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Grüße aus dem Schützengraben

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  • Grüße aus dem Schützengraben

    Hallo, liebe Forumsteilnehmer, ich grüße mal alle, mit denen ich im Laufe der Zeit so vertraut geworden bin.
    Leider ist das Handling hier immer noch so abschreckend, dass das Forum bei mir irgendwie in Vergessenheit geraten ist. Ich fürchte jedoch, dass es Onmeda im Grunde egal ist, ob es hier weiter geht.
    Bekomme auch keine Mail-Benachrichtigungen, vielleicht habe ich was falsch eingestellt.
    ​Habe aber jetzt noch mal reingelesen und versuche auch mal wieder zu antworten, wenn ich Zeit habe ...

    Ich kämpfe noch immer, mit polnischer Unterstützung. Das Leben spielt einem nur oft einen Streich und man verliert die Kräfte, die man mühsam eingearbeitet hat, weil in deren Familie z.B. Probleme sind und die nach Hause müssen.

    Wenn ich mit meiner Mutter alleine bin, ist diese sehr klammernd und ich komme schnell an meine Grenze. Das permanente Fragen, was sie machen muss und wo sie hin muss, saugt mich aus. Ich muss mal zählen (vielleicht hilft mir das, es besser zu ertragen) wie oft am Tag sie mir diese Fragen stellt, sicher mehr als 100x. Und sie fordert ständig meine Gegenwart.
    Es ist einfach nur unbeschreiblich. Alles Wissen um das Warum und auch alles Mitleid wird überdeckt von dem Wunsch, fliehen zu können.
    Dazu kommt die Last, die Verantwortung alleine zu tragen für einen inzwischen 90jährigen Körper, wo ja immer "Baustellen" drohen. Ich fühle mich da so hilflos und habe Sorge, was zu versäumen.

    Aber was soll`s, ich mache es ja freiwillig - oder - ich weiß es nicht mehr.
    Mein Kopf ist leer, deshalb fällt es mir schwer, zu beschreiben, was diese Krankheit für eine Kraft und Ausdauer hat. Wenn man dies nur in positive Bahnen lenken könnte. Wenn meine Mutter nur mal entspannt sein könnte. Während ich so schreibe, wünschte ich fast, sie würde mich auch vergessen. Ein böser Wunsch, denn so mancher würde sicher mit mir tauschen wollen, wenn er von seinem Angehörigen noch erkannt würde.

    Sorry, bin einfach nur müüüüüüde.
    Das wird aber bestimmt auch mal wieder besser, ist nur im Moment so, weil ich gerade wieder eine neue Hilfe suchen muss und eigentlich kann ich mit meiner Mutter nicht mehr einen Tag alleine sein - es ist nicht zu schaffen.

    Nur das noch auf die Schnelle: es ist doch erstaunlich, wie so eine Extremsituation einen formt - wo ich früher vor Angst und Unruhe nur so gezittert habe, steigt mein Blutdruck jetzt keinen Millimeter. Nicht, dass ich cool wäre, nein, wenn's brisant wird, spüre ich die Nerven, aber ich ich bin doch handlungsfähig.

    Na ja, etwas konfus, aber irgendwie hänge ich doch an allen hier und wollte mal ein Lebenszeichen von mir geben.
    Lieben Gruß, Eva Franziska, bis bald ...


  • Re: Grüße aus dem Schützengraben

    Liebe Eva Franziska,
    schön, mal wieder was von dir zu hören. Meine Güte, da habe ich es ja richtig gut - Mutter im Heim und dort gibt es immer mehr als genug Gründe, Dampf abzulassen. Auf der Heimfahrt drehe ich dann das Radio auf und gröle mit, danach ist es mir leichter.
    Kannst du dir nicht auch ein Ventil suchen? Es ist nicht gut, den Frust immer nur in sich hineinzufressen. Vielleicht eine Sportart - Squash z. B: wäre ideal: auf den verdammten Ball eindreschen, bis einem die Puste ausgeht ;-), und dann unter der Dusche den Frust wegspülen. Der krönende Abschluss: Eine Schale Wiener Creme (die gibt es bei uns im Squashcenter, hausgemacht von einer echten Wienerin, göttlich). Das hält zwar nicht lange vor, aber der Überdruck ist erst mal weg.
    Liebe Grüße, Louisanne

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    • Re: Grüße aus dem Schützengraben

      Liebe Eva Franziska,

      ja, so ist es leider. Man schafft es irgendwann nicht mehr. Was war mit Tagesstätte? Gibt es so etwas in der Nähe oder irgendwelche nachmittäglichen Betreuungen, so dass sie mal aus dem Haus kommt. Und sie klammert, weil sie nicht weiß, was mit ihr passiert und sie ihr einziger Anker sind. Wissen wir ja auch alles.

      Und die Frustration wächst, je mehr man merkt, dass man ja eigentlich nicht viel tun kann, außer da zu sein. Und alles ist so kräftezehrend. Diese Kräfte braucht man, um sicher und souverän und nicht gestreßt mit den alltäglichen Herausforderungen fertig zu werden und auch, um nicht sein eigenes Leben komplett zu verlieren. Das hätten unsere Eltern nie gewollt.

      Ich will hier keine Lanze brechen für einen Heimplatz, aber oft sehe ich auch, wie sehr viel aktiver manche Senioren dort sind und abgelenkt. Natürlich von Fall zu Fall verschieden. Und ich denke gleichzeitig, wenn ich meine Mutter nur nach Hause holen könnte…. aber, sie würde sich total langweilen und vereinsamen. Sicher möchte sie ihre Bezugsperson, und so lange sie ihre Tochter erkennt, ist das ja auch gut so.

      Aber meine Mutter reagiert inzwischen auf alle Reize im Heim, die bekannten Stimmen, die klappernden Essenwagen, die Pflegeroutinen sehr viel intensiver, als auf mich. Wenn eine ihrer dortigen "Bezugspersonen" sie anspricht, bin ich Luft für sie oder sie versucht, mir zu erzählen, wer das ist. Das ist beim ersten Mal nicht schön, aber für sie ist das natürlich viel besser und ich hab die Gewissheit, sie kann dort gut sein.

      Sie lächelt mich an und manchmal will sie auch nur kuscheln und läßt mich nicht weg, aber im Großen und Ganzen ist sie dort mehr zu Hause. Mit mir allein würden ihr Anregungen und Ablenkungen fehlen.

      Ich kann mich gut erinnern, wie es noch vor 3-4 Jahren war. Man ist in einer derartigen Ausnahmesituation, dass man es auch kaum jemanden erklären kann. Das muss man erleben, sonst versteht man das gar nicht. Und alle guten Tipps, von der polnischen Hilfe, über Beschäftigungen, Therapiehund, Physio….. funktionieren ja irgendwann nicht mehr oder nur 5 Minuten, meist nur 1.

