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Starke Hornhautverkrümmung und Weitsichtigkeit

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  • Starke Hornhautverkrümmung und Weitsichtigkeit

    Hallo,
    mein Mann und ich haben beide keine Brille und kennen uns in dem Bereich daher gar nicht aus. Da im Kindergarten unserer Tochter viele Kinder nun eine Brille bekommen und der Rat kam, dass es vorteilhaft wäre vor der Schule eine Fehlsichtigkeit auszubessern sind wir auch zum Augenarzt gegangen mit unserer 4,5 Jahre alten Tochter. Dabei kam jetzt heraus, dass sie eine starke Hornhautverkrümmung hat und eine Weitsichtigkeit.
    Ihre Werte sind:
    R +2,25 -2,50 155
    L +2,00


  • Re: Starke Hornhautverkrümmung und Weitsichtigkeit

    ... hier geht es weiter:
    L +2,00 -2,25 20

    Dies wäre uns so im Alltag nie aufgefallen. Sie ist ein sehr wissbegieriges Kind, das gerne malt, ausmalt (sogar schön in den Linien), "schreibt" und zählt. Sie liebt es auch Bügelperlen zu machen und Ketten zu basteln. Sie sieht auch jedes Flugzeut am Himmel und jeden Marienkäfer auf einer Wiese. Fahrradfahren und ähnliches machen ihr auch keine Probleme und sie macht es gerne. Sie ist auch kein "tollpatschiges" Kind was oft fällt, eigentlich eher das Gegenteil. Auch im Kindergarten und beim Kinderarzt war bisher alles unauffällig und alle sind aufgrund der hohen Werte überrascht, dass unsere Tochter so unscharf sieht.

    Da es bisher so unauffällig war, haben wir folgende Fragen.
    Kann das kindliche Gehirn tatsächlich so viel kompensieren?
    Warum kann man das nicht so lassen, wenn sie es nicht behindert?
    Ist es momentan für sie anstrengend? Irgendwie können wir uns das kaum vorstellen, dass sie nur ungern schlafen geht und auch nur wenig schläft.
    Wir hatten am Rechner vom Arzt gesehen, dass der Cyl.-Wert beim rechten Auge eigentlich -3,0 war, wieso wird es beim Rezept auf -2,5 reduziert?
    Ist es bei so eine starken Hornhautverkrümmung ein Nachteil, wenn sie an 2 Tagen mal zum Turnen die Brille abzieht?

    Wir wären dankbar, wenn wir ein paar Antworten bekommen, da wir leider nichts dazu finden können und sich unsere Gedanken nur darum drehen. Auch ob wir schon was falsch gemacht haben, dass wir nicht früher bei einem Augenarzt waren.

    Danke und viele Grüße
    Patricia

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    • Re: Starke Hornhautverkrümmung und Weitsichtigkeit

      Das kindliche Auge kann einiges kompensieren, sich aber im vorliegenden Falle nicht durch einen Sehtest bei deutlicher Hornhautverkrümmung "schummeln".
      Eine zentrale Frage an den behandelnden Arzt wäre somit, wie gut das Kind gemäß Sehtest nun sehen kann? Oder wurde etwa kein solcher Test gemacht?
      Aufgrund des jungen Alters ist aber generell anzuraten, die Brille anpassen zu lassen und auch zu tragen, ein ständiges Tragen der Sehhilfe ist aber nicht erforderlich. Ziel ist, ein gutes räumliches Sehen und vor allem auch ein gutes scharfes Sehen zu ermöglichen.
      Sollte das Kind dann ab der 3. Grundschulklasse ohne Brille dem Unterricht gut folgen können und den Sehtest bestehen, darf die Sehhilfe dort oder zu Hause wieder zu weggelassen werden.

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      • Re: Starke Hornhautverkrümmung und Weitsichtigkeit

        Vielen Dank für die schnell Antwort - der Augenarzt hat Tests mit ihr gemacht. Sie musste zuerst den Lang Stereotest gemacht und dann den Titmus-Test. Beide hat sie sehr gut gelöst. Danach musste sie zeigen in welche Richtung das E geöffnet ist und da hatte sie mit den Buchstaben am Rand bei kleineren Bildern Probleme. In der Nähe musste sie das dann auch machen und das war dann gut, allerdings ist hier aufgefallen, dass sie den Kopf schräg hält.

        Wir waren heute direkt beim Optiker Brillen aussuchen und wollen morgen eine bestellen. Man macht sich nur so Vorwürfe wenn ich von Erwachsenen mit 1 Dioptrien höre, dass die schon eine verschwommene Sicht ohne Brille haben, wie man es zulassen konnte, dass das Kind 4,5 Jahre so unscharf sieht, bzw. man kann sich nicht vorstellen was so ein kleiner Kopf schon leisten muss.

