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Verzweifelt

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  • Verzweifelt

    Ich befinde mich gerade in einer fürchterlichen Situation und weiß noch nicht, was ich machen soll. - Als vor 10 Jahren mein Vater starb, kaufte meine Mutter sich eine Eigentumswohnung in der Wohnanlage, in der auch ich wohne, da sie auch schon auf die 80 zuging und wir beide uns nahe sein wollten. Das erwies sich auch als kluge Entscheidung, denn mittlerweile lässt meine Mutter das Gedächtnis im Stich und ihr Verhalten hat sich deutlich verändert. Der Hausarzt hat noch nichts unternommen, tippt aber auf eine beginnende Demenz. Bisher bin ich immer noch gut mit ihr allein zurechtgekommen. Vor 2 Jahren hat sie immer noch etwas für uns gekocht, aber nachdem sie zweimal die Kartoffeln hat anbrennen lassen (was total untypisch für sie ist), habe ich das Essenmachen übernommen bzw. ich bringe etwas aus der Stadt mit. Beruflich kann ich es so einrichten, dass ich meist spätestens um 14 Uhr zu Hause bin, so dass wir gemeinsam essen können. Die erste Verhaltensauffälligkeit begann vor ca. 1,5 Jahren, als sie mich kurzzeitig nicht erkannte, weil sie mich nach mir fragte (!). Ich klärte sie über ihren Irrtum auf und ihr war auch schnell klar, dass sie einen Fehler gemacht hatte. Als ich dann für drei Tage dienstlich unterwegs war, fragte sie mich bei jedem Anruf (mehrmals täglich) ganz entgeistert, wo ich denn sei. Auch das kam mir sehr merkwürdig vor. Kurz: Mittlerweile kommt meine Mutter nicht mehr ohne mich zurecht: Ich muss ihr die Tabletten (Herzerkrankung) hinlegen und auch per Telefon dafür sorgen, dass sie sie auch einnimmt. Sie schläft meist lange, betreibt die Körperpflege aber allein, dann setzt sie sich an den teilweise vorbereiteten Frühstückstisch und isst auch meist einen Happen. Entweder liest sie dann etwas Zeitung oder sie geht zurück ins Bett (in den letzten Wochen hatte sie sich eine Gürtelrose zugezogen), bis ich komme. Nach dem Essen sieht sie vielleicht etwas fern - wenn ich sie dazu ermuntere - oder sie nestelt in ihrer Tasche herum. Da ich sie immer nur stundenweise besuche, weiß ich nicht genau, womit sie sich beschäftigt. Wenn ich sie frage, sagt sie etwas, was ich nicht nachprüfen kann bzw. etwas, was sie sich offensichtlich ausdenkt. Sie sagt, sie habe die Wohnung sauber gemacht und Essen gekocht. Am Nachmittag geht sie auch wieder ein Stündchen ins Bett, am frühen Abend trinken wir bei ihr Kaffee, sehen etwas fern, dann hole ich sie in meine Wohnung und spiele ihr Musiksendungen auf DVD vor. Mir ist schon klar, dass ihr Leben nicht abwechslungsreich ist. Diese Tatsache hat wohl dazu geführt, dass sie jetzt ständig "nach Hause" will. Sie packt ein paar Sachen zusammen, nimmt ihre Jacke und Handtasche und erwartet, dass ihre Schwester sie abholt. (Ihre Eltern sind natürlich schon lange tot, sämtliche Geschwister mittlerweile auch!) Wenn ich sie auf ihren Irrtum aufmerksam mache, wird sie zornig und laut: Natürlich habe sie ein Zuhause, das sei doch gleich um die Ecke, und alle ihrer Geschwister leben noch. Durch keinerlei Einwand und Argumentation ist sie von diesen Gedanken abzubringen und wirkt dabei