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Antidepressiva absetzen

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  • Antidepressiva absetzen

    Guten Tag,

    ich hab sieben Jahre Cipralex 10 mg genommen, die letzten 4 Monate davon Fluoxetin 30mg (wegen Angststörung).
    Aus verschiedenen Gründen hab ich versucht (natürlich unter Aufsicht), diese abzusetzen.
    So hab ich ca 2 Monate Fluoxetin 20 mg, dann ein Monat 10 mg Fluoxetin und dann gar nichts mehr genommen.
    Die erste Zeit nach dem Absetzen (ca 2,3 Wochen) bzw auch wie ich nur 10 mg genommen hab gings mir echt gut, ich fühlte mich freier als zuvor.

    Seit einer Woche merke ich jedoch überall Gliederschmerzen und eine Verschlechterung der Stimmung.

    Was kann das sein? Habe ich zu schnell abgesetzt? Wie kann es sein, dass es mir die erste Zeit richtig gut ging, und jetzt geht's wieder in die andere Richtung?
    Ich hab leider auch die Gabe dass ich mich in Sachen extrem reinsteigern kann....

    Hoffentlich kann mir irgendwer helfen!!!

    Danke vorab!!
    LG



  • Re: Antidepressiva absetzen

    "Habe ich zu schnell abgesetzt?"

    Das ist durchaus möglich.

    Sieben Jahre Einnahme sind eine lange Zeit. Da braucht man viele Monate zum Ausschleichen.

    Manchmal klappt es auch nur mit alternierender Dosierung. Dass man also die letzten Wochen zweitäglich und dann dreitäglich eine kleine Menge einnimmt.

    Der etwas merkwürdige, aber gängige Ausdruck "Ausschleichen" ist übrigens so gemeint, dass der Körper die Reduktion "gar nicht merkt".
    Allerdings ist das nicht immer einfach...

    Kommentar


    • Re: Antidepressiva absetzen

      Wie würden Sie das denn an meiner Stelle jetzt machen?
      Wieder mit 10mg fluoxetine beginnen? Dann eine zeitlang nehmen und dann gaaaaanz langsam absetzen?

      Was wäre denn, wenn ich jetzt zum beispiel schwanger werden würde?? Wären die 10mg sehr schlimm??

      Kommentar


      • Re: Antidepressiva absetzen

        Hallo Winnie

        Ich habe ebenfalls bereits zweimal erfolglos versucht, mein Medikament abzusetzen.

        Beim ersten Mal vor rund fünf Jahren war es Citalopram, da war ich auf max. 20 mg und bin dann innerhalb von zwei oder drei Monaten (genau weiß ich es nicht mehr) auf 0 runter.
        Weitere zwei drei Monate später hatte ich dann einen Rückfall.

        Danach sollte ich auf Fluoxetin umsteigen und war dort in der Höchstdosis kurzzeitig auf 40mg, meistens auf 30. 2017 habe ich auch da erneut versucht abzusetzen, allerdings auch da offenbar noch zu schnell (insg. ca. 1 Jahr, letzte Dosis waren 10 mg), weil es ein halbes Jahr später - auch im Zuge weiteren Stresses - zu einem weiteren Rückfall kam.

        Aktuell unternehme ich einen weiteren Versuch, den ich nochmal langsamer angehe:
        Ich habe im Januar 18 von 40 auf 30 reduziert.
        Ende April 18 von 30 auf 20. Also rund 3,5 Monate 30 mg.
        Bis Mitte Mai 18 20, also ein Monat 20 mg.
        Von Mitte Mai 18 bis Anfang August 18 15 mg, ca. 3 Monate.
        Von August 18 bis Ende März 19 10 mg, ca. 7,5 Monate.
        Seit März 19 bin ich auf 5 mg runter.

        Die 5 mg will ich mindestens bis Herbst halten, dann für ein halbes Jahr 2,5 mg.
        Und mit dem nächsten Frühjahr 2020 dann komplett absetzen.

