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Depression, Erschöpfung

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  • Depression, Erschöpfung

    Ich bin ein 19 Jahre alter Junge. Seit dem Oktober 2017 hat alles angefangen. Nach und nach habe ich immer mehr Schicksalsschläge durchmachen müssen. Von einer neuen Schule, Erkrankungen in der Familie, Trennung der Eltern, Probleme in der Klasse oder mehreren Todesfällen in der engsten Familie (manche sehr plötzlich).

    Ich hatte vor 2 Jahren noch einen relativ stabilen Freundeskreis. Nach und nach haben diese Freunde in ihren neuen Klassen aber auch neue Leute kennen gelernt. Ich verstehe mich bis heute mit fast niemanden aus meiner neuen Klasse. Ich gehe jeden Tag zur Schule in der Hoffnung das der Schultag sehr schnell vorbei geht. Am Anfang haben sich noch alle nicht so gut gekannt, nach einer Zeit haben sich aber fast alle bis auf mich sehr gut miteinander verstanden. Ich hatte immer einen sehr guten Kumpel in der Klasse der aber die Klasse wechseln musste. Nun muss ich noch ein Jahr in eine Klasse gehen mit der ich mich nicht verstehe. Ich bin der größte Außenseiter und fühle mich verdammt einsam. Aber es ist auch viel zu spät, die Meisten finden mich sehr arrogant oder komisch und das nur weil ich am Anfang als wir uns alle kennen gelernt haben sehr leise und in mich gekehrt war, da ich schon damals eine eher schwierige Zeit durchmachen musste. Ich rede manchmal mit den Anderen, aber niemals würden wir was mittags machen, und das mein ich Ernst das würde wirklich nichts mehr bringen, keiner will irgendwas mit mir zu tun haben.

    Danach kommen noch sehr familiäre Sachen. Ich habe eine engere letzten Sommer und dann vor einigen Wochen eine sehr enge Person aus dem Familienkreis verloren, die mir unglaublich viel bedeutet hat. Ich kann weder den einen Tod, noch den anderen Tod glauben, und das obwohl ich dabei war, als die beiden Menschen verstorben sind. Ich kann mir bis heute nicht vorstellen nie wieder mit der einen Person zu reden und sie nie wieder zu sehen, da ich in letzter Zeit auch komplett meinen Glauben an Gott, Schicksal, Karma oder Gerechtigkeit verloren habe.

    Dies war nur eine Beschreibung von 2 dieser Sachen. Das Schlimmste war und ist der Tod dieser 2, vor allem der Tod, der einen Person. Ich kann es nicht fassen und komme damit auch nicht ansatzweise klar.

    Ich fühle mich heute so unglaublich einsam und verlassen, es kommt mir vor wie ich vor ein paar Monaten verflucht worden bin. Wenn ich in den Spiegel sehe, kann ich mein altes Ich einfach nicht mehr wiedererkennen, da es mir einfach nicht mehr wie mein eigenes Leben vorkommt. Es fühlt sich an, wie ich in der Zeit stehen geblieben bin und einfach nicht mehr weiter komme. Ich fühle mich so komplett verlassen und falsch verstanden und erinnere mich an schöne Momente von früher, in denen ich mir alles aber niemals diesen Verlauf meines Lebens vorstellen könnte. Ich habe in einer sehr kurzen Zeit so unnormal viel verloren, das es mir alles so unreal vorkommt. Und durch diese Denkweise bin ich in einen Teufelskreis geraten. Da ich mich so anders und unverstanden vorkomme, kann ich keine sozialen Kontakte mehr knüpfen. Ich kann nicht offen auf andere zugehen, da ich weiß das es mir an mir nichts mehr Interessantes gibt. Ich habe viele Freunde verloren aber keine Neuen dazu gewonnen. Da ich in letzter Zeit selbst nicht mehr richtig mit mir klar kommen, hatte ich auch noch nie eine Freundin oder eine sehr enge Bindung zu einer Person da ich einfach nicht auf neue Menschen zugehen kann. Ich kann selbst jetzt nicht glauben was mir nur alles passiert ist. Und dies waren nur einige grobe Beschreibungen von manchen Dingen. Ich fühle mich einfach so alleine, mir wird einfach alles zu viel. Oftmals fühlt es sich so an wie mein altes Ich, meine richtige Persönlichkeit, mein altes richtiges Leben tot ist und nie wieder zurück kommen wird und kann, da auch die Toten nicht wieder zurück kommen werden. Es fühlt sich jeden Tag an, wie ich mich einfach nur noch durch den Tag kämpfen würde.

