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Starke Kurzsichtigkeit Kind

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  • Starke Kurzsichtigkeit Kind

    Hallo,

    meine Tochter ist gerade 4 Jahre alt geworden. Bei der Kinderärztin wurde kürzlich überraschend festgestellt, dass sie auf einem Auge bereits -3,.. Dpt hat.
    Heute hatten wir den Termin beim Augenarzt und es bestätigte sich re -3,5 Dpt, li -0,5 und bds eine Hornhautverkrümmung. Nun habe ich ehrlich gesagt total Angst, dass die Kurzsichtigkeit weiter so schnell voranschreitet und sie mit 6 J -6 Dpt hat, mit 10 J -10 Dpt bis zur Erblindung.
    Eine genaue Prognose wird wahrscheinlich niemand machen können, aber wie wahrscheinlich ist es, dass es so schlimm kommt wie von mir beschrieben? Wie sieht es bei anderen Kindern mit starker Kurzsichtigkeit in diesem Alter aus? Kann man da wirklich nichts stoppen? Die nächste Messung soll erst in einem Jahr stattfinden. Ist das nicht etwas spät? Über ein paar beruhigende Sätze würde ich mich sehr freuen.
    Vielen Dank vorab.

  • Re: Starke Kurzsichtigkeit Kind

    Hallo, um die Situation einigermaßen beurteilen zu können, müsste man noch einige zusätzliche Informationen haben.

    1. Wurde eine Untersuchung der optischen Verhältnisse (Refraktionsmessung) gemacht, die zuvor mit Pupillen erweiternden Tropfen vorbereitet wurde?
    2. Wenn ja, wie waren die genauen Werte des rechten und linken Auges?
    3. Wurde eine Prüfung der Sehschärfe vorgenommen, und wenn ja, wie war das Ergebnis jeweils für das rechte und linke Auge?
    4. Wurde eine Brille verordnet?

    Die Tatsache, dass eine weitere Untersuchung erst in einem Jahr stattfinden soll, passt so gar nicht zu den von Ihnen beschriebenen Befunden. Eine Kurzsichtigkeit in dieser Höhe würde eine sofortige Brillenverordnung zur Folge haben. Deshalb sollte man erst einmal alle Ergebnisse zusammentragen und validieren. Dann kann man die Situation ggf. besser beurteilen.

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    • Re: Starke Kurzsichtigkeit Kind

      Fast vergessen: wie hat die Kinderärztin feststellen können, dass die angebliche Kurzsichtigkeit Ihrer Tochter -3,00 dpt. betrug? Solche Untersuchungen können Kinderärzte in der Regel gar nicht durchführen.

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      • Re: Starke Kurzsichtigkeit Kind

        Hallo,

        leider weiß ich nicht was eine Refraktionsmessung ist.
        Ich schreibe alle Werte auf, die nach der Pupillenerweiterung gemessen wurden.
        Sphäre re: -3,50, Zyl -1,50, Achse 154 °
        Sphäre li: -0,50, Zyl -1,00, Achse 19 °.

        Ja natürlich wurde eine Brille verordnet, da soll lediglich in einem halben Jahr geprüft werden, inwieweit sie mit dieser zurechtkommt.

        Bzgl. Kinderärztin.. sie hat sich ein -wie sie sagt teures- 'Augen-Messgerät' angeschafft. Ich weiß leider nicht wie es sich genau nennt. Das ist ein Gerät mit einer Art Kamera, mit der der Patient im dunklen fotografiert wird. Das Ergebnis bei dieser Messung waren re -3,25 dpt und li +0,5. Die Messung mussten wir privat bezahlen.

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        • Re: Starke Kurzsichtigkeit Kind

          Mit "Refraktionsmessung" bezeichnet man salopp die Prüfung auf und Messung von ggf. vorhandenen optischen Fehlsichtigkeiten wie Kurz- oder Weitsichtigkeit und Hornhautverkrümmung.

          Immer vorausgesetzt, die ermittelten Werte sind korrekt, wird Ihre Tochter in Zukunft eine Brille - später ggf. Kontaktlinsen - benötigen, um gut sehen zu können. Das Problem liegt aber möglicherweise nicht so sehr an der Kurzsichtigkeit als solche und dem Astigmatismus, sondern an der Unterschiedlichkeit zwischen rechtem und linkem Auge. Häufig entwickeln gerade Kinder in solch einem Fall eine sog. funktionelle Sehschwäche, weil das höher fehlsichtige Auge (hier: das rechte) am Sehen nicht gleichwertig beteiligt wird und sich in dieser Situation nur unzureichend entwickeln kann. Auch eine optimale Brille wird hier nur bedingt eine Besserung bringen. Dies ist kein (!) organische Problem, sondern ein funktionelles.

