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Neuerkrankung

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  • Neuerkrankung

    Sehr geehrte Herren Dr. Kahmann und Burger,

    heute melde ich mich nicht in eigener Sache. Ein Freund hat bei PSA 7,58 und 12 Stanzen einen positiven Befund.

    1 von 12 Stanzen positiv.
    Tumor Nähe Harnleiter rechte Seite
    Gleason Score 3+3=6
    Tumor wurde nicht getastet
    Alter: 66 Jahre
    Allgemeinzustand: gut


    Mehr konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Gerne würden wir nun Herr Dr. Kahmann, Ihren immer geschätzten Rat erfahren, da wir denken, dass dieser Tumor Brachy therapiert werden könnte. Bitte teilen Sie uns Ihre Meinung auch zum neuesten Stand von HIFU mit. In Vergangenheit gab es ja Gründe HIFU kritisch zu sehen (z.B.Studienlage etc.).

    Herr Burger, wären Sie so freundlich, uns mit Ihrer Auswertung der Kattan-Nomogramme bzw. Partintabellen weiter zu helfen?

    Ich habe im Kattan Nomogramm für Brachy eine 5-Jahres Rezidivfreiheit von ca. 90% herausgelesen, bin mir aber nicht sicher, ob ich es richtig gemacht habe.

    Reicht die Begutachtung von einer Stanze zur sicheren Bestimmung des Gleason Score, oder sollte nach Abheilung noch einmal eine Biopsie erfolgen?

    Wäre es wichtig, bei diesen Ausgangswerten einen Lymphknotenstatus zu bekommen oder wird das bei der vorherrschenden Situation nicht gemacht?

    Danke im Voraus für etwaige Antworten.

    Grüsse von helmut51

  • Re: Neuerkrankung


    Hallo Helmut,

    Sie scheinen richtig gerechnet zu haben. Auch bei mir ergeben die Kattan-Nomogramme für Brachy, Bestrahlung und Op rund 90% Wahrscheinlichkeit auf 5 Jahre Rezidivfreiheit.

    Sie sind also für die Entscheidung keine Hilfe, im Grunde kann Ihr Freund würfeln.

    Jedoch sollte er den Patientenratgeber I studieren, der ihm die Nebenwirkungen der verschiedenen Therapien schilder und gleichzeitig eine strukturierte Entscheidungshilfe anbietet:

    Patienten-Ratgeber:
    Prostatakrebs I Lokal begrenztes Prostatakarzinom:
    http://www.krebsgesellschaft.de/down...009-pl-pca.pdf

    Auch sollte Ihr Freund mit der Active-Surveillance-Strategie berfassem.
    Er ist ein klassischereFall für diese Strategie, sofern die eine befallene Stanze nicht über 50% Tumoranteil hat.

    Ihr Freund hat Glück im Unglück gehabt. Er befindet sich mit seinen Werten im Niedrigrisikobereich und hat nun, da ihm alle Therapiemöglichkeiten offen stehen, die Qaul der Wahl.

    Gruß

    Hansjörg Burger

    Kommentar


    • Re: Neuerkrankung


      Zusätzlich zu den Bemerkungen von Herrn Burger bleibt noch zu sagen dass eine Lymphadenektomie nich notwendig ist. Es ist ein los risk Tumor, der mit den angegebenen Therapien sicher behandelt werden kann. Eine Brachyherapie bietet gute Heilungschancen mit geringen Nebenwirkungsrisiken.

      Kommentar


      • Re: Neuerkrankung


        Sehr geehrte Herren Dr. Kahmann und Burger,

        1 Jahr ist vergangen und mein Freund hat jetzt noch einmal eine Biopsie machen lassen, nach watchfull waiting bei PSA 7,58 und Gleason score 3+3=6 bei einer positiven Stanze von 12

        So, nachstehend das neue Ergebnis bei schwankendem PSA oben genannter Höhe:

        12 Stanzen
        5 tumor-positiv mit durchschnittlich 28% Infiltrat eines Adenokarzinoms.
        Gleason score 3+4=7
        Rechter Lappen

        Noch zu erwähnen wäre, dass er trotz Antibiose nach wenigen Tagen der Biopsie eine heftige urosepsis und Prostatitis bei kurzfristig PSA 50,später PSA 23 durchstehen musste. Dies wurde stationär gemacht und man riet ihm zur Operation.
        Eine Brachy Therapie wäre nicht zu empfehlen.

