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Unruhe, Schreien, Anhänglichkeit

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  • Unruhe, Schreien, Anhänglichkeit

    Kurz zu unserer Situation: Meine Mutter (90 J.) und ich (Tochter, 58 J.) leben seit über 10 J. in einer Wohnanlage in getrennten Wohnungen. Seit 2008 zeigen sich Anzeichen von Demenz bei ihr, die nach einen Sturz und einer Operation ganz deutlich wurden. Bisher konnten wir unseren Alltag meistern, da ich sie vormittags und am frühen Nachmittag allein lassen konnte, nachdem ich ihr den Frühstückstisch gedeckt hatte. (Ich bin Vollzeit berufstätig, kann jedoch gegen 14 Uhr zu Hause sein und eigenständig weiterarbeiten.) Unser Tag läuft so ab: Ich koche am frühen Nachmittag etwas und dann nehme ich sie zu mir in meine Wohnung, so dass wir den ganzen restlichen Tag zusammen sind: ich meist arbeitend und sie in meinem Wohnzimmer fernsehend oder Musik hörend, da sie sich anderweitig nicht beschäftigen kann oder will. Ich lasse sie und bin froh, wenn sie sich wohl fühlt.
    Mittlerweile ist das aber nicht mehr so und die Lage wird immer belastender für uns beide. Es fing damit an, dass mich vor wenigen Wochen Nachbarn darüber informierten, dass meine Mutter mindestens eine halbe Stunde lang geschrien und gerufen habe. Auch auf Ansprache sei sie nicht zur Ruhe gekommen und hätte aggressiv reagiert. In letzter Zeit haben sich folgende Schwierigkeiten herauskristallisiert:
    • Meine Mutter erkennt mich nicht mehr, auch nicht unsere Wohnungen (Sie hat schon mehrmals versucht, unsere Namensschilder mit Kugelschreiber zu übermalen.). Sie hat kein Kurzzeitgedächtnis mehr. Ich bin ihr zwar vertraut und wir können herrlich miteinander lachen, aber sie möchte permanent „nach Hause“. Sie fragt ständig nach einem Bus oder „bekniet“ mich, dass ich sie „nach Hause“ (ihr Elternhaus in Ostpreußen) fahre oder ihre längst verstorbene Schwester anrufe. Das artet oft in handfeste Drohungen und Beschimpfungen aus, so dass ich nur hilflos oder verärgert reagieren kann, weil ich mich ihrer kaum erwehren kann und regelrecht unter Druck gerate.
    • Sie ist der festen Überzeugung, dass ihr Elternhaus nur ein paar Häuser entfernt liegt und ihre Eltern noch leben. Besonders ihrer Mutter gegenüber hat sie Schuldgefühle und sie macht sich ständig Gedanken, was diese wohl denken wird, wenn sie wieder nicht „zu Hause“ ist. Sie traut sich aber nicht, sich allein auf den Weg zu machen, weil sie nicht weiß, wo sie „da gehen muss“. Dafür läuft sie stundenlang unruhig hin und her. Im nächsten Moment kann das wieder vergessen sein und sie stimmt bereitwillig zu, noch eine Nacht hierzubleiben.
    • Ich kann sie höchstens morgens noch kurze Zeit allein lassen (ich habe zur Zeit Urlaub), muss allerdings damit rechnen, dass sie anfängt laut zu weinen und zu rufen, was ich jetzt mithilfe eines „Babyphons“ feststellen konnte. Das ist mir auch unangenehm und peinlich den Nachbarn gegenüber, zumal meine Mutter immer sehr rücksichtsvoll gewesen ist. Zur Zeit kann ich weder nachmittags noch abends etwas unternehmen.
    • Ich kann sie nur äußerst selten zum Duschen bewegen, zum Glück betreibt sie morgens noch selbstständig eine Morgentoilette, aber auf Dauer geht das natürlich nicht. Sie lässt sich nicht die Nägel schneiden, tut es allerdings auch nicht selbst mit dem steten Hinweis, dass sie das „zu Hause“ machen werde, also nie. Mit ihren Haaren ist es ähnlich. Ich traue mich schon gar nicht mehr, sie bei einem Friseur anzumelden, weil ich Angst habe, sie könnte irgendwie „auffällig“ reagieren (ihr Wesen hat sich da völlig geändert: meine Mutter war immer bekannt für ihre Eleganz und Gepflegtheit).
    • Kleidung ist ein Thema für sich: Ich wage es kaum noch, ihren Kleiderschrank zu öffnen, weil sie sich lauthals darüber empört, wer ihre Sachen „hierhergebracht“ habe. Das artet in ein regelrechtes Geschrei aus, denn keine Antwort stellt sie zufrieden. Dasselbe Geschrei findet statt, wenn ich ihr frische Kleidung hinlege: Sie behauptet allen Ernstes, dass das nicht ihre Sachen seien, und weigert sich, diese anzuziehen.
    Meine Schilderung macht deutlich, dass es so nicht weitergehen kann. Wir dürfen nicht beide auf der Strecke bleiben, die wir über Jahrzehnte ein schönes Mutter-Tochter-Verhältnis hatten. Die Frage ist nur: Was kann man tun? Eine Haushaltshilfe wäre schon einmal angebracht, aber genügt diese? Damit wäre das laute Verhalten und die Unruhe meiner Mutter auch nicht beseitigt. Kann man da etwas mit Medikamenten machen (zur Zeit nimmt sie Axura)? Beruflich kann ich nur wenig kürzer treten, das würde auch in dieser Situation kaum etwas bringen. Weiß jemand Rat?


