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Zu jung für Insulin?

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  • Zu jung für Insulin?

    In der Allgemeinheit und unter erschreckend vielen Medizinern gilt der Diabetes Typ2 immer noch als Altersdiabetes, obwohl die Erst-Diagnosen längst häufiger unter 40 Jahren erfolgen. Und in der Allgemeinheit und unter erschreckend vielen Medizinern gilt der Typ2 noch immer als eigentlich gesunder Mensch, der sich seinen vermeintlichen Lifestyle-Diabetes nur angefressen & angesessen hat und den in dem Moment los würde, wo er sich richtig bewegen und ernähren und abnehmen wollte.

    Dass der werdende Typ2 schon dann weniger Insulin produzierende Zellen hat, als ein gesunder Mensch seines Geschlechts und Alters und mit seinem BMI und seiner Insulinresistenz, ist zwar in der Medizin bekannt, widerspricht aber dem angestammten und lieb gewonnenen Erklärschema von dem viel zu vielen Insulin, das den Typ2 bis zum Tage des Sekundärversagens auszeichne, an dem auch bei dem die Insulin produzierenden Beta Zellen vor lauter Überlastung eingehen und er spritzen muss.

    Und natürlich nimmt der Typ2 zu, wenn er auf Insulin eingestellt wird. Denn Insulin sei ja ein Masthormon, erklären auch erschreckend viele Mediziner mit dem Verweis auf die Anwendung von Insulin als Mittel zur Tiermast. Dabei verschweigen sie erschreckend regelmäßig, dass der Masteffekt auf den zu vielen Kohlenhydraten beruht, die die Tiere sich zusätzlich mit dem zusätzlichen Insulin einverleiben. Und dabei verschweigen sie selbstverständlich auch, dass die Zunahme bei ihren Insulin-Einstellungen der selben Gesetzmäßigkeit folgt: Sie verordnen direkt mit der Vorgabe von BEs oder indirekt mit der Freigabe des Essens mit möglichst wenig Fett das mästende Einverleiben von im Ergebnis zu vielen Kohlenhydraten.

    Zusammengefasst: Insulin also praktisch als letztes Mittel vor dem Ende und als Masthormon, das eben mit dem Gewinn von ein paar letzten Tagen mit der Zunahme den Effekt noch verstärkt, dem man den Diabetes nach allgemeiner Auffassung verdankt, das ist im Gegensatz zum unstreitigen Segen beim Typ1 beim Typ2 offenbar ebenso unstreitig Fluch.

    Und kein Wunder, dass das Insulin sich damit in der allgemeinen Praxis jeden Tag auch als Fluch erweist. Denn in ihrer Angst, von diesem Fluch getroffen zu werden, zögern erschreckend viele Typ2 ihren Einstieg in die Insulin-Behandlung viel zu lange hinaus. Und was ich Jahrzehnte lang gefürchtet habe, wie der Teufel das Weihwasser, kann mir ja schließlich nicht wirklich nützen. Auf diese Weise habe ich ein mentales Schloss vor jedem Insulin-Zugang und beim schließlich doch notwendigen Umstieg als Betroffener zudem die Zeit längst hinter mir, zu der ich den gesunden Umgang mit Insulin noch einfacher begriffen hätte. Ich raffe nur noch die einfache ärztliche Einstellung, mit der ich mit einer zu großen Vorgabe an BE=Kohlenhydraten und einer dafür insgesamt zu geringen Insulin-Dosierung einen weiterhin krankmachend hohen Blutzucker und jede Menge an Kilozuwachs produziere und wahrscheinlich auch die eine oder andere für mich völlig unverständliche Unterzuckerung erleide.

    Ein tatsächlich erschreckendes Muster, das sich jeden Tag auf diese Weise vielfältig - wenigstens auf den ersten Blick praktisch von "selbst" - bestätigt und verstärkt.

    Bisdann, Jürgen


  • Re: Zu jung für Insulin?


