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Leben ohne Prostata

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  • Leben ohne Prostata

    Ich hatte im November eine radikale Prostatektomie. Sicherheitshalber wurden auch beide Erektions-Nervenstränge entfernt. Meine Kontinenz ist zufriedenstellend; ich trage zwar immer eine Vorlage, weil immer mal wieder ein Tröpchen abgeht, aber darauf beschränken sich die Probleme auch. Schwer fällt mir, mich mit den Veränderungen in der Sexualität abzufinden.

    Ich möchte hier zwei Gedanken posten, einfach um sie loszuwerden, vielleicht stehe ich damit ja nicht alleine.

    Der eine ist meine Befangenheit, auf die Frage zu antworten, wie es mir denn jetzt (postoperativ) geht. Vor der Operation hatte ich gar keine Probleme, auch weniger gut Bekannten zu erzählen, dass ich Prostatakrebs hätte und operiert werden müsse. Nur über das Detail mit den Erektionsnerven habe nicht mit jedem gesprochen. Jetzt sage ich einfach "alles ist gut verlaufen, ich bin wieder fit". Es ist einfach peinlich, diese Frage richtig zu beantworten, nämlich dass die Kontinenz nicht hundertpro ist, von der psychischen Belastung durch die extrem eingeschränkte und veränderte Sexualität ganz zu schweigen. Ich komme mir jedesmal wie ein Lügner vor, der seine Gesprächspartner schonen will.

    Das andere Thema ist meine sexuelle Fantasie. Mit den Einschränkungen muss ich leben und akzeptiere sie auch als den Preis für mein Leben, das mich der Krebs sonst gekostet hätte. Aber schon wenn ich einem erotischen Tagtraum nachhänge, bleibe ich gedanklich an der Stelle hängen, wo man eine Erektion erwarten würde. Wenn man an Sex denkt, denkt man immer erst an Penetration. Das Drumherum macht in der Realität eigentlich viel mehr Spaß, so zumindest meine Erfahrung, aber trotzdem fühle ich mich auch rein gedanklich sexuell extrem behindert.


  • Re: Leben ohne Prostata


    Hallo Radobo
    deinen Beitrag, den ich erst jetzt zufällig entdeckt habe, kann ich vollkommen unterstreichen. Und ich antworte dir, damit du siehst, dass du mit dem Problem nicht alleine bist.
    Vor meiner radikalen Prostata-OP war mir schon bewusst, bzw. ahnte ich, dass sich mein Sexualleben nach der OP sich gewaltig ändern könnte. Aber auf Grund des Befundes hat sich keine Alternative für mein Prostata-Problem finden lassen.
    Meine Prostata-OP, auch mit Entfernung der Lymphe, fand Anfang 2010 statt, und noch heute beschäftigt mich meine veränderte Sexual-Situation recht häufig!
    Wenn Freunde oder Bekannte sich nach meiner Befindlichkeit erkundigen, lautet meine Antwort meist: «Rein technisch alles Bestens, die Kontinenz praktisch o.k. und auch keine weiteren Beschwerden mehr.» Manchmal im Nachsatz vielleicht noch: «…ausser das Sexuelle…».
    Dann heisst es meist: «Aber damit kannst du doch leben…» oder: «…du hast doch dein Sexleben gehabt…»
    Das Sexuelle wird negiert, verdrängt oder einfach nicht wahrgenommen. Und es wird nicht dazu gestanden, dass die Sexualität ein grosser Bestandteil im Leben von jedermann ist.
    Es ist mir klar, dass man sich auf das konzentrieren sollte, was man noch hat, als auf das, was nicht mehr vorhanden ist. Und wenn man Glück hat, dass sich nicht doch noch ein kleiner Krebs-Ableger irgendwo im Körper eingenistet hat, sollte man sich doch mehr auf das «Erhaltene» konzentrieren und dies bejahen!
    Aber es ist eine alte Erkenntnis: Ein Verlust schmerzt mehr als ein Gewinn beglückt!
    Vielleicht probieren wir es mal umgekehrt zu sehen.

    Es grüsst dich und wünscht dir alles Gute
    simi40

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    • Re: Leben ohne Prostata


      [quote Radobo]I. Schwer fällt mir, mich mit den Veränderungen in der Sexualität abzufinden.


      Das andere Thema ist meine sexuelle Fantasie. Mit den Einschränkungen muss ich leben und akzeptiere sie auch als den Preis für mein Leben, das mich der Krebs sonst gekostet hätte. Aber schon wenn ich einem erotischen Tagtraum nachhänge, bleibe ich gedanklich an der Stelle hängen, wo man eine Erektion erwarten würde. Wenn man an Sex denkt, denkt man immer erst an Penetration. Das Drumherum macht in der Realität eigentlich viel mehr Spaß, so zumindest meine Erfahrung, aber trotzdem fühle ich mich auch rein gedanklich sexuell extrem behindert.[/quote]

      Hallo,

      Sie schreiben ja selbst, "das Drumherum" macht eigentlich viel mehr Spass. Und das "Druhmherum" ist Ihnen durch die OP nicht genommen worden, d.h. die Orgasmusfähigkeit bleibt erhalten. Ich kenne viele betroffene Paare, die nach der OP des Mannes mit "Ersatzbefriedigung" (welch unschönes Wort) ein erfülltes und glückliches Sexualleben führen.

      Wenn Sie auf die Penetration nicht verzichten können und wollen, dann sollten Sie sich umd die Hilfsmittel kümmern::

      1.) PDE-5-Inhibitoren (Viagra, Cialis oder Levitra)
      Die wirken beim Operierten meist leider nicht, sofern nicht ein Teil des Nervengewebes erhalten wurde.

      2.) SKAT-Methode
      Spritzen eines Wirkstoffs (meist Alprostradil) direkt in die Schellkörper. Wirkt meist 150% zu starke und zu lange Erektion!

      3.) MUSE

      Das gleiche mit einer Kanüle statt Spritze. Löst aber meist ein lästiges Brennen aus und hat deswegen die Anwenderakzeptanz verloren.

      4.) Vakuumpumpe
      Gewöhnungsbedürftig und erfordert viel Geduld und Übung.
      Wird aber bei gesetzlich Versicherten im Gegensatz zu 1 - 3 von den Krankenkassen bezahlt.

      5.) hydraulische Penisimplantat
      Erfordert eine Operation, ist aber aus meiner Sicht das beste Hilsmittel. Nur mit ihm ist ein spontaner Geschlechtsverkehr ohne große Vorbereitungen, fas wie früher möglich. Implantat und OP werden bei Vorliegen der medizinischen Indikation von den Krankenkassen bei gesetzlich Versicherten übernommen.

      Alles Gute!

      ´Hansjörg Burger

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      • Re: Leben ohne Prostata


        Hallo Herr Burger,
        danke für die Darstellung, das hilft vielleicht auch anderen Interessierten.
        Bei mir wurden die entscheidenden Nerven entfernt, Viagra & Co. bringt leider nichts mehr. Von MUSE habe ich nur gehört, dass es auch weniger wirksam ist als SKAT. Eine Vakuumpumpe habe ich in der Reha bekommen und auch die SKAT ausprobiert. Ich kann beides empfehlen. Es ist nicht das Gleiche wie eine natürliche Erektion, aber trägt zum Vergnügen bei. Es führt einem (und vor allem: dem Partner) aber auch immer wieder vor Augen, dass man eigentlich nicht mehr "kann". Insofern liebäugel ich mit dem Implantat. Es bleibt sicherlich nach wie vor eine Prothese, aber Unauffällig und mit minimalem Drumherum.

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