  • Re: Unruhe, Schreien, Anhänglichkeit


    Liebe sadsoul,

    Ihre Mutter ist offensichtlich trotz des hohen Alters und der Demenz noch sehr lange recht "eigenständig" geblieben, dank Ihrer Hilfe. Möglich, dass das Axura auch einen entscheidenden Beitrag geleistet hat, nun aber leider beginnt, an Wirksamkeit zu verlieren. Das Medikament kann ja die Entwicklung nicht aufhalten, aber die Auswirkungen der Krankheit eine Zeit lang mildern.

    Habe noch mal die von Ihnen im Forum geschilderten Geschehnisse überflogen. So scheint mir, Sie haben bereits alles getan, um die Situation so erträglich wie möglich zu machen. Wenn genügend Geld und Raum vorhanden ist - eigentlich müsste auch Pflegestufe 3 bewilligt werden - sehe ich nur die Möglichkeit, eine Ganztagspflegekraft einzustellen. Es würde natürlich auch ein Kraftakt, denn so einfach ist es nicht, jemand zu finden, auf den man sich verlassen kann und Ihre Mutter wird es nicht so ohne Weiteres lernen, mit jemand Fremden in der Wohnung klarzukommen. Doch gibt es eine bessere Alternative?

    Je nach allgemeinem Gesundheitszustand Ihrer Mutter könnte es sein, das das Axura gegen ausgetauscht werden kann. Da muss man sehr abwägen zwischen Nutzen und Risiko. Gegen das Schreien wird es vielleicht unumgänglich sein, Medikamente zu geben. Manchmal sind es aber auch nur Phasen, die der Kranke hat und die Erscheinung verschwindet wieder.

    In der Zwischenzeit können Sie nur versuchen, alles so gut wie möglich hinzunehmen. Wenn sie sich ab und zu Duschen lässt, ist das schon mal sehr sehr gut. Dass sie sich morgens noch selber wäscht, ist außergewöhnlich und am besten greifen Sie nur ganz behutsam ein, damit diese letzte Eigenständigkeit nicht durch zuviel Durcheinander noch verloren geht. Ist sie inkontinent? Wenn es keine Gründe gibt, die häufigeres Waschen erfordern, würde ich da nicht zuviel Druck machen.

    Mit der Kleidung, die meine Mutter auch oft nicht wechseln möchte, weil sie es nicht versteht, habe ich das übrigens so gelöst, dass ich Sachen mehrfach gekauft habe. Die tausche ich dann in einem unbeobachteten Moment aus. Damit sie nicht denkt, man müsse nie was waschen, sage ich von Zeit zu Zeit, dass ich Wäsche habe und noch was brauche, um die Maschine voll zu kriegen. Dann kann sie mir ihre "großzügig" geben.