        Ich habe schon mehrfach von Reduzierung in 10%-Schritten gehört bzw. gelesen, die sehr zuverlässig und nachhaltig sein soll; hab dazu aber gerade keinen Link parat.
        So genau nehme ich es da allerdings nicht, wie Du oben siehst (40-40-20-15-10-5-2,5) - aber auf jeden Fall dosiere ich sowohl mengenmäßig als auch über Zeit sehr viel langsamer herunter als die beiden Male zuvor.


        Wie man die Dosierungen genau hinbekommt, dazu gibt's verschiedene Methoden. Man kann es da ganz exakt mit ner Küchenwaage machen, indem man die Tabletten zunächst zerbröselt und das abgewogene Pulver dann in Wasser auflöst

        Ich mache es im Augenblick noch mit der banalen "Tabletten-brech-in-der-Mitte-durch"-Methode, weil es für mich mit weniger Aufwand verbunden ist. Daher eben auch so Zwischenstufen wie 15 oder 5 mg.
        Bei 2,5 bin ich zugegebenermaßen mal gespannt, wie ich das hinbekomme, ohne daß mir in der Tat dann nicht ohnehin alles zerbröselt *g* Ggfs. muß ich die Tablette dann doch gleich zerstoßen, pulverisieren und dann exakter abmessen. Man wird sehen.

        Auf jeden Fall geht es mir damit im Großen und Ganzen sehr gut.
        Stimmungseinbrüche - auch heftigere - habe ich nach wie vor alle paar Wochen, waage aber mal zu behaupten, daß ich die Medikamentenreduzierung als Ursache da mittlerweile recht sicher ausschließen kann.

        Wie kann es sein, dass es mir die erste Zeit richtig gut ging, und jetzt geht's wieder in die andere Richtung?
        Kenne ich. Von beiden vorherigen Malen.
        Ich erkläre mir das so, daß ich beide Male ziemlich motiviert und euphorisch gewesen bin, es eben auch ohne Medi hinzubekommen. Man überzeugt sich da ja kognitiv-gedanklich selbst davon, daß man es schaffen kann. Und wenn dann die ersten Tage noch gut verlaufen, fängt man wieder an, an seine Selbstwirksamkeit zu glauben. Das alles erzeugt einen sich anfangs noch selbst verstärkenden, positiven Stimmungsschub.
        Irgendwann - bei mir war das nach drei vier Wochen dann jeweils so - läßt diese anfängliche Euphorie dann aber nach, und evtl. hat die auch die Nebenwirkungen des Absetzens übertüncht. Diese wiederum treten ab dem Moment mit jedem Tag und schleichend wieder mehr in den Vordergrund - und irgendwann kippt die Stimmung dann wieder.
        Ich hab da während meiner ersten beiden Absetzversuche noch wochenlang versucht, gedanklich gegenzuhalten und mir auch die alte Motivation bzgl. des Absetzens und der Selbstwirksamkeit in Erinnung zu rufen. Hat aber leider nicht gut genug geholfen und den Rückfall immer nur verzögert.

        Ob da letztlich wirklich ein zu schnelles Absetzen maßgeblich war oder meine innere Überzeugung bzgl. meiner Selbstwirksamkeit zu "schwach", weiß ich nicht.

        Ist mir aber mittlerweile auch nicht mehr so wichtig, weil ich ja den neuen Anlauf noch sehr viel langsamer durchziehe. Das gibt mir immer wieder die Möglichkeit, mich auf dem neuen Level zu stabilisieren und mich über Wochen und Monate hinweg selbst davon zu überzeugen, daß es auch mit der geringeren Dosis geht. Und zur Not könnte ich ja jederzeit wieder erhöhen, wenn ich den Eindruck habe, daß ich den Level nicht gehalten bekomme...
        Das alles verschafft ein gewisses Maß an Sicherheit, Kontrolle und eben Überzeugung in die eigene Selbstwirksamkeit.

