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Amblyopie

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  • Amblyopie

    Hallo und guten Morgen,

    bei meiner Tochter, 12 Jahre wurde eine Hornhautverkrümmung mit einer Amblyopie festgestellt. Sie sieht auf dem betroffenen Auge nur noch 20%. Keiner versteht, warum das nicht vorher aufgefallen ist. Es wurden schließlich auch Sehtests in der Kindheit und vor der Einschulung gemacht, immer ohne Probleme.
    Da das andere Auge jetzt kurzsichtig wurde, das die Schwäche des anderen Auges sonst ausgeglichen hat, ist es uns aufgefallen, aber mit so einer Diagnose hätten wir nie gerechnet. Ich habe viel im Internet recherchiert und nach Möglichkeiten gesucht, wie man das Auge vielleicht doch wieder trainieren kann oder eher gesagt das Hirn trainieren das Auge anzuerkennen.
    Haben Sie einen Ratschlag? Ich las von Videospielen als Sehschule, die dafür entwickelt wurden und Besserung bis zu 16 Jahren versprechen. Haben Sie Erfahrung damit oder mit anderen Dingen?
    Ich kann mich nur schwer damit abfinden mit 12 Jahren einfach nichts mehr machen zu können und ein Auge, das anatomisch und funktionell ja eigentlich gesund ist, so einfach abzuschreiben, nur weil in der Kindheit verschleudert wurde das Auge abzukleben, da nie eine Diagnose gestellt wurde


  • Re: Amblyopie

    Ich hätte nicht gedacht, dass man eine solche Diagnose immer noch übersieht, aber offensichtlich geschieht es noch. Ich gehe einmal davon aus, dass bei Ihrer Tochter bislang keinerlei Amblyopiebehandlung (Pflaster-Okkllusion, Bangerterfolie etc.) durchgeführt worden ist. Nach der reinen Lehre wäre hier ein Zustand erreicht, bei dem eine erstmalige Behandlung mit hoher Wahrscheinlichkeit zu keiner Besserung führen würde. Insofern wird es auch schwierig sein, jemanden mit Fachkompetenz zu finden, der bei allen vorhandenen Risiken und den geringen Erfolgsaussichten einen Versuch unternimmt, den Visus doch noch zu verbessern.

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    • Re: Amblyopie

      Hallo, danke für die Antwort. Es ist für mich unfassbar,
      ​das das übersehen werden konnte. Die Augenärztin war richtig sauer und bemängelte, das sie die Kinder im Alter der U Untersuchungen nicht in die Hände bekommt. So hätte das verhindert werden können, aber darüber hab ich mir einfach keine Gedanken gemacht. Man fühlt sich beim Kinderarzt ja gut aufgehoben und bei uns liegt auch keine Fehlsichtigkeit in der Familie. Meine Tochter klagte erst jetzt über schlechteres sehen, weil das normalsichtige Auge jetzt kurzsichtig wurde

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      • Re: Amblyopie

        Unsere Augenärztin meint, eine Behandlung hätte keinen Sinn mehr, deswegen interessieren mich andere Meinungen und Erfahrungen. Muss jetzt mein Kind echt mit dieser Diagnose leben, weil der Kinderarzt versagt hat, obwohl ich dauernd bei den Vorsorgeuntersuchungen war?
        Mich ärgert das schwarz, ja ich weiss, das bringt nichts, aber es ist so. Die Augenärztin sagt, meine Tochter hätte besser geschielt, dann hätte es der größte Depp nicht übersehen können und es wäre rechtzeitig behandelt worden

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        • Re: Amblyopie

          Die Augenärztin sagt, meine Tochter hätte besser geschielt, dann hätte es der größte Depp nicht übersehen können und es wäre rechtzeitig behandelt worden
          Das ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Oft werden bei Kindern die Sehschärfenprüfungen mit beiden geöffneten Augen (binokular) durchgeführt, sodass ein schlechter Visus auf nur einem Auge meist unentdeckt bleibt. Gibt es hier aktuelle Befunde hinsichtlich Brillenstärke, objektive Refraktion (gemessen unter Tropfen, wie z. B. Zyklolat), Untersuchungen bez. Schielerkrankungen, Fixation, Beweglichkeit sowie Qualität des beidäugigen Sehens (räumliches Sehen, Fusion etc.)?

