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paVK IIb

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  • paVK IIb

    Hallo Herr Dr. Schaaf,
    nachdem ich mich nun durch das chronische Schmerzforum durchgearbeitet habe (als Patient, Fusion L5/S1) wurde im Rahmen einer CT-Untersuchung als Nebenbefund eine Stenose der rechten Becken-Beinarterie festgestellt. Ebenso ist auch die Bauchaorta betroffen.
    Eine Abklärung mittels Angiographie ergab eine paVK IIb. Die a.iliaca-communis rechts ist verschlossen und die a.iliaca-communis links stenosiert. Nun wurde links ein Stent gesetzt. Rechts war der Vorgang frustran. Nun soll in naher Zukunft eine Sanierung mittels aorto-bifemurale Prothesenimplantation erfolgen.
    Ich bin 44 Jahre, männlich, habe früher sehr viel Sport betrieben, seit dem Nebenbefund Nichtraucher, normalgewichtig. Meine Blutwerte: Cholisterin 7,04mmol/l; Triglyceride 3,88 mmol/l
    Gehstrecke ca. 60m.
    Was kommt hier auf mich zu bzw. kann ich dann wieder halbwegs normal leben? Wieviel Risikopotential hat dieser Eingriff? Eingestellt bin ich durch die Klinik mit Clopidogrel, Simvastatin und ASS 100.


  • Re: paVK IIb


    Ich gehe mal davon aus, dass man mit Ihnen ausführlich über die Risikofaktoren, deren Bedeutung und Möglichkeiten der Beeinflussung gesprochen hat und beschränke mich daher nur auf die vorgeschlagene OP.

    Ich muss vorausschicken, dass ich nicht die akutellen Zahlen parat habe, was die 5-Jahres oder 10-Jahresprognose der aortobifemoralen Bypässe betrifft. Ich kann sie herausfinden, aber letztlich kann es gut gehen oder auch nicht und wenn es gut geht, ist die Frage, wie lange es bei IHNEN gut geht und nicht, wie lange es im Mittelwert gut geht. Nur letzteres kann die Statistik aussagen.

    Bei der OP, die einen großen, stundenlangen Eingriff bedeutet, werden nicht mur neue Kunststoffadern eingezogen, sondern auch die alten unwiederbringlich zugemacht. Nach der OP brauchen Sie lebenslang Medikamente, um die Chance zu verbessern, dass die Gefäße offen bleiben. Ob sie offen bleiben, hängt ganz wesentlich von Ihrer Grunderkrankung ab. Bleiben die Risikofaktoren, so bleibt auch das Risiko neuer Verschlüsse.

    Ein solcher Eingriff ist dringend oder auch mal sofort notwendig, wenn die Durchblutung am betreffenden Bein "kritisch" ist. Auf deutsch: Das Bein sonst absterben würde. Das ist bei Ihnen nicht der Fall, wenn ich alles richtig verstanden habe. Sie haben also Zeit !!!

    Die Alternative zur OP ist das konservative Vorgehen, das im Klartext "Gehtraining" heißt.
    Gehtraining setzt voraus, dass Sie verstehen, was los ist und ausreichend Disziplin mitbringen.
    Gehtraining verlangt Durchhaltevermögen und viel Investition bevor sich Fortschritte zeigen.

    Was bedeutet Gehtraining für Sie?
    Ihre Gehstrecke bleibt zunächst einmal stabil.
    Ihre Gehstrecke wird langsam besser, vielleicht erst nach 3 Monaten, manchmal auch schneller, manchmal dauert es auch noch länger.
    Gehtraining führt nicht immer zum Erfolg. Manchmal sind monatelanges Training vergebens und man muss doch operieren.
    Wenn Sie einen Erfolg erzielen, dann bleibt er Ihnen lebenslag erhalten (Erklärung unten). Darin liegt die große Chance, die man meiner Meinung nach immer nutzen sollte, solange man Zeit hat.

    Wie geht Gehtraining:
    Mindestens zwei mal täglich mindestens je 30 Minuten gehen und zwar 9/10 der Strecke, nach der der Schmerz kommt, in Ihrem Fall 54 m.
    Das klingt komplizierter als es ist. Wichtig ist: flott gehen und stehen bleiben kurz bevor der Schmerz auftritt. Dazu kann man Schritte zählen und 10% abziehen oder "ein Haus vor dem Schmerz" stehenbleiben. Sollten Sie mal aus Versehen in den Schmerz hineinlaufen, einfach gleich stehen bleiben, wenn es anfängt zu ziehen und nicht warten bis es nicht mehr geht. Nach kurzer Pause das Ganze von vorn.

    Ich weiß, es ist mühsam, aber Sie erreichen damit Folgendes:
    Kollateralen (Umgehungsarterien) werden zur Verfügung gestellt. Stellen Sie sich vor, die Autobahn ist zu, aber es gibt ein paar Feldwege, die der Körper zu Bundsstraßen ausbaut. So ungefähr läuft es, wenn man eben den Körper motiviert, das zu tun. Die Motivation ist das Gehtraining. Und was ich oben angesprochen habe: Die neuen Straßen bleiben Ihnen erhalten und können sich jeder Belastung anpassen.
    Weiterer Vorteil: Sicher gibt es noch an anderen Stellen Ihrer Gefäße solche Ablagerungen. Die behandeln Sie gleich mit.
    Sie sind sooo jung, nutzen Sie Ihre Chance. Die OP läuft Ihnen nicht weg. Aber ich drücke Ihnen die Daumen, dass Sie sie nicht brauchen werden.

    Falls Sie sich fragen sollten, warum man Ihnen die OP vorgeschlagen hat: Die meisten Ärzt haben viel zu oft erlebt, dass die Patienten nicht die Eigenverantwortung übernehmen und "hart arbeiten" wollen.

    Dr Schaaf

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    • Re: paVK IIb


      Hallo Frau Dr. Schaaf,
      recht herzlichen Dank für die schnelle und umfassende Antwort. Da ich mir einige Bedenkzeit für den möglichen Eingriff gegeben habe, werde ich mir nun erst recht diese Sache überlegen. Zwar wurde meine Gehstrecke während einer 3 wöchigen Schmerztherapie (u.a. Nordic Walking) immer kürzer (O-ton Arzt: fehlende Muskelbealstbarkeit, ohne weitere Diagnostik), so will ich doch die Chance eines Gehtrainigs nutzen. Kollateralen haben sich bereits gebildet. Dies wurde während der Angiographie festgestellt.Es fehlt der Puls in der rechten Leiste. Ich bin gerade dabei meine gesamten Lebensumstände radikal zu verändern. Das Rauchen habe ich bereits aufgegeben, auch wenn es mir immer noch sehr schwer fällt, aber es geht. Alkohol kenne ich nicht und die Nahrungsaufnahme habe ich bereits auch bewußt geändert.
      Dann werde ich mich mal an die Sache machen. Vielleicht habe ich ja Glück.
      Nochmals recht herzlichen Dank
      Tschingis

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      • Re: paVK IIb


        Ich wünsche Ihnen Glück, aber vor allem brauchen Sie System (!!!) und Disziplin. Einmal die Woche austesten, wie lang die Gehstrecke aktuell ist, aber nichts erwarten, bevor nicht 3 Monate vorbei sind.

        Gehstreckenverbesserungen bei Menschen, wo das keiner mehr erwartet hat, waren die ersten Wunder, die ich gesehen habe.

        Ich glaube fest daran.

        Dr. Schaaf

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