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IOL in loco

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  • IOL in loco

    IOL in loco?
    Seit der Staroperation meines linken Auges habe ich Probleme im Zusammenwirken meines Körpers mit meinen Augen. Ich finde bei meinem körperlichen Verhalten – mit meinen Händen und Füßen – die Dinge nicht dort, wo ich sie von meinem visuellen Eindruck her erwarte, was mein Bewusstsein sehr verunklart.
    Ich habe nun das folgende Experiment gemacht: Über die Mitte meines Laptop-Bildschirms habe ich einen 15 cm breiten Handspiegel gehängt, unter dessen Mitte ich auf dem Bildschirm einen zentralen Fixationspunkt angebracht habe. Wenn ich meinen Kopf parallel zum Bildschirm mit der Nase zum Fixationspunkt halte und mein linkes Auge bedecke, sehe ich mit dem rechten Auge den Fixationspunkt fast auf derselben Vertikale wie das Spiegelbild meiner Nase im Zentrum des Spiegels. Wenn ich jedoch mein rechtes Auge bedecke, scheinen der Spiegel und der Fixationspunkt etwa 2,5 cm nach rechts zu springen, während ich mein gespiegeltes Gesicht am linken Rand des Spiegels sehe. Beim binokularen Sehen liegt die räumliche Beziehung zwischen gespiegeltem Gesicht und Punkt dazwischen, mit einer Tendenz zum Bild des linken – bei mir dominanten - Auges.
    Wenn ich mit meinen Fingern die Stellen auf der Brille betaste, an denen ich ich den nahen Punkt sehe, so ist dessen Distanz vom inneren Rand der Brille auf dem linken Glas kürzer als auf dem rechten (ca. 3 : 4).
    Diese Erfahrungen lassen sich wie folgt erklären: Eine Linse besteht aus Prismen, deren Brechkraft gegen die Ränder zunimmt. Im rechten Augen fällt das Bild des fixierten nahen Punktes (wie normal, wegen fovealem Winkel alpha) links neben das Zentrum der Linse, während das Bild der Nase rechts daneben fällt, so dass beide Bilder nur einer geringen prismatischen Wirkung unterliegen. Im linken Auge hingegen fallen beide Bilder rechts des Zentrums der – nach links verschobenen - Linse, so dass das Bild des Punktes die schmale Linse an einer Stelle mit einer stärkeren prismatischen Wirkung trifft als das Bild der Nase. Es wird daher zu weit auf die äußere Hälfte der Retina abgelenkt, so dass der Punkt zu weit rechts lokalisiert wird, was die binokulare Sehachse gegenüber der vestibulären Körperachse nach rechts verschiebt.
    Der kürzere Abstand des linken Punktbildes vom inneren Brillenrand lässt sich erklären durch eine Drehung des linken Auges nach innen, um die Korrespondenz des fixierten Punktes mit der Fovea durch den Ausgleich von Einfalls- und Ausfallswinkel zu verbessern.
    Eine ähnliche Ablenkung wird nahegelegt durch eine Erfahrung am Pupillometer, wo ich mit dem linken Auge und beidäugig, mit und ohne Brille das zentrale Licht am rechten oberen Rand des Loches wahrnahm.
    Eine muskuläre Exotropie zur Erklärung des Sprunges des Nahbildes beim Wechsel der Augen lässt sich ausschließen, da ich perfektes räumliches Sehen habe. Hingegen wäre eine prismatische Exotropie, verursacht durch das Prisma der nach links (und unten) dezentrierten IOL, denkbar. Eine der beiden seitlichen Haptiken könnte defekt sein, was der andern Haptik (und dem Gewicht der Linse) erlauben würde, die Linse nach außen (und unten) zu dezentrieren.
    Können Sie mir helfen, in Bayern ein Institut zu finden, das Purkinje-Bilder vom Auge anfertigt, m.W. (neben Scheimpflug) die einzige verlässliche Methode zur Überprüfung der Zentrierung der IOL?