      Lassen Sie es ein bisschen laufen. Strengen Sie sich nicht so furchtbar an. Ich kann mich auch gut erinnern, dass meine Mutter mal in einer bestimmten Situation meine Hände festhielt, mich anguckte und sagte "genug, genug". Ich wurde danach ganz ruhig, weil ich dachte, ach, sie versteht noch, was ich hier tue und ich muss mich nicht so anstrengen. Es ist gut so wie es ist.

      Und wie soll das enden ? Wir haben im Heim mehrere Leutchen über 100. Sie müssen einfach ein bisschen mehr abgeben, wenn das geht. Ich weiß, ist schwer. Mich haben auch alle für verrückt erklärt. Und wenn es nicht geht, okay, dann nicht, dann eben weiter so, aber etwas langsamer, etwas ruhiger.

      Und das merken Sie ja auch selbst schon, dass man etwas gelassener wird und sich verändert. Nach dem 4. Mal Notarzt oder sonstiger Katastrophen regt einen das längst nicht sehr so auf. Man kann es ja sowieso nicht ändern und je ruhiger man bleibt, desto besser.

      Das einzig wirklich Gute an diesen Erfahrungen finde ich ist die eigene Veränderung in der Wahrnehmung, den Empfindungen und den Prioritäten im Leben und diese ganz andere Nähe zueinander. Und die einmalige Chance, die eigenen Eltern kennenzulernen, so wie sie wirklich sind, nur als Menschen, nicht als funktionierende Mitglieder einer Gesellschaft.

      Weiterhin viel Geduld. LG -Marge

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      • Re: Grüße aus dem Schützengraben

        Liebe Eva Franziska,

        Ich denke immer wieder einmal an Sie, weil Sie in einer ähnlichen Situation sind wie ich. Wie geht es Ihnen und Ihrer Mutter jetzt, klappt es mit den polnischen Betreuerinnen?

        Liebe Grüße sadsoul

        Kommentar



        • Re: Grüße aus dem Schützengraben

          Huch, hier ist ja was los. Habe nur mal zufällig reingeschaut … leider keine Zeit … In der Bedienung des Dingens hier hat sich ja immer noch nichts verbessert, Ich kann nicht mal die Schriftgrößen richtig einstellen, aber egal ...
          Ach, wie schön von jemandem zu hören. Bekomme keine Mails über Nachrichten, muss vielleicht mal in den Einstellungen was ändern.

          Also, ich erinnere mich nicht mehr genau, wie der damalige Stand war.
          Versuche mal zusammen zu fassen:

          Ich lebe noch, aber wer ich eigentlich bin, verschwimmt immer mehr.
          Mutter ist körperlich fit, kann noch 100 werden ...


          Ich zähle schon nicht mehr, aber ich glaube, es kommt demnächst die 11. Hilfe.
          Eine hat sich bewährt. Für dazwischen gibt es jedesmal eine nervenzermürbende Sucherei. Die Vermittlungsagenturen sind unzuverlässig und es wird immer schwieriger, jemanden zu finden, der Demenzpatienten betreuen will und mit einer Angehörigen im Haus, das will dann kaum noch jemand (Angst vor Kontrolle).
          Zuletzt habe ich eine mühevoll eingearbeitet und dann hat die sich wieder verkrümelt, vielleicht weil die Wartezeit bis zum nächsten Wechsel zu lang war und die was anderes gefunden hat.
          Es ist auch schwer für die Hilfen, weil meine Mutter die ja im Grunde alle ablehnt.

          So mancher alte Mensch würde sich ein Bein ausreissen, wenn er so umsorgt würde wie meine Mutter. Wir machen sehr viel, damit es schön und abwechslungsreich ist und gehen auf alles ein. Aber sie kann es nicht genießen, denn sie lebt ja ausschließlich im Augenblick, das heisst 10 Sekunden sind schon lang, wenn sie sich da was merken kann.

          Jetzt beginnt wieder die Phase der Sucherei. Alleine mit meiner Mutter geht es nicht einen Tag mehr, weil ich es nicht mehr ertragen kann, sie ruft mich permanent und die Demenz ist soweit vorangeschritten, dass das auch in keiner Weise mehr zu stoppen ist.
          Wenn ich nicht da bin, ist die Frage nach mir der einzige Inhalt.

          Also noch mal zu den Hilfen:
          Ohne ginge es nicht, aber deren Einarbeitung ist genau so anstrengend, wie die Betreuung der Mutter. Es ist ja auch die erste demenzkranke Mutter, die ich betreue und ich muss selber noch lernen. Es ist eben ein Fass ohne Boden. Hat man was gelernt, kommt das Nächste.

          Es gibt nicht nur Schlechtes, aber ich bin eben am Ende. Doch es gibt keine Alternative. Heim ist keine Option, solange meine Mutter mich noch erkennt.

          Na ja, soweit mal in Kürze, muss ins Bett … leider nicht ins eigene, habe unten Dienst, aber die jetzige Hilfe schläft auch manchmal dort.

          Viele liebe Grüße an alle Tapferen hier …
          Eva Franziska


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          • Re: Grüße aus dem Schützengraben

            Hallo liebe Eva Franziska!

            Schön, wieder einmal von Ihnen zu hören. Was Sie dann berichten können, ist weniger bis gar nicht schön, und ich erkenne mich in einigen Dingen wieder. Auch ich surre ständig wie ein Helikopter um meine Mutter herum, die körperlich auch noch ziemlich fit ist, aber ständige Beaufsichtigung braucht. Morgens kann ich sie vielleicht noch für ein Stündchen zum Einkaufen allein lassen. Wird ihr die Zeit zu lang, verlässt sie die Wohnung und beginnt mich zu suchen, ruft teilweise laut nach mir.

            Da wir räumlich nicht weit auseinander wohnen, bleibe ich entweder bei ihr oder ich nehme sie zu mir. Das klappt so bis zum frühen Abend, bis sie wieder zu ihren Eltern möchte, die nicht wollen, dass sie abends so lange wegbleibt (!). Das dauert dann oft eine bis zwei Stunden mit einigem Hin- und Hergelaufe und heftigem Schimpfen, weil sie nicht weiß, welchen Weg sie nehmen muss (zum Glück!), bis sie sich endlich beruhigt und durch den Inhalt ihrer Handtasche abgelenkt hat, mit dem sie sich stundenlang beschäftigen kann.

            Ich könnte Romane schreiben… Bin auch allein und werde nur durch einen Betreuungsdienst entlastet. Dieser (angeblich ehrenamtliche) Dienst hat die Preise jedoch derart angehoben, dass ich nur noch 10 statt 15 Stunden im Monat von der Pflegeversicherung erstattet bekomme. Das Betreuungsgeld wurde natürlich nicht erhöht.

            Heim ist auch für mich keine Option, so ich noch einigermaßen klar komme. Meinen Beruf (Frührente) habe ich jetzt aufgegeben. Wenn auch die finanziellen Abstriche deutlich sind, so habe ich jetzt wenigstens nicht mehr den Stress mit Nachbarn, die mich anrufen, weil meine Mutter sich wieder selbstständig gemacht und die Wohnungstür hinter sich zugeschlagen hat o.ä.. An eine polnische Helferin habe ich noch nicht gedacht, weil ich auch die Probleme sehe, die Sie, Eva Franziska, eindringlich beschrieben haben.

