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Therapiemögl. bei Prostatakrebs im Frühstadium

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  • Therapiemögl. bei Prostatakrebs im Frühstadium


    Sehr geehrter Herr Dr. Kahmann,

    mein Vater (Geb. 1943, 60 Jahre alt) nimmt seit 7 Jahren Prostastada. Im Mai 2003 hatte er eine Untersuchung auf Prostatakrebs, ohne ergebnisse.

    Im November 2003 wurden ihm erneut Biopsien entnommen. Die Befunde habe ihn Ihnen unten mit Beigefügt.

    Sein Hausarzt rät ihm zu radikalen Prostataektomie. Er hat ihn überhaupt nicht über Alternativen informiert. Er sagte nur, dass die operierten Ärzte versuchen es nervenschonend vorzunehmen.

    1. Was bedeutet das konkret?

    2. Welche Vor- und Nachteile hat eine radikale Prostataektomie und in welchem Zeitraum muß diese erfolgen?

    3. Was bedeutet Impotenz? Das man Zeugungsfähig oder nicht mehr Geschlechtsverkehrfähig ist?

    4. Welche Therapien würden Sie nach diesen Befunden meinem Vater empfehlen?

    5. Wie Beurteilen Sie die Seed-Methode?
    5.1. Könnte sich der Tumor dennoch ausbreiten?

    6. Welche Auswirkungen könnte es haben, wenn er nichts unternimmt? „Wait and see“

    7. Welche Ärzte oder welches Krankenhaus würden Sie für die Eingriffe in Frankfurt empfehlen?


    Histo Befund vom Mai 2003:


    Klinischer makroskopischer Befund 6-15 mm lange Langestanzen, 6 anten Biopsie: Bild einer patiell postotrophischen BPH, kein carzinomnachweis.



    Befund vom 12.12.03

    Bei Verdacht PCA / ys

    Makroskopischer Befund: 1-5 Biopsien 1-15 mm


    Mikroskopischer Befund:

    1.,2.,4.,5. Prostatastanzen mit vorbesteheden Organoid gelagerten und 2reihigen Drüsen. Periductal betont finden isch locker entzündliche infiltrate aus Lymphozylten und einzelnen Granulozyten. Keine suspekten Drüsenformationen oder Dysplastische Epithelveränderungen.

    3. Das Adenomyomatös-Hyperplastische Prostatagewebe schließt zwei Herde eines Epithelialen Tumors ein, der sich in microglandulärerform zwischen vorbestehenden Drüsenstrukturen ausbreitet.

    Die Tumorzellen verfügen über ein amphophiles Zytoplasma und schließen vergrösserte bläschenförmige Zellkerne mit prominenten Nukleolen ein.


    Patalogische – Anatomische Diagnose

    1., 2. sowie 4. und 5. vier Tumorfreie Prostatastanzzylinder mit einer Adenomyomatose des Prostatagewebes mit geringgeradiger chronischer prostatites.

    3. Ein Prostatastanzzylinder mit 2 bis 1 mm großen Herden eines mäßig differenzierten Adenokarzinoms der Prostata – G 2 nach WHO; kompinierter Gleason score 6 (3+3).



    Arztbrief:

    Diagnose:

    Adeno-Ca. der Prostata ( 62 n. WHO-Gleason score 6 (3+3)

    Befund: PSA von 28.11.03 –7,33, FPSA –0,47 Quot. 0,06.

    Sono Rec: Ca. 30 gr. Prostata homogen.

    Therapieempfehlung und Dosierung: Radikale Prostataektomie


    Vielen Dank im voraus!

