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Therapie

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  • Therapie

    Sehr geehrter Herr Dr. Kahmann,

    was halten Sie von der Dreifachen Hormonblockade als Therapie bei Prostatakrebs?

    Mit freundlichem Gruss

    Gabi V.


  • RE: Therapie


    Hallo Gabi,
    die dreifache Hormonblockade wie sie von Herrn Leibowitz propagiert wird ist nicht in den Empfehlungen der deutschen Geselschaft für Urologie als Therapieoption für einen lokal begrenzten Tumor vorgesehen. Die Therapie wird gerade in den Selbsthilfegruppen sehr stark diskutiert und propagiert. Die Hormonblockade verspricht jedoch keine Heilung des Tumors und der Einsatz bei einem potentiell heilbaren Tumor ist umstritten. Dieser Empfehlung möchte ich mich auch gerne anschließen.

    Kommentar


    • RE: Therapie


      Sehr geehrter Herr Dr. Kahmann,

      es ist sicher richtig, dass mangels Studien die Dreifache Hormonblockade noch nicht wissenschaftlich belegt und somit als Therapie in Deutschland noch nicht zugelassen ist.
      Dennoch machen mehr und mehr Patienten diese DHB, weil dies
      1. eine systemisch wirkende Therapie ist, die auch auf evtl. vorhandene Minimetastasen wirkt,
      2. weil man mit der DHB zumindest viele Jahre gewinnen kann - ohne Inkontinenz, ohne Impotenz
      3. weil nach der DHB noch alle übrigen Optionen offen bleiben
      4. weil die von Dr. Leibowitz veröffentlichten Patientenergebnisse besser sind als die bekannten Ergebnisse der OP mit bis zu 60% Rezidivquote

      Wir von der Selbsthilfe Prostatakrebs stellen fest, dass viele Patienten operiert werden, obwohl die kurative Chance aufgrund der Ausgangsbedingungen (Partin-Tabelle) sehr viel geringer ist, als dies von den Urologen (ohne Blick auf die Partin-Tabelle) dargestellt wird.
      Wir wären ja schon froh, wenn die OP angewendet würde
      nur bis PSA=10 und bis GleasonScore=6,
      wie es Dr. Pat Walsh in den USA und zumindest ein Arzt in Deutschland macht.
      Und selbst bei diesen strengen Auswahlkriterien wird von
      Dr. Walsh noch eine PSA-Rezidiv-Quote von 30% eingeräumt!
      Dazu kommt, dass viele Urologen ein Knochenszintigramm ohne Befund zum Anlass nehmen, zu sagen: wir können operieren! Dabei hat ein KS eine Auflösungsgrenze von 6 - 8 mm. Was kleiner ist, sieht man nicht! Es können also durchaus kleinere Metastasen bis 6 mm vorhanden sein!
      Denn das wissen Sie ja selbst, dass eine lokale Therapie wie die OP bei Vorhandenensein auch kleiner Metastasen nicht kurativ sein kann!
      Wir bemängeln eine ungenügende Ausbreitungsdiagnostik und eine fehlende Bewertung der tatsächlich kurativen Chance der lokalen Therapien!

      Wenn andererseits in sehr frühen Stadien noch nicht einmal sicher ist, ob dieser Krebs zu irgendeiner Zeit im Leben des Patienten klinisch relevant wird, sollte eine solch einschneidene Therapie mit gravierenden Nachwirkungen (Inkontinenz, Impotenz, verkürzter Penis) sehr kritisch betrachtet werden!
      In diesem Punkt hat die Gruppe Evidenz basierte Medizin in ihrer Kritik sogar Recht.

      In der deutschen Urologie ist die einfache Hormonblockade als Therapie des fortgeschrittenen PCa zugelassen und angewendet. Wenn sie dort wirkt (palliativ), warum soll eine Dreifache Hormonblockade mit ausreichender Dauer nicht beim frühen, lokalen PCa eine Heilungschance haben?

      Zumindest wirkt eine einfache HB nur zu etwa 90%. Es bleibt also ca. 10% Testosteron im Körper, um den Krebszellen ein vermindertes Wachstum zu ermöglichen.
      Durch eine zusätzliche Antindrogen-Blockade wird wiederum ein großer Teil des reduzierten Testosteron blockiert.
      Wenn dennoch ein Testosteron-Molekül in die Krebszellen gelangen sollte, wird in der 3. Stufe die Umwandlung von Testosteron in DHT durch Finasterid blockiert.
      Dadurch ist die Dreifache Hormonblockade eine nahezu vollständige HB und - zumindest theoretisch - erheblich wirksamer als die einfache HB.

      Es wäre also sicher besser, die Urologen in Deutschland würden sich wissenschaftlich mit dieser DHB auseinandersetzen als darüber zu lamentieren!

      Kommentar


      • RE: Therapie


        Hallo Dieter V.,
        vielen Dank für Ihren ausführlichen Beitrag, der zumindest in großen Zügen richtig ist. Es ist bekannt, daß gerade von den Selbsthilfegruppen die Dreifachblockade nach Leibowitz stark verfolgt wird. Es ist auch richtig, daß (nicht nur) in Deutschland zu häufig operiert wird, mit fraglichem Nutzen für den Patienten, obwohl auch in diesen Fällen die Tumormassenreduktion als positive Einflussgröße auf das weitere Überleben angesehen wird. Was mich jedoch an Ihren Aussagen stört, ist das kurative und palliative Therapien miteinander verglichen werden. Die Operation und auch die Bestrahlung (extern oder Seeds) sind kurative Verfahren, die dem Patienten Heilung bringen können. Die Hormontherapie auch als Dreifachblockade kann die Erkrankung nicht heilen sondern nur (wenn oftmals auch für viele Jahre) verzögern, da in fast jedem Prostatatumor Zellklone existieren, die hormonunabhängig sind und von der Hormontherapie nicht beeinflusst werden. INsofern sollte gerade bei den niedrig-Risiko Tumoren (PSA < 10, Gleason <7, <cT2c) eine kurative Therapie wir die Radikaloperation oder Brachytherapie angestrebt werden.

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