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Schielen bei Normalsichtigkeit 4jährige

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  • Schielen bei Normalsichtigkeit 4jährige

    Hallo, unsere Tochter schielt seit dem Babyalter.... das rechte Auge weicht nach aussen oben ab. Früher nahmen wir es nur wahr, wenn sie sehr müde war, die Tendenz ist aber zunehmend. Wir sind diesbezüglich mit ihr beim Augenarzt - und gehen dort 1x im Jahr hin... er sagt, dass sie weitgehend normalsichtig ist (leichte Weitsichtigkeit, die nicht bedeutsam sei) und rät, das wir das nicht schielende Auge täglich 1-2 Stunden abkleben (machen wir seit 6 Monaten). Vermutlich müsse man irgendwann operieren.
    Ich bin jetzt verunsichert, da das Schielen trotz des Abklebens eher mehr wird (häufiger, nicht mehr nur bei Müdigkeit), ausserdem wehrt sie sich recht heftig gegen das Kleben und ich frage mich, ob es die Mühe wert ist (da offenbar sowieso nicht erfolgreich?).
    Wer kann dazu etwas sagen??
    beawue


  • Re: Schielen bei Normalsichtigkeit 4jährige


    Sie sollten Ihre Tochter in einer Augenarztpraxis mit angeschlossener Sehschule und Orthoptistin vorstellen. Dort erhalten Sie in der Regel kompetente und ausführliche Aussagen über eine notwendige Behandlung und deren Erfolgsaussichten. Bei dem von Ihnen geschilderten Befund ist eine Kontrolle pro Jahr definitiv nicht ausreichend!

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    • Re: Schielen bei Normalsichtigkeit 4jährige


      Hi, vielen Dank für die Antwort.... tja, wir gehen schon seit 3 Jahren mit unserer Tochter dahin..... wirkt kompetent.
      Zum Einordnen.....: "strabologe"....sind Sie auch Augenarzt??

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      • Re: Schielen bei Normalsichtigkeit 4jährige


        Hallo,
        ggfls, ist auch über eine Vorstellung direkt in einer Uniklinik nachzudenken.
        Liegt denn bereits eine Schwachsichtigkeit (Amblyopie) vor oder warum wurde die Okklusion verordnet?
        Die Okklusion (Abkleben) dient nicht direkt der Behandlung des Schielens, sondern der daraus entstehenden Schwachsichtigkeit. Diese ist bei Aussenschielern aber eher selten.
        Leichte Weitsichtigkeit? Auch ein Unterschied von 1 diop zwischen beiden Augen kann zur Schwachsichtigkeit führen.
        Wer schreibt das? Ein betroffenes Elternteil eines Schielkindes (3 Jahre, aber Innenschielen)
        Alles Gute

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        • Re: Schielen bei Normalsichtigkeit 4jährige


          Hallo,
          ich muss mich korrigieren. Schwachsichtigkeit ist bei alternierenden Schielern eher selten, also Menschen die abwechselnd mit den Augen schielen. Bei Aussenschielen/Höhenschielen bin ich überfragt.
          Gruß

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          • Re: Schielen bei Normalsichtigkeit 4jährige


            Strabologie ist die Lehre von den Schielerkrankungen und Augenmuskelgleichgewichtsstörungen, ein spezieller Teilbereich der Augenheilkunde.

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            • Re: Schielen bei Normalsichtigkeit 4jährige


              Guten Tag,
              ich nehme an, dass IHre Tochter 4 Jahre alt ist (aus der Überschrift). Man muss sehr stark vermuten, dass sie bereits eine Schwachsichtigkeit an dem "Schiel"-Auge entwickelt hat. Wichtig ist, dass ausgeschlossen ist, dass andere Abnormalitäten an dem Auge vorhanden sind (z.B. Netzhaut-Untersuchung). Dann muss dringend effektiv "abgeklebt" werden, vermutlich deutlich länger (abhängig von der Sehschärfe). Man hat nur in den ersten Lebensjahren (aber durchaus noch bis ins Schulalter) die Möglichkeit, noch etwas aus dem Auge "herauszuholen".
              Mit freundlichen Grüßen,
              Priv.-Doz. Dr. A. Liekfeld.

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              • Re: Schielen bei Normalsichtigkeit 4jährige


                Ganz herzlichen Dank für Ihre Antwort!
                Ich werde mich sofort um eine Vorstellung nochmals bei einem anderen Augenarzt kümmern! (Weiss nur nicht recht, wo man hingehen sollte)
                Beim Sehtest wurde beidseits festgestellt, das lediglich eine leichte Weitsichtigkeit von +1 bestehe, das sei nicht relevant. Eine Augenspiegelung wurde gemacht, da sei alles okay gewesen.
                Beste Grüsse,
                beawue

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                • Re: Schielen bei Normalsichtigkeit 4jährige


                  Hallo, wie bereits eingangs erwähnt, sollte die Praxis über eine angeschlossene orthoptische Abteilung (Sehschule) verfügen, die von einer Orthoptistin geleitet wird. Hier erhalten Sie entsprechende Adressen: http://www.orthoptik.de/html/index.php?str=10

                  Die Weitsichtigkeit ist nicht das Problem, wiewohl auch die optischen Verhältnisse Einfluß auf das Ausmaß eines Schielens nehmen. Sollte Ihre Tochter ggf. eine Brille zur Korrektur auch lediglich dieser geringen Weitsichtigkeit bekommen, würde der Aussenschielwinkel in geringem Maße zunehmen. Bei einer Operationsvorbereitung und entsprechenden Dosierung ist dies von Belang.

