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Zahnbehandlung/Narkose

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  • Zahnbehandlung/Narkose

    Hallo, sehr geehrter Dr.Spruth,

    meine Mutter leidet seit einigen Jahren an Alzheimer. Wie ich in einem früheren Beitrag bereits beschrieben habe,traten in letzter Zeit häufiger Schluckstörungen auf. Wir haben diese aber mittels Umstellung der Nahrung auf Breiform durch Pürieren bzw. Kleinkindnahrung einigermaßen in den Griff bekommen. In letzter Zeit wurde es zu meiner großen Freude sogar generell wieder etwas besser mit dem Essen. Sie hat auch wieder "normales" Essen relativ gut gekaut und gegessen.
    Jetzt ist aber leider gestern beim Abendessen eine komplette Brücke(2eigene Zähne + künstl.Zahn) aufgrund des Bruchs der Zähne herausgefallen. Zum Guten konnten wir gerade noch ein Verschlucken dieses Zahnersatzes verhindern. Ich hatte schon wirklich Panik wegen Erstickungsgefahr. Jetzt fehlen Ihr aber auf dieser Seite oben und unten fast alle Zähne, und auf dieser Seite hatte sie bevorzugt gekaut.
    Wir waren heute gleich beim Zahnarzt. Mit einiger Mühe konnten wir ein Röntgenbild machen, um Entzündungen an den verbliebenen Wurzeln abzuklären. Scheinbar sind diese nicht entzündet. Unser Zahnarzt hat uns aber nicht viel Hoffnung gemacht, was man in Zukunft Richtung Zahnersatz machen kann. Da eine Behandlung immer nur unter Narkose stattfinden kann(Abdruck machen, Anpassen,...) und keine Rückmeldung vom Patienten kommen kann, ob alles passt, und ob Sie Zahnersatz annimmt, oder einfach rausnimmt. Er meinte auch, man wüsste nicht, wie meine Mutter auf Narkose (auch Kurzzeitnarkose) reagieren würde, ob Sie eventuell noch schlechter dran wäre danach.
    Man verblieb jetzt erstmal so, daß man die Wurzeln drin lässt, da sie nicht akut raus müssten.
    Aber das Problem heute beim Mittagessen war jetzt, daß Sie Pfannkuchen, die Sie normalerweise immer gut isst, nicht gegessen hat. Ich befürchte weil sie nicht mehr richtig kauen kann(zu grosser Abstand).
    Daher meine Fragen:
    - Sind Narkosen, die ja dann eigentlich
    unvermeidbar sind, gefährlich was den
    Krankheitsverlauf angeht?
    - Was für Möglichkeiten gibt es als Zahnersatz,
    der nicht zu Verschluckungsgefahr wird, und
    nicht einfach herausgenommen werden kann?
    - Gibt es eventuell Spezialisten auf diesem
    Gebiet Zahnbehandlung bei Alzheimerpatienten?

    Für Ihre Zeit und Geduld beim Lesen im voraus herzlichsten Dank. Ich hoffe ich habe nicht zu viel geschrieben.
    Für eine baldige Antwort wäre ich Ihnen sehr sehr dankbar.

    Mit freundlichen Grüssen
    Thomas


  • RE: Zahnbehandlung/Narkose


    Lieber Thomas,

    ich versuche die Fragen aus meiner Kenntnis zu beantworten:

    - Sind Narkosen, die ja dann eigentlich
    unvermeidbar sind, gefährlich was den
    Krankheitsverlauf angeht?

    Die Angehörigen, die ich kenne, berichten nicht über Verschlechterungen im Krankheitsverlauf.

    Sicherlich macht man sich berechtigte Sorgen, wenn ein Demenzkranker noch zusätzlich Narkosen verarbeiten soll.
    Sie sind ja so schon orientierungslos genug. Die Begleitung in der Aufwachphase ist dann sinnvoll.

    - Was für Möglichkeiten gibt es als Zahnersatz,
    der nicht zu Verschluckungsgefahr wird, und
    nicht einfach herausgenommen werden kann?

    Implantate fallen mir dazu ein. Die sind aber in der Regel bei älteren Menschen schlecht im Kiefer zu verankern, weil bereits Knochenabbau im Gange ist.

    Wenn durch das Fehlen der Zähne oben und unten keine Verletzungsgefahr im Mundinnenraum besteht, dann würde ich es dabei belassen.
    Menschen gewöhnen sich daran und die Kauleisten werden auch härter. Das mag zwar unserem Bedürfnis der kosmetischen Schönheit zuwiderlaufen, aber es geht und verursacht wesentlich weniger Stress auf beiden Seiten.

    - Gibt es eventuell Spezialisten auf diesem
    Gebiet Zahnbehandlung bei Alzheimerpatienten?

    Mir nicht bekannt.
    Es gibt Zahnärzte, die sagen, besonders mit dieser speziellen Patientengruppe umgehen zu können.

    Der Demenzspezialisierte Zahnarzt hat meine Mutter
    in der Vergangenheit nicht gehindert im Zahnarztstuhl nach oben davon zu fahren und sein Labor in Ordnung zu bringen. :-( weia :-)

    Ich meine, das kann der gute, "alte" und eingeweihte Zahnarzt mit besserer Behandlungschance -weil bekannt-
    erledigen.

    Liebe Grüsse
    Auguste

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    • RE: Zahnbehandlung/Narkose


      Sehr geehrter Thomas,

      direkt zu Ihren Fragen:
      1. durch die Narkose sollte es eigentlich zu keinem "Krankheitsschub" kommen, auch wenn Angehörige immer mal wieder von einer Verschlechterung der Klinik nach Operationen berichten. Wichtig ist nur bei Operationen immer den Anästhesisten über die Grunderkrankung und Begleitmedikation zu informieren (sollte man ohnehin immer), da es u.U. zu Arzneimittelinteraktionen kommen kann (Acetylcholinesterasehemmer <--> Muskelrelaxantien).
      2. Wie Auguste D. bereits schrieb, wären Implantate eine Möglichkeit, ebenso eine (Modellguss-)Prothese, deren Anfertigung allerdings nicht ganz einfach ist und eigentlich die Mitarbeit des Patienten erfordert.
      3. An der Charité gibt es Spezialisten für die schwierige Behandlung von behinderten Patienten, möglicherweise erkundigen Sie sich einmal bei einer Uni-Klinik in Ihrer Nähe, ob es auch dort ensprechend ausgerichtete Zahnärzte gibt. Sie könnten diesbezüglich auch einmal im Forum Zahnmedizin nachfragen.

      Mit freundlichen Grüssen,

      Spruth

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