    Hallo Jürgen,
    du sprichst mir aus der Seele. Ich bin ja auch so ein junger Typ 2 mit 33 und fühle mich irgendwie auch ständig schuldig. Trotz wirklich kohlenhydratarmer Diät (max. 10BE) und Metformin und Sport... bekomme ich meinen HBA1c nicht unter 6,2. Ab wann ist denn Insulin angebracht? Ich habe große Angst vor Folgeerkrankungen und hätte gerne eine 5 vor dem Komma. Ist das Überzogen?Andererseits kann ich mir auch nicht vorstellen jetzt für den Rest meines Lebens auf alles Süße zu verzichten.
    Viele Grüße
    Jonga

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    • Re: Zu jung für Insulin?


      Moin Jonga,

      nein, ne 5 kannst Du dir genau so realistisch machen, wie viele Betroffene und auch ich das jeden Tag tun :-)

      Aber zuerst einmals: Glückwunsch zur frühen Diagnose! Wie lange hast Du sie schon, und wie bist Du dran gekommen? Und wie bist Du auf die Idee gekommen, Deine KHs zu begrenzen?

      Bin neugierig, Jürgen

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      • Re: Zu jung für Insulin?


        Hallo,
        zum Diabetes beglückwunscht hat mich auch noch niemand ;-), Also ich hatte in meiner letzten Schwangerschaft nen insulinpflichtigen Diabetes und da musste ich auch eine Schulung besuchen, wo auf die KH hingewiesen wurde, da man es ja erstmal mit Diät versucht. Leider hat es nicht gereicht. Die Diagnose wurde dann im August nach ogtt gestellt.
        Viele Grüße
        Jonga

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        • Re: Zu jung für Insulin?


          Moin Jonga,

          nicht zum Diabetes an sich hab ich gratuliert, sondern zur so frühen und zeitnahen Diagnose :-)

          Du hast also nicht erst 5-10 Jahre über die Diagnosereife hinaus erste Beschwerden für den OGTT sammeln müssen. Das ist ein Vorteil, den man kaum überschätzen kann. Der nächste ist, dass Du schon mit einigem Erfolg mit Insulin hantiert und dazu deutlich mehr Anleitung erfahren hast, als der normale Insuliner in der kurzen Anwendurngszeit. Und Du hast dabei Deinen BZ im Gegensatz zum normalen Insulin-Anfänger viele von 24 Stunden im gesunden Bereich und den als Ziel erlebt. Und schließlich brauchst Du keine langen Diskussionen zu führen, oder gar 2 Quartale mit viel KHs und nem vergleichsweise Mords-HBA1c über 7,5 einzuschieben, um wieder Insulin und Teststreifen verordnet zu bekommen, sondern es reicht in aller Regel als Begründung, wenn Du beim Diabetologen oder Hausarzt die Absicht einer weiteren Schwangerschaft angibst. Beim Gyn würde dann vielleicht nervig oft nach dem Fortschritt gefragt und Hilfe angeboten ;-)

          Alternativ könntest Du Deine KHs noch bis auf LCHF reduzieren. Das hatte ich eigentlich für jetzt auch auf meinem Plan, aber nun hab ich erst einmal die für mich neue Möglichkeit der intensiveren körperlichen Betätigung wie der hier (kl. Video) http://www.speedy.de/de/handbikes/handbikes/speedy-bike und werde damit mal schauen, wie weit ich meinen Insulinbedarf mit 6-10 BEs pro Tag reduzieren kann. Vielleicht nicht ganz unwichtig für Deine Überlegungen: mit 6-8 BEs/Tag pflege ich mein Gewicht zu halten, mit regelmäßiger 10 BEs feiert die Waage eine leichte, aber stete Zunahme, bei seit über 10 Jahren HBA1c unter 5,5.

          Wenn Du für die Beseitigung aller Klarheiten mal hier schaust, welche Defekte für den Typ2 zusammen spielen müssen, können wir noch über weitere Möglichkeiten diskutieren, die allerdings noch recht jung sind und Erfahrungen zum Langzeitgebrauch erst noch sammeln müssen.

          Bisdann, Jürgen

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          • Re: Zu jung für Insulin?