    Natürlich habe ich auch schon an eine psychologische Behandlung gedacht. Aber der Psychologe kann diese vielen Dinge auch nicht ungeschehen machen, und auch nicht mein altes Leben zurück holen. Außerdem wäre das eine zusätzliche Belastung für meine Familie, wenn sie wissen würde, wie schlecht es um meine Psyche und Seele steht, und das will ich den Menschen die sowieso in jedem Moment das Beste für mich tun, und welche durch den Tod des Familienmitglieds auch sehr leiden mussten und immer noch leiden, nicht auch noch antun. In eine Psychatrie oder irgendwelche Tabletten nehmen würde ich nie gehen oder machen. Ich habe zwar bald Sommerferien aber danach kommt das wichtigste Schuljahr meines Lebens und die Ferien brauch ich so sehr für mich selbst und eine "Pause". Eine psychatrische Behandlung oder Klinikaufenthalt ist somit zu 100% ausgeschlossen. Ich tippe darauf, dass ich durch die Dinge die mir passiert sind eine Persönlichkeitsstörung oder Belastungsstörung entwickelt habe, welche sich durch eine Depression oder Burnout äußern.

    Wie komme ich nur über die Dinge, welche mir passiert sind hinweg? Wie akzeptiere ich sie, dass sie mir passiert sind obwohl ich das eigentlich denke ich mal nicht verdient hätte. Wie kann ich weiter machen, und auch wieder Lebensfreude spüren? Ich denke so oft über den Sinn des Lebens nach, aber finde leider keinen. Ich bin nichts Besonderes, nichts Wichtiges, ein Mensch wie viele Milliarden andere auch.

    Bitte gibt mir so viele Ratschläge wie möglich. Ich fühle mich so unglaublich einsam und verlassen, so falsch und verloren in meinem eigenen Leben, und weiß nicht wie ich da jemals wieder rauskommen kann.

    Ich kann nicht glauben, wie sich mein gesundes lebensfrohes Ich in einem glücklichen Leben und Umfeld, zu so etwas entwickeln konnte. Wie all die Dinge nur passieren konnten.


  • Re: Depression, Erschöpfung

    Hi,
    ich kann dich gut verstehen, mir ist ähnliches passiert.

    Die Lehre daraus ist, es macht Sinn sich frühzeitig Hilfe zu holen und nicht erst wenn es keine anderen Optionen mehr gibt, je früher desto besser die Erfolgsaussichten.
    Natürlich kann ein Psychotherapeut das nicht ungeschehen machen, er kann dir aber dabei helfen das zu verarbeiten, gut damit umzugehen und dir dein Leben wieder zurück zu holen.
    Ich denke du solltest eine Psychotherapie machen, wenn du es nicht willst muss auch niemand davon erfahren.
    Aber was denkst du, dass deine Familie es lieber sähe dass du keine Therapie machst und in dem Loch stecken bleibst, oder dass du dir Hilfe holst und das Licht am Horizont wieder sehen kannst?
    Es ist nichts dabei, es ist nicht anders als wenn sich jemand Hilfe sucht weil er sich körperlich nicht gut fühlt, mit der Seele ist das nicht anders.

    Du könntest vielleicht auch für eine Weile ins Ausland gehen?
    Neuseeland, USA, etwas das zu dir passt und dir hilft dich selber wieder zu finden.

    Pauschale Ratschläge werden nicht viel bringen, natürlich, mach Sport, am Besten einen Mannschaftssport wo du Kontakte knüpfen kannst, aber das würde auch nur einen Teil deiner Probleme lösen.