        Dankeschön

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        • Re: Starke Hornhautverkrümmung und Weitsichtigkeit

          Meine Tochter hatte mit 2 Jahren ähnliche Werte wie deine, nur ohne Hornhautverkrümmung. Da brauchte sie noch keine Brille. 2 Jahre später war sie dann schon bei +6. Wir sind auch aus allen Wolken gefallen. Heute ist sie 11 und hat +4,75 und +4,25. Auf einem Auge ist eine leichte Hornhautverkrümmung dazu gekommen. Sie trug ihre Brille von Anfang an sehr gern.

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          • Re: Starke Hornhautverkrümmung und Weitsichtigkeit

            Hallo BoTom, ich glaube, man sollte hier einmal Einiges klarstellen! Das meiste hierzu bereits Verfasste ist leider so nicht korrekt oder lückenhaft. Also, unter der Voraussetzung, dass die genannten Werte korrekt bestimmt worden sind:

            1. Ihre Tochter hat auf dem rechten Auge eine ausgeprägte Hornhautverkrümmung, die alleine bereits vom Ausmaß her unbedingt korrigiert werden sollte. Erschwerend kommt hinzu, dass sich diese HH-Verkrümmung in einer schrägen Achse (155°) befindet und somit die Sehschärfe durch eine verzerrte Abbildung nochmals deutlicher reduziert wird, als wenn sich die Achse in einer senkrechten oder waagerechten Lage befinden würde.

            2. Ihre Tochter hat das, was man eine Anisometropie nennt - eine deutliche Unterschiedlichkeit der Brechungsverhältnisse des rechten und linken Auges, dies zugunsten des linken Auges, da hier keine wesentliche, die Sehschärfe einschränkende Fehlsichtigkeit besteht. Die Entwicklung der Sehschärfe ist nun gerade im frühen Kindesalter abhängig von der Qualität der Seheindrücke, die das Auge an das Gehirn schickt. Sind diese schlecht, wird sich auch die Sehschärfe nur schlecht entwickeln. Man nennt dies eine "Amblyopie" - häufig auch verursacht durch ein einseitiges manifestes Schielen. Selbst mit optimaler Brillenkorrektur kann in solch einer Situation anfangs keine wesentlich bessere Sehschärfe erreicht werden. Sollte sich diese Annahme bei den kommenden Kontrollen bestätigen, ist die Durchführung einer sog. Okklusionsbehandlung mit Abkleben des guten, linken Auges notwendig, um die Sehschärfe des schlechten zu "trainieren".

            3. Hierzu ist im Vorfeld eine differenzierte Diagnostik notwendig, um ggf. die unterschiedliche Sehschärfe beider Augen herauszufinden.. Mit E-Haken wird man keine belastbaren Aussagen bekommen, da alleine beim Raten bereits eine Trefferquote von 25% besteht. Ein ggf. notwendiger Behandlungsbeginn würde dadurch noch weiter in die Zukunft verschoben, was eine erfolgreiche Therapie deutlich erschwert und irgendwann unmöglich macht. Fragen Sie also den behandelnden Arzt nach einer Visusprüfung mit Landoltringen. Wenn Ihre Tochter bereits die Ziffern von 0-9 kennt, wäre eine Prüfung mit diesen Sehzeichen natürlich das Beste. Im Übrigen wird eine solche Behandlung deshalb durchgeführt, um im Falle einer Verletzung oder gar Verlust des guten Auges eine adäquate Sehschärfe des verbleibenden fehlsichtigen Auges zu erreichen. Mit einem späten Therapiebeginn bspw. erst bei Einsetzen der Pubertät tendieren die Behandungserfolge allerdings gen Null. Deshalb ist ein früher Beginn so entscheidend für eine gute Prognose.

            4. Wenn sich die Fehlsichtigkeit des rechten Auges auch bei wiederholten Messungen bewahrheitet, wird Ihre Tochter immer (!) mit Brille besser und entspannter sehen als ohne. Der Astigmatismus wird sich nicht wesentlich verändern, auch nicht mit dem Wachstum und auch nicht durch das Tragen einer Brille. Sie wird also eine Brillenträgerin bleiben - was jedoch absolut nicht schlimm ist. Beim Sport oder Spielen ist es sicherlich nicht dringend erforderlich, eine Brille zu tragen, aber das sollten Ausnahmen bleiben. Mit Zunahme der visuellen Belastungen in der Schule und später im Beruf ist eine Brille (oder ggf. Kontaktlinsen) deshalb sicher angeraten.