    Es gibt Friseure, die ins Haus kommen. Ich würde es einfach mal mit einer solchen versuchen. Oder Sie sprechen mit dem Friseur über die Lage und fragen, ob die eine Lösung wissen. Oft ist es aber so, dass die Demenzpatienten bei Fremden noch die Fassade aufbauen können.

    Nagelpflege mache ich meiner Mutter schmackhaft, indem ich sage, dass ich ihr mal meine tolle Schere vorführen will. Dann lasse ich sie vorher die Hände in einen schönen Wasserbad bewegen, das könnte man auch verschönern oder mit tollen neuen Duftstoffen versehen (meine Mutter riecht leider nichts mehr), oder man macht selber mit ...

    Wundern Sie sich nicht über das Verhalten, was die pflegerischen Sachen betrifft. Das ist ganz "normal" und gehört zur Krankheit dazu. Versuchen Sie, auch wenn das eigentlich schwer bis unmöglich scheint, sie nicht in die Enge zu drängen. Das betrifft auch die Gewissheit Ihrer Mutter, dass Eltern und Schwester noch leben. "Der Demenzkranke hat immer Recht" ist die Devise (Stichwort: integrative Validation). Am besten versucht man, irgendwie zu beruhigen und zu sagen, dass man morgen dann mal anrufen will. Muss aber sagen, dass ich da noch nicht so gut raten kann, weil das bei meiner Mutter noch nicht so stark ausgeprägt ist.

    Das hohe Alter Ihrer Mutter zeigt ja nun doch auch an, dass sie auf das letzte Stückchen ihres Lebensweges zugeht und dann möchte der Mensch vieles einfach nicht mehr, man wird müde. Wir wollen das Beste für unsere Lieben und es soll in allem Bereichen am liebsten perfekt sein, aber es kommt die Zeit, wo mehr das Miteinander im Vordergrund steht und man beide Augen zudrücken muss, was das pflegerische Umfeld betrifft.

    Mir hilft es, mir jeden Tag die guten Momente in unserem Verhältnis vor Augen zu führen und die lustigen Begebenheiten. Humor entkrampft sehr, vielleicht schaffen Sie es, das noch mehr in den Vorergrund zu rücken.

    Lieben Gruß und viel Kraft,
    Eva Franziska


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    Mein Steckbrief (Stand Juli 2012): Mutter, 88, betreut von mir (Tochter), 55, selbstständig. Keine weiteren Verwandten; Wohnen im selben Haus; Schweregrad: Ende mittleres Stadium; Verstärkte Auffälligkeiten seit zirka 2006 nach Narkose wegen Arm-OP. Therapie nach Diagnose seit August 2009: Citalopram 20mg wird zur Zeit ausgeschlichen, Aricept 5mg (3 Jahre bekommen, leider nun abgesetzt um das Herz zu schonen), 2x/Woche Krankengymnastik (jetzt als Hausbesuch) wegen Gang-Ataxie; 1x/Woche tiergestützte Ergotherapie mit Hirnleistungstraining; 1x/Woche Begeitung bei kurzen Spaziergängen mit Gesprächaustausch und anschließendem Singen, oder einfache Gymnastikübungen), neuerdings 1/Woche Haushaltshilfe mit Hund, was sehr zur Entspannugn beiträgt. Ich versuche hauptsächlich mit Hilfe integrativer Validation (Nicole Richard) die Grundstimmung zu stabilisieren.

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    • Re: Unruhe, Schreien, Anhänglichkeit


      Liebe Eva Franziska,

      vielen lieben Dank für Ihre so zügige und ausführliche Antwort! Ich kann gar nicht sagen, wie großartig ich Ihre Anteilnahme finde, und gleich ist die Situation mit einer Mutter und mir gar nicht mehr so verfahren und ich kann auch noch eine Menge Positives entdecken.
      Trotzdem: Es gilt jetzt Entscheidungen zu treffen, nachdem wir beide eine ganze Weile so allein zurecht gekommen sind. Ich werde erst einmal mit der Beantragung einer Pflegestufe beginnen. Keine Ahnung, was da herauskommen wird, denn heute war meine Mutter recht friedlich, umgänglich und geradezu "pflegeleicht". Wenn man sie so sieht, mag ein Außenstehender gar nicht glauben, wie schwierig sich manchmal der Umgang mit ihr gestaltet. Tatsächlich - aber wer weiß das mehr als Sie! - organisiere ich ihr ganzes Leben, was meine Mutter vehement leugnen würde (aber das gehört ja auch zum Krankheitbild). Wichtig ist, dass ich etwas Entlastung bekomme, dann wird auch meine Mutter davon profitieren, denn ich merke doch, wie ich manchmal Spannungen verstärke, weil ich nicht angemessen reagiere. Ich versuche mich durch einschlägige Lektüre weiterzubilden und dieses Validieren zu üben.