        Uns ist klar, dass ein weiteres Abwarten und Beobachten nicht mehr angezeigt ist. Wir würden nun aber gerne die Meinung des Forums und natürlich den Rat der Experten und Insider in Anspruch nehmen.

        Noch eine Frage: Ist es möglich, eine von außen bestrahlte Prostata im Falle eines Rezidivs doch noch erfolgreich zu operieren?

        Was sagen die Kattan Nomogramme?

        Spielt die Anfälligkeit auf Infektionen der Prostata eine Rolle?

        Vielen Dank, schon jetzt, für Ihre Antworten.

        Gruß helmut51

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        • Re: Neuerkrankung


          Wie Sie richtig feststellen, ist die Weiterführung der Active surveilance nicht mehr indiziert. Dann stellt sich die Frage, was die richtige aktive Therapie sein kann. Die Kliniken sind immer nur fürs Operieren, sind gemäß der Leitliien aber eigentlich verpflichtet, Sie über alle Optionen aufzuklären. Leitliniengerecht (deutsche Leitlinien) kommen noch die äußere Bestrahlung und (internationale Leitlinien) auch die Brachytherapie in Betracht. Interessanterweise schließt die derzeit anlaufende PREFERE Studie Patienten mit einem Gleason 7a (3+4) auch für die Brachytherapie ein.
          War die Prostatitis nur einmalig nach der Biopsie oder hat es früher auch schon einmal solche Episoden gegeben? Wie ist die Funktion des Wasserlassens, wie groß ist die Prostata.
          Dies sind alles noch Informationen, die die Therapieentscheidung beeinflussen können.

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          • Re: Neuerkrankung


            Sehr geehrter Dr. Kahmann,

            erst mal vielen Dank für Ihre rasche Antwort.

            Nun unsere Antwoten auf Ihre Nachfrage:

            Außer, jetzt nach der Biopsie, hat es bisher keinerlei Probleme mit Entzündungen oder Infektionen der Prostata gegeben. Auch nicht bei der Erstbiopsie vor ca. 12 Monaten.

            Das Wasser lassen funktioniert problemlos.

            Über die Größe der Prostata hat mein Freund leider keine Angaben.
            Die Tastuntersuchung, war bisher ohne Befund.

            Allerdings hat mein Freund immer eine Schmerzsituation in der Leistengegend. Diese wurde auch nach Hüftgelenksoperation und einem Eingriff an der Wirbelsäule (Engstelle) nicht beseitigt. Einen Bezug zur Prostata hat bisher keiner der Ärzte hergestellt.

            Wir bitten Sie um Auskunft darüber, ob eine von außen bestrahlte Prostata noch erfolgreich operiert werden kann, falls es zu einem Lokalrezidiv kommt. Welche der beiden Optionen OP/Bestrahlung sind statistisch erfolgversprechender?

            Vielen Dank im Voraus für etwaige Antworten.

            Gruß helmut51

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            • Re: Neuerkrankung


              Die Prostata kann im Prinzip nach einer externen Bestrahlung oder einer Brachytherapie prinzipiell noch operiert werden. Es ist jedoch festzustellen, dass ein Zweiteingriff immer mit höheren Risiken für Impotenz und Inkontinenz verbunden ist.
              Die Heilungswahrscheinlichkeiten unterscheiden sich statistisch nicht signifikant.

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              • Re: Neuerkrankung


                Hallo Dr. Kahmann,

                danke für Ihre zeitnahen Antworten.
                Mein Freund war heute bei seinem Urologen. Entgegen der Klinik, in der seine Urosepsis nach Biopsie als Notfall behandelt wurde und ihm dabei die Operation nahegelegt wurde, hat er sich nun für eine Bestrahlung von außen entschieden, bei parallel erfolgender Hormonentzugstherapie von ca. 12 Monaten. Er ist 67 Jahre alt hat Gleason score 3+4=7 letzter PSA vor ein paar Monaten 7,58 und nicht tastbarem Tumor (t1c) ?

                Gibt es noch irgend etwas was zu berücksichtigen wäre, oder ist diese Entscheidung vertretbar? Casodex bekommt er für ein paar Tage natürlich auch vor der Depot Spritze.

                Vielen Dank, helmut51

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                • Re: Neuerkrankung


                  Die Entscheidung ist vollkommen ok. Die Datenlage für eine begleitende Hormontherapie bei einem intermediate risk ist dürftig, meistens werden nur 6 Monate gegeben.

                  Kommentar