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Die private Wohngemeinschaft für Demenzkranke

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  • Die private Wohngemeinschaft für Demenzkranke

    Wir sind eine in Eigeninitiative gegründete, sich selbst verwaltende und selbst organisierende Wohngemeinschaft - näheres unter: www.senioren-wohngemeinschaft-eitorf.de
    Ich möchte folgende Überlegungen zur Diskussion stellen:
    a) Ausgangssituation
    Mit Wirkung vom nächsten Jahr ändert sich einiges in der Pflegeversicherung - für unseren Förderkreis ist folgender gedanklicher Ansatz interessant:
    die finanzielle Förderung der "privaten, kleineren" Wohngemeinschaften durch die Pflegeversicherung.

    Wir befassen uns zunächst gedanklich mit der Vorstellung, zumindest in der Gründungs-/Betriebsphase die "kleinere" emenz-WG mit 3 bis 6 Personen ehrenamtlich zu begleiten, deren Betreuung sich hauptsächlich die Angehörigen teilen wollen - ggfs. mit Unterstützung des ambulanten Pflegedienstes

    Warum:
    Es gibt zahllose Gründe, warum man die persönliche Pflege der/des Angehörigen selbst sicher stellen möchte. Andererseits wird die Belastung durch die persönliche Pflege deutlich unterschätzt und die eigene Leistungs- und Belastungsfähigkeit überschätzt.
    Meine Mutter brauchte nahezu 5 Jahre nach dem Tod meines Vaters, um sich von den Strapazen der Pflege zu regenerieren/erholen.
    Der Gedankenansatz einer möglichen Struktur der kleineren Demenz-WG:
    - monatliche Zuschüsse zu den Personalkosten (200 €) und bis zu 20.000 € Investkostenförderung
    Damit hätten auf den ersten Blick auch kleine WGs Existenzchancen.
    vermutete Vorteile:
    - möglichst im bisherigen örtlichen Umfeld (quasi zu Hause)
    - Bedingung: Tages-/Nachtbetreuung zum großen Teil durch
    Angehörige, die ohnehin pflegen würden - jedoch
    immer abwechselnd
    - gesunde Ernährung / soziale Betreuung ggfs. im
    Wechsel mit Pflegedienst könnte gesichert werden.
    - kontrollierte Pflege
    - es verbleibt persönlicher Freiraum für die eigene Lebensführung
    - die enge persönliche Bindung bleibt bestehen
    - für Urlaubs- und Krankheitsbedingten Ausfall gibt es die Verhinderungspflege
    - kein "schlechtes" Gewissen, weil man die Eltern "weg gibt"
    Kosten:
    Miete: wahrscheinlich geringer (Teilung zb 4 Personen) und
    bisherige Miete/Unterhaltskosten Haus entfällt
    Personal: 200 € / PflStufe / Monat - bei 4 = Personen = 800 €
    Investkosten: bis zu 20 T€ über Pflegeversicherung möglich
    mit den Möglichkeiten der ambulanten
    Pflegediensten zB Kombi-Leistung, müßte ein solches Projekt
    problemlos gestartet werden können.
    Vermutlich läßt sich hier ein Modell entwickeln, das
    kostenmäßig auch von "weniger betuchten" Menschen
    mit dem Anspruch, selbst zu pflegen gestemmt
    werden könnte. Das Sozialamt dürfte sicherlich unterstützend eingreifen können; es könnten ja "die Heimkosten" drohen.

    Die Zukunft in NRW (auch in anderen Ländern so oder
    ähnlich) sieht wie folgt aus:
    ab 2018 müssen die Heime
    a) mindewsten 80 Plätze haben
    b) mindestens 80% des Platzangebots muss Einzelzimmer sein
    Folge:
    ist a) und / oder b) nicht erfüllt, Wegfall des
    Pflegewohngeldes; vermutlich auch keine Zusagen
    mehr für Sozialhilfe -
    Endergebnis: Aussterben der kleineren Heime = massive Verrringerung des Platzangebots - lange Wartelisten.

    Droht vielleicht dann das MUSS zur Gründung einer WG, um aus dem Pflegedilemma zu kommen?

    Generalfrage an das Forum:
    Ist ein solcher Gedankengang unrealistisch (es gibt
    genug Gründe, die dagegen sprechen) ?

    Gegenaussage:
    Ich würde mein Haus verschenken, wenn ich nur wüßte, wie das realisiert werden kann - die Senioren-WG (Aussage des örtlichen Pfarrers über die Anfrage eines Gemeindemitglieds).

    Anmerkung:
    Unsere WG ist eindeutig dominiert von der sozialen Betreuung; die Pflege ist sicherlich wichtig, muss sich aber klar unterordnen.
    Aus der Erfahrung hier glaube ich, dass auch diese kleinen WGs eine Art Führung bedürfen - es gilt u.a. Unstimmigkeiten zu schlichten (auch unter den Angehörigen) - hier müssen sich die Angehörigen schon einigen (rotierender Wechsel?)