    Oya


  • RE: Therapiemögl. bei Prostatakrebs im Frühstadium


    Sehr geehrte Oya,
    vielen Dank für die ausführliche Befundübermittlung. Zuerst einmal einige prinzipielle Anmerkungen zur Erkrankung Ihres Vaters:
    es liegt ein sog. Niedrigrisiko Prostatatumor vor bedingt durch die Parameter des PSA, der Biopsie und des klinischen Befundes. Für diese Niedrigrisiko Tumoren kommen eine Vielzahl von Behandlungsoptionen in Frage. Die häufigste Therapie ist die der Radikaloperation. Hierbei wird die gesamte Prostata mit den Samenblasen entfernt. Dies ist eine relativ große tumorchirurgische Operation mit guten Heilungsaussichten für Ihren Vater jedoch auch einem Risiko für Nebenwirkungen. Hierbei sind vor allem die Inkontinenz (Unfähigkeit der urinkontrolle in bis zu 10 %) und Impotenz (Unfähigkeit eine ERrektion zu bekommen bzw. zu unterhalten in bis zu 100% der Fälle). Da nur auf einer Seite der Prostata Tumorzellen gefunden wurden, kann man eine sog. nervenerhaltende Operation versuchen, bei der auf einer Seite versucht iwrd den Nervenstrang für die Potenz zu erhalten. Die Chancen hierbei stehen aber nur bei ca. 50%. Als weitere Alternative gibt es die sogenannte Brachytherapie (auch Seedimplantation genannt). Diese hat vergleichbar gute Heilungschancen jedoch ein deutlich günstigeres Nebenwirkungsprofil insbesondere bei Inkontinenz(<1%) und Impotenz (ca. 25%), diese in der Literatur angegeben Werte konnten wir auch durch unsere eigenen Daten bestätigen. Bei dieser Methode werden kleine radioaktive Plättchen in die Prostata eingebracht, um die Prostata von innen zu bestrahlen. Als weitere Methode kommt die Bestrahlung von außen in Betracht, bei der jedoch durch andere Organe hindurchgestrahlt werden muss, was zu erhöhten Nebenwirkungen besonders am Enddarm führt. Eine junge Methoide, die noch nicht bei großen Patientenzahlen und nur in wenigen Studien angewandt wurde ist die sogenannte Kryotherapie, bei der durch Kälteeinwirkung die Tumorzellen zerstört werden sollen. Diese Therapie wird in Frankfurt im Klinikum Nordwest bei Dr. Witsch durchgeführt. Dort können Sie sicher weitere Infos erhalten. Al wichtige Nebenwirkungsrate ist hier auf jeden Fall eine fast 100% Impotenzrate zu nenen. Auf weitere Aussenseitermethoden wie z.B. die Therapie mit fokussiertem Ultraschall (HIFU) möchte ich nicht näher eingehen, da die Datenlage hierzu so schlecht ist, daß statoistische Aussagen über Heilungschancen und Nebenwirkungen sehr schwierig sind. Die von Ihnen angesprochenen Wait and see (Watchful waiting) Strategie ist ein Zuwarten unter regelmäßiger PSA Kontrolle. Durch das sehr junge Alter Ihress Vaters würden wir eigentlich nicht zu dieser Therapieform raten.
    Empfehlungen bezüglich der verschiedenen Therapieformen sind schwierig:
    1. Radikaloperation: diese Therapie wird routienemäßig von den großen Kliniken durchgeführt und sollte in Frankfurt mit guter Qualität durchgeführt werden. Die bekannteste Kliniken in Deutschland f´ür die Therapie ist wahrscheinlich die Klinik in Hamburg Eppendorf mit Prof. Huland.
    2. Brachytherapie: Mir ist keine Klinik in Frankfurt bekannt, die über längere Erfahrung mit großen Patientenanzahlen mit der Brachytherapie besitzt. Die langjährigste Erfahrung mit großen Patientenzahlen haben wir in Berlin mit über 500 Behandlungen.
    3. Kryotherapie: die meiste Erfahrung mit der modernen Kryotherapie hat wie oben erwähnt Dr. Witsch von der urologischen Klinik am Klinikum Nordwest in Frankfurt.
    Abschließend noch eine kurze Bemerkung zum Behandlungszeitraum. Obwohl es sich bei dem Prostatakarzinom um ein langsam wachsenden Tumor handelt, würde man dennoch empfehlen, daß sich Ihr Vater in den nächste Wochen entscheidet, welche Therapie er möchte und sich dann auch behandeln läßt. Kann er diese Entscheidung nicht treffen, sollte er mit seinem Urologen sprechen, ob eine antihormonelle Therapie zur Überbrückung eingeleitet werden sollte, um Ihrem Vater weitere Bedenkzeit zu geben.

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    • RE: Therapiemögl. bei Prostatakrebs im Frühstadium


      Sehr geehrter Herr Dr. Kahman,

      vielen Dank für die ausführliche Erläuterung. Es hat uns sehr geholfen. An dieser Stellem möchte ich Sie und Ihren Internetauftritt loben. Die kompetente und schnelle Antwort wissen wir zu schätzen.

