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Schielen durch Okklusionstherapie

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  • Schielen durch Okklusionstherapie

    Hallo,

    seit unsere Tochter ca. 1 1/2 ist (sie ist jetzt 3 1/4 Jahre alt), trägt sie eine Brille und muss das "gute" Auge abkleben (mittlerweile 4 Tage in der Woche für 3 Stunden; anfangs jeden Tag für 3 Stunden). Eine Besserung wurde bereits erzielt.

    Nun waren wir heute wieder zur Kontrolle und, da zwischen beiden Augen (sie ist auf einem Auge stärker weitsichtig + 4,0; anderes Auge + 1,0) noch Differenzen bestehen, müssen wir weiter abkleben. Man muss dazu sagen, dass unsere "Kleine" sehr intelligent und weit ist, so dass die Orthoptistin bereits mit ihr zuverlässige Übungen machen kann, die sie eigentlich nach eigenen Aussagen erst mit ca. 7-jährigen Kindern macht. So kann sie ziemlich genau feststellen, wie es um die Augen unserer Tochter bestellt ist.

    Dazu stellte sie fest, dass unsere Maus zwar zzt. nicht schiele, sie es aber bei den Übungen provozieren könne und dass das nicht optimal wäre.

    SIe meinte, dass wäre evtl. ein negativer Nebeneffekt des Abklebens, aber eher unwahrscheinlich, dass es daher käme. Und außerdem wäre es ja im Endeffekt wichtiger, dass die Sehschwäche behoben wird. Ein evtl. Schielen bekäme man schlimmstenfalls durch eine OP sehr gut in den Griff.

    Nun hat sie mich durch ihre Aussagen sehr verunsichert. Bisher schielt unsere Kleine noch nicht. Heißt das jetzt, dass das auch noch auf uns zukommt??

    Ich finde schon, dass unsere Tochter genug Einbußen einstecken musste durch das Tragen der Brille und das Abkleben.

    Ist es sehr wahrscheinlich, dass durch die Okklusionstherapie von insgesamt 12 Stunden abkleben pro Woche (4 Tage à 3 Stunden) ein Schielen verursacht werden kann bzw. unsere Maus zukünftig auch noch zusätzlich zur Weitsichtigkeit schielen wird?

    Bisher kannte ich nur, dass auch Schielen mittels Abkleben behandelt wird und nicht, dass Abkleben evtl. auch zum Schielen führen kann. Es bleibt das Gefühl, dass das Abkleben den Gesamtzustand der Augen verschlechtert. Es wurde zwar in der Vergangenheit eine Besserung erzielt, jedoch stagniert die Verbesserung nun.

    Danke schon einmal im Voraus für das Lesen dieses langen Beitrages!


  • Re: Schielen durch Okklusionstherapie


    Also das abkleben wird bei Schielenden Kindern gemacht um das Schielende bzw. Sehschache Auge zustärken... Ich hatte bis heut noch nicht gewußt das man durch das abkleben dafür sorgt das das Sehschwache Auge dann schielen kann...
    Meine Tochter hat auf dem einen Auge Werte um 8 Dioprtien und auf dem anderen um 6 auch sie ist Weitsichtig und bei ihr ist jetzt auch das schielen festgestellt worden sie soll nochmal zur Kontrolle und dann wird entschieden was genau gemacht wird aber sie wollen auch abkleben um dann das schielen von schwächeren Auge einzudämmen mal sehen...

    Ich würd meine Tochter nen 2 ten AUgenarzt vorstellen...

    Kommentar


    • Re: Schielen durch Okklusionstherapie


      Hallo, es scheint hier einige Mißverständisse zu geben, was das Behandlungsziel einer Okklusionstherapie angeht.

      1. eine Okklusionsbehandlung dient nicht(!) der Behandlung eines Schielens, sondern der Behandlung einer meist unausweichlichen Folgeerkrankung: einer Amblyopie. Dies ist eine funktionale Sehschwäche ohne organische Ursache, die bei einseitigem Schielen fast immer auftritt. Hier wird sie Schielamblyopie genannt.

      2. Diese Amblyopie kann auch dann entstehen, wenn es einen sehr großen Unterschied hinsichtlich der optischen Brechungsverhältnisse zwischen dem rechten und linken Auge gibt, wie es zum Beispiel bei Ihrer Tochter der Fall ist. In diesem Falle spricht man von einer Refraktionsamblyopie. Sie führt in der Regel ebenfalls zu einer schlechteren Sehschärfe des höher fehlsichtigen Auges, und auch hier ist eine Okklusionsbehandlung unbedingt indiziert.

      3. Eine Okklusionsbehandlung kann unter Umständen ein bereits vorhandenes, aber nicht sichtbares (verstecktes) Schielen manifestieren, da eine solche Therapie auch immer einen teils massiven Engriff in das System des beidäugigen Sehens darstellt. Wenn dieses von einer gewissen Labilität ist, kann es tatsächlich passieren, dass ein Schielen zutage tritt. Diese Disposition ist jedoch immer bereits vorhanden und kann dann durch eine Okklusionstherapie erst offensichtlich werden.