            Ja, so ein Schicksal ist nicht leicht zu tragen und auch ich muss mich ständig wieder neu einstellen, dazulernen und meine eigenen Bedürfnisse sehr weit zurückstellen. Und ja, es gibt auch schöne Momente, was vielleicht ein wenig Trost bringt, aber eigentlich sind sie zu wenig.

            Liebe Grüße, viel Kraft und vielleicht bis bald!

            Lisa

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            • Re: Grüße aus dem Schützengraben

              Hallo liebe Eva Franziska und Lisa,
              wie Sie wissen, war auch ich davon betroffen.
              Vielleicht kann ich Ihnen nochmals berichten, was ich getan oder was mir geholfen hatte.
              Eine Frage noch vorweg. Wie sieht es denn mit Tagespflege aus, sprich, ein Heim, wo die Mütter - wenigstens ab und zu - tagsüber aufgehoben sind, damit Sie beide mal zur Ruhe kommen.
              Lisa, Sie beschreiben, daß Ihre Mutter ihre Handtasche stundenlang aus- und einräumt. Auch meine Mutter hat dies getan. Geben Sie ihr einfach noch einige Dinge dazu mit der Bemerkung, daß sie sie wahrscheinlich noch beim Weggehen benötigt. Somit haben Sie noch etwas Zeit gewonnen, weil dann das Sortieren länger dauert und ihre Mutter - sehr wahrscheinlich - ruhiger wird.
              Ich weiß nicht, ob Sie beide mal an Johanniskraut- oder Melissentee - für beide Teile - gedacht haben. Kakao ist auch gut für Glückshormone oder vielleicht wissen Sie noch etwas anderes, was beide sehr gerne trinken und etwas beruhigt. Ich kenne Sie alle vier nicht und ich werde auch immer nur Hinweise geben und nicht sagen, dies und das müssen Sie tun.
              Meine Mutter konnte ich stundenlang mit Wäschezusammenlegen beschäftigen. Dies tat sie mit totaler Ruhe und ganz intensiv. So habe ich alle Strümpfe auseinander- und durcheinander getan. Dann hat meine Mutter stundenlang sie wieder zusammengelegt. In der Zeit kann man dann etwas anderes erledigen oder einfach mal mit Tee/Kaffee o. a. hinsetzen und zuschauen. Beruhigt vielleicht auch. Meine Mutter schälte auch noch gerne Kartoffeln und Gemüse. Auch an- und ausziehen war in dieser Zeit eine Leidenschaft von meiner Mutter. Ich habe sie einfach gewähren lassen, dadurch gab es keine Aufregung, sprich Streit usw. Zwar hatte sie dann die Jogginghose über den Kopf gezogen, aber darüber haben wir dann herzhaft gelacht. Auch habe ich gelernt, daß es nicht immer in so einem Haushalt aussehen muß, daß alles an seinem Platz liegt oder steht. Auch Staub darf einfach mal zu sehen sein. Diesen Stress kann man dieser Haltung dann verlieren, im Gegenteil, bei mir wurde es zur Trotzhaltung und diese stärkt eher, als daß sie einen "herunterzieht".
              Manchmal gibt es über die Gemeinde ehrenamtliche Helfer, die auch mal auf Ihre Mütter aufpassen und sich mit ihnen beschäftigen. Manchmal ist es ganz umsonst, manchmal ist es nur ein kleiner - nicht so hoch wie beim Pflegedienst - Obulus, den man zu entrichten hat.
              Auch wenn meine Mutter nun fast auf den Tag - es war der 28. - 1 1/2 Jahre nun schon tot ist, setze ich mich für die Alzheimer-Hilfe ein. Zumal eine Schwester meiner Mutter nun auch Alzheimer hat. Eine andere liegt nach zwei Schlaganfällen in zwei Tagen im Koma und Maschinen. Sie ist 77, war im Mai mit jüngster Tochter und Enkelin noch bei mir zu Besuch und war dann genau zwei Monate in Rente. Und die älteste (88) hat schwer Parkinson und alle rufen nach mir; "Ach, wärst Du doch nur hier!" Zum Hinweis, ich bin Amerikanerin und die Tanten leben alle in USA und ich habe die Asperger Krankheit und fliege deshalb auch nicht.
              Ich schreibe auch ein Buch über diese "Pflegezeit" mit allen Höhen und Tiefen. Allerdings nicht mit dem in meinen Augen entwürdigenden Titel "Mutter, wann stirbst Du endlich". Obwohl meine Mutter nie eine für mich war, gibt mir dieser Titel jedesmal einen Stich ins Herz.
              Je nachdem kann Ihnen sogar eine ehrenamtliche Hospizhilfe zeitweise Ihnen ein wenig Zeit verschaffen, in dem sie sich mit Ihren Müttern beschäftigen.
              Die Polin, die meine Nachbarin jahrelang versorgt hatte, war eine gute. Leider weiß ich nicht, ob sie noch pflegt - ich werde einfach mal versuchen, sie anzurufen - oder durch welche Agentur sie damals hergekommen ist.
              Morgen würde meine Mutter 83 Jahre alt und dadurch kam alles wieder nach vorne in meinem Hirn und so schaute ich mal wieder hier vorbei.
              Ein Jahr lang war ich eine Ersatzoma und seit fast einem Jahr betreue ich eine 95 jährige, die nicht so einfach davon zu überzeugen ist, daß sie nicht mehr alles alleine machen kann. Sie bekam einen Herzschrittmacher und mußte nach einem Schenkelhalsbruch auch noch an der Hüfte operiert werden. War dadurch über ein dreiviertel Jahr nicht zu Hause. Sie läuft heute wieder, zwar mit Rollator, aber sie läuft.
              Morgen bewerbe ich mich bei einer AWO als Alltagshilfe. Vielleicht können Sie auch über solch eine Institution ähnliche Hilfe erlangen.
              Ich wünsche Ihnen beiden alles Gute und hoffe, daß Sie wieder neuen Mut finden, um weiter für eine Sache zu kämpfen, um die es sich lohnt zu kämpfen.
              Durch meine Mutter, die nie eine für mich war, habe ich trotz allem zum Schluß ihres Lebens - die 4 1/2 Jahre, das andere war sie mehr als agressiv - eine Menge zurückbekommen. Sie wußte eine Woche vorher, daß sie "geht" und auch wußte sie, daß ich es bin und es war, die sie begleitet hatte, denn sie sagte "Danke" zu mir, so wie sie es noch ausdrücken konnte, incl.Händedruck. Es hatte sich in dieser Zeit irgendein Band gebildet, welches uns beide etwas von dem anderen gab.
              Dies gebe ich Ihnen noch als kleinen Mutaufheller mit, da ich denke, auch Sie beide bekommen zum Schluß noch einiges zurück, was einen dann sehr froh und auch ein wenig glücklich und auch ruhig macht und einem sagt: "Du hast es, trotz manchen schwierigen Stunden, richtig gemacht."
              Mit lieben Grüßen an Sie beide
              beende ich nun den Beitrag
              Ihre EllenMaria

              Kommentar



              • Re: Grüße aus dem Schützengraben

                Liebe Ellen Maria,

                vielen Dank für ihre warmherzigen und hilfreichen Zeilen! Ich schaue auch immer mal wieder hier ins Forum, aber leider hat sich in den letzten Wochen und Monaten wenig getan. Ich war auch wenig aktiv, weil einfach zu wenig Zeit war – neben Beruf und Mutti. Seit Sommer bin ich nun wegen eigener gesundheitlicher Probleme im Vorruhestand und ich muss sagen, das war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte, denn mit dieser Doppelbelastung wäre es so nicht mehr weitergegangen.

