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Prädiabetes

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  • Prädiabetes

    Liebes Forum,

    ich bin 40 Jahre alt. Im Herbst wurden bei mir bei einer Routineuntersuchung erhöhte BZ-, Harnsäure- und Cholesterinwerte festgestellt (metabolisches Syndrom). Mein BMI betrug zu diesem Zeitpunkt 27, allerdings bei deutlich zu viel Bauchfett. Bei einem daraufhin durchgeführten oGTT wurden im Kapillarblut die Werte 109/196/156 mg/dl (nüchtern/1h/2h) ermittelt. Der HBA1 beträgt 5,0%.

    Nach einer Gewichtsabnahme um ca. 10 kg in den mittleren Normalbereich des BMI und Änderung der Ernährungsgewohnheiten normalisierten sich Harnsäure- und Cholesterinwerte innerhalb weniger Wochen. Ausdauersport (ca. 2h/Woche) machte ich schon die letzten Jahre.

    Der kapillare BZ verhielt sich nach der Lebensstiländerung wie folgt:

    Nüchtern-BZ morgens:
    70 – 98 mg/dl
    im Mittel: 87 mg/dl, bei der Hälfte der Messungen jedoch über 90 mg/dl

    Postprandialer BZ 2h nach Mahlzeit:
    78 – 122 mg/dl
    im Mittel: 99 mg/dl

    Aufgefallen ist mir, dass mein BZ tagsüber oft niedriger ist als morgens/nüchtern.

    Meine Hausärztin sagte mir, ich leide an einer PräDiabetes, die unweigerlich die kommenden Jahre zu einer Diabetes mellitus manifestiert.

    Was sagt der Expertenrat? Ist mein (Nüchtern-) BZ zu hoch? Sind meine BZ-Werte krank?

    Viele Grüße!


  • Re: Prädiabetes


    Moin Kroko,

    erstmal Glückwunsch zur relativ frühen Entdeckung und zur Gewichtsleistung!

    Wenn Du allerdings schaust, dass ein völlig gesunder Mensch mit um 60 bis um 80 aufwacht, etwa 30-60 Minuten nach 3 oder 4 oder mehr Brötchen kurz mal für ein paar Minuten an 120 misst und nach 2 Stunden längst wieder um 80 mg/dl, dann siehst Du, dass Dein Zuckerwassertestergebnis Dich schon deutlich auf dem Weg zur Ernennung erwischt hat. Wenn Du jetzt schwanger wärst, hättest Du damit übrigens schon Diabetes ;-(

    Die Prognose Deiner Hausärztin stimmt mit allen Studien überein, auch mit denen gängiger Diabetes-Präventionsprogramme, mit denen die Entwicklung immerhin um 1-2 Jahre streckbar scheint. Einzelne proaktive Erfahrungen sagen allerdings, dass noch ein anderer Weg möglich ist. Und zwar achten proaktive Betroffenen seit Jahren darauf, dass sie sich immer in einem BZ-Rahmen von max 140-120-100 mg/dl 1-2-3 Stunden nach jedem Essen bewegen, also meistens im völlig gesunden Rahmen. Damit wird häufig sogar beobachtet, dass der morgentliche Nüchternwert wieder ein Stückchen sinkt.

    Die Blutzucker-Begrenzung gelingt ihnen einmal mit der gezielten Futterauswahl nach Art und Menge und dann mit zeitlich passender (nicht unbedigt zusätzlicher) Bewegung. Hier im Forum z.B. Thread BZ & Bewegung. Wichtig in jedem Fall: Ausschließlich das eigene Austesten sagt, was bei einem selbst mit welchem Ergebnis funktioniert! Tabellen und ärztliche Empfehlungen und auch konkrete Erfahrungen anderer können nur Hinweise geben, aber der eigene BZ kann immer erstaunlich weit davon abweichen!

