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Kolonkarzinom Histobefund

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  • Kolonkarzinom Histobefund

    Bei meinem Vater (77 J.) wurde ein Kolonkarzinom und zwar ein mäßig differenziertes Adenokarzinom (an der rechten Kolonflexur) festgestellt. Im CT gab es keine Fernmetastasen. Nur Granulome in der Lunge und ein Leberhämangiom. Also keine Krebstochtergeschwülste. Allerdings zwei verdächtige lokoregionäre Lymphknoten.
    Daher wurde er einer Hemikolektomie rechts durch offene Laparatomie unterzogen.

    Heute kam der folgende Histobefund:

    pT3 N1b Mx G2 RO VO L1

    Im Befund steht weiters konkret:
    Hemikolektomiepräparat rechts mit einem mäßiggradig differenzierten, im Bereich der rechten Kolonflexur
    gelegenen Adenokarzinom, G2, mit fokaler muzinöser Differenzierung (< 10% des neoplastischen
    Gesamtvolumens), mit fokaler Infiltration des periviszeralen Fettgewebes.
    Zwei Lyrnphknotenmetastasen in den insgesamt 26 isolierten Lymphknoten.
    Die Appendix vermiformis regelrecht.
    Die chirurgischen Resektionsränder unauffällig.

    Das Gute ist, dass die Resektion offenbar R0 gelungen ist! Das bedeutet doch, dass die Resektionsränder im Gesunden sind, also der gesamte Tumorabschnitt komplett entfernt werden konnte, ohne Resttumor!?
    Im Arztbrief steht, dass der Resektionsrand 5 cm vom Tumor entfernt ist. Ist das genug Abstand?

    Was mir unklar ist: was bedeutet "fokale Infiltration des periviszeralen Fettgewebes" ganz genau?
    Ist damit die Infiltration der Subserosa entsprechend des Staging "T3" gemeint?

    Nicht ganz verständlich ist für mich auch, warum die Beurteilung der Metastasen (M) im Histobefund mit "Mx" befundet wurde, wenn laut CT keine Fernmetasen festgestellt wurden? Die Pathologie hat darüberhinaus ja nur das Resektionspräparat untersucht und keinen Einblick auf sonstige Organe wie Leber, Lunge etc.?
    Meinem Vater haben die Ärzte mehrfach mitgeteilt, dass er keine Metastasen hätte! Darum verstehe ich das Mx nicht ganz!

    Ich gehe davon aus, dass dieser Histobefund mit Stadium III bzw. nach Dukes Stadium C vereinbar ist!
    Bald hat mein Vater ein Gespräch bezüglich Chemotherapie!

    Bitte, könnten Sie mir meine Fragen beantworten und sagen, ob er trotz Stadium III eine Heilungschance hat?

    Danke vielmals im Voraus

    P.

  • Re: Kolonkarzinom Histobefund

    Die Heilungschance im Sinne einer dauerhaften Heilung liegt unter Einschluß der (leichten) nachfolgenden Chemotherapie zwischen 70 und 80 %. Günstig ist der G2-Status und dem Befall von nur 2 LK (von 26 untersuchten). Wenn sich Tumorzellen ins Fettgewebe abgesetzt haben beschreibt das der Pathologe zwar, es hat jedoch keinen Einfluß auf die Prognose und die Entscheidung für/gegen eine Nachsorge-Chemotherapie. T3 bedeutet etwas anderes, und zwar daß der Tumor die gesamte Darmwand erfaßt hatte ohne in Nachbarorgane vorzudringen.

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    • Re: Kolonkarzinom Histobefund

      Nachtrag zu Mx: Die TNM-Einteilung ist eine histologische Einteilung durch den Pathologen. Er kann die anderen Organe des Körpers nicht beurteilen da ihm ja nur der Tumor samt Umgebung vorliegt. Daher ist es völlig normal daß er da Mx schreiben muß. Die Einschätzung M0 ist dagegen eine klinische, also eine Feststellung ohne histologische Beweismöglichkeit. Und genau deswegen macht die Nachsorgechemotherapie Sinn.