                  Sie erwähnten zu Beginn des Threads, dass sich Ihre Tochter gegen das Pflaster wehrt, was mehrere Gründe haben kann.

                  1. das Gesichtsfeld ist deutlich eingeschränkt und sie sieht Dinge auf der Seite des okkludierten Auges erst relativ spät.
                  2. die Sehschärfe des schielenden Auges ist bereits erheblich eingeschränkt. Man nennt dies eine Amblyopie. Ihre Tochter sieht also wesentlich schlechter, wenn das bessere Auge okkludiert ist.
                  3. Ihr räumliches Sehen - so vorhanden - ist unter der Okklusion definitiv ausgeschaltet, was ihre Orientierung im Raum erschwert.
                  4. Es sieht für eine 4-Jährige ziemlich lächerlich aus, mit einem Pflaster auf dem Auge durch die Welt zu laufen.

                  Nach Ihren Schilderungen würde ich davon ausgehen, dass Punkt 2 zutreffend ist. Alle anderen Punkte kommen mehr oder weniger ausgeprägt hinzu. Ein guter Kompromiß wäre, die Okklusion immer dann durchzuführen, wenn Ihre Tochter unter vermehrter visueller Belastung steht, also beim Fernsehen, Lesen, Basteln, Gameboy etc. Es stellt ein gutes Training der Sehschärfe des schielenden Auges dar, und nichts anderes wird mit einer Okklusion bezweckt. Es soll also nicht das Schielen an sich beseitigen oder verringern. Um nicht doppelt zu sehen, schaltet das Gehirn den Seheindruck des schielenden Auges einfach aus, was jedoch zur Folge hat, dass dieses Auge nicht mehr adäquat benutzt wird und sich die Sehschärfe mangels ausreichender Stimulanz nicht mehr entwickeln kann, obgleich das Auge organisch gesund ist. Hier helfen allein weder Brille noch OP, sondern nur eine konsequente pleoptische Behandlung - in diesem Falle eine Okklusion.

                  Je intensiver jedoch künftig okkludiert wird, desto mehr wird das beidäugige Sehen unterbrochen und die Häufigkeit des Schielens nimmt aller Erfahrung nach zu. Dieses Problem kann man jedoch mit einer Schiel-OP ganz zuverlässig in den Griff bekommen, während eine Amblyopiebehandlung mit zunehmendem Alter und nachlassender Intensitiät (bspw. wenn das Kind bereits in die Schule geht) immer weniger Aussicht auf Erfolg hat. Man wählt bei dieser Behandlung quasi das kleinere Übel "Schiel-OP" zugunsten einer jetzt noch möglichen Verbesserung der Sehschärfe des schielenden Auges. Sie müssen sich darauf einstellen, dass eine Okklusion - soll sie in irgendeiner Weise Sinn machen - bis zum 12.-13. Lebensjahr dauern kann. Hört man zu früh damit auf, besteht ein erhebliches Risiko von irreversiblen Rezidiven, und die ganze Mühe ist umsonst.

                  Ein Therapieplan könnte zum jetzigen Zeitpunkt so gestaltet werden, dass man so intensiv wie möglich eine Okklusionsbehandlung durchführt, die natürlich abhängig von der aktuellen Sehschärfe angesetzt werden muß. Angestrebt wird im Idealfall ein gleichwertiger Visus des rechten und linken Auges. Optimal wäre es, wenn diese Situation mit Schulbeginn erreicht wäre, sodass man die Okklusion auf ein Maß reduzieren könnte, die nicht unbedingt mehr die Sehschärfe verbessern hilft, sondern sie in der Qualität hält, in der sie sich dann befindet. Dafür genügen dann meistens 1-2 Stunden täglich zum Fernsehen. Dies wird so lange gemacht, bis man sicher sein kann, dass sich nach Absetzen der Okklusion die Sehschärfe nicht wieder verschlechtert, was durchaus bis zum Beginn der Pubertät dauern kann, aber letztlich immer abhängig ist von den jeweiligen Befunden.

                  Eine intensive Okklusionsbehandlung wird vermutlich das Schielen sowohl im Ausmaß, als auch in seiner Dauer zunehmen lassen. Die Möglichkeiten Ihrer Tochter, dieses dann noch selbst auszugleichen und zu kompensieren, reduzieren sich unter der Okklusion, sodaß eine Schiel-OP vermutlich unumgänglich ist. Diese sollte vor der Einschulung erfolgen. Je nach Ausmaß des Schielens sind ggf. auch zwei OPs oder eine OP an beiden Augen notwendig. Dies ist abhängig vom Krankheitsbild und den jeweiligen Befunden. Ziel einer OP ist es, die Augen wieder geradezustellen und ein beidäugiges Sehen zu ermöglichen, ohne dies bspw. ein räumliches Sehen nicht möglich ist. Man strebt also auch hier eine funktionelle Verbesserung an, erst in zweiter Linie eine kosmetische.