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    • Re: Depression, Erschöpfung

      Hallo Jonas,

      es ist alles sehr schlimm für Sie im Moment. Das ist richtig. Aber es ist eine Momentaufnahme.

      Wenn Sie sich in einem größeren Zeitraum in die Zukunft beamen - so etwa zwei Jahre - , dann sehen Sie einen erfolgreichen jungen Mann, der zufrieden zurück blicken kann: Gutes Abitur, bewilligter Studienplatz seiner Wahl, eine liebe Freundin und einen wachsenden Freundeskreis.

      Die Frage ist also, wie kommen Sie dahin?

      Am sichersten mit professioneller Hilfe, was immer die Familie auch denken sollte.

      Wenn Sie das nicht wollen, müssen Sie andere Wege beschreiten.

      Lassen Sie erstmal das Bestreben, in die Gruppe integriert zu werden, beiseite.
      Man kann soetwas oft nicht aktiv betreiben.
      Das kommt von selbst, wenn das Umfeld mitbekommt, dass Sie leistungsfähig, strebsam und dann auch erfolgreich sind und Ihnen die Meinung der Anderen egal zu sein scheint.

      Lernen Sie intensiv, es ist jetzt das beste Alter dazu.
      Machen Sie in den anstehenden Ferien einen Kurs - Surfen (wenn in Süddeutschland die Möglichkeit besteht). Oder schließen Sie sich an eine Moutainbike- oder KletterGruppe an.
      Da muss man nicht viel reden. Also etwas, wo Tun im Vordergrund steht.

      Wenn es Herbst wird, könnten Sie sich zu einem Tanzkurs anmelden. Junge Männer sind da sehr gefragt. Und das hebt dann auch Ihren angeschlagenen Selbstwert.

      Und noch eine Bitte: Sie können in der virtuellen Anonymität eines Forum getrost konkreter werden. Also nicht von gestorbenen Personen reden, sondern direkt Oma oder Onkel benennen. Das wäre für das Verständnis wichtig.

      Beste Grüße

      Dr. Riecke

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      • Re: Depression, Erschöpfung

        Hallo lieber Jonas, das ist wirklich so, wie du beschreibst, das ist nicht erfunden und ausgedacht, du empfindest es so....JETZT. Und dann irgendwann empfindest du wieder total anders.
        Ich würde an deiner Stelle einmal zur Kenntnis nehmen, dass du eine Passage erlebst, eine Stille, eine unvorstellbare psychische Stille erfährst. Das ist, wie wenn du eine Reise machst in den tiefsten Punkt der Erde, dorthin, wo sonst kaum jemand hin kommt. Du aber schon. Das wird seine Gründe haben.

        Kennst du Khalil Gibran? Der war auch dort, wo du jetzt bist. Google mal seine Biographie und lies nach, was alles zerschmettert war auch bei ihm, wie heute bei dir und was dann aus dieser Erfahrung geboren wurde.

        Ich schreibe dir ein ganz bekanntes und berühmtes Zitat von ihm jetzt auf, was er über die Liebe sagt(e): Von der Liebe

        Wenn die Liebe dir winkt, folge ihr, sind ihre Wege auch schwer und steil.

        Und wenn ihre Flügel dich umhüllen, gib dich ihr hin,
        Auch wenn das unterm Gefieder versteckte Schwert dich verwunden kann.

        Und wenn sie zu dir spricht, glaube an sie,
        auch wenn ihre Stimme deine Träume zerschmettertn kann
        wie der Nordwind den Garten verwüstetet.

        Denn so, wie die Liebe dich krönt, kreuzigt sie dich.
        So wie sie dich wachsen lässt, beschneidet sie dich.
        So wie sie emporsteigt zu deinen Höhen
        und die zartesten Zweige liebkost, die in der Sonne zittern,
        steigt sie hinab zu deinen Wurzeln
        und erschüttert sie in Ihrer Erdgebundenheit.

