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Verleugnen von Demenz

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  • Verleugnen von Demenz

    Hallo,

    Ich mache mir Sorgen um meinen Vater. Seine Vergesslichkeit nimmt immer größere Ausmaße an. Aufgefallen ist uns dies schon vor ca 3 Jahren, aber da haben wir uns noch eingeredet, dass es für sein Alter im normalen Bereich liegen würde. Mittlerweile gibt es sehr eindeutige Situationen, die sich stark häufen und auf Demenz hinweisen. Auch Freunden ist es aufgefallen. Meine Mutter leidet am meisten darunter, weil Sie vergeblich versucht mit ihm darüber zu reden.

    Ich würde gerne mit meinem Vater in eine Demenz-Klinik fahren um zu sehen wie stark die Demenz fortgeschritten ist und um einen Ernährungsplan zu gestalten und evtl. Medikamente verschreiben zu lassen.

    Das Problem ist, dass mein Vater leugnet dass er vergesslich ist. Er wird aggressiv wenn man ihn darauf anspricht.

    Man muss dazu sagen, dass er für seine 78 Jahre sonst sehr fit ist. Er ist fast täglich in der Stadt unterwegs, macht Besorgungen, hat kleine Hobbys (Fotos und Fotoalben), interessiert sich für Politik, geht gerne auf Ausflüge. Ich bin mir ganz sicher, dass er nicht depressiv ist. Er ist ein sehr warmherziger, fröhlicher, witziger, hilfsbereiter und aktiver Mensch.

    Aber er weigert sich mit mir in eine Demenz-Klinik zu fahren. Er sagt, dass ihn sein Hausarzt getestet hat (Mit diesem Test bei dem man sich Begriffe merken muss). Wir haben auch mit seinem Hausarzt gesprochen, aber der kann keine Demenz feststellen.
    Ich denke, dass dieser Test einfach nicht aussagekräftig genug ist.

    Heute hat er sogar unsere fast blinde Nachbarin in der Stadt verloren, weil Sie nicht an dem "angeblich" vereinbarten Treffpunkt gewartet hat. (Das Problem war, dass der Treffpunkt ein anderer war, er es aber vergessen hat).

    Er erzählt manchmal die gleiche Geschichte nach 20 Minuten wieder... oder er verdreht Tatsachen, weil er es nicht mehr richtig in Erinnerung hat. Er verliert häufig Dinge und bildet sich dann ein, dass Sie im gestohlen wurden und denkt, dass ein Nachbar in seiner Werkstatt einbricht und heimlich Sachen mitgehen lässt. Er sammelt nun auch die Nummern der Geldscheine die er abhebt... (falls er beklaut wird). Misstrauisch war er zwar schon immer, aber so langsam bekomme ich große Angst wo das hinführt.

    Ich möchte ihn unbedingt davon überzeugen mit mir in die Demenz-Klinik zu fahren. Aber er bleibt stur.

    Wie kann ich ihn überzeugen? Hat jemand mit so etwas Erfahrung und kann mir ein paar Tipps geben?

    Ich bin wirklich sehr dankbar für jeden Tipp!

    Herzliche Grüsse,
    Carlotta

  • Re: Verleugnen von Demenz


    Hallo Carlotta,
    Ihre Schilderung erinnert mich an meinen eigenen Vater, der in sehr ähnlichem Alter mit Ausfallerscheinungen zu kämpfen hatte. 2010 habe ich ihn nach 5jähriger Alzheimer Erkrankung verloren.

    Die Verleugnung der Krankheit ist nichts Ungewöhnliches und sehr verbreitet. Die, die sich bereitwillig untersuchen lassen wollen, sind meistens n i c h t erkrankt...

    Wenn wir uns einmal in die Situation des Betroffenen versetzen, ist es allerdings auch verständlich, dass Angst und Ohnmacht so gewaltig sind, dass man lieber den Kopf in den Sand steckt. Noch kann uns die Medizin keine heilende Behandlung anbieten und wenn die Diagnose erst einmal festgeschrieben ist, ist die Verzweiflung groß.