    Würde mich über eine entsprechende Diskussion freuen.

    LG
    lohmar1

  • Re: Die private Wohngemeinschaft für Demenzkranke


    Hallo lohmar1,
    danke für deinen informativen Beitrag. Ich hoffe, möglichst viele Forumsmitglieder lesen ihn und erfahren dabei gleich, welche Veränderungen anstehen. Dein Modell der Kleingruppen unter Leitung der Angehörigen finde ich sehr spannend - wenngleich es natürlich eine Menge Engagement und Wissen erfordert. Trotzdem - es scheint mir eine menschliche Alternative angesichts der oft traurigen Zustände in riesigen Heimen..und die Anzahl der Pflege- und Betreuungsbedürftigen nimmt zu. Irgendwann gehören wir vielleicht selbst dazu, das sollten wir nie vergessen. Nochmals danke..Leona

    Kommentar


    • Re: Die private Wohngemeinschaft für Demenzkranke


      Lieber lohmar1,

      danke für die Informationen. Ja, Ihre Idee und Ihre Vorschläge sind super und ich überlege die ganze Zeit, warum zu diesem Thema so wenig Resonanz erfolgt. Ich kann nur für mich sprechen.

      Ich habe mir in NRW auch 2 WGs angesehen, bevor wir uns für ein Heim entschieden haben. Es gibt immer viele individuelle Gründe dafür oder dagegen

      • Für Vollzeitberufstätige muss so eine WG ganz in der Nähe sein
      • Die Demenz ist meist weit fortgeschritten, bevor man sich überhaupt mit dem Gedanken einer externen Unterbringung befasst
      • Der normale Weg ist der aus dem KH in eine Einrichtung, denn es passiert immer erst etwas, wenn etwas passiert ist
      • Der Pflegedienst muss sowieso kommen und dann kann derjenige auch erst lange zu Hause bleiben, wenn dort jemand ist, der sich kümmern kann
      • Die Räumlichkeiten waren zu klein und zu eng um dem Einzelnen ausreichend Rückzugsmöglichkeiten und den Läufern „Rennstrecken“ zu bieten
      • Es war sehr unruhig und lebendig, manche Menschen möchten nicht bespaßt und fortlaufend animiert werden
      • Das Miteinander unter den Bewohnern ist sowohl im Heim und in einer WG nicht immer einfach und man kann einander dort schlechter „ausweichen“
      • Diese zwangsverordnete familiäre Nähe „mit Fremden“ kann nicht jeder gut aushalten
      • Die Lage der WGs war indiskutabel, zu laut und wenig Grün, von Terrassen oder Gärten ganz zu schweigen
      • Ein Umzug in ein Pflegeheim ist meist nicht zu vermeiden und der Kranke muss sich dann in einem späteren Stadium seiner Kranheit nochmals umgewöhnen

      Ich lass dies einfach mal so stehen, als ganz persönliche Gedanken hierzu. Es kann sein, dass meine Mutter da ganz anderer Meinung wäre. Grundsätzlich ist Ihre Lösung die bessere.

      Beste Grüße
      Marge

      __________________________________________________ _____________________________________________
      Mein Steckbrief (Jan 2013): Mutter (85) wurde betreut von Ehemann (85) und mir (Tochter 57), vollzeitberufstätig. Erste Hirnleistungsstörungen diagnostiziert in 1994. Im März 09 als "mittelschwere" Altersdemenz eingestuft. Medikamente in 2009: 1 x wöchentlich Imap-Spritze, morgens und abends eine Piracetam Tablette. Seit Jan 10: Axura 5 mg morgens. Mit Axura deutliche Verbesserung in Wahrnehmung und Wortfindung. Wir werden wieder mit unseren richtigen Namen angesprochen, auch wenn sie nicht weiß, wer wir sind. Sie formuliert ab und zu wieder ganze Sätze, wenn auch kurze. Seit März 10 wieder mehr Stimmungsschwankungen, Weinen, Angst. Es kommen Rückenschmerzen und dadurch eingeschränkte Beweglichkeit hinzu. Ab 23.03. Fentanyl-Pflaster. Am 28.03. 10 Tage Krankenhaus wegen starker Durchfälle. Ab 06.04. auf mehrmaliges Anraten des Neurologen auf die geronto-psych. Abtlg. Dort bekommt sie Solian. Am 20.04.2010 Umzug in ein Seniorenheim. Weiterhin nur Solian (1/2 morgens und abends), nachts Pipamperonsaft (3 ml), sonst keine Medikamente.