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      • Re: Kolonkarzinom Histobefund

        Sehr geehrter Herr Dr. Hennesser,

        vielen herzlichen Dank für Ihre Einschätzung! Das klingt gut und macht Hoffnung! Ich bin nun beruhigt bezüglich der Infiltration in das Fettgewebe und Ihrer Erläuterung zu Mx!
        Nur noch eine Kleinigkeit bezüglich der Lymphknoten N1b! Im Diagnosekürzel: pT3 Nlb Mx G2 RO VO L1
        finden sich auch die Befunde V0 und L1! V0 heißt keine Invasion in die Blutgefäße, aber L1 bedeutet doch "Lymphgefäßinvasion". L1 ist somit ein anderer Befund als N1b (der 2 lokoregionären Lymphknoten).

        Heißt L1 somit, dass die Tumorzellen schon ins gesamte Lymphsystem infiltriert sind und ist damit die Prognose dann doch schlechter? Was genau bedeutet der Befund L1?

        Ich wäre dankbar, wenn Sie mir auch das noch erklären würden!

        Herzliche Grüße

        P.

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        • Re: Kolonkarzinom Histobefund

          L1 beschreibt die Infiltration in die umgebenden! Lymphbahnen, nicht in das Lymphsystem des ganzen Körpers. Sie haben Recht, L0 wäre ohne Beteiligung von Lymphbahnen. Man ist aber davon abgekommen dies bei der Prognose zu berücksichtigen da es wie gesagt kein negativer Prognosefaktor mehr ist - im Gegensatz zur Beteiligung von Lymphknoten. Bei deren Beteiligung ja in der Regel die Empfehlung zur Nachsorge-Chemotherapie besteht.

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          • Re: Kolonkarzinom Histobefund

            S.g. Herr Dr. Hennesser,

            vielen Dank! Das hilft mir sehr.

            Was anderes: gestern, am 8. postoperativen Tag, bekam mein Vater Temperatur: 38,3! Er bekam gleich Antibiotikatherapie und heute wurde ein CT gemacht! Er hat einen Entzündungsherd im Unterbauch. Ich weiß leider nicht, ob das nur etwas Wundflüssigkeit oder Blut (?) ist! Morgen soll ihm das mit einer Kanüle (?) unter örtlicher Betäubung abgesaugt werden! Leider war kein Arzt zu sprechen, aber mein Vater steht laut Stationsschwester nicht auf dem OP-Plan, also geh ich davon aus, dass das nichts Dramatisches sein kann, denn sonst müsste man ihn ja operieren oder?

            Also wird das auf jeden Fall keine Naht-/Anastomoseninsuffizienz sein, richtig? Peritonitis hoffentlich auch nicht!

            Was ist das aus Ihrer Sicht am ehesten für eine Infektion, wenn keine OP-Indikation gestellt wurde?

            Ich würde natürlich normalerweise einen Arzt des dortigen Krankenhauses fragen, aber ich erreiche telefonisch nie jemanden und die Schwestern dürfen nichts sagen! Mein Vater versteht leider kaum ein Wort von dem was an ihm gemacht wird, also muss ich mich an dieses Forum wenden!


            Vielen Dank im Voraus


            P.

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            • Re: Kolonkarzinom Histobefund

              PS:

              als ich meinen Vater am 4. postoperativen Tag besuchte, fiel mir keine Drainage bei ihm auf? Zumindest nicht durch den Pyjama sichtbar! Müsste man nach einer Hemikolektomie nicht nicht mehrere Tage eine Wunddrainage haben? Mein Vater sagte, er hab gar keine Drainage gehabt, also auch nicht direkt nach der OP!? Er hatte nur eine mobile Schmerzinfusion!
              Falls er keine Drainage gehabt hätte, würde es mich nicht wundern, wenn er eine postoperative Wundinfektion entwickelt hätte!

