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18 Monate Hodenschmerzen

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  • 18 Monate Hodenschmerzen

    Soweit ich zurückdenken kann, sind in regelmäßigen Abständen beim Sporttreiben, insbesondere Joggen, Radfahren oder schnellem Gehen, Schmerzen aufgetreten. Nach einigen Kilometern traten dann Seitenstiche auf, begleitet von Schmerzen im Hoden und akuter Berührungsempfindlichkeit. Nach einigen Minuten Ruhe sind diese Schmerzen immer wieder rasch verschwunden.

    Im vergangenen Frühjahr, sind die Schmerzen auf einem Messebesuch wieder aufgetreten. Dort habe ich mich allerdings nicht geschont, sondern bin mit den Schmerzen weitergelaufen und anschließend 3 Stunden Autogefahren. Noch Tage danach hatte ich leichte Schmerzen in der Leistenregion. Erst langsam sind die Schmerzen wieder abgeklungen. Etwa 2 Monate später sind die Schmerzen beim hastigen Gehen wieder aufgetreten. Erst Seitenstiche rechts, dann Schmerzen im rechten Hoden. Diesmal waren die Schmerzen so stark, dass ich nur noch gebeugt mit eingedrehtem rechten Bein humpeln konnte. Als die Schmerzen am Abend noch nicht besser waren, bin ich zum Unfallchirurgen, weil ich sehr beunruhigt war. Dieser tastete Hoden und Unterbauch ab. Seine Vermutung war eine Hodentorsion. Er überwies mich ins Krankenhaus zur Dopplersonographie. Dort wurde ich dann wiederum betastet, musste Husten, auf einem Bein Hüpfen usw. Der Arzt vermutete bei mir Nierensteine. Deshalb solle ich zum Urologen. Eine Doppler-Sonographie des Hodens fand nicht statt. Am folgenden Tag beim Urologen erfolgte eine Sonographie der Nieren - ohne Befund. Rectale digitale Untersuchung und Palpation des Leistenkanals mit der Diagnose "weiche Leiste" erfolgten. Ich solle mich schonen und alles wird wieder gut. In der Tat folgten Phasen, in denen ich weitgehend schmerzfrei war, mich allerdings auch sehr schonte. Doch, sowie ich mich bewegte (Bücken, schnelles Gehen) traten die Schmerzen wieder auf. Zu Beginn diesen Jahres erfolgte ein Besuch beim Orthopäden. Eine Röntenaufnahme des Beckens und der Hüfte wurden angefertigt. Diagnose: Hüftdysbalance, begünstigt durch eine Hüftdysplasie (wurde vor langer Zeit erfolgreich mit Spreizhose behandelt). Ich bekam Krankengymnastik verschrieben, welche ich gewissenhaft über ca. 2 Monate betrieb. Auch in dieser Periode war ich zeitweise schmerzfrei, jedoch kehrten auch diesmal die Schmerzen zurück. Zusätzlich auch auf der linken Seite, wahrscheinlich, weil ich wegen Schmerzen rechts, mein linkes Bein mehr belastet habe. Es erfolgte ein Besuch bei einem befreundeten Chirurgen, der meinte, es könne auch nur ein Nerv (ich glaube Nervus femoralis) die Ursache sein. Auch er führte eine Palpation durch und schloss Leistenprobleme aus. Eine Überweisung zum Neurochirurgen erfolgte. Der betastete Hoden, Leistenregion und Adduktoren ausgiebig (danach konnte ich gar nicht mehr gehen) und schloss den Nervus femoralis aus. Auf dem Röntgenbild entdeckte er einen fehlenden