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Sigmacarcinom

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  • Sigmacarcinom

    Hallo,
    eine Freundin von mir hat ein Karzinom im Sigma, Übergang Rectum. Dabei ist sie erst 30 Jahre alt!
    Sie wurde vor zwei Wochen operiert: Sigmaresektion! Leider hat man zwei Metastasen in der Leber festgestellt und der Histobefund hat ergeben, dass sie ein Stadium pT3, N2 (weil 9 Lymphknoten befallen waren) und M1 (wegen der Lebermetas) hat. Sie bekommt jetzt Chemotherapie und wird in einigen Wochen wegen der Lebermetas operiert...
    Ich hab selbst im Bereich Medizin beruflich zu tun und weiss, dass das eine sehr schlechte Prognose ist, vor allem wegen dem jungen Alter. Hat jemand Erfahrung und kann sich mit mir austauschen?
    Hat jemand neueste Kenntnisse über die chirurgische Entfernung von Lebermetastasen, ohne gleich eine sog. Hepatektomie (Entfernung eines Großteils der Leber) durchführen zu müssen. Scheinbar werden Lebermetastasen seit kurzem auch laparoskopisch (also über ein Endoskop mit nur kleinen Perforationsstellen im Bauch) anstelle einer richtig offenen Operation entfernt. Weiss jemand, welche Erfahrung man damit hat und wie die Überlebenschancen bei laparoskopischer Entfernung im Vergleich zur herkömmlichen offenen Methode sind? Ich persönlich denke, am besten wäre ein Ausschälen der Metastasen mit Kryotherapie (also "Vereisung"), weil meiner Vorstellung nach auf diesem Weg die geringsten intraoperativen "Streuungsrisiken" bestehen.
    Grüsse
    Nastja


  • RE: Sigmacarcinom


    Hallo Nastja.
    Ich kann Dir aus Erfahrung mit meiner Mutter, die vor zweieinhalb Jahren in der selben Situation wie Deine Freundin war, folgendes mitteilen:
    Zuerst ist der Primärtumor im Dickdarm entfernt worden. Danach 6 Zyklen Chemo mit 5FU, Leukovorin und Oxaliplatin (14-tägig, Schema nach De Gromond). Aufgrund des Vorliegens von multiplen und zT grossen Lebermetastasen im rechten Leberlappen erfolgte danach eine Hepatektomie des rechten Leberlappens, dh der rechte Leberlappen wurde operativ völlig entfernt (R 0). Danach ist adjuvant nochmals eine Chemo angeordet worden, diesmal mit 5FU, Leukovorin und Irinotekan (bei Oxaliplatin ist im Falle meiner Mutter nur ein mäßiges Ansprechverhalten festgestellt worden, weshalb auf Irinotkan umgestellt worden ist). Seit zwei Jahren ist meine Mutter tumor- und metastasenfrei. Ich kann daher aus eigener Beobachtung sagen, dass die Entfernung des rechten Leberlappens zwar ein maximal invasiver Eingriff war, jedoch geht es meiner Mutter heute total gut und sie führt ein ganz normales Leben. Das Lebervolumen nimmt mit der Zeit übrigens auch wieder zu, dh die Leber wächst sozusagen zum Teil wieder nach. Ob nun eine Hepatektomie oder eine ablative Methode, zB die Entfernung der Metastasen mit Radiofrequenztherapie (heisst glaube ich abgekürzt HITT oder LITT) anzuwenden ist, hängt von der Anzahl, Ausdehnung (also wie gross die Metastasen sind) und der Ausbreitung der Metastasen ab. Bei wenigen eher kleinen Metastasen ist eine Radiofrequenztherapie möglich. Wie erfolgreich diese Methode ist, kann ich allerdings nicht sagen. Ich weiss lediglich, dass die Hepatektomie bei meiner Mutter einen maximalen Erfolg gebracht hat. Wichtig erscheint mir persönlich, dass nach der operativen Entfernung sämtlicher Tumore und Metastasen jedenfalls vorsorglich adjuvant noch eine Chemo gegeben wird, damit allfällige übrig gebliebene, nicht sichtbare Krebszellen ausgeschaltet werden. Im Einzelfall muss dies natürlich der Arzt entscheiden.
    Es gibt übrigens auch eine neue Therapie, die zT in Studien angeboten wird (zB Uni-Klinik Essen). Es ist dies die Kombinationstherapie mit 5FU, FA, Irinotekan oder Oxaliplatin (wie herkömmlich) + Avastin. Avastin ist ein monoklonaler Antikörper, der bei Dickdarmkrebs in Kombination mit der herkömmlichen Chemo angeblich ziemlich gute Ergebnisse gebracht hat.
    Ich wünsche Deiner Freundin alles Gute und viel Glück!
    Hanno