              Wie sehen Sie das?

              Liebe Grüße

              P.

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              • Re: Kolonkarzinom Histobefund

                Diese Fragen kann Ihnen nur der behandelnde Arzt vor Ort beantworten.

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                • Re: Kolonkarzinom Histobefund

                  S.g. Herr Dr. Hennesser, mein Vater hatte gerade die Besprechung zur Chemo. Genau wie Sie sagten, bekommt er nur eine leichte Chemo. Zuerst wollte man die Standardmethode mit Venenkatheter bei ihm machen. Jetzt hat man doch entschieden, dass er die Chemo in bequemer Tablettenform mit Xeloda machen kann. Die Nebenwirkungen wie Schwellungen an Händen und Füssen gibt es genauso auch bei der Standardmethode, sagte man. Es gäbe entsprechende Medikamente dagegen. Ist bei Xeloda sonst noch mit gravierenden Nebenwirkungen zu rechnen? Ich wollte auch noch fragen, ist Xeloda auch bei älteren Patienten (Vater ist 77) ratsam und vor allem in Anbetracht seiner Nebenbefunde: Porzellangallenblase, altersbedingt vergrößertes Herz und Splenomegalie? Vielen Dank für Ihre Einschätzung und herzliche Grüße Plejada

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                  • Re: Kolonkarzinom Histobefund

                    Ergänzung für Dr. Hennesser,

                    meinem Vater wurde heute vom Onkologen erklärt, dass er wegen seiner Verkalkungen bzw. Granulome in der Lunge (er hat keine Metastasen) während der Einnahme mit Xeloda ein weiteres Medikament einnehmen muss, da sonst diese Herde in der Lunge sich revitalisieren könnten!? Was genau ist mit Revitalisieren gemeint? Deswegen bekam er heute vorerst eine "Einspritzung" und muss am Freitag noch zum Lungenfacharzt, da dann das Ergebnis der Einspritzung vorliegt!

                    Da komme ich leider gar nicht mit, was mit dieser Einspritzung bezweckt wird und was da jetzt mit seiner Lunge genau ist. Was wir wissen ist nur, dass er einen kleinen Pleuraerguss und mehrere Verkalkungen im Sinne von Granulomen hat. Mein Vater versteht leider kaum etwas von dem Vorgehen der Ärzte.

                    Die Xeloda hat er schon geholt und zwar eine Packung 500 mg.

                    Ich hätte noch folgende Fragen:

                    1. Was war das für eine Sache mit der Einspritzung (was könnte da eingespritzt worden sein?) und zu welchem Zweck?

                    2. Wie lässt sich Xeloda 500 mg mit einer leichten Chemo in Einklang bringen? Heisst das, dass mein Vater dann weniger Tabletten pro Tag nehmen muss.

                    3. Warum bekommt er für die indizierte leichte Chemo eigentlich nicht Xeloda 150 mg, sondern die höhere Dosis von 500 mg?

                    Bitte könnten Sie mich da aufklären?


                    Herzlichen Dank im Voraus


                    Plejada


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                    • Re: Kolonkarzinom Histobefund

                      Man vermutet in solchen Situationen oft (Definitves zu Ihrem Vater kann Ihnen NUR der Onkologe vor Ort sagen) daß es sich um eine alte Tuberkulose handelt. Ein Medikament (meist wird ann INH verwendet) unterdrückt daß sich Tuberkulosekeime wieder "melden" könnten, sprich eine erneute Tuberkulose auftritt. Das ist ein übliches Vorgehen, sogar ein sehr sorgfältiges. Diese Einspritzung ist wahrscheinlich ein Hauttest bei dem untersucht werden soll ob sich Abwehrreaktionen gegen Tuberkelbakterien zeigen, also der Körper tatsächlich schon mal Kontakt mit Tuberkulose hatte.