Ringschluss eines Lendenwirbels. Seine Diagnose (oder eher Tipp) war eine Schambeinreizung. Wegen des Wirbels wurde ich zum MRT geschickt. Der Befund war, dass die Wirbelsäule unauffällig ist. Zwar eine Wirbelsteilstellung, aber nichts Schlimmes. Auch dieser fehlende Ringschluss käme häufig vor und scheide als Ursache aus. Es folgte ein Besuch bei einem weiteren Orthopäden. Dieser diagnostizierte eine Adduktorenreizung. Ich bekam Eispackungen und Stäbchenmassage verschrieben. Diese brachte nach meinem Eindruck zwar Linderung, aber bei der geringsten Belastung traten wieder Schmerzen (mal links, mal rechts) auf. Es folgte vor einigen Wochen ein Besuch beim Neurologen. Dieser hat mir den Nervus femoralis rechts vermessen. Einen Impuls hat er oberhalb des Leistenkanals auf den Nerv gegeben. Zwei Impulse sind im Oberschenkel angekommen. Seine Diagnose: Neuropathie, weil der Nerv im Leistenkanal eingeklemmt sein könnte. Es folgte eine weitere Untersuchung im MRT. Dort konnte keine Raumbeanspruchung im Leistenkanal festgestellt werden. Auch Symphyse und innere Organe seien unauffällig. Allerdings hat der Radiologe auch weniger als 5 Minuten damit verbracht die MRT-Bilder zu analysieren und den Befund zu schreiben. Im Anschluss bin ich also wieder zum Orthopäden, der eines der letzten Register gezogen hat. Spritzen mit Kortison und Procalin beidseitig sollten schneller Besserung bringen. Nach den Spritzen habe ich mich etwas geschont. Aber schon nach vier Tagen hatte ich, Schmerzen auch dann, wenn ich nur langsam gehe, bzw. "schleiche". Da die Schmerzen wirklich hauptsächlich die Hoden betreffen, bin ich nochmals zum Urologen gegangen. Er hat kurz nach der Leiste getastet und meinte ich hätte einen beginnenden Bruch und solle mich bei einem Chirurgen wegen OP vorstellen. Ich erklärte, dass ich beim Niesen, Husten und Pressen keine Schmerzen hätte, jedoch könne ich den Hoden kaum berühren ohne mich zu krümmen vor Schmerzen, weswegen ich nur noch weite Hosen trage. Obwohl ich nicht beobachten kann, dass der Hoden krankhaft vergrößert ist, kommt es mir doch merkwürdig vor, dass ich den Schmerz durch Berühren der Hoden provozieren kann. Der Urologe schrieb mir also wegen der Leiste eine Überweisung zum Chirurgen. Ich erläuterte dem Urologen. dass ich allerdings schon dreimal beim Chirurgen war und er jedes Mal die Leiste ausschloss. Da meinte er ich solle einen anderen Chirurgen konsuliteren. Das kann doch nun auch nicht sein. Ich möchte mich ungerne operieren lassen ohne sicher zu sein, dass dies die richtige Therapie ist. Aus diesem Grunde hat meine Mutter mir einen Termin für übernächste Woche (wg. Urlaub so "spät") bei einem Professor und Chefarzt der Inneren Medizin besorgt. Sie selber ist übrigens auch Medizinerin und weiß nicht weiter. Die Vielzahl an Diagnosen hat mich sehr verunsichert und ich weiß nicht, was ich jetzt noch tun kann. Ich weiß, dass ich ein sehr komplexes Problem geschildert habe und danke für die Geduld beim Lesen. Ich bin für jeden Hinweis dankbar!