  • Re: IOL in loco

    Guten Tag,
    Sie haben eine interessante Theorie aufgestellt, die ich jedoch für nicht zwingend korrekt halte Die Phänomene, die Sie beschreiben, sind auch möglicher Weise physiologisch zu erklären (z.B. durch eine leichte Phorie und unterschiedliche Dominanz der Augen, die physiologisch sein kann). Eine Dementierung der Linse, wie Sie sie beschreiben, lässt sich auch durch eine Spaltlampen-Untersuchung mit erweiterter Pupille feststellen. Haben Sie Ihren Augenarzt bezüglich Ihrer Beobachtungen schon einmal angesprochen?
    Ein Institut zur Vermessung der Purkinje-Bilder kann ich Ihnen spontan nicht nennen. ich weiß jedoch, dass sich Prof. Mester aus Saarbrücken damit viel befasst hat.
    Mit freundliche Grüßen,
    Priv.-Doz. Dr. A. Liekfeld.

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    • Re: IOL in loco

      Sehr geehrte Frau Dr. Liekfeld,
      vielen Dank für Ihre gestrige Antwort. Um mein Problem noch einmal kurz zusammenzufassen: Ich habe eine Lokalisierungsstörung des linken Auges, die einen objektiven Tiefenunterschied der Lage als einen Seitenunterschied – eine Verschiebung näherer Objekte nach rechts - erscheinen lässt, was mich bei meinem körperlichen Verhalten desorientiert. Falls dies an einer – wie Sie schreiben „physiologischen“ - Ursache läge, dürfte es per definitionem keine Störungen verursachen.
      Prof. Mester, Saarbrücken, macht übrigens keine Purkinje-, aber Scheimpflug-Bilder.
      Ich habe das Auge von zwei Augenärzten untersuchen lassen. Der Operateur hielt es nicht für nötig, die Pupille zu erweitern, sondern behauptete, eine Dezentrierung der – 6 mm breiten! – Linse sei auch durch die unerweiterte – im Alter maximal 4-5 mm breite, bei Lichteinfall durch die Spaltlampe und aus der Nähe wohl noch schmalere! – Pupille zu erkennen. Der zweite Augenarzt erweiterte die Pupille, sah jedoch mit der Spaltlampe nur die Pupillorrhexis. Wie mir ein erfahrener Augenoptikermeister sagte, sind die Spaltlampen nicht aller Marken zuverlässig zur Entdeckung verschobener Linsenränder. Beide Augenärzte verweigerten mir das Gespräch über meine – ihnen schriftlich vorgelegten – Erfahrungen.
      Tiefenwahrnehmungen unterscheiden sich von Seitenwahrnehmungen dadurch, dass sie den Augapfel im sog. Knotenpunkt – dem Kreuzungspunkt von optischer Achse und Gesichtslinie – durchqueren. Dies ist offenbar bei der Wahrnehmung von geradeaus liegenden Objekten, die näher als der foveal abgebildete Punkt liegen, durch mein linkes Auge nicht der Fall. Es könnte an einer Verschiebung des Knotenpunkts durch eine Abweichung entweder der Gesichtslinie – also der Lage der Fovea – oder eine Abweichung der optischen Achse - die durch die Brechmedien von Hornhaut und Linse bestimmt wird – liegen. Wie lassen sich die beiden Möglichkeiten unterscheiden?

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      • Re: IOL in loco

        Guten Abend,
        die Fovea-Lage kann man durch Projektion einer Abbildung mit dem direkten Ophthalmoskop überprüfen, die Abweichung der optischen Achse mit den Purkinje-Bildern.
        Mit freundlichen Grüßen,
        Priv.-Doz. Dr. A. LIekfeld.