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                      • Re: Kolonkarzinom Histobefund

                        Xeloda wird in adjuvanter Therapie in Abhängigkeit von Körpergröße und Körpergewicht dosiert, aus beidem errechnet sich die sogenannte Körperoberfläche. Als Faustregel liegt die wirksame Dosis bei 1500-2000 mg zweimal täglich, 150 mg wären also unterdosiert. Das GAnze zwei Wochen mit einer anschließenden einwöchigen Pause.

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                        • Re: Kolonkarzinom Histobefund

                          Vielen herzlichen Dank Herr Dr. Hennesser! Sie sind ein echter Lichtblick für mich.

                          Die Aufklärung, die mein Vater von seinen Ärzten bekommt, ist nämlich leider immer so dürftig, dass man nicht weiß was Sache ist!
                          Mein Vater hatte vor vielen Jahren einmal eine schwerere Lungenentzündung. Von einer Tuberkulose wäre uns nichts bekannt, aber vielleicht wurde das damals einfach mit einer Lungenentzündung verwechselt. Symptome dürften ja ähnlich wie bei Lungenentzündungen sein oder?

                          Was Xeloda angeht, war ich nur irritiert, weil es bei ihm hieß, dass er nur eine leichte Chemo braucht und er bekam aber die 500-mg-Packung verschrieben.
                          Die Dosis 1500-2000 mg zweimal täglich entspricht aber einer "leichten Chemotherapie"?

                          Ist das korrekt?

                          Ich kann Ihnen für Ihre Unterstützung nicht genug danken!

                          Beste Grüße

                          P.

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                          • Re: Kolonkarzinom Histobefund

                            "leicht" bezieht sich darauf daß weitere Medikamente wie Oxaliplatin hier nicht zusätzlich gegeben werden. Und daß die Symptome/Nebenwirkungen, wenn überhaupt etwas bemerkt wird, bei vielen Patienten nur in sehr "leichter" Form auftreten (--> auch hier gilt daß die Aufklärung mit schriftlicher Einwilligung nicht durch dieses Forum ersetzt wird). Es ist übrigens üblich bei 77 Jahren Oxaliplatin nicht einzusetzen, man behält Ihrem vater hier keine MEdikamente vor.

                            Kommentar


                            • Re: Kolonkarzinom Histobefund

                              achso, Tuberkulose und Lungenentzündung werden so unterschiedlich behandelt daß ich mir eine Verwechselung nicht vorstellen kann. Wohl aber daß dieses Granulom dann einer Narbe nach dieser Lungenentzündung entspricht und eine alte Tuberkulose dann vermutlich eher nicht vorgelegen hat.

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                              • Re: Kolonkarzinom Histobefund

                                Lieber Herr Dr. Hennesser,

                                ich weiß natürlich, dass die Aufklärung nicht durch Sie und das Forum generell ersetzt werden kann!
                                Dennoch haben Sie mir und damit auch meinen Vater durch Ihre Fachmeinung unglaublich geholfen. Dadurch, dass mit meinem Vater im Krankenhaus nie richtig geredet wird und mir als Tochter keine Auskunft erteilt wird, wären wir ohne Ihre Unterstützung und Fachmeinung wochenlang im Unklaren gewesen und hätten schreckliche Ängste ausstehen müssen. So konnten wir an alle Termine halbwegs entspannt herangehen, da wir wussten wie es um meinen Vater steht!
                                Sie wissen gar nicht, wie sehr das mir und meinem Vater geholfen hat.

                                Es ist ein Segen, dass Sie hier im Forum sind!
                                Ich werde nie vergessen, wie sehr Sie uns geholfen haben! Tausend Dank.

                                P.

                                Kommentar


                                • Re: Kolonkarzinom Histobefund

                                  So soll es sein daß wir im Forum Unklarheiten verständlich machen und den direkten Arztkontakt ein Stück begleiten oder vorbereiten. Alles Gute!

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