        Ich hoffe, daß ich auf diese Weise dann auch mit 2,5 mg und irgendwann 0 mehr oder minder gut bzw. besser als die letzten Male zurechtkommen werde

        Klar ist für mich aber auch:
        Die Stimmungsschwankungen auch in weniger schöne Tiefen werde ich wahrscheinlich noch einige Zeit behalten... Das wird auch mal heftiger, da krieg ich auch mal meine Heulattacken und meine Verzweiflung.

        Aber bis jetzt sind sie auch mit 10 und mit 5 mg immer wieder vorüber gegangen


        Soviel zu meinen Erfahrungen. Vielleicht hilft Dir das ein bißchen weiter

        LG,
        Alex

        Kommentar



        • Re: Antidepressiva absetzen

          "wenn ich jetzt zum beispiel schwanger werden würde?? Wären die 10mg sehr schlimm??"

          Schlimm sicher nicht, aber ein Unbedenklichkeitsversprechen wird wohl niemand abgeben können.

          Kommentar


          • Re: Antidepressiva absetzen

            "Dann eine zeitlang nehmen und dann gaaaaanz langsam absetzen?"

            Denken Sie beim Absetzen auch an eine alternierende Einnahme, nicht nur an die Dosisreduktion.

            D.h. also zweitäglich eine Minidosis nehmen, dann nach einigen Wochen dreitäglich einnehmen usw.

            Das ist für den Organismus die mildeste Form, sich von der Substanz zu verabschieden.

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            • Re: Antidepressiva absetzen

              Super, vielen lieben Dank für die Antworten!
              Ich bin halt grad einfach nur verzweifelt, weil ich denk, nie davon los zu kommen. Und ich hätte eben schon gerne bald ein kind bekommen....

              Kommentar



              • Re: Antidepressiva absetzen

                Kann sein, daß ich mich damit jetzt etwas aus dem Fenster lehne:

                Aber es könnte sein, daß die primäre Durststrecke für Dich im Zweifelsfall "nur" die bis zur Schwangerschaft selbst ist.
                Ich habe bereits von zwei Fällen im Bekannten- und Kollegenkreis gehört, bei denen die Frauen vor der Schwangerschaft krank waren - die eine körperlich, die andere psychisch -, aber mit Beginn der Schwangerschaft waren sämtliche Symptome und Beschwerden wie weggeblasen und es ging ihnen währenddessen nicht besser oder schlechter als durchschnittlichen "gesunden" Schwangeren auch.
                Im Falle des Kollegen entbindet seine Frau im Juni, bis jetzt alles ohne die geringsten Komplikationen, als hätte sie ihre ganzen chronischen Beschwerden und Krankheiten nie gehabt.

                Ist also für Dich auch ein kleiner, zusätzlicher Hoffnungsschimmer, daß es am Ende alles sogar noch besser klappen kann als jetzt befürchtet/erwartet
                Evtl. kennt Hr. Dr. Riecke aus seiner Praxiserfahrung heraus auch ein paar solcher Beispiele und kann das etwas konkreter erläutern und belegen.

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                • Re: Antidepressiva absetzen

                  "Evtl. kennt Hr. Dr. Riecke aus seiner Praxiserfahrung heraus auch ein paar solcher Beispiele und kann das etwas konkreter erläutern und belegen."


                  Es stimmt, dass eine Schwangerschaft durch den Hormonschub im hypothalamisch-hypophysären Regelkreis deutlich stabilisierenden Einfluss auf die Psyche nehmen kann.

                  So gesehen, ist die Schwangerschaft also nicht nur eine Freude für die Familie, sondern auch eine Chance für die psychische Stabilität der Mutter.

                  Und es ist auch richtig, dass man auf diesen positiven Aspekt hinweist und nicht immer nur auf die Schwangerschafts- und Wochenbettdepression.



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                  • Re: Antidepressiva absetzen

                    Vielen lieben Dank für eure Hilfe!! Dieser Tip hilft mir wirklich sehr gut, weil ich einer Schwangerschaft immer nur SEHR ängstlich gegenüber stand.
                    Glg

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