          Die Behandlung der Wahl ist i. d. R. das Abdecken des besseren Auges, um das schlechtere zu trainieren. Je älter die Kinder werden und je später man mit der Behandlung beginnt, desto schlechter sind die Erfolgsaussichten. Es sollte also deutlich früher als in 6 Monaten geprüft werden, wie sie mit der Brille zurecht kommt und vor allem, wie die Sehschärfe damit ist, und ob das rechte Auge signifikant schlechter sieht - insbesondere auch mit der Brille! Sollte dies der Fall sein, wäre eine entsprechende Behandlung (Zukleben) unbedingt angezeigt. Man nennt solch ein Krankheitsbild übrigens "Amblyopie" - wenn es durch unterschiedliche Brechungsverhältnisse entsteht: "Refraktionsaymblyopie". Sollte sich ihr Augenarzt mit solchen Behandlungen nicht auskennen,oder trotz gegebener Befunde eine entsprechende Therapie ablehnen, suchen Sie eine Praxis mit angeschlossener Sehschule und dort tätige Orthoptistin!

          Wohl gemerkt: in Unkenntnis der Sehschärfenwerte mit und ohne Korrektur ist dies hier erstmal eine reine Spekulation. Wenn bei der nächsten Kontrolle beide Augen sicher gleich gut sehen, wäre das Thema wohl vom Tisch. Aber wenn sich diese Prognose bewahrheitet, wäre eine schnelle Maßnahme in Form der Okklusionstherapie (Zukleben) unbedingt angeraten. Und noch eins: weder das Tragen der Brille, noch die Okklusion haben in irgendeiner Weise Einfluss auf die vorhandenen Fehlsichtigkeiten (Kurzsichtigkeit, Hornhautverkrümmung). Insbesondere die Kurzsichtigkeit wird wohl mit dem Wachstum noch zunehmen - in welchem Ausmaß wäre spekulativ zu sagen. Gleichwohl: Ihre Besorgnis ist zwar verständich, aber m. E. bislang nicht begründet. Bei guter und adäquater Versorgung und normalem Organbefund, sollte die Prognose hinsichtlich einer normalen Sehschärfe durchaus gegeben sein. Sprechen Sie dies alles auch mit ihrem Augenarzt durch. Sie haben ein Anrecht auf eine verständliche und umfängliche Aufklärung, gerade was Ihre Befürchtungen angehen. Und das müssen Sie nicht privat bezahlen. Alles Gute!

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          • Re: Starke Kurzsichtigkeit Kind

            Schon wieder fast vergessen: nächste Kontrolle der neuen Brille und der Sehschärfe sollte spätestens in 6-8 Wochen erfolgen!

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            • Re: Starke Kurzsichtigkeit Kind

              Vielen lieben Dank für die ausführliche Antwort!!
              Ich habe soeben mit der Praxis telefoniert. Auf meine Fragen wurde wie folgt geantwortet:
              -Die Sehschärfe beträgt ohne Korrektur 40% und 60%, mit Korrektur wohl 100%. Für mich völlig unverständlich, meine Tochter lässt sich nichts anmerken und geht auch nirgends näher dran, um besser sehen zu können.
              -Die Okklusionstherapie empfehlen sie, wenn der Unterschied zwischen re und li noch größer ist.
              -Der Termin in einem halben Jahr sei gerechtfertigt. Meine Tochter soll jetzt erstmal konsequent die Brille tragen, eine frühere Kontrolle wäre angeblich nicht aussagekräftig.

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              • Re: Starke Kurzsichtigkeit Kind

                "Nicht aussagekräftig" stimmt zwar so nicht, aber wenn die Sehschärfe mit Korrektur tatsächlich beidseits etwa 100% beträgt, klingt das erstmal beruhigend, und eine Kontrolle in 6 Monaten wäre vertretbar - bei einer Verschlechterung allerdings früher. Wichtig ist vor allem, die Sehschärfe rechts im Auge zu behalten. Wenn sich hier (mit Korrektur) eine signifikante Differenz zum linken Auge einstellt, sollte eine Okklusionsbehandlung diskutiert werden. Ansonsten: viel Spaß mit dem neuen Nasenfahrrad ;-)

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                • Re: Starke Kurzsichtigkeit Kind

                  Ich denke ich habe nun alles genauer verstanden. Vielen Dank!!