                  Alles in allem haben Sie eine langwierige Behandlung vor sich, deren Erfolg ganz entscheidend von der Bereitschaft, Geduld und Motivation Ihrer Tochter abhängt, was definitiv alles andere als leicht ist. Sie wird also immer wieder Ihre Hilfe und Ihr Verständnis benötigen. Allerdings sind dann die Chancen relativ gut, eine dauerhafte und deutliche Verbesserung der Situation zu erreichen. Vielleicht wird Ihre Tochter einmal nicht den Beruf einer Pilotin oder eines Busfahrers ausüben dürfen, aber ansonsten stünden ihr die meisten Professionen offen.

                  Ein Rat zum Schluß: wenn Sie etwas nicht verstehen oder die Zusammenhänge und Aussichten unklar erscheinen, sollten Sie unbedingt bei Orthoptistin und Augenarzt nachfragen - und zwar so lange, bis Sie eine verständliche und zufriedenstellende Auskunft erhalten haben. Diese Kommunikation wird über die Jahre hinweg essentiell sein für die Bereitschaft, die notwendige Behandlung fortzuführen. Wenn man nicht weiß, wozu das alles gut sein soll, verliert man schnell die Motivation und die Chancen einer Verbesserung sinken dramatisch. Eine Amblyopie kann, wenn man sie nicht rechtzeitig diagnostiziert und entsprechend behandelt, zu einer Sehschärfe auf dem betroffenen Auge führen, die gerade einmal bei 2-3 Prozent liegt! Wir sprechen hier bereits von einer praktischen Einäugigkeit, ganz abgesehen von der Möglichkeit, dass dem gesunden Auge irgendwann einmal etwas zustossen könnte. Und das muß bei den heutigen Möglichkeiten wirklich nicht sein, wenn man nur alle Beteiligten ausführlich genug informiert.

                  Alles Gute und viel Erfolg!

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                  • Re: Schielen bei Normalsichtigkeit 4jährige


                    Hallo,
                    ich möchte nochmals auf den Sehtest eingehen mit dem die Weitsichtigkeit ermittelt wurde. Wurde der Wert von +1 diop mittels objektiver Refraktionsbestimmung ermittelt, d.h. wurde durch die Gabe von Augentropfen die Augenmuskeln vorrübergehend gelähmt und dann die Augen "vermessen"? Alles andere ist m. E. zu vage.
                    Strabologe hat ja ausführlich auf die Folgen einer unzureichenden Schielbehandlung hingewiesen, die man einem 4-jährigen Kind jedoch nicht so plausibel machen kann. Daher hier einige Tipps:
                    Ich habe gute Erfahrung mit einer "Piratenparty" gemacht, zu der die Freunde eingeladen waren. Ferner "liest" mein Sohn (knapp 3) mit Begeisterung Piratenbücher, der Teddy hat mittlerweile auch eine Augenklappe.
                    Den Engsten seiner kleinen Freunde wurde erklärt, dass er das Piratenpflaster braucht, um wieder gesund zu werden und die Brille, um gut sehen zu können. Mittlerweile spielt er gerne "Pirat", was die anderen Kinder nicht dürfen.
                    Trotzdem muss man sein Kind immer wieder motivieren und bestärken und das in jedem Lebensalter anders gestalten, was zeitweise anstrengend ist, wenn er gerade keine Lust zum Piratspielen hat. Ansonsten versuchen wir in der Okklusionszeit viel zu lesen, malen, kneten, puzzeln. Auch der Fernseher ist kein Tabu mehr. Der Zweck heiligt in diesem Fall die Mittel.
                    Was ich allerdings meinem Sohn später nicht erklären möchte, ist, untätig gewesen zu sein, weil er gerade keine Lust hatte als 3-jähriger ein Pflaster zu tragen und er deshalb eine lebenslange Schwachsichtigkeit davongetragen hat. Er wird mir später sicherlich nicht das Plastertragen vorwerfen, eine Schwachsichtigkeit mit all ihren Folgen schon.
                    Leider habe auch die Erfahrung gemacht, dass Augenarzt/Orthoptistin freiwillig nicht allzu auskunftfreudig ist (vielleicht aus Zeitmangel, der keine Entschuldigung sein sollte).
                    Da bleibt nur sture Hartnäckigkeit zum Wohle des eigenen Kindes.
                    Alles Gute

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                    • Re: Schielen bei Normalsichtigkeit 4jährige


                      Guten Tag,
                      sinnvoll ist es, nach Augenärzten mit einer sogenannten "Sehschule" zu fragen.
                      Mit freundlichen Grüßen,
                      Priv.-Doz. Dr. A. Liekfeld.

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