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Narkose

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  • Narkose

    Im Oktober hatte ich eine Darm-OP (Divertikel). OP sehr gut verlaufen. die ein "Durchgangssyndrom" in seiner ärgsten Form zur Folge hatte (Angst, große Unruhe, langsames Denken, Gedächnisschwäche, Halluzinationen, Orientierungsstörungen, schwere Alpträume etc. etc.)5 Tage Intensivstation. Die OP ist jetzt 3 Wochen her, meine Kurzzeitgedächnis ist immer noch nicht in Ordnung, Schlafstörungen sind noch da. Seit dem OP-Tag habe ich einen Blasenkatheder (obwohl ich mittlerweile wieder zu Hause bin). Trotz Auslaufversuch kann ich keinen Harn selbständig lassen. Mittlerweile bekomme ich Medikamente für die Prostata und die Blase. Angeblich könnte auch das ein Nervenproblem sein.

    Gibt es bezüglich Durchgangssyndrom und Prostata/Blasenprobleme Erfahrungswerte?
    Ich bin übrigens 69 Jahre alt.

  • Re: Narkose


    Hallo,
    leider mußten Sie etwas auf eine Antwort warten.
    Das sogenannte Durchgangssyndrom tritt gehäuft bei älteren Patienten auf, die sich einem Krankenhausaufenthalt unterziehen müssen. Die Ursache dieser Erkrankung, die aus psychiatrischer Sicht als eine Form des Delirs angesehen wird (hat nichts mit Alkohol-Delir zu tun!), ist bis heute nicht genau geklärt. Tatsache ist, daß einem Durchgangssyndrom nicht unbedingt eine Operation voraus gehen muß. Viele Patienten zeigen Auffälligkeiten nach den ersten Behandlungstagen.
    Häufig ist der Verlust der gewohnten, häuslichen Umgebung mit gewohnten Bezugspersonen für die Entwicklung eines Durchgangssyndroms verantwortlich. Häufig wechselndes Pflegepersonal, Mahlzeiten zu ungewohnten Zeiträumen, Verlust der Intimsphäre (die Liste läßt sich fortsetzen) führen bei manchen Menschen zu einer deliranten Symptomatik. Auch das "Angebundensein" an Katheter, Infusionssysteme etc. kann das Auftreten einer deliranten Symptomatik fördern.
    Es sind jedoch nicht ausschließlich ältere Patienten. Auch jüngere Menschen können im Rahmen eines Klinikaufenthaltes eine derartige Symptomatik entwickeln.
    Beruhigend ist, daß nach Rückkehr in die gewohnte Umgebung die Symptome schnell rückläufig werden. Leider läßt sich nicht abschätzen, wie lange nun individuell der Genesungsprozeß dauert.
    Inwiefern die von Ihnen geschilderten Probleme der Blasenfunktion ursächlich auf ein Durchgangssyndrom zurückzuführen sind, entzieht sich leider meiner Beurteilungsmöglichkeit, zumal ja eine organische Ursache nicht mit Sicherheit auszuschließen ist.

    Auf jeden Fall gute Besserung!

    F. V.

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    • Re: Narkose


      Auch ich habe seit meiner OP Kurzzeitgedächnisstörungen, verlangsamtes Denken, Orientierungsstörungen, Wortfindungsstörungen, Alpträume und oft Kopfschmerzen. Ich wurde fälschlicher weise vor der Narkoseeinleitung nicht Präoxygeniert. Das heißt, man hat mir vor Narkoseeinleitung keine Maske vors Gesicht gehalten um reinen Sauerstoff ein zu atmen. Manche Anästhesisten meinen sie wären so perfekt, dass sie auf die lästige und zeitaufwendige Präoxygenierung verzichten können. Wenn dann bei der endotrachealen Intubation etwas schief läuft und der Anästhesist Schwierigkeiten beim Tubus-schieben bekommt, kann der Patient schnell eine Hypoxie bekommen. Die Folge können die oben beschriebenen Symptome bis hin zur geistigen Behinderung also Hirnschaden sein. Das hängt davon ab, wie lange das Gehirn ohne Sauerstoffversorgung war und der Anästhesist wieder beatmet hat. Haben Sie vor der Narkose auch keinen Sauerstoff zum einatmen bekommen ? Dies könnte die Ursache sein. War ihre OP etwa auch in DU Fahrner Straße ? Ich bin erst 50 Jahre alt.

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      • Re: Narkose


        Als Präoxygenierung bezeichnet man eine prophylaktische Anreicherung mit Sauerstoff vor einem induzierten Atemstillstand (Apnoe), etwa im Rahmen einer Narkose.
        Durch die geeignete Zuführung von Sauerstoff (ausreichend hohe Flussrate über mehrere Minuten, dicht anliegende Maske) wird der Sauerstoffspeicher der Lunge, der der funktionellen Residualkapazität entspricht, mit Sauerstoff gefüllt, wobei der Stickstoff der normalen Atemluft ausgewaschen wird (Denitrogenisierung). Dadurch wird die Dauer, die der Patient ohne Spontanatmung auskommen kann, ohne einen Sauerstoffmangel (Hypoxie) aufzuweisen, deutlich verlängert, so dass in dieser Zeit eine Atemwegssicherung durchgeführt werden kann.
        Welche Aussage zur Präoxygenierung ist falsch ? ( C ist falsch)
        a) Die Dauer der Apnoetoleranz, die durch die korrekt durchgeführte Präoxygenierung erreicht
        wird, ist u.a. abhängig vom Sauerstoffverbrauch (VO2) des Patienten.
        b) Die theoretisch erreichbare Apnoetoleranz nach Präoxygenierung liegt beim gesunden
        Erwachsenen (70 kg Körpergewicht) mit einem Sauerstoffverbrauch (VO2) von 250 ml/min bei
        etwa 8-11 Minuten, da die funktionelle Residualkapazität (FRC) etwa 30-40 ml/kg
        Körpergewicht (2100 – 2800 ml) beträgt.
        c) Perioperativer Streß (z.B. unzureichende Prämedikation, Fieber, Hyperthyreose oder Sepsis)
        verändert nicht die Apnoetoleranz nach korrekter Präoxygenierung (im Vergleich zum selben
        Patient ohne Streß).
        d) Die Präoxygenierung ist Bestandteil der Schnelleinleitung bzw. RSI
        e) Zur Präoxygenierung atmet der Patient spontan über die dicht sitzende Beatmungsmaske für
        3-5 Minuten reinen Sauerstoff (hoher Frischgas-Flow ; 100% Sauerstoff)

        Zusammenfassend ist festzustellen, dass das Verfahren der Präoxygenierung von nur 59 % der Anästhesisten routinemäßig genutzt wird und von 80 % der Anästhesisten insuffiziente Verfahren angewandt werden. Ein möglicher Grund ist das Überschätzen des Patientendiskomforts durch die Anästhesisten beim Aufsetzen der Sauerstoffmaske, während die Patienten die Präoxygenierung gut tolerieren.

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