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        • Re: IOL in loco

          Inzwischen bin ich nach Tübingen gefahren, weil an der dortigen Universitätsaugenklinik angeblich Purkinje-Bilder gemacht werden, was aber nicht der Fall war. Dort wurde jedoch ein OCT des Augenhintergrunds angefertigt, das m.E. meine Beschwerden erklären könnte. Es zeigte eine Verschmälerung der Fovea des dominanten linken Auges durch eine Erhebung und Schädigung der temporalen perifovealen Netzhaut. Wenn diese, wie ich vermute, eine Zusammenschiebung der Fotorezeptoren mit Richtungswert rechts (durch den Aufprall beim Sturz) darstellt, so würden fixierte Zielobjekte vom Gehirn als zu weit rechts liegend lokalisiert, was die Augenmuskeln zu einer permanenten Version nach rechts der – für die körperliche Selbstwahrnehmung maßgebenden – vestibulären Kopfachse stimulieren würde (die bei genauer Beobachtung auch vom Gegenüber erkennbar und sehr ermüdend für die Augen ist). Dass also die zentralen Strahlen nicht durch die verschobene Linse umgelenkt, sondern durch die verschobenen Rezeptoren als rechts liegend umgedeutet werden. Hierauf könnte auch die etwas geringere Distanz zwischen Papille und Makula und ein temporal-unten dunklerer Bereich im linken als im rechten Auge auf dem Foto hinweisen. Dies würde nicht nur den Schwindel bei körperlicher Bewegung sondern auch den (gegenüber dem linken Auge und der Pupillendistanz) vergrößerten Abstand des Fixationsziels vom inneren Brillenrand im rechten Auge, und des Nahbildes vom Fernbild im linken Auge in meinem Experiment erklären.
          Die von mir zunächst angenommene Verschiebung der IOL nach außen hingegen müsste zur binokularen Fixation näherer targets eine verstärkte Konvergenz des linken Auges auslösen, die nicht vorhanden ist, oder eine konstante Kopfwendung nach links, die ebenfalls nicht vorhanden ist, da im Spiegelbild beide Ohren in gleichem Abstand von der Nase wahrgenommen werden.
          Als hilfreich habe ich bisher empfunden, das dominante gestörte linke Auge bei praktischen Tätigkeiten abzudecken und Augenbewegungsübungen nach allen Seiten zu machen, was eine Massage und Mobilisierung der komprimierten Fotorezeptoren bewirken könnte - die sich allerdings gelegentlich in monokularen Doppelbildern manifestiert, vielleicht hervorgerufen durch Konflikte zwischen Where- und What-pathway..?
          Für weitere Hilfen wäre ich Ihnen dankbar.

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          • Re: IOL in loco

            Die Fovea ist physiologischer Weise deutlich dünner als der Rest der Netzhaut, so dass es auch eine "normale" Absenkung gibt.
            A. Liekfeld.

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            • Re: IOL in loco

              Das lateinische Wort "fovea" bedeutet auf deutsch "Grube", und deren Boden ist selbstverständlich dünner als ihre Umgebung - was jedoch nichts über ihre Breite aussagt - die in meinem Fall verringert - noch über die Höhe ihrer Umgebung - die in meinem Fall einseitig erhoben und geschädigt war. Bitte gehen Sie doch auf diesen Befund ein!

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              • Re: IOL in loco


                Das lateinische Wort "fovea" bedeutet auf deutsch "Grube", und deren Boden ist selbstverständlich dünner als ihre Umgebung - was jedoch nichts über ihre Breite aussagt - die in meinem Fall verringert - noch über die Höhe ihrer Umgebung - die in meinem Fall einseitig erhoben und geschädigt war. Bitte gehen Sie doch auf diesen Befund ein!

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                • Re: IOL in loco

                  Guten Abend, thomasia,
                  leider kann ich aus Ihren Beschreibungen keine eindeutige Diagnose ableiten - bitte klären Sie das mit den Ärzten, die das Bild vorliegen haben und Ihren Befund kennen.
                  Mit freundlichen Grüßen,
                  Priv.-Doz. Dr. A. Liekfeld.