      4. Man muß sich über die Risiken einer Oklusionsbehandlung im Klaren sein und das Für und Wider sehr gut abwägen. Dies wird sich nach den vorliegenden Befunden richten. Wird eine Okklusionsbehandlung nicht durchgeführt, obwohl sie notwendig wäre, so kommt es mit fast 100%er Sicherheit zu einer irreparablen Sehschwäche eines Auges, die auch im späteren Leben Einfluß auf Berufswahl, Lebensqualität usw. nehmen wird. Geht sogar das gute Auge durch Krankheit oder Verletzung verloren, kann man sich das drohende Ergebnis sehr leicht selbst ausmalen.
      Die oberste Priorität hat demnach immer die Erhaltung bzw. Herstellung der Sehschärfe des betroffenen Auges!

      5. Daß dies mit einem von Fall zu Fall mehr oder weniger hohen Risiko einhergeht, ein latentes Schielen zu manifestieren, ist nicht erfreulich, aber letztlich nur das kleinere Übel. Mit einer Schieloperation kann man dies in der Regel gut behandeln, so dies überhaupt notwendig werden sollte. Ein operationswürdiges Schielen wird durch eine Okklusionsbehandlung nämlich nur sehr selten ausgelöst. Wohlgemerkt: eine Schiel-OP ersetzt auch nicht eine notwendige Okklusionsbehandlung und umgekehrt! Beides hat auch keinerlei Einfluß oder Auswirkung auf eine bestehende Fehlsichtigkeit - hier: Weitsichtigkeit. Im Übrigen kann solch ein latentes Schielen auch durch andere Faktoren manifest werden, z. B. durch Krankheit oder einen Unfall. Momentan ist es eben die Okklusionsbehandlung, die möglicherweise ungünstig auf diese Situation einwirkt, obgleich der Kleberhythmus von 3 Stunden täglich an 4 Tagen pro Woche tatsächlich denkbar gering ist und vermutlich nur sehr wenig mit der akuten Problematik zu tun hat.

      6. Wenn Sie mir den Rat gestatten: Ich würde mich an Ihrer Stelle schleunigst von dem Gedanken befreien, dass die Augen Ihrer Tochter durch die bisherige Behandlung schlechter geworden seien, bzw. die Gesamtsituation sich durch eine nervige, unnötige oder sogar unsachgemäße Behandlung verschlechtert habe. Zum Einen entspricht es nicht den Tatsachen, zum Anderen wird Ihnen diese Einstellung das Leben für die nächsten zehn Jahre mächtig erschweren, denn solange wird die Behandlung Ihrer Tochter etwa noch dauern. Ihre Tochter hat auch keine Einbußen durch das Tragen der Brille und die Okklusionsbehandlung "erlitten", sondern sie ist offenbar früh und rechtzeitig von einer fachkundigen Person bestens behandelt worden, auch wenn momentan keine weiteren signifikanten Fortschritte erkennbar sind. Was ein Ausbleiben solch einer Behandlung verursachen kann, habe ich oben bereits beschrieben. Dies gilt auch für ein zu frühes Beenden der Therapie. Die Sehschärfe würde aller Erfahrung nach wieder schlechter werden. Natürlich sind solche Behandlungen alles andere als trivial. Und diejenigen, die sie anordnen müssen, werden auch nicht unbedingt bejubelt. Es führt aber leider zu nichts, wenn man sich nach den Ratschlägen derer richtet, die einem eine viel verträglichere Methode empfehlen oder gar auf eine konsequente Klebebehandlung ganz verzichten wollen oder sie viel zu früh wieder abbrechen.

      7. Es ist Ihr gutes Recht, eine 2. Meinung über die Behandlung einzuholen. Dies würde ich Ihnen auch empfehlen, wenn Sie wirklich Zweifel an der Verlässlichkeit und korrekten Durchführung der Maßnahmen hegen sollten. Allerdings sollten Sie dann Spezialisten befragen, die etwas von diesen Dingen verstehen. Suchen Sie sich also im Interesse Ihrer Tochter eine Augenarztpraxis aus, an die eine orthoptische Abteilung angeschlossen ist, und die von einer Orthoptistin geleitet wird. Dann sind Sie gut versorgt und erhalten kompetente Auskunft.

      8. Es soll hier im Übrigen nicht der Eindruck erweckt werden, eine Okklusionsbehandlung müsste immer zwangsläufig zu einer Schiel-OP führen. Dies trifft natürlich auch nicht bei Ihrer Tochter zu. Sprechen Sie mit der behandelnden Orthoptistin. In Abhängigkeit von den vorliegenden Befunden gibt es vielleicht die Möglichkeit, die Okklusionsbehandlung noch etwas zu verringern und dafür evtl. öfter eine Kontrolle durchzuführen. Es gibt auch Übungsbehandlungen, die die Qualität des beidäugigen Sehens verbessern und somit für eine stabilere Situation sorgen können, innerhalb derer dann die Okklusionstherapie risikoärmer durchgeführt werden könnte.

      Alles in allem glaube ich, dass Ihre Tochter gut versorgt ist. Sie sollten durch Gespräche mit den jetzigen Behandlern und ggf. über eine 2. Meinung Ihre Vorbehalte ausräumen. Eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Erfolg solch "unangenehmer" und langwieriger Behandlungen ist und bleibt das gute Vertrauensverhältnis zwischen allen Beteiligten. Ihre Tochter kann davon nur profitieren. Weiterhin alles Gute!

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