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Krebsbehandlung mit Valproinsäure?

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  • Krebsbehandlung mit Valproinsäure?

    Hallo Herr Wust,

    mein Schwiegervater ist an Krebs erkrankt. Nun gab es vor kurzer Zeit eine Pressemitteilung über mögliche Behandlungswege mit der Valproinsäure, die seit ca. 20 Jahren zur Behandlung von Epilepsie als Medikament eingesetzt wird. Zu diesem Thema habe ich den Verfasser dieser Pressemitteilung, Dr. Göttlicher kontaktiert, der folgende Empfehlung gab:

    " ... Es bleibt Ihre wichtige Frage, was tun mit Ihnen/ Ihren Angehörigen, die
    heute krank sind. Dazu ist mehreres zu sagen. Krebstherapie ist fast immer
    ein 'Baukasten' mit Komponenten aus Chirurgie, Bestrahlung uns
    medikamentöser Behandlung. Was wir entdeckt haben könnte ein Baustein in
    der medikamentösen Behandlung sein. Das heißt Valproinsäure sollte nicht an
    Stelle eingeführter Verfahren, sondern als Ergänzung eingesetzt werden.

    Mit der Valproinsäure haben wir gegenüber anderen Neuentdeckungen den
    großen Vorteil, dass die Substanz als Medikament seit weit über 20 Jahren
    am Markt eingeführt ist: als Medikament zur Behandlung von Krampfleiden
    (Epilepsie). Dies eröffnet die Möglichkeit, dass der behandelnde Arzt diese
    Substanz unter den Regeln des 'Heilversuchs' einsetzten kann, wenn dies mit
    dem Patienten klar abgesprochen ist. Dies müsste tatsächlich der
    behandelnde Arzt tun, da wir an einer Forschungsinstitution und nicht in
    einer Klinik arbeiten. "

    Wie sehen Sie diese Thematik?
    Über eine Einschätzung Ihrerseits würde ich mich sehr freuen!

    Schöne Grüße aus Dortmund,

    Wolfgang Neuhaus


  • RE: Krebsbehandlung mit Valproinsäure?


    Dieses Medikament wird im Zusammenhang mit bestimmten chronischen Schmerzen bei Krebsleiden eingesetzt. Zur Therapie selbst gibt es keine Arbeiten, zumindest nicht in der zugänglichen Literatur (z.B. Medline). Ich sehe keinen Grund, warum diese Substanz einen Effekt in der Krebstherapie haben sollte. Zumindest irgendwelche Daten (wenigstens an Zellen?) sollte es doch geben, die den Verfasser veranlassen, eine Wirksamkeit anzunehmen.

    Kommentar


    • RE: Krebsbehandlung mit Valproinsäure?


      Bei meiner Nichte (18 Jahre, Morbus Hodgkin) wird Valporinsäure (Depakine) wegen psychischer Probleme im Zusammenhang mit Cortison gegeben. Sie bekommt es schon einige Monate und seither geht es ihr psychisch relativ gut (trotz Progression). Lieber Herr Neuhaus, könnten Sie bitte genauere Hinweise auf den genannten Artikel geben? Ich würde mich auch interessieren.
      Besten Dank und herzliche Grüße!

      Kommentar


      • RE: Krebsbehandlung mit Valproinsäure?


        Hallo,

        die Veöffentlichung von Dr. Göttlicher zu diesem Thema findet sich unter

        http://emboj.oupjournals.org/cgi/con...f&siteid=emboj

        Hier beschreibt er, wie Valproinsäure in Tierversuchen erfolgreich zur Einschränkung des Tumorwachstums und der Metastasenbildung bei bestimmten Krebsarten eingesetzt wurde.

        Da das Medikament und seine Nebenwirkungen bekannt sind, ist er der Ansicht, dass ein ärztlich kontrollierter Heilversuch mit der Valproinsäure vertretbar ist.

        Ich würde nun gerne Ihre Meinung dazu erfahren, Prof. Wust. Herr Göttlicher hat sich auch als Diskussionspartner für Rückfragen angeboten.

        Schöne Grüße,

        Wolfgang Neuhaus

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        • RE: Krebsbehandlung mit Valproinsäure?


          Es handelt sich um eine präklinische Arbeit. Nur ein Bruchteil der Effekte, die man im Labor nachweisen kann, haben eine klinische Bedeutung. Nur eine klinische Studie ist in der Lage, die Bedeutung an menschlichen Tumoren zu prüfen. Die hier vorliegende Arbeit reicht m.E. nicht aus, um eine Anwendung am Menschen außerhalb einer Studie zu rechtfertigen. Es ist auch kein Argument, daß es sich um ein zugelassenes Medikament handelt. Die Anwendung für die Tumorbehandlung ist deshalb genauso spekulativ wie bei einem völlig neuen Wirkstoff.

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          • RE: Krebsbehandlung mit Valproinsäure?


            Sehr geehrter Prof. Wust,
            ich verfolge mit großem Interesse die Diskussionen über die Valproinsäure.
            Da ich selbst einen Krebsfall in de Familie habe sucht man natürlich jede Möglichkeit um diese Krankheit in den " Griff " zu bekommen.
            Meine Frage nun:
            Gibt es mittlerweile in Kliniken schon Versuche mit Patienten? Wird Valproinsäure schon bei Krebspatienten angewandt? Wenn ja- wo???
            Für eine Antwort wäre ich ihnen mehr als dankbar.
            Christina Kleiner

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            • RE: Krebsbehandlung mit Valproinsäure?


              Sehr geehrter Prof. Wust,
              ich verfolge mit großem Interesse die Diskussionen über die Valproinsäure.
              Da ich selbst einen Krebsfall in de Familie habe sucht man natürlich jede Möglichkeit um diese Krankheit in den " Griff " zu bekommen.
              Meine Frage nun:
              Gibt es mittlerweile in Kliniken schon Versuche mit Patienten? Wird Valproinsäure schon bei Krebspatienten angewandt? Wenn ja- wo???
              Für eine Antwort wäre ich ihnen mehr als dankbar.
              Christina Kleiner

              Prof. Wust schrieb:
              -------------------------------
              Es handelt sich um eine präklinische Arbeit. Nur ein Bruchteil der Effekte, die man im Labor nachweisen kann, haben eine klinische Bedeutung. Nur eine klinische Studie ist in der Lage, die Bedeutung an menschlichen Tumoren zu prüfen. Die hier vorliegende Arbeit reicht m.E. nicht aus, um eine Anwendung am Menschen außerhalb einer Studie zu rechtfertigen. Es ist auch kein Argument, daß es sich um ein zugelassenes Medikament handelt. Die Anwendung für die Tumorbehandlung ist deshalb genauso spekulativ wie bei einem völlig neuen Wirkstoff.

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