      Alles Gute und auch liebe Grüße an Sie!

      sadsoul

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      • Re: Unruhe, Schreien, Anhänglichkeit


        Hallo sadsoul!

        Die meist bei Demenzkranken noch gut funktionierende Fassade ist das, was uns Betreuende oft wahnsinnig macht. Es ist wie bei kleinen Kindern, die dann bei Fremden plötzlich sooo lieb sind. Da müssen wir mit leben und auch damit, dass das Umfeld uns manchmal die Krankheit unseres Angehörigen nicht glaubt. Ich kenne das, wo man an sich selbst zweifelt und hofft, dass alles doch nicht wahr ist, wenn mal gute Tage sind. Der MDK bekommt unter Umständen auch eine solche Schokoladenseite zu sehen, aber da hilft ein gut geführtes Pflegetagebuch, das auch die andere Seite dokumentiert. Die können das dann schon unterscheiden. Schließlich hat Ihre Mutter die Diagnose, hat das Medikament lange bekommen. Da ist es für einen Fachmann schon klar, dass die Krankheit auch nicht stehengeblieben sein kann und dass Sie inzwischen überfordert sind.

        Haben Sie eigentlich eine Vorsorgevollmacht?



        Ansonsten nur auf die Schnelle mal ein paar Tipps. Da Sie ja Urlaub haben, haben Sie vielleicht Zeit, alles schon anzuleiern.

        Am besten rufen Sie sofort bei der Pflegekasse/Krankenkasse an und teilen Sie mit, dass Sie hiermit einen formlosen Antrag auf Leistungen aus der Pflegeversicherung stellen. Und bitten Sie darum, das heutige Datum schriftlich als Antragstellungstermin festzuhalten. Dann wird der Tag des Anrufes auf dem Formular vermerkt, dass sie dann zugeschickt bekommen. Wenn die Pflegestufe bewilligt wird, bekommt Ihre Mutter rückwirkend ab dem Tag der Antragstellung das Geld.

        Sagen Die den Ärzten Bescheid, damit die wissen, dass Sie die Pflegestufe beantragen und damit die Sie unterstützen und erbitten Sie alle wichtigen Unterlagen. Der MDK erkundigt sich aber auch selbst bei den Ärzten.

        Nun können Sie Unterlagen sammeln und die zusammen mit dem Antrag zurückschicken. Ich hatte damals auch schon einiges über die Lage geschrieben, allerdings so manches am Thema vorbei. Es macht also Sinn, zu erkunden, was für die wirklich relevant ist.

        Ein Pfegetagebuch kann für Sie und den Gutachter ein guter Anhaltspunkt sein. Am besten beginnen Sie damit über 8-14 Tage einmal alles bis ins Kleinste aufzuschreiben, was Sie für die Mutter tun müssen - möglichst immer unter dem Aspekt der Bedürftigkeit bei der Grundpflege.

        Es vergeht Zeit bis der MDK kommt, eventuell können Sie den Termin ja auch noch etwas anpassen, wenn er zu früh sein sollte. Suchen Sie sich eine Beratung beim Erstellen der Unterlagen.

        Man muss komplett umdenken. Die Gutachter haben keinen allzu großen Spielraum, sondern feste Punktevorgaben. Man muss sehen, dass man in deren Schema passt.

        Das Entscheidende bei der Bewertung ist nicht all die Mühe, die Sie tagein, tagaus haben, sondern die Minuten, die Sie für die Grundpflege (Waschen, zu Bettgehen, Essen usw.) verwenden. Da es bei den Demenzpatienten aber nicht so einfach ist, muss auch die Anleitung gezählt werden, wenn Sie z.B. den Waschvorgang demonstrieren müssen, also Dinge, die Ihre Mutter zwar motorisch ausführen kann, jedoch wegen der Demenz nicht in der Lage ist den Handlungsablauf sinnvoll durchzuführen.
        Die Anleitung und Beaufsichtigung ist auch eine aktivierende Pflege. Man ist sogar dazu verpflichtet, dem Demenzkranken auf dieses Weise zu helfen, vorhandene Fähigkeiten zu erhalten. Wenn man alles übernehmen würde, würde er ja noch unselbstständiger.