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                  • Re: IOL in loco

                    Sehr geehrte Frau Dr. Liekfeld,
                    Inzwischen habe ich die Akten meiner Sehstörung geordnet und festgestellt, dass die anfangs geschilderte Orientierungsstörung schon 2010 vorhanden war - nach der Star-OP 2009 - während der Sturz, der zu einer Kompression der Netzhaut geführt haben könnte, erst an Pfingsten 2014 stattgefunden hat. Ich komme daher zurück auf meinen ursprünglichen Verdacht einer Verschiebung oder eines Defekts der IOL. Während der OP lief laute Musik, und vor der Einsetzung der Linse hörte ich den Operateur sagen: "Nicht diese!"
                    Nun hat die - laut Linsenpass - eingesetzte Linse eine "extremely sharp edge", was die Erkennung einer Dislokation auch bei erweiterter Pupille erschweren könnte. (Außerdem gibt es die Möglichkeit, schon einmal verwendete Linsen preisgünstig zu erwerben.)
                    Von den "Aerzten, die das Bild vorliegen haben und meinen Befund kennen", erhielt ich nur die - wenig hilfreiche - Antwort: "Ich kann mir keineswegs alle Ihre Beschwerden erklären und kann Ihnen nur Erklärungsmodelle anbieten." Ich wäre Ihnen daher sehr dankbar, wenn Sie auf meine - von Ihnen als "interessant, wenn auch nicht zwingend korrekt" bezeichnete - ursprüngliche Theorie sachlich eingehen würden, wozu keiner der von mir konsultierten Ophthalmologen bereit war.

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                    • Re: IOL in loco

                      In meinem Beitrag nach meinem Besuch in Tübingen habe ich einen weiteren Fehler begangen, indem ich schrieb: "Die von mir zunächst angenommene Verschiebung der IOL nach außen hingegen müsste zur binokularen Fixation näherer targets eine verstärkte Konvergenz des linken Auges auslösen." Bei genauer Lektüre meines ersten Beitrags zeigt sich, dass nicht der nahe Punkt sondern das entfernte Spiegelbild der Nase von mir fixiert, d.h. bifoveal abgebildet wurde; denn beim Wechsel der Augen sprang ja nicht das Spiegelbild der Nase sondern der nahe Punkt und seine Umgebung. Dass das entfernte Spiegelbild der Nase beim dominanten linken Auge auf die Fovea fiel, lässt sich erklären durch die Verschiebung der IOL nach außen: das normalerweise auf der nasalen Retina abgebildete entferntere Bild wurde durch die vom Prisma B. innen in Richtung Prisma B. außen veränderte Durchgangsstelle des fernen Bildes durch die IOL auf die Fovea verschoben und bestimmte damit den visuellen Richtungswert Geradeaus als links der - vestibulär bestimmten - Kopf- und Körperachse liegend, was den Schwindel bei körperlicher Bewegung erklärt. Ich versuche dem beizukommen, indem ich meinen Blick möglichst rechts liegenden Dingen und Personen zuwende.
                      In meinem ersten Beitrag hatte ich aus der nach rechts verschobenen Lage des Punktes auf eine Verschiebung der binokularen Sehachse nach rechts geschlossen. Dies war jedoch ein Fehlschluss, da die Sehachse dem Richtungswert Geradeaus der Foveen entspricht, die ja auf das Spiegelbild der Nase gerichtet waren. Die nach rechts ausgedehnte Verschiebung des nahen Punktes hingegen beruht auf dem gegen innen zunehmenden Prisma B. außen der nach links verschobenen IOL.
                      Sehr geehrte Frau Dr. Liekfeld, ich danke Ihnen für die Geduld, mit der Sie diesem meinem Erkenntnisweg Raum gegeben haben!

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                      • Re: IOL in loco

                        Guten Abend thomasia,
                        die scharfe Kante der IOL soll vor allem den Nachstar verhindern, kann aber manchmal zu sogenannten "Edge-Phänomenen" (Lichtbrechung an den Kanten) führen. Eine Dezentrierung der Linse lässt sich bei solchen Kanten genauso gut bestimmen. Es gibt ja in zwischen gute Geräte, eine Dezentrierung zu objektivieren...
                        Mit freundlichen Grüßen,
                        Priv.-Doz. Dr. A.. Liekfeld.

