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An Herrn Professor Wust

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  • An Herrn Professor Wust

    Sehr geehrter Herr Professor Wust, ich habe vor einigen Tagen eine Frage gestellt, die vielleicht in der Fülle der Anfragen untergegangen ist. Darum versuche ich es nun noch einmal. Im Sommer 2013 und im Sommer 2014 wurden bei mir zwei Mammografien durchgeführt. Die zweite in einem Zentrum, dass laut Flyer energieschwache Geräte verwendet. Die zweite Untersuchung hat mein Arzt veranlasst, weil ich wegen eines nicht ganz klären Befundes sehr panisch war. Außerdem hatte ich 2013 im Abstand von 4-5 Monaten zwei Szintigrafien der Schilddrüse. Seit diesen ganzen Untersuchungen und es waren noch einige andere, allerdings ohne Strahlenbelastung, leide ich unter Panikattaken. Nun hat mich eine Bekannte letzte Woche sehr verunsichert. Ich hätte durch die Untersuchungen mehr falsch als richtig gemacht. Die Strahlung sei doch viel zu viel gewesen. Ich weiß, es ist nun eh zu spät, aber können Sie mir bitte etwas dazu sagen. Einen ganz lieben Dank Mira123

  • Re: An Herrn Professor Wust

    Die Dosis an der Brust ist bei den modernen Mammographiegeräten unter 1 mSv pro Untersuchung. Das Risiko für die Induktion eines Mammakarzinoms liegt nach den vorliegenden Daten unter 1:100.000 pro mSv, also bei Ihnen vielleicht bei 2:100.000. Das ist über alle Altersklassen gemittelt. Die Empfindlichkeit nimmt jedoch ab 25 Jahren mit dem Alter kontinuierlich ab und halbiert sich etwa alle 10 Jahre. Ab 60 Jahren würde man das Risiko nahezu bei Null veranschlagen. Sie können sich selbst in der Reihe einordnen.
    Für die Schilddrüse gilt Ähnliches. Starke Abnahme der Strahlenempfindlichkeit mit dem Alter.
    Sie sehen, dass die Risiken sehr niedrig sind, i.d.R. deutlich niedriger als bei anderen medizinischen Maßnahmen. Trotzdem sollte eine Röntgenuntersuchung nur durchgeführt werden, wenn eine (rechtfertigende) Indikation (medizinische Notwendigkeit) besteht. Der Nutzen für den Patienten soll dabei das (geringe) Risiko überwiegen. Inwieweit das bei Ihnen zutrifft, kann ich nicht beurteilen. Die Kommentare Ihrer Bekannten kann ich daher nicht kommentieren. Das Risiko ist unabhängig davon vernachlässigbar. Es entspricht ungefähr der Wahrscheinlichkeit, vom Blitz erschlagen zu werden.

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    • Re: An Herrn Professor Wust

      Vielen Dank Herr Professor Wust. Ich habe nicht erwähnt, dass ich 43 Jahre alt bin. Die Mammografien wurden wegen Sekretion der Brust und einer Fibrozystischen Läsion durchgeführt. Habe ich Sie richtig verstanden, dass das Risiko auch in meinem Alter nicht sehr hoch ist? Herzliche Grüsse Mira123

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      • Re: An Herrn Professor Wust

        Mit 45 Jahren liegt das zusätzliche Risiko (gesamte Lebenszeit), an einem strahleninduzierten Mammakarzinom zu versterben (cancer excess mortality) bei 0,2 Personen pro 100.000 pro mSv. Bei 2 Mammographien sind bei Ihnen 2 mSv appliziert worden (also 0,4 : 100.000 Lebenszeit, deutlich unter dem Durchschnitt). Das sind relativ gut abgesicherte Daten der Life Span Study (Langzeitstudie der Japaner und US-Amerikaner nach den Atombombenabwürfen, die immer noch läuft, ca. 100.000 strahlenexponierte Personen).
        Beachten Sie bitte, dass die spontane Neuerkrankungsrate beim Mammakarzinom (alterskorrigiert) bei etwa 80 pro 100.000 pro Jahr liegt. Da verschwinden solche kleinen Zahlen im Rauschen. Die Neuerkrankungsrate steigt deutlich mit dem Alter ab 45 Jahren und erreicht den höchsten Wert bei 65 Jahren (s. www.rki.de für genauere Informationen).

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        • Re: An Herrn Professor Wust

          Herzlichen Dank für Ihre Antwort. Man sollte sich wohl nicht so viele Gedanken machen und jeden Tag dankbar genießen.

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