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          • Re: Amblyopie

            Sehtest wurde gemacht, auch mit getropftem Auge. Das Auge kann nicht korrigiert werden mit Brille, reagierte aber positiv auf höhere Dioptrien und kann mit Brille auf 30 Prozent gesteigert werden. Mehr ist leider nicht drin. Das Brillenglas bekommt die Werte Sphäre - 2.25, Zylinder - 3,50 und Achse 165 Grad.
            Auf deine weiteren Fragen kann ich dir leider nicht antworten, darüber sagte die Ärztin nichts. Sie untersuchte das getropfte Auge lange, ich weiss aber nicht was genau.

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            • Re: Amblyopie

              Die Amblyopie resultiert hier mit ziemlicher Sicherheit aus der großen Unterschiedlichkeit (Anisometropie) der optischen Verhältnisse zu Ungunsten des hoch astigmatischen Auges (das, mit der Hornhautverkrümmung). Negativ wirkt sich auch die Tatsache aus, dass der Astigmatismus in einer schrägen Achse (165°) liegt, und nicht bspw. exakt senkrecht oder waagerecht (90° oder 180°). Zudem weiß man, dass solche sogenannten Refraktionsamblyopien deutlich behandlungsresistenter sein können, als Schielamblyopien, deren pathophysiologische Ursachen andere sind - selbst, wenn man schon in jungen Jahren mit einer Therapie beginnt.

              Zur Verbesserung des beidäugigen Sehens und natürlich auch in gewissem Ausmaß der Sehschärfe, könnte man die Anpassung von Kontaktlinsen versuchen. Die häufig auftretenden "Nebenwirkungen" einer Brillenkorrektur in solch einem Falle wären hier i. d. R. weitaus geringer. Ein Versuch ist es sicherlich wert!

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              • Re: Amblyopie

                ...und ein Auge, das anatomisch und funktionell ja eigentlich gesund ist, so einfach abzuschreiben....
                Fast vergessen: sicherlich ist die Sehschärfe des betroffenen Auges deutlich reduziert, aber von "abschreiben" kann keine Rede sein! Das Sehen besteht aus vielen Facetten. Das schlechtere Auge Ihrer Tochter hat großen Anteil bspw. am peripheren Gesichtsfeld, sowie am räumlichen Sehen - beides Eigenschaften, die für eine gute Orientierung unerlässlich sind.

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                • Re: Amblyopie

                  Aber Kontaktlinsen mit 12 Jahren? Ist das mitten im Wachstum möglich? Kann man später im Erwachsenenalter evtl. per Laserop die Hornhautverkrümmung behandeln, um das Sehen mit Brille zu erleichtern? Ich bin sehr skeptisch wie meine Tochter mit der Brille klarkommt mit dem torischem Glas. Habe da sehr viel negative Erfahrungen gehört.

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                  • Re: Amblyopie

                    Es ist durchaus möglich, auch Kindern Kontaktlinsen anzupassen, wenn dies medizinisch indiziert ist. Es gibt einige Besonderheiten (Hygiene, Compliance etc.), aber wenn das alles klappt, anderweitige (Organ-) Befunde nicht dagegen sprechen und regelmäßige, ggf. engmaschige, Kontrollen zuverlässig wahrgenommen werden, ist dies eine reelle Option. Fragen Sie Ihre Augenärztin! Da die Ansichten über das Tragen von Kontaktlinsen im Kindes- und Jugendlichenalter jedoch durchaus auch in der Fachwelt kontrovers diskutiert werden, lassen Sie sich im Falle einer Ablehnung eine(n) KollegIn nennen, die/der solch eine Behandlung befürwortet und über entsprechende Erfahrung verfügt. Ihre Augenärztin wird Ihnen die Einholung einer 2. Meinung sicherlich nicht verwehren....

                    Über die (späteren) Möglichkeiten von Laser-OPs kann ich Ihnen leider keine Auskunft geben, zumal hier weitere Untersuchungen nontwendig wären, um eine seriöse Beurteilung abzugeben, und die chirurgischen Leistungen und Methoden in 10 Jahren sicherlich andere sind als heute.

                    Es kann sehr gut möglich sein, dass Ihre Tochter anfangs Probleme mit der Brille haben wird, u. U. sogar erhebliche. Das bedeutet nicht, dass die Brille falsch angepasst wurde, sondern wäre ggf. auf einen notwendigen Gewöhnungsprozess zurückzuführen, der hier erst stattfinden muss. Um ehrlich zu sein - es würde mich wundern, wenn es nicht zu anfänglichen Schwierigkeiten kommt. Hier ist in erster Linie Geduld gefragt, auch wenn das etwas platt klingt. Ihre Tochter sollte dann in besonders risikobehafteten Situationen die Brille unbedingt weglassen (bspw. beim Radfahren auf der Strasse, ggf. beim Hantieren mit Maschinen etc.). Zu empfehlen wäre auch, für solche Situationen eine Zweitbrille anfertigen zu lassen, die die Kurzsichtigkeit des gesunden Auges gut korrigiert, um bspw. im Strassenverkehr eine ausreichende Sehschärfe zu haben. Die Korrektur des amblyopen Auges sollte dann lediglich aus einem Glas bestehen, dass keine zylindrische Wirkung für den Astigmatismus beinhaltett und lediglich eine Art "Mittelwert" (sphärisches Äquivalent) darstellt Das Ergebnis wäre im Idealfall eine Brille, die eine optimale Sehschärfe bietet, ohne dass eine hohe zylindrische Korrektur des Astigmatismus zu Problemen führt.