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                        • Re: IOL in loco

                          Gute Geräte mag es geben, ob die jeweils benutzten Geräte dazu gehören, ist eine andere Frage. Ohne Erweiterung der Pupille - Durchmesser im Alter max. 4-5mm - ist jedenfalls nicht zu erwarten, dass der Rand einer Linse mit Durchmesser 6mm sichtbar wird. Dass der Operateur dies behauptete (s. mein Beitrag vom 23.08.14) zeugt nicht gerade von seiner Vertrauenswürdigkeit.

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                          • Re: IOL in loco

                            Sie haben natürlich Recht, bei einer normalen bis engen Pupille ist der Rand der Linse bei guter Zentrierung in der Regel nicht zu sehen. A. LIekfeld.

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                            • Re: IOL in loco

                              Sehr geehrte Frau Dr. Liekfeld,
                              gestatten Sie mir, nach all meinen Um- und Irrwegen das Wesentliche meiner Erfahrung und ihre Deutung noch einmal genauer darzustellen:
                              Seit der Staroperation meines linken Auges habe ich Probleme im Zusammenwirken meines Körpers mit meinen Augen. Ich finde bei meinem körperlichen Verhalten – mit meinen Händen und Füßen – die Dinge nicht dort, wo ich sie von meinem visuellen Eindruck her erwarte, was mein Bewusstsein sehr verunklart.
                              Ich habe nun das folgende Experiment gemacht: Über die Mitte meines Laptop-Bildschirms habe ich einen 15 cm breiten Handspiegel gehängt, unter dessen Mitte ich auf dem Bildschirm einen zentralen Fixationspunkt innerhalb einer Senkrechten angebracht habe. Wenn ich mein Gesicht parallel zum Bildschirm mit der Nase zu dieser Senkrechten halte und mein linkes Auge bedecke, sehe ich mit dem rechten Auge das entfernte Spiegelbild meiner Nase fast auf derselben Senkrechten wie den nahen Fixationspunkt im Zentrum des Spiegels. Wenn ich jedoch mein rechtes Auge bedecke, scheinen der nahe Spiegel samt Fixationspunkt etwa 2,5 cm nach rechts zu rücken, während ich mein gespiegeltes Gesicht am linken Rand des Spiegels sehe mit der Nase ca. 2 cm links der Senkrechten mit dem Punkt, deren Lage mit der Körperachse - gemessen mit einem Zeichendreieck - übereinstimmt. Im binokularen Sehen liegt die räumliche Beziehung zwischen gespiegeltem Gesicht und Punkt dazwischen, mit einer Tendenz zum Bild des linken – bei mir dominanten - Auges.
                              Wenn ich mit meinen Fingern die Stellen auf der Brille betaste, an denen ich ich den nahen Punkt sehe, so ist dessen Distanz vom inneren Rand der Brille auf dem linken Glas kürzer als auf dem rechten (ca. 3 : 4).

                              Diese Erfahrungen lassen sich wie folgt erklären: Eine Linse besteht aus Prismen, deren Brechkraft gegen die Ränder zunimmt. Im rechten Augen fällt das Bild des nahen Punktes (wie normal, wegen fovealem Winkel alpha) nasal neben das Zentrum der Linse, während das Spiegelbild der Nase temporal daneben fällt, so dass beide Bilder nur einer geringen – und entgegengesetzten - prismatischen Wirkung unterliegen, die ihrer unterschiedlichen Tiefenlage entspricht. Im linken Auge hingegen fallen beide Bilder auf die gleiche Seite rechts des Zentrums der – nach links verschobenen - Linse, so dass das Bild des Punktes die Linse an einer Stelle mit einer stärkeren prismatischen Wirkung trifft als normal. Es wird daher statt auf die Fovea auf die temporale Hälfte der Retina abgelenkt, so dass der Punkt statt geradeaus zu weit rechts lokalisiert wird. Das enfernte Spiegelbild der Nase hingegen fällt statt temporal nasal des Zentrums auf die verschobene Linse. Es wird daher foveal abgebildet und bestimmt den visuellen Richtungswert Geradeaus als links der – vestibulär bestimmten – Kopf- und Körperachse liegend, die auf den nahen Punkt gerichtet ist - was sich durch den Abstand von 2 cm der gespiegelten Nase von diesem und der Körperachse manifestiert.
                              Das rechte Auge passt sich zwecks binokularer Fusion der fovealen Ausrichtung des dominanten linken Auges auf das entferntere Spiegelbild der Nase durch eine Divergenz an und erscheint daher leicht exophorisch, was sich auch in der größeren Distanz seines Durchblickpunktes vom inneren Brillenrand manifestiert.
                              Falls Sie eine andere Erklärung für diese Erfahrungen haben, bitte lassen Sie es mich wissen!