    Zu Deinen einzelnen Beobachtungen:
    1. Dein BZ steigt nach dem essen auffällig schnell und hoch an. Das kommt daher, dass Dir Typ2-typisch der sogenannte Inkretin-Effekt fehlt, mit dem Darmhormone bei gesunden Menschen schon Insulin bestellen, wenn die Glukose noch im Darm für die Übergabe in den Blutkreislauf aufbereitet wird.
    Proaktive Antwort darauf: Individuelle Futteranpassung nach Art und Menge und ggf. gezielt eingesetzte Bewegung.
    2. Dein BZ ist morgens nüchtern höher. Das kommt daher, dass Typ2-typisch Deine Leber von den Alphazellen Deiner Bauchspeicheldrüse den falschen Befehl bekommt, auch dann noch weiter Zucker auszugeben, wenn Dein Blutzucker längst hoch genug ist.
    Proaktiv funktioniert manchmal ein Betthupferl. Andere essen abends dafür keine KHs mehr und wieder andere relativ viel. Also ausprobieren, wobei hier überhaupt keine allgemeine Linie zu sehen ist. Ansonsten hilft halt nur die Verlegung der größeren Stärke=Zucker-Portionen auf den übrigen Tag.

    Vielleicht brauchst also auch Du noch lange oder sogar überhaupt nicht auf Diagnose Diabetes vorzurücken :-)

    Daumendrück, Jürgen

    Kommentar


    • Re: Prädiabetes


      Gratulation zur erfolgreichen Lebenstiländerung.

      Ja, der Nüchternblutzucker ist abnormal. Normal ist der Wert im kapillaren oder venösen Vollblut < 90 mg/dl

      Erfahrungsgemäß manifestiert sich ohne Lebensstiländerung – Überernährung, Bewegungsmangel – bei abnormaler Nüchternglukose häufig ein Typ2 Diabetes.
      Bei ausgewogener Ernährung und ausreichend körperlichen Aktivitäten kann dieser jedoch weit hinausgeschoben oder gar verhindert werden.

      Die biologische Insulinempfindlichkeit ist tageszeitabhängig und bei den meisten Menschen in den frühen Morgenstunden niedriger als zu anderen Zeiten.
      Außerdem schüttet die Leber just zu dieser Zeit oft vermehrt Zucker aus ihrem Speicher in den Blutkreislauf aus.
      Beide Faktoren können u.a. zu einem erhöhten morgendlichen Blutzuckeranstieg
      führen.

      Kommentar


      • Re: Prädiabetes


        Hallo Kroko,

        theoretisch stimmt alles, was zum Nüchternwert gesagt wurde. Ich vermute aber, dass es sich bei deinen Werten nicht um Laborwerte, sondern um selbst gemessene Werte handelt. Und das ist das Problem beim Nüchtern-BZ - der lässt sich mit Selbstmessung nicht genau genug bestimmen. Die Grenzen zwischen gesund, PräDiabetes und Diabetes sind so fein gezogen, dass wir bei den selbst gemessenen Werten nicht entscheiden können, ob es sich um Messtoleranzen oder um tatsächliche Veränderungen handelt. Deshalb gilt allgemein, dass der NBZ nur mit Laborwerten sicher beurteilt werden kann. Also lass dich von deinen Nüchterwerten nicht verrückt machen.

        Glückwunsch zu deine 2h-Werten, die sind sehr gut. Du hast mit deinem Abnehmen, Sport und bewusstem Essen sehr viel erreicht. Wenn du noch etwas überprüfen willst, dann knöpfe dir den 1h-Wert vor. Der sollte die 140 mg/dl nicht bzw. nur selten überschreiten. Der 2h-Wert wird bei dir dann auch unter 120 mg/dl landen, den musst du nur mal stichprobenweise kontrollieren. Auch bei diesen Werten treten Messtoleranzen auf. Die wirken sich aber viel harmloser aus, als das bei den Nüchternwerten der Fall ist.