    Gruß,
    cyren

    **10 Hilfsfragen, die zum weiteren Verständnis Ihrer obgenannten Beschwerden dienen können:**
    **1.Was lindert die Beschwerden?**
    ruhig Sitzen oder liegen (auf dem Rücken)

    **2.Was verstärkt die Beschwerden?**
    gehen, bücken, Beine spreizen, auf der Seite liegen, Berühren der Hoden

    **3.Wann haben Sie keine Beschwerden?**
    im Bett, in der Badewanne

    **4.Was glauben Sie, was Sie haben?**
    Vielleicht eine Kombination aus weicher Leiste, Adduktorenreizung und Empfindlichkeit der Hoden.
    Eventuell besteht ein Zusammenhang mit Orthopädischen Schuheinlagen? Habe mein Leben lang Schuhe mit Luftpolsterung getragen und orthpädische Schuheinlagen aus Schaumstoff (Senk- und Spreizfuß). Auf o.g. Messe habe ich neue Schuhe (Doc Martens mit harter Sohle) getragen, in die meine Einlagen nicht passen. Seit 8 Wochen trage ich nun wieder gepolsterte Schuhe mit Einlagen.

    **5.Wo waren Sie schon in Behandlung (Hausarzt, Spital etc.)?**
    Hausarzt
    Unfallchirurg
    Krankenhaus (innere Medizin)
    Urologe
    Orthopäde
    Physiotherapeut
    Neurochirug
    Radiologe
    Neurologe

    **6.Was für Diagnosen wurde gestellt?**
    Hodentorsion
    Nierensteine
    weiche Leiste
    Muskeldysbalance Hüfte
    Empfindlichkeit Nervus femoralis
    Schambeinentzündung
    Adduktorenreizung
    orthopädisches Problem LWS und/ oder Hüftgelenke

    **7.Was für Therapien hat man durchgeführt?**
    Krankengymnastik
    Eispackungen und Stäbchenmassage
    Kortison und Procain

    **8.Was für Unfälle, Verstauchungen haben Sie schon gehabt?**
    Armbrüche
    Muskelfaserriss Schulter
    etwa ein halbes Dutzend Stürze mit Inlinern

    **9.Was für Krankheiten haben Sie schon gehabt?**
    Mumps
    Phymose operiert
    Grippe
    Pfeiffersches Drüsenfieber
    Helicobacter pylori

    **10.Was für Krankheiten haben Sie jetzt noch zusätzlich zu Ihren Hauptbeschwerden?**
    selten Migräne (Anfall ca. 1 mal pro Jahr)


  • RE: 18 Monate Hodenschmerzen


    .... eine laaange Geschichte... aber durchaus nicht selten...!
    In die Hoden ziehen äusserst sensible Nerven.... manchmal ist die Ursache klein... die Wirkung groß. Wenn der Arzt nichts findet... heisst das noch lange nicht, daß da nichts ist. Das Ausmass der Diagnostik, das bei Ihnen erfolgte stimmt mich bedenklich... ich will mal lieber nicht nach Ihrem Versicherungsstatus fragen.....

    Aber zur Sache:
    die größte Wahrscheinlichkeit ist, daß als Folge der "weichen Leiste" (die wahrscheinlich doch eher ein kleiner Lesitenbruch ist) immer Wieder Druck auf den Nerv ausgeübt wird, der Ihnen dann die Schmerzen verursacht. Die Schmerzfreiheit in Ruhephasen unterstützt diese These. Es gibt eine Untersuchung wo in ähnlichen Fällen eine Leistenrevision mit Neurolyse den Patienten zu 80% Schmerzfreiheit gebracht hat... ohne daß vorher ein eindeutiger Befund nachzuweisen war...
    Ob der Internist da helfen wird, wage ich zu bezweifeln. Eher ein wirklich versierter und sensibler Chirurg mit Spezialgebiet Leiste. Soweit mein Eindruck...bitte aber bedenken, daß ich hier nur nach Iheren Schilderungen empfehlen kann...

    Gute Besserung und viel Erfolg
    Ihr

    Dr. T. Kreutzig

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    • RE: 18 Monate Hodenschmerzen


      Hallo Dr. Kreutzig,

      vielen Dank für Ihre schnelle und sachkundige Antwort. Die objektive Meinung eines Außenstehenden der nur die Fakten, so gut ich sie schildern kann, kennt, ist manchmal sehr hilfreich. Obwohl ich mir sehr wünsche, dass die Wurzel allen Übels mit der Leiste gefunden ist, hoffe ich doch noch ein wenig, dass es nicht die Leiste ist. Erfolgsaussichten von 80% und 5% Komplikationen sind nicht zwingend das, was man sich als junger Mensch wünscht. Ich habe im Laufe der Zeit sogar Leute kennengelernt, die nach der OP Sympthome hatten, die sie vorher gar nicht kannten. Dennoch werde ich nichts unversucht lassen. Wenn die Chance besteht, dass ich wieder normal am Leben teilnehmen kann, dann werde ich das Risiko gerne in Kauf nehmen.

      Ich wünsche ein schönes Wochenende und danke nochmals für Ihre Bemühungen!

      Alex

      PS: Die Frage nach dem Versicherungsstatus kann ich damit beantworten, dass ich tatsächlich "Kassenschnorrer" bin ;-) Allerdings sind alle aufgezählten Fachärzte, bis auf den Radiologen, persönliche Bekannte der Familie. Ansonsten hätte ich wahrscheinlich nicht so viel zu schreiben gehabt.

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