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                  • Re: Starke Kurzsichtigkeit Kind

                    Guten Abend, Sulira,
                    Sie haben hier ja schon einige sehr kompetente Hinweise erhalten. Aus meiner Sicht auch noch mal einige Anmerkungen:
                    Ich denke auch, dass die nächste Kontrolle in 6 Monaten zu spät ist. Vor allem die Sehschärfen-Überprüfung halte ich für wichtig. Es ist außergewöhnlich bei diesem Unterschied zwischen beiden Augen, dass wirklich beide Sehschärfen mit Korrektur 100%ig sind. Die Verhinderung oder ggf. Therapie einer "Schwachsichtigkeit" steht zunächst im Vordergrund. Aber auch die Überprüfung der Entwicklung der Refraktion (nimmt die Kurzsichtigkeit kurzfristig zu?) hielte ich für zweckmäßig schon zu einem früheren Zeitpunkt. Wenn sich die Kurzsichtigkeit weiter zunehmend entwickelt, könnte man über eine Therapie mit verdünnten Atropin-Augentropfen nachdenken. Dafür ist in jüngeren Untersuchungen eine positive Wirkung belegt.
                    Mit freundlichen Grüßen, Professor Dr. med. A. Liekfeld

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                    • Re: Starke Kurzsichtigkeit Kind

                      Sehr geehrte Frau Prof. Liekfeld,

                      vielen Dank für Ihre Antwort.
                      Um ehrlich zu sein hatte ich beim Telefonat tatsächlich den Eindruck, dass man mir bzgl Sehschärfe nur geschätzte Werte nannte.
                      Auch ich halte die 6 Monate nach wie vor für sehr spät, allerdings weiß ich nicht, wie ich nun vorgehen soll? Einen neuen Arzt suchen? Beim jetzigen Arzt Druck ausüben?
                      Von der Atropin-Therapie habe ich auch schon gehört und wollte das Thema demnächst besprechen.

                      Vielen Dank nochmal!

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                      • Re: Starke Kurzsichtigkeit Kind

                        Guten Tag, Sulira,
                        ich würde Ihnen einen Augenarzt mit "Sehschule" zur 2. Meinung empfehlen.
                        Mit freundlichen Grüßen, Professor Dr. med. A. Liekfeld

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                        • Re: Starke Kurzsichtigkeit Kind

                          Um ehrlich zu sein hatte ich beim Telefonat tatsächlich den Eindruck, dass man mir bzgl Sehschärfe nur geschätzte Werte nannte.
                          Auch ich halte die 6 Monate nach wie vor für sehr spät, allerdings weiß ich nicht, wie ich nun vorgehen soll? Einen neuen Arzt suchen? Beim jetzigen Arzt Druck ausüben?
                          Von der Atropin-Therapie habe ich auch schon gehört und wollte das Thema demnächst besprechen.
                          Wenn Sie den Befunden nicht trauen, würde ich ebenfalls zu einer zeitnahen Untersuchung in einer Augenarztpraxis mit Sehschule raten (siehe oben). Bei Ihrer Tochter kommt keine (!) Atropin-Behandlung (Penalisation) in Frage! Eine solche Therapie wäre in diesem Falle kontraindiziert. Das schließt jedoch unter keinen Umständen eine evtl. Notwendigkeit einer Okklusionsbehandlung mit Pflaster aus - im Gegenteil. Wenn es die Befunde erforderlich machen, wäre dies die Behandlung der Wahl.

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                          • Re: Starke Kurzsichtigkeit Kind

                            Guten Tag,
                            es geht nicht um das Prinzip der Penalisation zur Behandlung einer Amblyopie, sondern um eine stark verdünnte Atropin-Gabe, die die Kurzsichtigkeit in ihrem Fortschreiten ggf. verhindern kann. Aber das macht sowieso nur Sinn, wenn ein weiter schnelles Fortschreiten belegt ist. Und auch dann muss man die Befunde abwägen...
                            Mit freundlichen Grüßen, Professor Dr. med. A. Liekfeld

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                            • Re: Starke Kurzsichtigkeit Kind

                              Guten Tag,
                              es geht nicht um das Prinzip der Penalisation zur Behandlung einer Amblyopie, sondern um eine stark verdünnte Atropin-Gabe, die die Kurzsichtigkeit in ihrem Fortschreiten ggf. verhindern kann. Aber das macht sowieso nur Sinn, wenn ein weiter schnelles Fortschreiten belegt ist. Und auch dann muss man die Befunde abwägen...
                              Mit freundlichen Grüßen, Professor Dr. med. A. Liekfeld
                              Dann habe ich da wohl nicht aufgepasst....

                              Kommentar


                              • Re: Starke Kurzsichtigkeit Kind

                                Guten Abend,
                                dennoch herzlichen Dank für Ihre aktiven Beiträge!
                                Mit freundlichen Grüßen, Professor Dr. med. A. Liekfeld

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