            Vordringlichstes Ziel ist es nunmehr, Ausmaß und Lage der Hornhautverkrümmung zu bestätigen und die Sehschärfe möglichst exakt zu bestimmen und festzustellen, ob eine Amblyopie vorliegt und dann eine entsprechende Okklusions-Behandlung einzuleiten - falls notwendig. Wenn Ihre Tochter erst einmal zur Schule geht, wird dies erfahrungsgemäß deutlich schwieriger werden. Die Brille sollte vorerst regelmäßig getragen werden!

            Weitere Informationen finden Sie hier:

            https://de.wikipedia.org/wiki/Amblyopie
            https://de.wikipedia.org/wiki/Anisometropie

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            • Re: Starke Hornhautverkrümmung und Weitsichtigkeit

              Ich entdecke gerade erst, dass Ihre Tochter auch auf dem linken Auge einen Astigmatismus höheren Ausmasses hat. Damit hat sich zumindest das Thema "Amblyopie" wegen unterschiedlicher Brechungsverhältnisse erledigt - ebenso wie die ggf. notwendige Okklusionsbehandlung. Alles andere behält aber seine Gültigkeit. Tut mir leid, dass ich dies wohl "überlesen" habe :-(

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              • Re: Starke Hornhautverkrümmung und Weitsichtigkeit

                Vielen Dank für die Antworten - momentan ist sie noch stolz eine Brille zu bekommen, da 2 Freunde von ihr auch eine haben. Ich hoffe auch, dass es so bleibt wenn sie merkt dass man mit der Brille besser sieht. Momentan fällt es mir nur schwer zu erkennen wo ihre Sehprobleme sind - alles was nah ist, erkennt sie gut und sie malt sehr gerne und lange. Aber auch heute beim Autofahren konnte sie in guter Entfernung die Temposchilder erkennen - also Zahlen kann sie. Werde bei der Kontrolle in 3 Monaten fragen ob man den Test mit Zahlen machen kann, das liebt sie sowieso.
                Was verursacht die Hornhautverkrümmung? Unscharfe bzw. verzogene Bilder dachte ich - wie muss ich mir das vorstellen? Oder sieht sie noch normal mit großer Anstregung?
                Momentan wünschte ich mir, dass Kinder einen Monitor hätten wo man durch die Augen des Kindes sehen könnte

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                • Re: Starke Hornhautverkrümmung und Weitsichtigkeit

                  Hallo, eine Hornhautverkrümmung verursacht eine schlechte Sehschärfe unabhängig von der Entfernung. Im Falle Ihrer Tochter ist die Abbildung verzerrt und leicht schräg. Ein Trick: wenn Sie die Brille Ihrer Tochter einmal aufsetzen, sehen Sie in etwa so, wie Ihre Tochter ohne die Brille sieht.

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                  • Re: Starke Hornhautverkrümmung und Weitsichtigkeit

                    Vielen Dank für die Erklärungen - dann werden sich vielleicht einige Fragezeichen bei mir lösen. Freunde mit Hornhautverkrümmung haben es mir versucht zu beschrieben, aber es ist so schwer vorstellbar, weil man es nicht merkt im Alltag. Bald ist die Brille da, dann kann ich mich bestimmt besser reinversetzen.

                    Wie lange dauert es etwa bis ein Kind sich an eine Brille (nicht an das Tragen, sondern an das neue Bild) gewöhnt?

                    Viele Grüße

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                    • Re: Starke Hornhautverkrümmung und Weitsichtigkeit

                      Guten Morgen, BeTom,
                      Sie haben ja bereits ausführliche Antworten erhalten, Aber hier noch einmal das Wesentliche: Die Werte sollten kontrolliert werden, Die zuverlässige Sehschärfenbestimmung ist wesentlich, ebenso das Feststellen/ Ausschließen einer Schwachsichtigkeit (Amblyopie). Hier ist vor allem auch die Testung des Stereosehens entscheidend (beruhigend, wenn diese Tests gut ausgefallen sind).
                      Sie sollten sich auf jeden Fall auch vom behandelnden Augenarzt, der die Befunde Ihrer Tochter kennt, noch einmal den Sachverhalt und die Konsequenzen erklären lassen. Wenn sich die Werte bestätigen, sollte auf jeden Fall eine Brille getragen werden.
                      Mit freundlichen Grüßen,
                      Priv.-Doz. Dr. A. Liekfeld.

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