                    Es dürfte insgesamt sicherlich ein anspruchsvoller Prozess werden, was Ihre Tochter - und auch Sie! - aber nicht davon abhalten sollte, es zu versuchen. Ihre persönliche Unterstützung und die der ganzen Familie etc. ist hierbei ein nicht zu unterschätzender kritischer Erfolgsfaktor! Sollte es auch nach längeren Anläufen nicht funktionieren, könnte man ggf. das Brillenglas des amblyopen Auges, soweit abschwächen, dass Ihre Tochter möglicherweise besser damit zurecht kommt. Eine Erfolgsgarantie ist das jedoch nicht, und es wäre auch hinsichtlich des Ergebnisses sicher eine Kompromißlösung. Es gibt aber auch genügend Beispiele von Patienten, die in solchen Fällen überhaupt keine Beschwerden aufweisen und mit der neuen Brille glücklich und zufrieden sind. Dann drücke ich die Daumen und wünsche alles Gute....!

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                    • Re: Amblyopie

                      Vielen lieben Dank für all Ihre Antworten!!!!

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                      • Re: Amblyopie

                        Hätte ich all das eher gelesen, hätte ich die bestellte Zweitbrille besser ohne Zylinder bestellt. Wäre es ein Nachteil den rauszunehmen oder würde das dem Auge schaden? Ich stelle es mir schwierig vor, so konzentriert in der Schule zu arbeiten. Meine Tochter ist leider alles andere als geduldig

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                        • Re: Amblyopie

                          Das bessere Auge ist mit Brille auf 100 Prozent korrigiert.

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                          • Re: Amblyopie

                            Wäre es ein Nachteil den rauszunehmen oder würde das dem Auge schaden?
                            Weder noch.... Das Auge würde halt etwas schlechter sehen, als es vielleicht könnte. Aber der Augenoptiker wird die Variante mit dem "sphärischen Äquivalent" mit Ihnen besprechen und erörtern können. Es ist nicht nur einfach das Weglassen einer zylindrischen Komponente. Im Falle Ihrer Tochter wäre dann die Glasstärke -4.0 dptr. - also ein rein sphärischer Wert. Man kann das mittels einer Probierbrille vorher testen, ob das eine akzeptable Lösung wäre. Wie gesagt: der Optiker kann hier weiterhelfen.

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                            • Re: Amblyopie

                              Nochmals vielen Dank, liebe Grüße und einen schönen Abend noch

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                              • Re: Amblyopie

                                Gerne! Wäre schöne, hier etwas über die Fortschritte und das Ergebnis zu erfahren.....

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                                • Re: Amblyopie

                                  Guten Abend, Darleen01,
                                  auch noch einmal kurz von meiner Seite: Die Lehrmeinung ist tatsächlich, dass sich mit 12 Jahren am Sehprozess nichts mehr ändern kann, so dass die Amblyopie denn manifest ist. Wenn der große Wunsch auch bei der Tochter bestehen sollte, kann mann einen Versuch mit ganztägigem Abkleben des guten Auges machen und schauen, ob sich noch etwas tut. Das müsste natürlich augenärztlich begleitet werden...
                                  Mit freundlichen Grüßen, Prof. Dr. med. A. Liekfeld.

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                                  • Re: Amblyopie

                                    Hallo, danke nochmals für die Antworten.
                                    Frau Dr. Liekfeld, ich bin mit der Caterna Sehschule in Verbindung getreten und die weisen wirklich Erfolge bis ins Erwachsenenalter vor. Haben Sie Erfahrung damit?? Meine Tochter möchte sich definitiv nicht mehr ein Auge abkleben lassen.
                                    Sie hat sich erstaunlich gut und problemlos an für Brille mitsamt Zylinder gewöhnt. Ich habe mir davor echt Sorgen gemacht, aber es lief so problemlos, das selbst der Optiker überrascht war

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