Hormontherapie nicht beeinflussen lassen und langfristig die Oberhand gewinnen. Falsch ist jedoch, dass dadurch der Tumor schneller wächst. Zunächst wird die Hormontherapie das Tumorgeschehen in den Griff bekommen. Man kann die Hormontherapie auch bei frühen Stadien einsetzen, wenn keine andere Therapie (OP, Radiatio) gewünscht ist. Mit 76 Jahren kann man aber sicher auch ein Watchful waiting -wie von Ihnen angesprochen- in Erwägung ziehen.

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                        • Re: Antiandrogene


                          Danke für Ihre Einschätzung.

                          Das Fachleute in einem Internetfourum prompte Antwort geben, ist keine Selbstverständlichkeit. Das Forum ist eine wirkliche Hilfe.

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