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Aus meinem Leben als Betreuerin. Heute: Gute Ratschläge

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  • Aus meinem Leben als Betreuerin. Heute: Gute Ratschläge

    Gute Ratschläge

    Gute Ratschläge
    schlagen mich,
    wirbeln mich durcheinander,
    schütteln und rütteln mich.

    Boing,
    wieder mal getroffen.
    Galante Seitenhiebe von Neunmalklugs,
    nachdem sie, durch ein Schlüsselloch schauend,
    meinen, mein Leben zu verstehen.

    Bin ich schuldig?
    Was habe ich falsch gemacht?
    Haben sie Recht?
    Was muss ich verbessern?
    Wie kann ich mich verständlich machen?
    Wie kann ich das Beste tun?

    Ich ertrinke
    unter den Steinen von Sisyphus ...

    Oh, wo ist das Problem?
    Mach doch mal -
    - du musst -
    - du kannst doch -
    - du musst auch an dich denken -
    - du solltest -
    - ein Pflegedienst macht alles -
    - du brauchst nicht -
    - waaaaas, das hast du vergessen? -
    - wieeeee, das hast du noch nicht geregelt? -
    - IIIIIICH helfe dir -
    - tu mal was für dich -
    - fahr mal ein paar Tage weg -
    - du musst an deine Rente denken -
    - du musst, du musst, das muss gehen.

    Übrigens,
    Neunmalklugs brauchen viel Zuwendung!

    Klar, dafür habe ich Zeit …
    Morgens. Mittags. Abends. Bei Wind und Wetter.

    Ich: "Muss dringend weitermachen" ….
    Neunmalklugs: "Ja, aber da ist doch noch,
    das wollte ich doch noch,
    das will ich noch gerade loswerden,
    du MUSST aber auch an dich denken!
    Du bist aber alt geworden - wie kannst Du nur!
    Ich sage dir mal, was du tun sollst!
    … Ach ja, und uns bitte nicht vergessen!"

    In meinem Kopf …
    … Kraut und Rüben
    … Kabel und Datensalat
    … Haus, Hof und Beruf
    … Amtsdeutsch und Amtszahlen
    … Antragsformular fürs Antragsformular
    … Vokabeltraining: Sachbearbeitersprache
    … Deutschland, deine säuerlichen Amtspersonen
    … Tausend Absagen
    … Jeder will seinen Termin

    Tratsch! Tratsch!
    Die stellt sich aber an …
    Die Mutter ist doch noch so gut dran …
    Die lässt die arme Mutter im Garten arbeiten …
    Die Mutter kann doch auch mal …
    Die übertreibt es aber …
    Die hat den ganzen Tag Zeit …
    Die hat es gut - kann von Zuhause aus arbeiten …
    Die hat ja einen Tick, alles wird überorganisiert …
    Die hat nicht …
    Die sollte aber …
    Die müsste aber mal bald …
    Die hat das einfach ignoriert …

    Die hat …
    hasste schon gehört …?

    PAFF.


    Mutter schläft selig.
    Zzzz

    GOTT SEI DANK

    … Und zuletzt hat sie mal Staub gesaugt …
    War DAS schön.
    Wie früher.


  • Re: Aus meinem Leben als Betreuerin. Heute: Gute Ratschläge


    SUPER !
    Auf den Punkt gebracht !
    Klasse. Unbedingt weitermachen, in allen Ihren Beiträgen spricht Erfahrung mit ganz viel Wissen und Liebe.
    Alles Gute.

    Kommentar


    • Re: Aus meinem Leben als Betreuerin. Heute: Gute Ratschläge


      Guten Abend Eva Franziska,

      du schreibst mir aus der Seele. Mein Mann ist der Betreuer seiner Mutter. Wir haben das "Vergnügen" alleine in der Familie sieben solcher Neunmalklugen Klugscheisser (entschuldigung mir ist danach). Jeder weiß alles besser und ist schlauer. Schwiegermutter lebt bei uns im Haus. Die Kinder kommen dann mal alle paar Wochen zu Besuch für ein paar Stunden. Liebe Eva, die Zeit würde ich auch auf einer Pobacke bei ihr absitzen. So schlaue Sprüche wie: sie hat doch immer Schuhe mit Absatz getragen. Wenn man aber über 80 Jahre alt ist und ganz schön wackelig auf den Beinen ist und dement ist sollte, so meinen wir, man auf Absätze verzichten. Mit solchen Kleinigkeiten schlägt man sich dann auch noch rum.

      Die Sache mit dem Staubsaugen finde ich super. Genieß die Zeit wo soetwas noch funktioniert. Ich wünsche dir viel Kraft weiterhin.

      Hilde

      Kommentar


      • Re: Aus meinem Leben als Betreuerin. Heute: Gute Ratschläge


        Dem ist nichts hinzuzufügen.

        Doch: "wie kannst du sie so lange bügeln lassen, in ihrem alter, bei dieser krankheit. ruht euch doch mal aus!" Ha, ha.

        Eine ihrer zufriedensten Stunden in den letzten Wochen zu Hause.

        Kommentar



        • Re: Aus meinem Leben als Betreuerin. Heute: Gute Ratschläge


          das ist mir sowas von aus der seele gesprochen! manchmal hat man eben das gefühl mit den ganzen problemen allein dazustehen. dann tut es gut zu wissen, dass es viele pflegende gibt, die dasselbe durchmachen. das gibt dann wieder ein wenig kraft für eine weile.

          DANKE !!!

          Kommentar


          • Re: Aus meinem Leben als Betreuerin. Heute: Gute Ratschläge


            Klasse, Eva Franziska!

            Als vor zehn Jahren bei meiner jetzt knapp 63-jährigen Mutter Alzheimer diagnostiziert wurde, habe ich meine Mutter die ersten paar Jahr auch selbst betreut und war natürlich auch von reichlich Klugscheißern - gerade aus der Familie, die sich einen feuchten Kehrricht um meine Mutter kümmern - umgeben.

            Mittlerweile ist meine Mutter im Heim, weil ich dem psychischen Druck dieser schrecklichen Krankheit nicht mehr Stand gehalten habe ... und der Rest der Familie ist dort, wo er hingehört: da wo der Pfeffer wächst.

            Ich persönlich finde das gut, weil der weitere Kontakt zu manchen Menschen die reinste Zeitverschwendung wäre ... für meine Mutter bin ich sehr froh, dass sie nicht mehr mitbekommen muss, wie Freunde und Familie das Weite gesucht haben, als ihr Zustand immer schlimmer wurde.

            Alles Gute für Sie,
            A.S.

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