        Damit die Pflegestufe 1 durchkommt, muss die Zeit für Pflegetätigkeiten täglich 90 Minuten betragen und dabei mindestens 45 Minuten für die Grundpflege.

        Gurndpflege ist:
        KÖRPERPFLEGE: Waschen, Duschen, Baden, Zahnpflege, Kämmen, Darm- und Blasenentleerung
        ERNÄHRUNG: Das mundgerechte Zubereiten der Nahrung, Die Aufnahme der Nahrung
        MOBILITÄT: Das selbständige Aufstehen und Zubettgehen - Umlagern, An- und Auskleiden, Gehen, Stehen, Treppensteigen, Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung, z.B. bei Arzt- und Therapiebesuchen

        Ein Beispiel, wie die "ticken": Es gilt nicht die Zeit der Essenszubereitung oder das Tischdecken, sondern nur die 2 Minuten, in denen man der Mutter zum Beispiel das Essen mundgerecht zubereitet. Aber es gilt auch die Zeit, in der man sie zum Essen motivieren muss, oder die 10x, wo man sie am Tag ans Trinken erinnern muss und die Zeit, wo man dabeibleiben muss, damit sie das Glas auch austrinkt.
        Viele Minuten können Sie zusammenbekommen, wenn Sie Ihre Mutter waschen oder duschen, ihr beim Zubettgehen helfen. Aber auch, wenn Sie ihr sagen müssen, wie man den Waschlappen benutzt und den Waschvorgang überwachen und anleiten müssen, muss das angerechnet werden. Manche Gutachter tun sich da schwer.

        Störungen in der Nacht sind eine schwerwiegende Belastung und müsste sich auch in den Punkten niederschlagen.

        Bei der hauswirtschaftlichen Versorgung (Einkaufen, Kochen, Reinigen der Wohnung, Spülen, Wechseln und Waschen der Wäsche und Kleidung und Beheizen) bekommt man schnell genügend Minuten zusammen, aber was da genau steht, ist für den MDK nicht so interessant. Sie brauchen also da nicht soviel Mühe drauf zu verwenden.

        Zusätzlich:
        Ein zweites ist Begutachtung zur Feststellung von Personen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz. Da werden 13 Punkte gescheckt. Die Liste finden Sie sicher im Internet oder in Infoheften. 100 Euro Betreuungsgeld bekommen Sie auf jeden Fall wegen der eingeschränkten Alltagskompetenz, auch ohne Pflegestufe. Bei Gefahr der Selbstgefährdung kann es auch 200,- monatlich sein. Über das Geld kann man aber nicht frei verfügen, es ist gebunden an Organisationen, z.B. Betreuungsdienste. Ich habe dafür eine ehrenamtliche Betreuerin (Stichwort: niederschwellges Angebot), die eine Aufwandsentschädigung von 7,50 bekommt. Die darf nichts Haushaltliches machen, beschäftigt sich aber mit meiner Mutter.

        Ich hatte damals die Gutachterin dringend gebeten, erst mit mir unter vier Augen zu sprechen, weil ich nicht bereit war, meine Mutter zu frustrieren.

        Bei dem, was Sie schreiben, steht Ihnen wahrscheinlich Pflegestufe 1 oder sogar 2 zu. Wenn es nicht sofort bewilligt wird, gleich Widerspruch einlegen. Man bekommt dann das Gutachten zugeschickt und kann ganz konkret die flaschen Beurteilungen widerlegen. Wenn dem dann stattgegeben wird, wird auch rückwirkend gezahlt.