            Hallo Jürgen,
            Danke für Deine schnelle Antwort und die vielen Tips. Du bist ja wirklich gut informiert. Deinen Beitrag über die 4 Defekte beim Typ2 habe ich gelesen, aber er ist doch sehr komplex... Muss ich glaube ich nochmal öfter lesen.
            Auf noch mehr KH zu verzichten schaffe ich glaube ich nicht. Mir fällt es so schon schwer. Ich würde einfach gerne mal wieder Kuchen, Eis etc essen ohne schlechtes Gewissen!
            Viele Grüße
            Jonga

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            • Re: Zu jung für Insulin?


              Moin Jonga,

              hier hast Du einen gesunden Verlauf im Essenszusammenhang http://www.phlaunt.com/diabetes/16422495.php

              Immer wenn der Blutzucker über normal gesund hoch verläuft oder/und ansteigt, fehlt just dann die für den gesunden Ausgleich passende Menge Insulin. Daher ist der Ersatz für das fehlende aus dem Pen die gesündeste und einzige in der Schwangerschaft erlaube medikamentöse Antwort. Und zudem die flexibelste: Insulin muss nicht regelmäßig fortlaufend, sondern immer nur so viel genommen werden, wie wirklich im begrenzten auf die Injektion folgenden Wirkzeitraum gebraucht wird. Mit ausreichend systematischer Übung lässt sich der eigene BZ damit in jedem beliebigen Rahmen steuern, auch im nahezu gesunden deutlich unter HBA1c 6. Und wenn Du mal Appetit auf ein Stück Kuchen hast, spritzt Du halt passend und isst das einfach. Und wenn Du mal eine Mahlzeit oder die KHs auslassen willst, isst Du halt keine und spritzt dafür einfach nix. Einzig mit Insulin bekommst Du auch Teststreifen verordnet und in der Regel so viele, dass Du damit Deinen BZ auch wirklich zuverlässig steuern kannst.

              Die neuen Medis, die im gegenwärtigen Entwicklungsstadium Deines Diabetes nach Insulin aus dem Pen am wirksamsten und deutlich bequemer funktionieren, weil man sie regelmäßig und unabhängig vom Essen nimmt, stellen mehr oder weniger weitgehend den Inkretin-Effekt wieder her, also die Typ2-mäßig abnehmende Insulin-Bestellung, wenn Glukose aus dem Darm in den Blutkreislauf übergeben wird. Auch damit sind HBA1cs unter 6 möglich, so lange noch ausreichend funktionierende Beta-Zellen mit einer ausreichenden Inslin-Ausgabe auf die Bestellung antworten. Klar kann man sich mit der Futter-Steuerung auch damit in dieser Art http://phlaunt.com/diabetes/DeutschMgDlFlyer.pdf einen weitgehend gesunden BZ-Verlauf machen, aber die Teststreifen, die man dafür braucht, muss man dann halt aus der eigenen Tasche zahlen.

              Bisdann, Jürgen

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              • Re: Zu jung für Insulin?


                ...der sich seinen vermeintlichen Lifestyle-Diabetes nur angefressen & angesessen hat und den in dem Moment los würde, wo er sich richtig bewegen und ernähren und abnehmen wollte.
                Da hast du vollkommen recht! Ich hatte meine ersten Symptome da wog ich 78kg bei 1,86m und somit nicht im Vorstellungsbererich der "verfressenen, dicken T2ler". Erst als ich in den "Genuss" der Tabletten kam stieg mein Gewicht stetig an. Der Doc meinte damas, als ich ihn auf Insulin ansprach, dass ich schon noch zeitig genug spritzen könne. Also weiter mit Glime und Actos bis mein Nephrologe die Reißleine zog und eine ICT begonne hat. Seltsamer Weise führte er auch die dazugehörige Schulung durch. Diese wurde auch von einer entsprechenden Schwester durchgeführt. Unter der ICT habe ich sogar an Gewicht wieder etwas verloren!
                auch meinen Vater konnte ich von der Insulintherapie überzeugen. seine Werte sind besser als wie mit den Tabletten und UZ sind so gut wie gar nicht mehr aufgetreten.

                LG
                LaSa

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