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    • RE: Sigmacarcinom


      Die Leberchirurgie ist ein schwieriges Gebiet und nur an entsprechenden Zentren praktiziert. Es wäre mir neu, wenn man Lebermetastasen in der von Ihnen beschriebenen Weise „her-ausschält“, da hier die Gefäße (aufgrund von Blutungsgefahr) segmentgerecht dargestellt und entfernt werden müssen. Was anderes wären ablative Verfahren. Hier ist zunächst die Standardvorgehensweise Leberteilresektion. Weitere Verfahren (z.B. Radiofrequenz) bleiben in Reserve. Es ist meistens günstig, solche bewährten Wege zu gehen.
      Streuungsrisiken sind übrigens am geringsten, wenn man weiträumig schneidet.

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      • RE: Sigmacarcinom


        S.g. Herr Prof. Wust!
        Darf ich Sie um Ihre Fachmeinung bezüglich Prognose meiner Bekannten bitten. Wie gesagt, ich bin nicht sehr hoffnungsvoll, dass sie überleben wird. Den Histobefund hab ich oben schon angeführt :
        pT3 mit Infiltration ins pericolische Fettgewebe
        N2 (von 12 entnommenen Lymphknoten sind 9 ausgedehnt besiedelt)
        M (zwei Lebermetastasen, 1 x 1,3 cm, die andere sehr klein).
        Der TU im Colon sigmoideum - Übergang Rektum, Flexur war 5 cm gross,
        Danke
        Nastja

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        • RE: Sigmacarcinom


          Das ist ja grossartig! Toll, dass deine Mutter einen derart glücklichen Verlauf erleben konnte.
          Eines würde mich noch brennend interessieren: welches Histostadium hatte deine Mutter und wie alt war sie bei Erstdiagnose?
          Danke

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          • RE: Sigmacarcinom


            Hallo Nastja!
            Ich glaube Prof. Wust hat völlig recht, wenn er sagt, dass die herkömmliche Leberteilresektion sich wohl am besten bewähren würde. Auch das Einhalten des Sicherheitsabstandes, also das weiträumige Schneiden ist zur Vermeidung von weiteren Streuungen sehr wichtig. Aber das wissen die Chirurgen ohnehin am besten.
            Nun zu Deiner Frage: Der Histobefund bei meiner Mutter war: mäßiggradiges Carzinom im Signum, etwa 40 cm ab ano (ich glaube pT3). Lymphknoten waren keine befallen, also N0. Weiters mutiple und große, bis zu 7 cm grosse Lebermetastasen im rechten Leberlappen verstreut. Ich bin zwar kein Arzt, aber ich glaube der Lymphknotenbefall ist eher nicht so günstig. Ich kann aber nicht sagen, inwieweit sich der Lymphknotenbefall allenfalls negativ auf die Lebenserwartung auswirkt. Ich bin aber der Meinung, dass es Ziel sein muss, sämtliche Tumore und Metastsen wegzubekommen (R 0). Es sollte bei so jungen Patienten also maximal invasiv vorgegangen werden, mit OP`s und Chemos. Es ist zwar echt hart, für meine Mutter war es das jedenfalls, aber es hat sich voll gelohnt. Bei der Erstdiagnose war sie 59 Jahre, aber aufgrund des sehr guten Allgemeinzustandes hat man ihr sozusagen echt alles zugemutet, was es an Chemos und Operationen gibt. Aber wie gesagt, es hat sich ausgezahlt. Prof. Wust hat auch recht, wenn er sagt, dass eine Leberoperation an einer Universitätsklinik mit entsprechender Erfahrung im Lebertransplantationsbereich durchgeführt werden sollte. Die haben auch das entsprechende know-how.
            Grüsse
            Hanno

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