        Wünsche gutes Gelingen,
        Eva Franziska

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        • Re: Unruhe, Schreien, Anhänglichkeit


          Meine Erfahrungen mit dem MDK sind ziemlich frustrierend. Es wird zwar alles gesagt und zur Kenntnis genommen , aber es schlägt sich nicht in deren Minutenbeurteilung nieder. Es wird auch alles niedergemacht, angezweifelt, falsch bewußt hoch- bewertet etc. Ich bin der Meinung , es müssen hier sich zwei gleichwertige Gegner gegenüberstehen- und dies können Sie als "Privatmann" unmöglich sein. Also kompetente Hilfe zur Seite sich nehmen, die kostet zwar dann einmalig ca. 500-bis 800 Euro, erspart Ihnen aber jede Menge Ärger und Zeit und hilft die berechtigten Interessen Ihres Pfleglings durchzusetzen- zur Not auch vor Gericht. Man muß außerdem wissen, daß rund 40 Prozent der Anträge grundsätzlich abgelehnt werden. O.g. private Pflegebegutachterin ist jeden Cent wert.

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          • Re: Unruhe, Schreien, Anhänglichkeit - Bewilligung Pflegestufe


            Was Nane1 schreibt, kann tatsächlich auch passieren, wobei sich in der letzten Zeit auch unter den Gutachtern die tatsächliche Lage der pflegenden Angehörigen von Demenzkranken herumgesprochen hat.

            Hilfe für den Anfang oder für den ersten Besuch findet man auch bei den üblichen Anlaufstellen für pflegende Angehörige. Die sind kostenlos. Wenn man Glück hat, gelangt man dort an einen erfahrenen Berater.

            Ich versuche es immer zunächst im Alleingang, beim Widerspruch kann man ja Verstärkung hinzuziehen. Auf jeden Fall sollte man vor dem Abschicken der Schreiben jemanden mit Erfahrung draufschauen lassen.

            Ich hatte damals beim Widerspruch einen seitenlangen Kommentar zu allen Punkten abgegeben und alles minutiös aufgedröselt. Das hatte die Gutacherin erfasst und jeden Punkt angesprochen und hinterfragt.

            Jetzt bei meinem Antrag auf Höherstufung habe ich das Bewilligungsgutachten erfasst und schreibe zu jedem dort aufgelistenen Punkt und Kommentar wiederum meinen Kommentar mit den ainzwischen aufgetretenen Verschlechterungen. Das waren zuerst fast 10 Din A4-Seiten, die ich jetzt kürze auf zirka 4 Seiten, denn die wollen meine Befindlichkeiten nicht hören, sondern nur Fakten lesen. Dank Handy mit Video, ist es auch nicht verkehrt, Situationen aufzuzeichnen, um bei Bedarf die Schwierigkeiten belegen zu können. Ich frage meine Mutter aber dann, ob ich das zeigen darf. Freunde, Bekannte, Pflegedienste, die die Schwierigkeiten bezeugen können, sind vielleicht auch denkbar.

            Man sollte auch Anbindung an eine Selbsthilfegruppe haben, dort gibt es Tipps und Unterstützung.

            Wenn man das Geld vorab investieren kann, kann man sich durch die Hilfe eines Pflegebegutachters natürlich viel Arbeit und Nerven ersparen. Vielleicht kann Nane mal die Qualifikation aufschreiben, die ein solcher Berater aufweisen muss. Wo, wie findet man die?

            Übrigens zur Frage, wie erkläre ich meiner Mutter, was da jetzt passiert:
            Ich habe es ihr schmackhaft gemacht, indem ich nicht gesagt habe, Du bist jetzt so pflegebedürftig, dass ich ich eine Pflegestufe beantragen muss. Sondern ich habe gesagt, dass man ja hier in Deutschland den großen Vorteil hat, dass alte Menschen, die soviel für die Gesellschaft getan haben, im Alter auch Gelder bekommen, damit das Leben für sie etwas leichter wird und sie sich die eine oder andere Hilfe leisten können. Den MDK-Besuch habe ich ihr gar nicht groß vorher erklärt. Dass sie da so oder so die Fassade aufbaut ist ja klar und das mache ich dem MDK vorher auch schon ganz deutlich.

            Ja, das ist traurig, aber leider gibt es eben immer noch keinen gerechten Beurteilungskatalog zum Begriff der Pflegebedürftigkeit. Die haben das in der Schublade, wollen es aber nicht anwenden, weil es zu teuer würde.

            Allen viel Kraft für den Kampf.
            LG, Eva Franziska

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