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                              • Re: IOL in loco

                                Inzwischen habe ich einen weiteren Hinweis auf die Richtigkeit meiner obigen Darlegungen gefunden: Seit der Implantation der künstlichen Linse hat sich nämlich die PD - der Abstand der Pupille vom Nasenbein - bei beiden Augen verändert. Während sie vor der OP im linken Auge um 0,8 mm größer war als im rechten, war sie nach der OP im rechten Auge um 1,1 mm größer als im linken, bei einer Gesamtvergrößerung von 0,2 mm. Die von außen - mit dem Pupillometer - wahrnehmbare binokulare Blickrichtung hat sich also von links nach rechts gewendet. Dies lässt sich erklären als okulomuskuläre Kompensation der Verschiebung des intraokularen Richtungswertes Geradeaus nach links durch die IOL - auf das Fernziel des dominanten operierten linken Auges – bei der Betrachtung von Nahzielen.
                                Dies entspricht dem Tastbefund der Finger, die das Bild des nahen Punktes auf dem linken Brillenglas näher beim inneren Rand der Brille fanden als beim rechten.

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                                • Re: IOL in loco

                                  Ein weiteres Phänomen könnte meine Hypothese einer infolge der Star-OP verschobenen IOL bestätigen: Während die Messung der vom rechten Auge (OD) benötigten sphärischen Korrektion zwischen 1995 und der linken Star-OP im Februar 2010 stets +1,75 oder +2,0 D betrug, nahm dieser Wert seither kontinuierlich ab:
                                  2010 und 2011 auf 1,5 D
                                  2012 auf +1,25 D
                                  2013 auf +0,75 D
                                  2014 auf +0,25 D und schließlich
                                  2015 auf – 0,5D.
                                  Dabei erschienen die Testfiguren im unkorrigierten monokularen Bild des OD immer breiter – was als Nahsichtigkeit interpretiert und korrigiert wurde - und schließlich doppelt. Wie ich jetzt anhand des - ebenfalls verdoppelten - senkrechten Lichtzeichens am Fernseher feststellte, liegt die linke Darstellung etwas tiefer als die rechte, und sie verschwindet, wenn das linke Auge geöffnet wird. Wie mir mehrere Optiker sagten, ist eine solche Verdoppelung bei einer Verstärkung der Nahsichtigkeit nicht üblich. Auch einen Stern (und den Mond) sehe ich monokular mit dem rechten Auge in deutlichem Abstand doppelt. Hier allerdings verschwindet nicht eines der Bilder, wenn das linke Auge dazugeschaltet wird, vermutlich wegen der größeren Distanz oder der stärkeren Lichtwirkung. Ich interpretiere den höher liegenden rechten Strich dieser Verdoppelung als eine anomale retinale Korrespondenz (ARK) mit dem dominanten linken Auge, die im binokularen Sehen das - wegen einer (seit 1995 prismatisch korrigierten) vertikalen Fixationsdisparation (FD) tiefer liegende - Bild der rechten Fovea unterdrückt. Die FD hat seither auch von 2 auf 1 pd abgenommen.
                                  Diese Phänomene könnten beruhen auf einer Richtungsverschiebung der (fovealen) Wahrnehmung des dominanten linken Auges durch eine dezentrierte IOL, die im rechten Auge bei der Fusion zunächst eine Erweiterung der fovealen Panumräume und schließlich eine nasale ARK entstehen ließ.