                Wie ist der Stand der Dinge? Erste „Merkwürdigkeiten“ zeigten sich bei meiner Mutter ja bereits 2008, als sie mich kurzfristig nicht erkannte oder plötzlich verwundert um sich schaute und meinte: „Das ist ja meine Wohnung!“ 2009 im Urlaub hatte sie Halluzinationen und behauptete, ihren lange verstorbenen Bruder neben sich auf einer Parkbank sitzen gesehen zu haben.

                Nun sind wir wieder fünf Jahre weiter und ich kümmere mich immer noch im Wesentlichen allein um sie. Entlastung erhalte ich ein- bis zweimal für drei Stunden in der Woche durch einen „ehrenamtlichen“ Betreuungsdienst der Caritas, der aber die Preise vor wenigen Monaten drastisch erhöht hat (von 13,50 € auf 19,50 €).

                Für gewöhnlich schläft Mutti lange, so dass ich morgens schon mal einkaufen gehen kann. Nachmittags kann ich sie nur kurze Zeit allein lassen, sonst geht sie „auf Wanderschaft“, ruft laut nach mir oder klingelt bei den Nachbarn, deshalb versuche ich das zu vermeiden oder lasse sie mit großen Zetteln zurück. Die Unruhe beim Einkaufen aber bleibt. Normalerweise rufe ich sie dann an, aber seit einiger Zeit hört sie sehr schlecht (ich vermute nur verstopfte Ohren, damit hatte sie schon öfter zu tun), so dass ich das Telefonieren vergessen kann. Also am besten, ich bleibe immer zu Hause oder habe eine Betreuung. Letzteres würde ich gerne etwas ausweiten und werde das vielleicht mal mit einer Tagespflege versuchen.

                Meine Mutter ist mit fast 93 körperlich immer noch recht beweglich, auch wenn sie mehr und mehr Halt an den Wänden oder an mir sucht, aber sie findet den Weg zur Toilette meist noch allein (manchmal fragt sie danach). Morgens macht sie eine Katzenwäsche allein und will sich auch nicht helfen lassen, ans Zähneputzen allerdings muss ich sie meist erinnern. Immer wieder bedarf es besonderer Überredungskunst, um sie dazu zu bewegen.

                Manche Dinge erweisen sich als besonders schwierig: Sie ist z.B. überhaupt nicht dazu zu bewegen, zum Arzt zu gehen (Ohren ausspülen wäre dringend nötig!), obwohl das von ihren Fähigkeiten her leicht machbar wäre. Früher war sie eine leidenschaftliche Arztgängerin, ich kann mir nicht erklären, warum sie das ständig ablehnt. Unser Arzt war schon einmal zum Blutdruckmessen da, für ein Blutbild und anderes aber müsste sie in die Praxis kommen.

                Ebenso lehnt sie es ab, zum Friseur zu gehen, behauptet immer, dass sie das „zu Hause“ tue, also nie. Keine Überredungskunst wirkt. Manchmal versuche ich ihre Haare mit einer Spange hochzustecken, was wenigstens ordentlich aussieht, aber in den nächsten Minuten hat sie die Spange wieder herausgezogen. Auch wenn sie in den Spiegel guckt, hat sie überhaupt keinen Blick für ihr vernachlässigten Haare, dreht höchstens den Spieß um und sagt: „Wie siehst du denn aus!“. Ihre langen Fingernägel sind mittlerweile fast alle abgebrochen, auch da lässt sie mich nicht helfen. Ich werde jetzt eine Pflegerin von der Diakonie bestellen, vielleicht kommt sie besser an sie heran?

                Das mit den Tees ist bestimmt eine gute Sache, die werde ich einmal ausprobieren. Kakao liebt sie auch und den mache ich häufig. Ich habe jetzt mal Neurexan versucht, das ich selbst nehme, und meine auch leichte positive Tendenzen zu erkennen. Aber das muss man gewiss über eine längere Zeit einnehmen.

                Im Moment sitzt Mutti vor einer Aufzeichnung des André-Rieu-Jubiläumskonzerts, so dass ich etwas Zeit für andere Dinge habe. Trotzdem steht sie öfter auf und sieht nach mir in einem anderen Zimmer oder sie ruft nach mir, wenn ein besonders schönes Stück gespielt wird. Es gibt nur wenige Tätigkeiten, bei denen sie mir helfen kann, dazu gehört Geschirr abtrocknen, wozu sie sich auch öfter anbietet. Wenn die Betreuerinnen da sind, spielen sie mit ihr Mensch ärgere dich nicht oder Domino. Auch spielt sie noch gerne Klavier, allerdings nur zwei Stücke, die immer wiederholt werden. Aus dem Internet habe ich einige Mandalas ausgedruckt, die sie gerne mit Buntstiften ausmalt.
                Auf den Vorschlag mit zusätzlichen Gegenständen für ihre Handtasche bin ich noch gar nicht gekommen und werde mir mal überlegen, was ich da noch hineinstecken könnte.

                Mit dem An- und Ausziehen ist das so eine Sache. Am liebsten trägt sie wochenlang dieselben Teile und ich muss mir allerhand Tricks überlegen, um diese auszutauschen. Im Moment kaufe ich immer ähnliche Stücke, damit sie nicht in Panik gerät (gebe ich ihr z.B. einen Pulli, den sie schon längere Zeit nicht angehabt hat, protestiert sie so lange und macht ein solches Geschrei: „Das ist nicht mein Pulli, gib mir meinen Pulli her!“, bis ich nach einiger Zeit mit Beschwichtigungs- und Beruhigungsversuchen aufgebe und ihr ihr altes Teil wiedergeben muss, um am nächsten Tag einen neuen Versuch zu starten).

                Sie hat fast keine zeitliche und räumliche Orientierung mehr, lebt in der Vergangenheit in ihrem Heimatdorf und findet manchmal ihre eigene Küche nicht, fragt nach der Toilette. Wenn ich sie in meine Wohnung hole, die sie schon viele hunderte Male besucht hat, fragt sie mich, ob dies meine Wohnung sei.