      Kommentar


      • Re: Die private Wohngemeinschaft für Demenzkranke


        Liebe Marge,

        der Ansatz kann nicht sein, dass die WG für jeden das Optimale ist. Die WG ist für diejenigen die Lösung, die in die WG passen. Das Gründungskonzept entscheidet letztlich darüber, wer sich in der WG gut aufgehoben fühlen kann.
        Wer sich eine "Pflege-WG" ansieht kann nicht erwarten, dass dort Alzheimer-Patienten gut aufgehoben sind - und umgekehrt.
        Sicherlich ist unsere Haus- und Wohngemeinschaft (noch? - hoffentlich nicht) eine Ausnahme - 1700 qm Grundstücksgröße mit unmittelbarer Nutzungsmöglichkeit eines "Skulpturentals" als Grünfläche eines Künstlers mit 30.000 qm und das mitten im Ort (Aldi in zwei Minuten zu Fuß erreichbar zb). Wer Bewegung braucht, hat genug an Möglichkeiten. Unser Sommerfest bot mit über 70 Plätzen genügend Raum auf der Terrassenfläche.
        Als Wohn- und Nutzfläche in dem Haus stehen uns fast 700 qm zur Verfügung. Zur Zeit wird dies mit 9 weiteren Mietern gemeinsam genutzt. Weil die Räumlichkeiten dies hergeben, sind die Zimmer auch Rückzugsmöglichkeit, jedoch eher als reine Schlafzimmer wie zu Hause konzipiert. Eigentlich hält sich jeder dort auf wo Aktion ist - in der großen Wohnküche zum Mithelfen und Quatschen und Spielen. Je nach Laune.
        Umzug in ein Heim:
        Muss nicht sein, zwei Schwerstpflegefälle mit palliativer Begleitung und auch ärztlicher Unterstützung machten es möglich, hier zu verbleiben.
        Zwei Fälle mit Umzug in ein Heim hatten wir trotzdem:
        a) das charakterliche Verhalten war derart für die Gemeinschaft belastend (wollte während des Mittagsessens u.a. in die Besteckschublade urinieren), dass ein Verbleiben nicht mehr tragbar war. Ergebnis: Heim - geschützter Bereich - und ruhig gestellt. Lt. Tochter wurde sie nach 14 Tage Aufenthalt nicht mehr erkannt. Krankheitsbild: Alzheimer
        b) die WG erfordert auch von Angehörigen etwas Engagement - dies war zwei Brüder der hier beschäftigten Schwester (und immer noch) zuviel - die Mutter wurde kurzerhand in ein Heim verfrachtet. Weit ab vom Schuß mitten im Wald ohne jede Möglichkeit am Ortsleben teilnehmen zu können. Eine gesellschaftlich sehr engagierte Frau mit Auszeichnung Bundesverdienstkreuz. Ist jetzt abgeschoben und man braucht sich um nicht mehr zu kümmern. Dafür hat sich die Familie entzweit. Vermutlich wegen der sehr geringen Betreuungsdichte, ein Dauerabo für das Krankenhaus aufgrund der ständigen Stürze (gab es bei uns nicht - warum, kann nur spekuliert werden)
        Krankheitsbild Parkinson
        Unsere personelle Betreuungsdecke:
        Tagsüber mindestens 3 Personen, nachts eine Person mit der Verpflichtung, jeden ins Bett gehen zu lassen, wann er möchte und dann zu begleiten (oftmals ist Bettruhe erst nach 23.00 Uhr im Haus). Anzahl der zu Betreuenden: 9 Personen, davon 2 eigentlich noch völlig selbständig, die uns eher als 5-Sterne-Hotel beurteilen.
        Übrigens: RTL hatte über uns gesendet; der WDR zwar den Versuch gestartet, ist aber nichts draus geworden.
        Bleibt vielleicht noch eine Gretchenfrage - die der Kosten, weil privater Anbieter. Es kann hier sogar mit "Sozialhilfe" gewohnt werden! Aktuell liegt der unterste Wert bei 1580 € pro Monat als "all inclusive". Unterster Wert deshalb, weil die Zimmergrößen und die Ausstattung sehr unterschiedlich sind.
        Diese Immobilie war ein ehemaliges Kinderheim, das Ende 1999 von der Heimaufsicht geschlossen wurde und dann 9 Jahre Leerstand hatte. Niemand konnte dem Zwangsverwalter ein akzeptables Konzept vorlegen, bei dem Kreditinstitute nicht von vornherein abwinkten. Diese Immobilie war ein "Glücksgriff", muss man schon zugeben. Mitten in Bonn wäre dies undenkbar und nicht bezahlbar. Aber eine Ortschaft mit 20.000 Einwohner, hohem Erholungswert und S-Bahnanschluß nach Köln/Bonn hat auch seine Reize.
        Aktuell unterstütze ich die Initiierung einer gleichartigen WG im Wirtschaftsraum Dormagen. Ich denke, dass die Neuausrichtung der Pflegeversicherung allmählich Wirkung zeigt.

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