        Wie Korngarben sammelt sie dich um sich.
        Sie drischt dich, um dich nackt zu machen.
        Sie siebt dich, um dich von deiner Spreu zu befreien.
        Sie mahlt dich, bis du weiß bist.
        Sie knetet dich, bis du geschmeidig bist;
        Und dann weiht sie dich ihrem heiligem Feuer,
        damit du heiliges Brot wirst für Gottes heiliges Mahl.

        All dies wird die Liebe mit dir machen,
        damit du die Geheimnisse deines Herzens kennenlernst
        und in diesem Wissen ein Teil vom Herzen des Lebens wirst.


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        • Re: Depression, Erschöpfung

          Ich habe mehrmals behauptet, gedacht, gemeint, mich in einer Sackgasse zu befinden, aus der es kein Heraus mehr gibt und in diesen Momenten wollte ich eigentlich nur mehr den Tod, weil unerträgliche Trostlosigkeit da war.

          Ich wünsche dir gar nichts, außer dass du neugierig bist, wie es weiter geht und du nichts weiter machst, als abhorchen, was du grad fühlst, was dich gerade bewegt, was du gerade so erfährst und erlebst. Es kommt noch anders, aber das weißt du jetzt natürlich nicht, ich wusste es auch nicht. Lass dir nicht einfallen, zu denken, es ist alles wie heute auch morgen.

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          • Re: Depression, Erschöpfung

            Du bittest um möglichst viele Tipps, wie du da wieder heraus kommst. Verbringe deine Zeit jetzt mit lernen und frag nicht, wer dich im Moment alles meidet und schneidet und sich nicht mit dir abgibt. Das mag sich schmerzlich anfühlen, weil keiner dich so nimmt, wie du es gerne möchtest. Aber woher sollen sie wissen, was in dir vorgeht?
            Um zu Liebe zu kommen brauchst du nur in dich horchen und da ist sie, sie lebt mit dir zusammen "in einem Haus" und begleitet dich von der ersten Sekunde bis zur letzten und darüber hinaus. Aber das wirst du sicher mal bemerken, wenn nicht jetzt, dann halt über Umwege und Vorfälle später noch. . Ich bin jedenfalls sicher, das, was wir sehen, hören, schmecken, riechen, fühlen und so weiter, das ist EINE Sicht auf die Dinge. Die Sicht des Menschen, wie er so leibt und lebt und denkt als "Kind" einer höheren Instanz, als Teil eines Wesens, das nicht stirbt uuuuund aber auch nicht leidet.

            In diesem Sinne, ich würde dir raten, dich zu betrachten als eine Einheit: du und deine Seele seid eins. Ihr Beide seid gemeinsam auf einer Reise und die führt mal hierhin, mal dorthin und genau darum lebst du. Deine Mitschüler erleben auch etwas, das sich anders anfühlt, aber sicher selbst mal zuhöchst Kummervoll, oder sonst wie. Mach dir nichts draus, wie andere sich fühlen, fühle du dich und erspüre die Augenblicke, die sich aneinander reihen, jeder so kostbar wie der andere. Glaub nicht, Trauer ist etwas Schlimmes, es ist EINE Farbe, von unendlich vielen Farben, die du erblicken wirst. Momentan siehst du schwarz, wie ich auch mal gesehen habe. Ich sag dann Gold und Schillern und dann wieder Rosa und Himmelblaugelb natürlich auch noch, aber wie gesagt, das weiß man nicht vorher, bevor es dran ist.
            Meine jedenfalls nie, die Wand vor dir ist echt. Sie öffnet sich, dann, wenn die Zeit da ist. Jetzt ist Trauer dran. Während der Trauerzeit ist es, wie wenn du in den Nachthimmel siehst. Da öffnet sich dir etwas anderes, als wenn du tagsüber lebst.
            Erwarte getrost deinen Tag, auch wenn es derzeit Nacht ist. Bussi, ich umarme dich und wünsch dir fürs erste mal, schlaf gut.

            Alles Liebe dir,

            Elektraa

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