                Diese Alltagsschwierigkeiten sind schon recht belastend, auch die Tatsache, dass sie immer von ihren Geschwistern, die alle schon tot sind, abgeholt werden will, sobald des dunkel wird (das kann auch nachmittags sein, wenn der Himmel voller Wolken hängt). Oft spricht sie von nichts anderem und ich versuche dann – so gut es geht – zu validieren, aber manchmal fehlt mir auch die Geduld dazu und dann kommt es zu unangenehmen Streitigkeiten, so dass ich mir schließlich selbst Vorwürfe mache, dass ich auf sie – die ja nun einmal krank ist – nicht besser eingehe, ich müsste es doch besser wissen. Allerdings gibt es auch schöne und friedliche Momente und wir können herrlich miteinander Herumalbern. Sie will vor allen Dingen nicht allein sein und darauf muss ich mich einstellen.

                Liebe Ellen Maria, haben Sie herzlichen Dank dafür, dass sie an uns gedacht und uns aufgemuntert haben! Das tut so gut und man weiß, dass man nicht allein ist. Ich lerne gerne aus ihren Erfahrungen, die so hilfreich sind, das kann man nicht genug betonen!

                Liebe Grüße

                Lisa

                Kommentar


                • Re: Grüße aus dem Schützengraben

                  Liebe Eva Franziska..
                  leider habe ich die vorherigen Beiträge nicht gelesen und bin nur "zufällig" auf diesen Beitrag gestoßen...
                  Ich bin immer wieder geschockt darüber, was "Angehörige" so alles auf sich nehmen, um ihre "Leutchen" zu Hause zu Pflegen..
                  Selber habe ich meinen Vater 6 Jahre in Pflegestufe 3 ( Härtefall) mit meiner ( Stief.- )Mutter und 2 Geschwistern zu hause gepflegt...
                  Zudem Arbeite ich in einem Pflegeheim...
                  Ich kann dazu nur sagen:
                  Nie wieder würde ich mich "aufgeben" oder so über meine Grenzen gehen, wie damals...Bei der Pflege meines Vaters.. mein Sohn war gerade 1 Jahr, ich war Alleinerziehend und bin Arbeiten gegangen....
                  Dazu die Überforderung meiner (Stief.-) Mutter die immer wieder sagte: " Ich kann nicht mehr, ich fahre am besten mit dem Auto gegen einen Baum, DANN ist Ruhe...."
                  Es sind Jahre vergangen, mein Vater Starb....
                  Ich werde es jedoch niemals vergessen, wie alle unter der Situation des ständigen " wir sind ja alle zur Stelle, es geht schon..." , litten!!
                  Nebenbei sehe ich aber auch, wie fertig die Angehörigen sind, wenn sie Mutter, Vater zu uns bringen, mit allerletzter Kraft...
                  Sie sind fertig.. aber NICHT weil sie die Menschen zu uns bringen, sondern, weil sie in ein "Loch" fallen, NACHDEM sie merken, wie sehr sie sich doch verausgabt haben , durch all´die Strapazen, die sie sich selbst auferlegt hatten...
                  Wenn ich sie dann einige Wochen später beobachte, kann man förmlich SEHEN, dass es Ihnen besser geht...
                  Der Druck ist weg!!
                  Denn wenn man sich Hilfe sucht bei der Auswahl des Heims, merkt, dass es den Angehörigen doch gut geht, weil sich Schwestern , Pfleger um sie kümmern, sie Unterhaltung finden, Ansprache, Beschäftigung, dann fällt es leichter " Los-zulassen" , vertrauen in andere zu haben, anstatt die Last alleine tragen zu müssen....... Eine Hilfe zu hause ist schön, aber dennoch zu wenig!!
                  Ich liebe meine "Alten", und sie bringen mir ; jeder auf seine eigene Art; Vertrauen entgegen,..
                  Es bilden sich sogar Freundschaften, so habe ich einige als "Oma-Opa- Ersatz" einfach "Adoptiert"...
                  Naja, oder sie mich....
                  Ein schlechtes Gewissen sollte man nicht haben, wenn man selber an seine Grenzen geht...und als Ausweg nur ein "Heim" in frage kommt..
                  MEINE Persönliche Devise?
                  Wer seine eigenen Bedürfnisse bei der Pflege aufgibt und sich Überfordert, der macht was verkehrt...
                  DAS soll bitte NICHT als Vorwurf gesehen werden, sondern als "Denkanstoß".........
                  Ich würde mich über ein "Feedback" echt freuen....
                  Wie wär´s ?
                  Lg,
                  Nesty


                  Kommentar


                  • Re: Grüße aus dem Schützengraben

                    Hallo Nesty,

                    habe Ihren Beitrag mit Interesse gelesen und klinke mich mal in eine mögliche Diskussion ein.

                    Ich bin auch der Meinung, wenn man sich für die Pflege aufgibt, keinen Freiraum mehr hat und vielleicht sogar gesundheitliche Probleme bekommen hat, muss man nach einer Heimlösung schauen. Es sind ja nicht alle Heime schlecht und man hat immer noch die Möglichkeit, sich einzubringen und die Situation des Pflegebedürftigen zu verbessern, wenn er in einem Heim lebt.

                    Mir selbst geht es so, dass ich das mit meiner Mutter noch schaffe, sie im Großen und Ganzen noch recht pflegeleicht ist, wenn ich auch manchmal an meine Grenzen komme. Aber das ist abhängig von unserer beider Tagesform und nach Tagen, die unbefriedigend und stressig verlaufen, gibt es wieder die Tage, an denen es keine Probleme gibt.

                    Ich wachse auch an meiner Aufgabe, bin nicht mehr so pingelig wie früher und lasse fünf auch mal gerade sein. Anders geht es nicht und es geht. Im Moment fühle ich mich noch so wohl, wie es ist, und Mutti – obwohl sie nicht mehr so ganz genau weiß, wo sie ist – scheint sich auch meistens wohlzufühlen. Ich nutze die Hilfe, die ich bekommen kann, und werde diese auch noch mehr in Anspruch nehmen.

                    Als der Herr vom MD kam, um Muttis Pflegestufe festzulegen, war u.a. sein Rat, ich solle mich auch um mich selbst kümmern. Ich habe mir fest vorgenommen, das zu beherzigen und frühzeitig den „Absprung“ zu suchen, wenn ich meine, es geht über meine Kräfte. Mit dieser Option im Hintergrund lässt sich der Alltag ganz gut gestalten, ich weiß, ich kann immer noch „die Reißleine ziehen“.