      Die 3. Behandlungsmethode Kryotherapie war uns nicht bekannt. Diese erscheint uns auch als eine weitere Alternative zu Seed-Methode zu sein. Daraufhin habe ich mich um ein Termin beim Dr. Witsch bemüht.

      Unser Urologe hat uns Uni-Mannheim, Prof. Alken als Seed-Spezialisten genannt. Können Sie uns dies auch empfehlen? Wir werden uns auch hier persönlich beraten lassen.

      Des weitern möchte ich mich outen, damit der Anteil der Söhne leicht ansteigt. Ich bin ein Mann!

      Warum überwiegend Frauen sich informieren, kann ich natürlich auch nicht mit Sicherheit beantworten. Ich vermute, dass die Töchter bedingt durch mehr Erziehungsurlaub usw. Zeit haben, sich um Informationen zu kümmern. Natürlich haben nach meiner Erfahrung, Töchter den besseren Draht zum Vater!

      Vielen Dank!

      Oya



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      • RE: Therapiemögl. bei Prostatakrebs im Frühstadium


        Lieber Oya,
        vielen Dank für IHre lobenden Worte. Herr Prof. Alken ist mit Sicherheit eine sehr guter Therrapeut und die Klinik hat viel Erfahrung mit der Brachytherapie. Ich selbst habe meine Ausbildung zum Facharzt für Urologie in Mannheim bei Prof. Alken erhalten. Bitte richten Sie Herrn Prof. Alken meine Grüße aus.

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        • RE: Therapiemögl. bei Prostatakrebs im Frühstadium


          Sehr geehrte Herr Dr. Kahmann,

          wir möchten nochmals uns für Ihre Ausführungen bedanken. Nach dem wir Vor- und Nachteile der verschiedenen Therapiemöglichkeiten abgewogen haben, wollen wir aufgrund des Sicherheitsdenkens die radikale Prostataektomie durchführen lassen. Damit wollen wir der Gefahr einer Ausbreitung entgegenwirken. Wäre bei der Operation auch die Entfernung der Lymphknoten, bei seinen PSA Werten 7,33 und Gleason score 6 (3+3) zu empfehlen oder notwendig?

          Welche Art der Prostataektomie wäre bei meinen Vater empfehlenswert und in welchem Klinik (Raum Frankfurt)?

          a) perineal (Dammschnitt)
          b) retropubisch (Bauschschnitt)
          c) laparoskopisch (Bauschspiegelung)

          Mein Vater legt Wert auf Gründlichkeit, er möchte die Ausbreitung unterbinden, nach Möglichkeit die Kontinenz erhalten, die erektile Dysfunktion nimmt er in Kauf. Wobei sein Urologe ihn für eine nervenschonende Operation empfiehlt. Bei wie viel Prozent der Patienten ist dies realisierbar?

          Sie haben Nordwest Krankenhaus für Kyrotherapie empfohlen. Würden Sie das auch für die radikale Entnahme? Kennen Sie Dr. Polakis? Er führt die lapapskopische Operation im Nordwest Krankenhaus durch.

          Nach wie viel Tagen wird in der Regel der Katheder gezogen?

          Vielen Dank für Ihre Mühe!


          OYA

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          • RE: Therapiemögl. bei Prostatakrebs im Frühstadium


            Sehr geehrter Herr Dr. Kahmann,

            vielleicht ist meine Frage Ihnen entgangen. Ich würde mich über eine kurze Antwort dennoch freuen.

            Vielen Dank!

            OYA

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            • RE: Therapiemögl. bei Prostatakrebs im Frühstadium


              Hallo Oya,

              leider (noch) nicht Dr. Kahmann hier.
              Warum soll es nun die Radikal-OP sein? Die Brachytherapie hat, wie Herr Dr. Kahmann schrieb, eine vergleichbare Prognose mit *deutlich*(!) höherer Lebensqualität. Legen Sie Ihrem Vater doch ans Herz, diese Option erneut in Erwägung zu ziehen.

              Ich selbst kenne Herrn Dr. Kahmann seit 1999, bin zwar kein Mediziner, jedoch aufgrund meiner Arbeit in der organisatorischen Verwaltung einer Strahlenklinik oft mit dem Thema der Brachytherapie befasst. Die Ergebnisse sind, auch in prospektiven Studien, fantastisch.

              Eine in jedem Fall gute Genesung wünsche ich Ihrem Vater!

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