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                                  • Re: IOL in loco

                                    Seit der Star-OP 2010 habe ich auch gelegentlich auf beiden Augen monokulare Doppelbilder. Sie verschwinden, wenn ich das operierte Auge eine Zeitlang zudecke und mich entspanne. Monokulare Doppelbilder werden in der Literatur einer "Subluxation der Linse" zugeschrieben.

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                                    • Re: IOL in loco

                                      Ist denn das Problem der Netzhaut, das in Tübingen diagnostiziert wurde, komplett "vom Tisch"?
                                      MfG, A. Liekfeld.

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                                      • Re: IOL in loco

                                        sie selbst sechreiben bei Onmeda am 24.05.2011 unter dem Stichwort "Monokulare Doppelbilder": "Wenn es sich wirklich um monokulare Doppelbilder handelt, ist davon auszugehen, dass das Problem irgendwo in den brechenden Medien des Auges (Tränenfilm, Hornhaut, Linse) begründet ist" - also nicht in der Netzhaut, auf die Sie in Ihrem letzten Beitrag hinweisen. Meine Doppelbilder könnten also sehr wohl auf einer Dislokation der Kunstlinse beruhen, die deren Achse gegenüber der Hornhautachse verschiebt.

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                                        • Re: IOL in loco

                                          Das anfangs geschilderte Phänomen zeigt sich auch beim Wechsel vom Fernteil zum Nahteil meiner Bifokalbrille: Die dabei erfolgende Verbreiterung des Bildes ist rechts bedeutend größer als links. Dieser Unterschied kann ausgeglichen werden durch eine Drehung des Kopfes – d.h. eine Verschiebung der Brille - nach rechts, wodurch die verbreiternde prismatische Wirkung der Plusgläser zugunsten der linken Hälfte verändert wird - was im linken Auge dieVerschiebung der IOL nach links ausgleicht.

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                                          • Re: IOL in loco

                                            Das anfangs geschilderte Phänomen zeigt sich auch beim Wechsel vom Fernteil zum Nahteil meiner Bifokalbrille: Die dabei erfolgende Verbreiterung des Bildes ist rechts bedeutend größer als links. Dieser Unterschied kann ausgeglichen werden durch eine Drehung des Kopfes – d.h. eine Verschiebung der Brille - nach rechts, wodurch die verbreiternde prismatische Wirkung der Plusgläser zugunsten der linken Hälfte verändert wird - was im linken Auge die verbreiternde Verschiebung der IOL nach links ausgleicht.

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                                            • Re: IOL in loco

                                              Eine Kameradin aus meiner Seniorentanzgruppe, die seit ihrer zweiten Katarakt-OP ebenfalls unter starkem Schwindel leidet, besonders beim Gehen, hat heute bei mir den oben beschriebenen Test gemacht mit folgendem Resultat:
                                              Beim zuerst operierten rechten Auge lag das entfernte Spiegelbild der Nase fast auf der selben Senkrechten wie der nahe Punkt. Beim linken Auge hingegen rückte das Spiegelbild der Nase nach links an den Rand des Spiegels – genau wie bei mir – und der nahe Punkt wurde sehr undeutlich. Ich bin offenbar kein Einzelfall! Ich bitte um Zuschriften über ähnliche Erfahrungen!

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                                              • Re: IOL in loco

                                                11.12.15
                                                Meine Nachricht vom 09.12. beruhte auf einem Irrtum: Die Lage des nahen Punktes, dessen vergrößerter horizontaler Abstand vom Spiegelbild der Nase entscheidend ist für einen pathologischen Befund des Tests, war von der Patientin mit dem linken Auge ohne Nahbrille nicht richtig beurteilt worden.

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                                                • Re: IOL in loco

                                                  Guten Tag,
                                                  die beschriebenen Schwindel-Probleme können auch mit unterschiedlichen Dioptrien-Stärken auf beiden Augen nach der Operation zu tun haben. DA wären die genauen Angaben der Refraktion hinweisend.
                                                  Mit freundlichen Grüßen und allen guten Wünschen für 2016!
                                                  Priv.-Doz. Dr. A. Liekfeld.

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