                    Liebe Grüße

                    Lisa

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                    • Re: Grüße aus dem Schützengraben

                      Hallo Lisa,

                      ich ziehe meinen "Hut" vor jedem, der die Kraft aufbringt, seine Angehörigen zu hause zu Pflegen!!!
                      DAS ist NICHT Selbstverständlich!!!
                      Gerade bei Dementen Angehörigen ist das gar nicht so einfach, da sich das "Krankheitsbild" mit der Zeit "verstärkt" und verändert, also verschlechtert!!
                      Es gibt verschiedene ja mehrere "Stufen" der Demenz..
                      Vielleicht hast du das auch schon bei deiner Mutter erlebt..?
                      Erst war es nur ein " Wo hab´ich denn den Schlüssel nur gelassen...."
                      Dann: " Ich kam gar nicht mehr in meine Wohnung, der Schlüssel passte nicht..." ( Ist klar, war ja auch nicht die Richtige Wohnung, die liegt ja eine Etage höher...),
                      Also nur als beispiel....
                      Ich beobachte das im Alltäglichen Leben mit den Bewohnern des Heims, indem ich Arbeite...
                      Im Verlauf der Krankheit werden viele Unausstehlich oder sogar "Über griffig" den Schwestern oder Pflegern gegenüber....
                      Man sagt, das "Nervige Angewohnheiten", die in Jüngeren Jahren schon da waren, sich im laufe der Krankheit sehr verstärken..
                      Also kleine Nörgler werden zu echten "Meckertanten", die Schimpfwörter benutzen, die einen Rot werden lassen....
                      Oder noch schlimmer: Früher :Super Penibler Mensch ( Putz-Teufelchen ) fängt im laufe der Krankheit an mit Fäkalien zu "Spielen"..
                      Ja, auch das gibts...
                      Demenz hat viele "Gesichter".... Und kein Mensch ist gleich.......
                      Ich selber habe genauso "dazu gelernt"...
                      Auch ich habe besseres zu tun, als den ganzen tag zu Putzen...wem´s nicht gefällt, der nimmt entweder selber den Staubsauger und legt los, Akzeptiert meine Wohnung, oder geht wieder.... Aus die Maus....
                      Klar, man wächst mit seiner Aufgabe, Dinge bringen einen nicht mehr so schnell aus dem "Konzept", man wird gelassener in manchen Dingen..
                      Und man lernt ,mehrere Aufgaben gleichzeitig zu erledigen, ohne groß darüber nachzudenken... klappt...
                      Mutig ist es,sich einzugestehen, dass man Hilfe braucht, denn daran "Scheitert" es häufig.... leider..
                      Menschen neigen dazu alles alleine Bewältigen zu wollen.. ( Ich kann das, ist doch MEINE Mutter, ich bin es ihr doch "Schuldig" )
                      NEIN, ist man NICHT!!
                      Es ist ein Himmelweiter Unterschied, ob man ein Baby von 3,5 kg Wickeln muss , oder einen Menschen der 80 Kg wiegt und sich nach Leibeskräften dagegen wehrt!!
                      Ein Baby entwickelt sich weiter zu einem Kleinkind, wird Selbstständiger, braucht weniger Hilfe mit den Jahren...
                      Tja, bei Dementen ist es umgekehrt... und leichter wird es ganz und gar nicht....
                      Deswegen finde ich es so wichtig, Menschen , die in einer Privaten "Pflege-Situation" sind, zu erklären, dass sie nicht alleine sind, es Hilfe gibt, die sie annehmen sollten...
                      Es gibt die "Verhinderungs-Pflege", oder "Kurzzeit-Pflege", die es Pflegenden Angehörigen ermöglicht, einen "Urlaub"( 4 Wochen/ Jahr ) von der Häuslichen Pflege zu nehmen..Also Stationäre Aufnahme in ein Heim für die Zeit des "Urlaubs"..
                      DAS bezahlt die Kasse, sofern eine Pflegestufe vorhanden ist...
                      Das gibt dem Angehörigen wieder Neue Kraft, die er dringend braucht, um seine "Aufgabe" zu meistern....
                      Du kannst wirklich sehr Stolz auf deine Leistung!!
                      Leider wird diese nicht genug Gewürdigt... was mich ungemein Ärgert!!
                      Es scheint "Selbstverständlich " zu sein, Angehörige zu Pflegen, aber gleichzeitig seiner Arbeit nachzugehen und den Alltag zu schaffen....
                      Das man da irgendwann keine Kraft mehr hat, ist klar....
                      Leider Arbeitet der MDK ( Medizinischer Dienst der Krankenkassen ) mehr als eng mit den Kassen zusammen, und es gilt "unnötige " Kosten zu verhindern,also eine Einstufung so lange wie möglich zu verhindern oder hinauszuzögern....
                      Eine Frechheit!!!
                      Also, ich wünsche dir noch möglichst viel Kraft, Gesundheit und den Mut um die Pflege deiner Mutter zu bewältigen....
                      Und wie du schon sagtest, du kannst jederzeit die "Notbremse" ziehen und einen anderen weg einschlagen, wenn dir alles über Kopf zu wachsen droht....
                      Oder nimm eine Tageseinrichtung in Anspruch, in der deine Mutter Stundenweise betreut wird, so hast du die Möglichkeit mal was für dich zu tun.. oder was auch immer...
                      Also...
                      Pass gut auf dich auf, teile deine Kräfte gut ein und denke auch an dich....
                      Deine Mutter kann Stolz sein, so eine tolle Tochter zu haben!!!

                      Liebe Grüße,
                      Nesty

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                      • Re: Grüße aus dem Schützengraben

                        Liebe Nesty,

                        war ganz lustig, habe Ihren Beitrag vom 2.11. gelesen und wollte sofort antworten, fand aber keine Zeit. Dann gingen die Wochen ins Land und ich lesen den Beitrag jetzt noch einmal.
                        GENAU das, was Sie beschreiben, kann ich jetzt erst richtig verstehen.

                        Ihr Satz "Nie wieder würde ich mich "aufgeben" oder so über meine Grenzen gehen, wie damals…" entspricht ganz meinen derzeitigen Gedanken.
                        Ich würde es nicht noch einmal machen.
                        Ich bereue es nicht, auch wenn es für mich nicht ohne Folgen geblieben ist. Und einmal so über seine Grenze gegangen zu sein, ist eine sehr wertvolle Lebenserfahrung.

                        Wie Sie oben lesen können, suche ich ein Heim für meine Mutter.

                        Ich hoffe, dass alles noch ein ruhiges Ende nimmt und ich ein Heim finde, in dem meine Mutter ein würdiges Leben führen kann, auch wenn ich weiß, dass es den körperlichen "Abstieg" für sie bedeutet. Sie wird ruhig gestellt werden müssen, sie wird wieder inkontinent werden … aber ich glaube, sie wird mich nicht so sehr vermissen, weil ich es schon lange nicht mehr bin, den sie meint, wenn sie meinen Namen ruft. Ich bin nur noch eine Nabelschnur zu einem letzten Rest von Vertrautheit, den sie in dieser Welt empfindet. Ansonsten ist diese Welt für sie ein Kleidungsstück in dem sie sich schon lange nicht mehr wohl fühlt.

                        Ich sehne mich danach, ihr in Ruhe begegnen zu können, egal, ob als Tochter oder als fremde Person …
                        Darauf HOFFE ich.

                        Danke für Ihren sehr einfühlsamen und sehr klugen Beitrag.
                        Die Heimbewohner in Ihrem Heim können sich glücklich schätzen und ich wünsche Ihnen weiterhin ein großes Herz.

