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Umstellung Lebensgewohnheiten

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  • Umstellung Lebensgewohnheiten

    Bei meinem Vater(51) wurde letzte Woche Prostatakrebs festgestellt.
    Das ganze ist das Resultant eines Zufallsbefundes, was uns alle sehr hoffen lässt.
    Er fühlt sich sehr wohl bei dem Arzt, da dieser sehr offen und unverblümt mit ihm redet.
    In dem Gespräch über das weitere Vorgehen (Szintigramm/etc. sind gestern gemacht / die erste Hormonspritze ist auch schon drin) wurde gesagt er solle jetzt keine Lebensgewohnheiten drastisch umstellen, er solle bei seinen Zigaretten bleiben und müsse auch nicht auf die Flasche Bier verzichten.
    Ich kann das sehr gut Verstehen da der Körper durch die Hormone schon genug "mitmachen" muss.
    Die Sucht meines Vaters liegt leider woanders!!!

    Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen das er es schafft die Zeit der Hormonspritzen bis zur OP zu Hause auszuhalten. Zumal er sich bewusst ist das nach der OP erstmal Ruhe, Reha etc. angesagt ist.

    Er würde wirklich leiden, zumal man ihm mit den Krankschreibungen nicht die Arbeit nimmt. Er würde munter Zuhause im Garten, am Haus in den Stallungen "wackeln".
    Rein vom psychisch-physischen tut im der Krankenschein nicht gut.
    Er hat auch eine sehr sehr nette Cheffin, die für die Situation ein grandioses Verständnis hat.
    Sie meinte er solle kommen, LKW quer durch Deutschland ist nicht drin, aber er könne im Lager was machen, soviel er will, soviel wie geht. Oder er sitzt nur da und trink Kaffee mit seinen Kollegen, rangiert an die Rampen etc.

    Nun meine eigentliche Frage wenn er das so machen sollte hätte das versichrungstechnische Konsequenzen wenn er sich den nächsten Schein nicht ausstellen lässt und arbeiten geht???
    Ich will weder das er noch seine Cheffin oder unsere Hausärztin in die Nesseln setzen.

    Mir geht es nur darum ihn so "fit" wie möglich zur OP zu bekommen.
    Er fühlt sich super, die Diagnose hat etwas gerüttelt aber er ist nicht "gefallen", körperlich geht es ihm gut (keinerlei körperliches Krankheitsempfinden) und Dank seines sehr ehrlichen und humorvollen Urologen auch seelisch.
    Ich sehe diesen Zustand als große Chance!!! Und möchte nicht das am Ende, nach vielen gelben Scheinen meinem Vater "eingeredet" wurde er sei schwer krank.
    Wenn er "arbeiten" kann, Kontakte hat mit seinen Kollegen und immer mal nen Laster umstellen darf ist die Entzugserscheinung in dem Sinne nicht so groß.

    Ich weiß das dies keine "medizinische Frage ist" wenn man es nicht ganzheitlich betrachtet.

    Mir würde aber auch schon ein "lass deinen Vater wackeln wenn er es braucht" reichen.

    vielen Dank
    ein Minchen bei dem es wohl zu sehr gerüttelt hat



  • RE: Umstellung Lebensgewohnheiten


    Du hast über die Befunde deines Vaters wenig geschrieben. Von daher ist es auch schwer eine qualifizierte Antwort zu geben.

    Grundsätzlich ist Arbeit nicht schädlich. Solange der Patient beschwerdefrei ist kann er auch mit Prostatakarzinom kreuz und quer durch Deutschland und Europa fahren. Da sehe ich kein Problem, auch kein versicherungstechnisches.

    Nach radikalen Prostatektomie ist es vor allen Dingen wichtig, sehr schnell wieder auf die Beine zu kommen und kontinent zu werden. Ein wesentlicher Faktor ist dabei der Operateure! Der Patient sollte daran arbeiten, die Operation in möglichst gutem körperlichem Zustand anzugehen. D. h. insbesondere evtl. vorhandenes Übergewicht abbauen und Kondition aufbauen. Ein gewisses Maß an körperlicher Betätigung ist unabhängig vom Prostatakarzinom(PK) gesundheitsförderlich. Ich z. B. gehe sehr regelmäßig meine 1000-1500m schwimmen und das bis einen Tag vor der OP und 3 Wochen nach OP auch schon wieder. Der Lohn für diese Anstrengung war, dass ich bei Entlassung aus dem Krankenhaus kontinent war. Die ersten drei Monate nach OP ist eine gewisse Schonung angesagt. Insbesondere schweres Heben sollte vermieden werden. Grundsätzlich kann man direkt nach Krankenhausentlassung bzw. AHB auch wieder einen modernen LKW fahren, nur die Ladetätigkeit sollte man vielleicht vermeiden.

    Ganz sicher hat dein Vater keine Hormonspritze erhalten sondern einen LHRH-Agonisten (Spritze). Dieser bewirkt das Absinken des männlichen Sexualhormons (Testosteron) auf Kastrationsniveau. Die Nebenwirkungen sind auf längere Sicht erheblich, stellen sich aber erst sukzessive im Laufe einer längerfristigen Therapie ein. Eine wesentliche Nebenwirkung ist der Abbau von Muskelmasse bei häufig gleichzeitiger Gewichtszunahme. Dagegen hilft nur körperliche Betätigung und eine gewisse Disziplin bei der Nahrungsaufnahme. Eine weitere längerfristige Nebenwirkung ist Osteoporose. Auch dagegen hilft ebenfalls körperliche Betätigung sowie kalziumreiche Ernährung (evtl. Kalziumtabletten plus Vitamin D).

    Aus deinen Ausführungen wird nicht ganz klar, warum man deinem Vater einen LHRH-Agonisten gesetzt hat und ob dieses dann zur Dauertherapie werden soll. Warum hat man deinen Vater z. B. nicht gleich operiert. Viele Operateure operieren ungern unter antihormoneller Therapie. Außerdem lässt sich der OP-Erfolg unter Hormonentzug nur schlecht beurteilen. Vermutlich ist die Erkrankung bei deinem Vater relativ weit fortgeschritten, so dass sich der Urologe genötigt sah, sofort zu handeln (?).

    Unabhängig vom PK ist Rauchen nicht gesundheitsförderlich! Insbesondere fördert auch das Rauchen die Osteoporose. Mein persönlicher Rat an deinen Vater wäre, es sein zu lassen! Und mein persönlicher Rat an dich wäre, es gar nicht erst anzufangen! Nun wird das Rauchen nicht direkt mit dem PK in Verbindung gebracht. Andererseits schützt ein PK auch nicht davor, eine weitere Tumorerkrankung zu bekommen. Lungenkrebs wird zu 90% aufs Rauchen zurückgeführt. Auch Blasentumoren treten bei Rauchern gehäuft auf.

    Die Flasche Bier ist sicher nicht schädlich, so lange sie sich mit der Körperfülle vereinbaren lässt.

    WinW

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    • RE: Umstellung Lebensgewohnheiten


      Kann mich der Meinung von WinW anschliessen. Er hat alles ausfuehrlich dargelegt. Es spricht nichts dagegen, dass Ihr Vater arbeiten geht. Versicherungsrechtlich kann ich Ihnen keine verbindliche Auskunft geben, solange er jedoch nicht krank geschrieben ist, kann er arbeiten gehen.

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