        Wenn du nach Jürgens Formel die 140-120-100 mg/dl nach 1-2-3 h einhältst, dann hast du im Gegensatz zu dem, was deine Ärztin sagt gute Chancen, nie auf die Diagnose Diabetes mellitus vorzurücken. Ich denke mal, du schaffst das und wünsche dir viel Erfolg.

        Rainer

        Kommentar



        • Re: Prädiabetes


          Moin Rainer,

          Widerspruch: Bei Diabetes oder Prädiabetes passiert nix mit Überschreiten eines bestimmten Wertes. Deswegegen braucht da auch nichts wirklich auf's Haar genau labortechnisch vermessen zu werden. Diagnsotiziert und behandelt wird lediglich nach definierten Werten, und diese Definitionen sind keineswegs medizinisch, sondern einfach administrativ so gesetzt.

          Medizinisch beobachten z.B. die Kardiologen schon beim Anstieg des HBA1c-Wertes von 4,5 nach 5,5 eine signifikante Zunahme an Herzkreislauf-Ereignissen, die sich darüber hinaus ohne Stufe fließend fortsetzt. Es wäre also schlicht dumm zu glauben, dass man mit morgens nüchtern genau 89 noch auf der sicheren und mit genau 91 auf der unsicheren Seite sei.

          Es ist ein unausrottbarer Mythos, dass der morgentliche Nüchternwert einen besonderen Stellenwert und z.B. auch besonderen Einfluss auf den HBA1c-Wert hätte. Bis hinunter zu einem HBA1c-Wert um 7 stimmt er damit halt häufig weitgehend überein, während mit Werten unter 7 eindeutig klar wird, dass die BZ-Verläufe nach dem Essen die wirklich wichtigen sind.

          Bisdann, Jürgen

          Kommentar


          • Re: Prädiabetes


            ...zz sind Ihre BZ-Werte in Ordnung...Sie haben aber ein erhöhtes Diabetes-Risiko...was hilft: noch mehr Sport!!!

            Kommentar


            • Re: Prädiabetes


              Hallo Jürgen, danke für die Ergänzung - den Grund für den Widerspruch kann ich nicht erkennen. Ich habe es für wichtig gehalten, Kroko darauf hinzuweisen, dass man mit dem heimischen Schätzeisen keine exakten Nüchternwerte ermitteln kann.

              Wenn man die hätte, dann käme als Frage dazu, wie viel die aussagen. Und da stimme ich voll mit dir überein. Man kann daraus nicht viel ermitteln, weil der NBZ meist erst dann ansteigt, wenn die BZ-Verläufe nach den Mahlzeiten schon über längere Zeit ungesund hoch lagen. Das fatale ist, dass diese ungesunden BZ-Verläufe beim Hausarzt durch einen einfachen oGTT mit dem 1h- und 2h-Werten frühzeitig erkannt werden könnten. Und dazu bräuchte der Doc nicht einmal Laborwerte, das könnte die Sprechstundenhilfe mit seinem einfachen Praxisgerät ermitteln. Das kostet 75g Traubenzucker, 2 Teststreifen, 2 Stunden Zeit für den Patienten und vielleicht 5 Minuten für die Praxis.

              Ich kann nicht verstehen, warum die Diabetes-Diagnostik immer noch voll auf den NBZ und bei konkretem Verdacht zusätzlich auf den HbA1c ausgerichtet sind. Mein Vorschlag: Bestimmung der oGTT-1h- und 2h-Werte als IGeL anbieten lassen, dann setzt es sich bei unseren Hausärzten bestimmt schnell durch.

              Kommentar



              • Re: Prädiabetes


                Hallo hjt jürgen, gast 66, Rainer und Dr. Keuthage,

                ich sage vielen lieben Dank für die ausführlichen Erklärungen auf meine Fragen !!!

                Euer Vorstadtkrokodil

                Kommentar