                        Viele liebe und verbundene Grüße, Eva Franziska

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                        • Re: Grüße aus dem Schützengraben

                          Hallo Nesty,

                          vielen Dank für den langen Brief, die Ermunterung, die Warnungen und das Lob! Durch Foren wie dieses halte ich mich auf dem Laufenden und versuche aus den Erfahrungen anderer zu lernen. Immer wieder stoße ich auf den Rat, sich nicht zu verausgaben. Und ich behalte das im Hinterkopf. Der Alltag ist zwar oft schwierig, nervig und erschöpfend, aber im Moment nur punktuell, so dass ich die äußerste Schmerzgrenze noch nicht erlebt habe. Mir ist auch klar, dass es keine Besserung geben wird und ich den "Absprung in ein Heim" nicht verpassen darf. Mir geht es am besten, wenn ich nach Verstand und Bauch gleichermaßen handle. Im Moment sagt mein Verstand: Ich sollte mich schon mal nach einem Heim umsehen, mein Bauch sagt: Ich kann die Zeit mit meiner Mutter zu Hause noch genießen, es gibt noch genug ruhige Phasen und schöne Momente, trotz der Schwierigkeiten.

                          Liebe Grüße!

                          sadsoul

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                          • Re: Grüße aus dem Schützengraben

                            Liebe Eva Franziska,

                            ich war sehr erfreut, wieder einmal von Ihnen zu lesen. Ihre Zeilen allerdings machen mich traurig, weil Sie Ihre Mutter nun doch in ein Heim geben müssen. Wie bedauerlich, dass es mit den polnischen Hilfskräften nicht geklappt hat! Ich hatte das auch noch im Sinn, wenn es (fast allein) mit meiner Mutter zu anstrengend werden würde. Aber Ihr Beitrag bringt mich doch wieder auf den Boden der Realität. Im Moment denke ich noch daran, Mutti ein- bis zweimal pro Woche zu einer Tagespflege zu bringen, damit ich etwas mehr „Luft“ bekomme, einen Nachmittag kommt schon immer eine Betreuerin. Ich habe allerdings überhaupt keine Ahnung, ob das klappt, denn Mutti wehrt sich bei allen kleinen alltäglichen Verrichtungen wie umziehen und Haare richten.

                            Leider habe ich überhaupt kein Wissen zu Pflegeheimen. Ich glaube, man muss sich selbst einen Eindruck verschaffen (im Internet kann man Checklisten finden, worauf man achten soll) und sich bei Bekannten und Freunden „durchfragen“, welche Vorzüge oder Nachteile die umliegenden Seniorenheime aufweisen. Ratings im Internet sind unbrauchbar (wie auch kürzlich in der Zeitung zu lesen), weil sie nicht von unabhängigen Behörden durchgeführt wurden, also darauf würde ich mich keinesfalls verlassen.

                            Vielleicht käme auch eine Dementen-WG in Frage, weil die Atmosphäre hier etwas familiärer ist? Aber in einem großen Haus gibt es wiederum mehr Möglichkeiten, für Abwechslung und Bewegung zu sorgen.

                            Liebe Grüße!
                            sadsoul

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                            • Re: Grüße aus dem Schützengraben

                              Hallo, liebe Sadsoul,

                              der Vollmond scheint bald vorbei zu sein und Frau Mutter ist ein wenig ruhiger … hoffentlich … so habe ich etwas Zeit zum Schreiben.


                              Ja, ich wollte kämpfen und hatte noch bis vor Kurzem gedacht, ich würde meine Mutter lebendig begraben, wenn sie in ein Heim umziehen muss. Aber in mir hat sich etwas verändert und ich bin nun reif, wenigstens zu DENKEN, dass der richtige Zeitpunkt gekommen ist.

                              Es gibt auch jetzt immer wieder Momente, wenn wir friedlich zusammen sitzen und das gemütliche Zuhause betrachten … wo ich insgeheim denke, es geht vielleicht doch noch zu Hause … oder … warum all die Mühe, wenn es dann so endet … es muss doch möglich sein, einen Menschen zu "retten" … gibt es denn nicht Schlimmeres … und sie tut mir dann so leid … zwei Minuten später, wo ich bereits wieder im 3 Sekundentakt immer die selbe Frage beantwortet habe und meine Stimme nur noch schweigen möchte und ich am liebsten umziehen möchte in eine geschlossene Anstalt und spätestens 5 Stunden später, wo ich immer noch beim Beantworten im 3 Sekundentakt bin, weiß ich: es ist soweit.

                              Oder? …

                              Das Loslassen gehört vielleicht zur Fürsorge dazu, denn Demenzkranke sind oft sehr sensibel und spüren alles. Vielleicht gibt es für meine Mutter noch eine gute Zeit, mit einer Tochter, die frei ist von der Last der alleinigen Verantwortung und vielleicht leidet meine Mutter auf ihre Weise ebenso wie ich, weil sie nicht loslassen kann oder meint, sie müsse für das "Kind" sorgen.

                              Sie sind wohl auf dem Weg, so wie ich es war/bin. Man wächst hinein und lernt nach und nach mehr zu übernehmen. Ich glaube, man kann das auch nicht stoppen, man muss seinen Weg gehen auch wenn man sich bis über die Grenze aufopfert. Es ist kein schlechter Weg. Er macht den Körper und die Psyche vielleicht zeitweise kaputt, aber die Seele gewinnt langfristig. Wer will bemessen, ob es richtig oder falsch ist? Ich finde das nicht wichtig. Wichtig ist, dass man eins ist mit dem was man tut.

                              Ich weiß nicht, ob es richtiger gewesen wäre, wenn ich sie früher einem Heim anvertraut hätte. Wo wäre ich heute? Hätte ich wirklich mehr vom Leben gehabt als jetzt? Ich wäre vielleicht sehr locker mit meinem Leben und meiner Zeit umgegangen. Wäre ich besser dran als heute? Ich bezweifle es.

                              Ich sage, MIT dem heutigem Wissen würde ich es anders machen, wenn ich noch einmal in eine solche Situation kommen sollte. Aber OHNE das heutige Wissen, würde ich es wieder so machen. Und ich bereue es nicht.

                              Ein Satz von einem MDK-Besuch ganz am Anfang ist mir die ganze Zeit präsent geblieben: ich habe ihn leider nicht genügend befolgt.
                              Sie sagte: "Probieren sie es einfach" … und meinte damit Tagespflege, Kurzzeitpflege, externe Hilfen.
                              Da habe ich am Anfang zuviel Rücksicht auf meine Mutter genommen und daher würde ich Ihnen raten: Solange Sie von der Demenz noch nicht so verschlungen wurden wie ich, probieren Sie die Tagespflege aus, bauen Sie ein Netzwerk von Hilfen auf, die häufiger kommen, auch WENN Sie es eigentlich noch ALLEINE schaffen.