    Was soll ich Ihnen also raten...
    Bei meinem Vater musste die Erkrankung erst so weit fortschreiten, bis er verloren ging und eine offizielle Suchaktion nach ihm gestartet werden musste. Dann erst brachte ich ihn dazu, mit mir und einer Nachbarin in eine Klinik zu fahren, die ihn dann gleich 3 Wochen da behielt.

    Die verordneten Medikamente verbesserten seinen Zustand noch einmal für ein gutes Jahr, hatten aber auch Nebenwirkungen, wie Halluzinationen, starke Gewichtsabnahme etc.

    Ich verstehe, dass Sie Gewissheit haben wollen, aber im Mittelpunkt steht Ihr Vater. So lange er noch entscheiden kann, sollten Sie ihm das zugestehen. Kraft und Mut wünscht .. Leona

    Kommentar


    • Re: Verleugnen von Demenz


      Liebe Leona,
      Liebe Carlotta,

      wie sehr finde ich mich in euren Beiträgen wieder ... seit einigen Jahren schon bemerke ich im Umgang mit meinem Vater, dass seine Persönlichkeit sich verändert, dass er vergesslicher wird und ich schrieb es bis vor 2 Tagen immer seinem noch gar nicht so hohen Alter zu.

      Vor 2 Tagen stand er nun morgens vor unserer Haustür ... er fragte mich, wer die fremde Frau mit den weißen Haaren bei ihm zu Hause ist. Ich versuchte ihm zu erklären, dass es seine Frau ist ... woraufhin er mich fragte, wer dann eigentlich ich sei ... wir sprachen drei Stunden lang und er ging dann wieder, wollte sich nicht heimbringen lassen, nicht begleiten lassen, weil ja eh alles in Ordnung mit ihm sei ...

      In einem langen Telefongespräch mit meiner Mutter (wir wohnen ca. in 80 km Entfernung) erfuhr ich nun, dass diese Vorfälle sich seit dem Sommer häuften, in letzter Zeit immer öfter und öfter ... Sie bat mich um Gottes Himmels Willen ja nicht den Besuch eines Neurologen anzusprechen, da mein Vater dann noch "schlimmer" würde, weil er Angst vor Entmündigung hat, Angst davor, dass "sie" ihm das Haus wegnehmen. Er weigert sich auch nur ins Auge zu fassen zu uns zu ziehen - wir haben einen zweiten Wohntrakt, ebenerdig mit eigenem Eingang, eine Wohnung mit fast 80m2 die gerade eben renoviert wurde, die genau für den Fall gedacht ist, dass meine Eltern zu uns ziehen, wenn sie sich nicht mehr alleine versorgen können.

      Und da stehe ich nun mit dem Wissen um Energie und Kraft, die meine Mutter benötigt und mit 72 nicht mehr hat, um ihren Mann zu versorgen, dem Wissen um die Krankheit meines Vaters und auch mit dem Wissen seiner eigenständigen Persönlichkeit. Auch mir/uns bleibt so nur das Warten ... darauf, dass er einmal einkaufen geht und nicht mehr heimfindet ... damit die "Maschinerie" anläuft.

      Was uns im Moment bleibt? Wir üben uns in Validation, ich besuche meine Eltern so oft es möglich ist. Wir legen eine Anamnese über den Fortschritt seiner Erkrankung an um dann gerüstet zu sein, wenn wir endlich mit ihm bei einem Arzt vorstellig werden dürfen ....

      Der ungebetene Gast an unserem Tisch hat nun einen Namen: Demenz.

      Sylvia

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      • Re: Verleugnen von Demenz


        Da der Verlauf einer Demenz meist schleichend von sich geht, können die ersten Anzeichen auch für „normale Vergesslichkeit“ gehalten werden. Mann muss sich jedenfalls an den Artzt wende. Und Aggression ist auch eines der Anzeichen von Demenz.

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