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Arznei mit Langzeitwirkung

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  • Arznei mit Langzeitwirkung

    Sehr geehrte Frau Dr. Pipping,

    ich habe folgendes Problem: Zur Behandlung meiner vergrößerten Prostata nahm ich bereits einige Zeit Finesterid, welches mir nach einiger Zeit half, meine Beschwerden zu bessern. Eines Tages verordnete mir mein Arzt anstatt Finesterid jedoch Dutesterid. Dieses Mittel hatte bei mir leider Nebenwirkungen, unvorteilhafte Veränderungen der Haut, hervorgerufen. Insbesondere meine Gesichtshaut wurde eintöniger, konturloser, aufgeweicht und sah aufgebläht aus. Also verschrieb mir mein Urologe wieder Finesterid. Dieses Mittel führte jedoch zu starken Wechselwirkungen mit dem noch im Körper befindlichen Dutesterid (lange Plasma halbwertszeit!): Starker Haarausfall und die Haut bekam einer sehr intensiven Charakter. Sie wirkte sehr feucht und "fettig". Finesterid wirkte zusammen mit Dutesterid gegenteilig. Mein Urologe riet mir, ein halbes Jahr mit Finesterid zu pausieren, bis das dutesterid eliminiert sei. Es ist mittlerweile ein Jahr her, dass ich Dutesterid abgesetzt habe, und ich kann immer noch kein Finesterid zu mir nehmen. Es wirkt immer gegenteilig. Es führt zu verstärktem Haarausfall und zu einer Haut, die noch weicher wird und immer einen sehr intensiven Charakter erhält, feuchter und scheinbar fettiger wird. Auch der Versuch auf Sägepalme umzusteigen, führte zu ähnlich starken Wirkungen (wie mit Finesterid), die jedoch mindestens 8 Wochen anhielten.
    Meiner Ansicht nach wurde das Dutesterid noch nicht vollständig aus meinem Körper eliminiert. Denn seitdem ich Dutesterid eingenommen habe, produzieren die Talgdrüsen meiner behaarten Kopfhaut kein Talg mehr. Normalerweise habe ich eine fettige Kopfhaut. Aber seit dutesterid ist die Talgproduktion vollkommen unterdrückt. Auch die durch Dutesterid bewirkten Veränderungen meiner Haut haben sich nur etwas zurückgebildet. Ich glaube daher, dass sich das Dutesterid im Fettgewebe längerfristig angereichert hat. Es ist bei dieser lipophilen Substanz, die eine äußerst lange Halbwertszeit hat, wahrscheinlich auch gar nicht möglich in Studien zu überprüfen, ob diese vollständig aus dem Körper ausgeschieden wird. In den amerikanischen Fachinfos des Herstellers zu Dutesterid kommt dies bei den Ausscheidungsdaten auch deutlich zum Ausdruck, die notgedrungen nur Stichproben angeben, die gerade mal durchschnittlich 45% einer einzelnen Tagesdosis als abgebaute Substanz im Stuhl nachweisen.
    (Ich denke, dass das Finesterid und die Sägepalme weiter zu Wechselwirkungen mit dem im Körper verbliebenem Dutesterid führen. Das Dutesterid vermindert durch die hemmung des 5alpha-Reduktase-Enzyms vom Typ1, welches besonders in der Haut vertreten ist, den Dehydrotestosteronspiegel und erhöht dadurch stark den Testosteronspiegel in der Haut, was ich wohl insgesamt nicht so gut vertrage. Wie finesterid hemmt dutesterid auch das 5alpha-Reduktase-Enzym vom Typ2. Beide Wirkstoffe zusammen konkurrieren jedoch so stark um die Hemmung dieses Enzyms, dass sie sich gegenseitig blockieren. Die Folge ist, dass ein erhöhter Testeronspiegel der Haut zu vermehrter Dehydotestosteronbildung durch die Katalysierung des nunmehr unblockierten Enzyms vom Typ 2 führt und dadurch einen starken haarausfall hervorruft (Das Typ 2 Enzym spielt beim Haarausfall eine entscheidene Rolle). Der scheinbar erhöhte Feuchtigkeitsgehalt der Haut geht auch auf diesen Mechanismus zurück. Wenn das Typ1 Enzym nicht gehemmt würde, würden sich an Stelle von Feuchtigkeit vermutlich auch eher richtiges Talg bilden. Doch die Talgproduktion ist bei mir unterdrückt.)
    Ich leide nun wieder unter den Problemen einer vergrößerten Prostata und bin verzweifelt, weil ich das Finesterid oder Sägeplame, - Wirkstoffe, die mir einst so gut geholfen haben- nicht mehr nehmen kann. Wie lange dauert es bis eine lipophile Substanz wie Dutesterid aus dem Fettgewebe eleminiert ist? Kann man etwas dafür tun, dass dieser Arzneistoff endlich aus dem Fettgewebe bzw. meinem Körper eliminiert wird und meine Talgdrüsen und meine Haut wieder normal werden? Wer kann mir weiterhelfen?
    Ich habe meine Probleme schon einigen Ärzten mitgeteilt. Aber diese sind ratlos.
    Vielleicht können sie mir ja einen guten Rat geben. Ich bedanke mich für Ihre Bemühungen

    Mit herzlichen Grüßen
    Gerhard Keller


  • Re: Arznei mit Langzeitwirkung


    Hallo Herr Keller,

    ich möchte mir die pharmakodynamischen Daten heraussuchen. Dann melde ich mich wieder und hoffe, Ihnen einen Rat geben zu können.
    Bitte erinnern Sie mich ggf. in den nächsten Tagen daran.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Heike Pipping

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    • Re: Arznei mit Langzeitwirkung


      Hallo Herr Keller,

      der Wechsel auf Dutasterid ist bedauerlich, da Finasterid grundsätzlich vorzuziehen wäre. Sie haben ja selbst die Unterschiede in der Wirkung schon beschrieben. Ein wichtiger Unterschied ist auch die Wirkdauer. Dutasterid hat eine Halbwertzeit von drei bis fünf Wochen. "Bis zu sechs Monate nach Abbruch der Therapie läßt sich es sich noch im Serum nachweisen." Finasterid hat dagegen eine Halbwertszeit von 6 bis 8 Stunden (zitiert aus: arzneitelegramm 2003; 34 : 43).

      Nach einem ganzen Jahr sollte es langsam aber sicher aus dem Körper verschwunden sein. Die beobachteten Wechselwirkungen und resultierende Unverträglich des vorher gut vertragenen Finasterids ist nach so langer Zeit schwer zu erklären. Die Eliminierung aus dem Fettgewebe kann man leider nicht beschleunigen. Es bleibt also nur die Möglichkeit, in Abständen wieder Finasterid oder Sägepalmen auf Verträglichkeit zu probieren.

      Mit freundlichen Grüßen
      Dr. Heike Pipping

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