                              Die polnischen Hilfen würde ich nicht ganz ausschließen, nur sollte man verlangen, dass man die vorher kennenlernt, also ein paar mal wenigstens telefoniert und dass die Referenzen haben, wo man anrufen kann usw..
                              Allerdings wollen die alle auch keine Demenzpatienten mehr betreuen, das wird immer schwieriger - klar, die sind ja nicht doof. Deshalb sagen die Vermittler denen auch nicht alles, die wollen nur ihre Provision kassieren. Dann kommen die Frauen, sprechen schlecht Deutsch und wissen überhaupt nicht, worauf die sich einlassen - andererseits, wenn sie es wissen, kommen sie nicht. So schränkt sich der Personenkreis sehr ein.

                              Haushaltlich sind die teilweise nicht schlecht, sind ja auch gestandene Frauen, die eine Familie großgezogen haben. Doch die kommen mit der Ablehnung des Demenzpatienten schlecht klar, verstehen nicht, warum der manchmal komisch reagiert usw.
                              Wie ich hörte, will man auch davon weg, dass ungeschulte Kräfte auf Demenzpatienten losgelassen werden und Schulungen auf Polnisch anbieten. Auch gibt es Fachbücher auf Polnisch, da sollte man denen sowas mit an die Hand geben.

                              Also probieren Sie es doch ruhig mal mit der Tagespflege. Vielleicht zwei, drei Mal versuchen (ob mit oder ohne schöne Frisur). Vielleicht klappt es und wenn nicht, haben Sie eine wichtige Erfahrung gemacht oder es findet sich guter Kontakt, der Ihnen weiter hilft.
                              Ich wünsche Ihnen mehr Mut, als ich es hatte …
                              :-)

                              Liebe Grüße und bis bald einmal,
                              Eva Franziska

                              P.S.: bei mir gibt es bei den privaten Nachrichten keinen Reply-Button, vielleicht, weil ich Mac habe, deshalb hatte das Antworten da nicht geklappt.

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                              • Re: Grüße aus dem Schützengraben

                                Liebe Eva Franziska,

                                ja die Belastung tritt so in Wellenbewegungen auf. Manchmal geht es ein oder zwei Tage gut und man kann gemütlich Kaffee trinken und den Tag etwas gestalten. Dann bin ich immer der Meinung, das geht ja noch ganz gut und wie schön es doch ist, Mutti noch bei mir zu haben. An den schlechteren Tagen, wenn man u.a. ständig damit beschäftigt ist, sie vom Weggehen abzuhalten und sich immer wieder dieselben Fragen nach ihrer verstorbenen Familie anhören muss, als sei diese und ihre lange verstorbene Jugendfreundin das Wichtigste auf der Welt, dann frage ich mich, ob es nicht doch besser wäre, sie in eine entsprechende Einrichtung zu geben. Zumal sie ihre Wohnung, ihre materiellen „Schätze“ nicht mehr kennt, ich irgendwie zum vertrauten Inventar gehöre und ich unter der fehlenden Empathie leide, auch wenn ich weiß, dass da keine Absicht dahinter steckt. Aber dann versuche ich sie mir in einem Heim vorzustellen zusammen mit ähnlich Erkrankten und dann friert es mich .
                                Ich weiß, ich würde sie sehr oft besuchen und auch sehen, dass es ihr an nichts fehlt, aber die Situation würde mich im Moment seelisch noch mehr belasten.

                                Vielleicht kennen Sie das Buch von Arno Geiger, Der alte König in seinem Exil, in dem der Autor von seinem demenzkranken Vater schreibt und seiner Unterbringung in einem Heim am Schluss. Der Autor war zuletzt sehr zufrieden mit dieser Situation, weil das Heim am Ort war und das Pflegepersonal reizend. Aber das scheint ein Glücksfall gewesen zu sein und vermutlich stand auch genügend Geld zur Verfügung. Denke ich aber an all die überlasteten PflegerInnen, die das Bild in den meisten Einrichtungen prägen und im Grunde nur das Nötigste tun können, dann wird mir ganz anders.

                                Ich kann Ihre Notlage so gut nachvollziehen, man darf sich nicht selbst aufgeben bei der Pflege. Man darf seine eigene Gesundheit nicht gefährden und ein bisschen Lebensglück muss einem auch vergönnt sein. Ich bin im Moment noch in so einem Zwiespalt, während Sie wohl schon den Entschluss gefasst haben, wofür ich Ihnen ausdrücklich meinen Respekt ausdrücke. Ich bin noch nicht ganz so weit, versuche die Hilfen mit Betreuungsgeld, Verhinderungs- und Kurzzeitpflege auszuschöpfen, weiß aber, was ich tun muss, wenn es – wie bei Ihnen – wirklich nicht mehr geht.

                                Ich denke an Sie!

                                Liebe Grüße sadsoul

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                                • Re: Grüße aus dem Schützengraben

                                  Liebe Sadsoul,

                                  habe den Eindruck, Sie sind auch schon sehr verschlungen von der Krankheit. Wie geht es mit dem Sabbatjahr?

                                  Ich bin extrem weit gegangen und habe ALLES aufgegeben.
                                  Darf man das? Sie meinen, nein. Ich meine, doch, man darf. Es ging, weil ich es freiwillig gemacht habe. Doch wenn man dann keine Kraft mehr hat, stellt sich die Frage nicht, ob man weiter machen möchte: es geht einfach nicht mehr.
                                  Und weil sie mich immer häufiger nicht erkennt, wie Sie es so gut ausgedrückt haben: man ist das Inventar, fällt mir den Gedanke etwas leichter.

                                  Ich MUSS jetzt den anderen Weg gehen, ich will es nicht. Ich zwinge mich dazu und wenn die Momente kommen, dass ich denke, es geht doch, verbiete ich es mir, mit dem Gedanken zu spielen, es weiter zu versuchen … aaaaber, ich kann nicht garantieren, ob ich den Heimschritt wirklich unternehme und ob nicht doch ein kleiner Rest Kraft geblieben ist … nein nein…

                                  Bei der Heimsuche ist für mich deutlich geworden, es muss ein Heim sein mit geschütztem Bereich für ausschließlich Demenzkranke und spezialisiert. Geld spielt keine Rolle, da muss das Sozialamt zahlen, weil wir keine Reserven mehr haben, das hat also auch sein Gutes :-).

                                  Dieses schaue ich mir an: Caritas-Altenzentrum St. Josef in Köln Porz-Wahn. Leider zirka eine Stunde weit weg.
                                  Andere Konzepte haben mich bisher nicht überzeugt. Erst in fünf Jahren werden die Einrichtungen die Bedürfnisse der Demenzpatienten begriffen und besser umgesetzt haben. Im Grunde kommt die Demenz allen Alten irgendwie etwas zu Gute, denn nun scheitern die Massenunterbringungskonzepte und auch Nicht-Demenzkranke wollen aus den miefigen, tristen, Abstellkammern und langen Gängen raus.

                                  Na ja, ich werde berichten - "schlimmer geht immer" - aber wer weiß, vielleicht auch mal eine gute Zeit.

                                  LG, und berichten Sie mal, ob es mit der Kurzzeitpflege geklappt hat, oder es ginge ein gemeinsamer Urlaub, es gibt da Häuser, wo man nachher vielleicht …
                                  Eva Franziska

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