erschreckend normal, als sei ich eine "Schwachsinnige". Seit einigen Monaten schlafe ich auch bei ihr, weil sie allein Angst hat. (Ich sehe das natürlich auch als problematisch an, aber im Moment, da ich Single bin, macht es mir nicht viel aus und ich freue mich, wenn ich ihre Ängste nehmen kann.) Sie redet x-Mal täglich von "zu Hause", so als sei sie in ihrer Wohnung nur zu Besuch. Wenn ich ihr sage, dass das ihre Wohnung ist und ihre Möbel etc. reagiert sie ungläubig. Es ist wirklich hart für mich und ich habe Glück, wenn ich sie etwas ablenken kann. Wie gesagt: Bisher sind wir zurechtgekommen.
    Nun etwas, was mich völlig aus dem Gleichgewicht bringt: Bei einem Mammographie-Screening sind bei mir zwei kleine Knoten in der Brust festgestellt worden. Das Ergebnis der Biopsie erwarte ich am nächsten Freitag, aber wie sich jeder vorstellen kann, ist die Warterei die Hölle! Es ist sehr wahrscheinlich, dass ich zur Operation ins Krankenhaus muss, aber was geschieht dann mit meiner Mama? Ich habe ihr schon alles erzählt, sie hat mich sogar getröstet. Als ich ihr allerdings sagte, dass ich mir überlegen müsste, wer sich für einige Tage um sie kümmern könnte, sagte sie prompt, dass sie "nach Hause" wolle, sie habe ja eine Mutter (!). Den Gedanken, sie in eine Kurzzeitpflege zu geben, kann ich mir völlig abschminken. Sie würde da nie freiwillig mitgehen, sie ist ja von sich überzeugt, dass sie gesund ist. Verwandte habe ich auch nicht in der Nähe, die sich kümmern könnten. Fremde würde meine Mutter, die unglaublich willensstark ist, nicht zulassen. Die Situation ist völlig verfahren und ich weiß einfach keinen Ausweg, weil sie auch nachts so schlecht allein sein kann. Ich habe an die Diakonie gedacht, die vielleicht 2x am Tag kommen könnte, um ihr ihre Tabletten zu geben und etwas zu essen zu bringen. Ich denke mir, dass ich sie vom Krankenhaus aus auch telefonisch "bei Laune halten" könnte, wenn ich eine etwaige Operation überstanden hätte. Solche häufigen Telefonanrufe beruhigen sie immer. Aber ich weiß nicht, ob das Ganze so funktioniert und was, wenn sie sich wirklich auf den Weg "zu ihren Eltern" begeben würde (möglichst noch mit ihrem ganzen Schmuck behängt, wie sie das jetzt häufig tut), was sie bisher noch nie gemacht hat?

  • Re: Verzweifelt


    Liebe sadsoul!

    Wenn Sie nun möglichst schnell Hilfskräfte bekommen wollen, wäre es wohl sinnvoll, zeitgleich möglichst viele Hilferufe zu starten.

    Recherchen im Internet sind da zu zeitaufwändig, besser Kontakt zu Beratungsstellen und Hilfsangeboten aufnehmen.

    Wenn es geht, wäre es gut, wenn Sie Urlaub nehmen könnten, um so intensiv wie möglich den Plan zu entwicklen. Z.B.:
    • Kontakt mit dem Hausarzt, der Krankenkasse, Pflegedienst, Betreuungsdienste aufnehmen. Gibt es bereits eine Pflegestufe (in ihrem Fall wäre es ja wohl mindestens Stufe 1)
    • Gibt es eine Selbsthilfegruppe in der Nähe?
    • bei den zentralen Stellen erkundigen nach Betreuungspersonen mit Erfahrung
    • Umhören in der Nachbarschaft, Aushänge in den Supermärkten der Umgebung machen (bei uns ist es z.B. so, dass viele ältere Menschen betreut werden von solchen Kräften, man sieht sie oft zusammen und ich habe auf diese Weise einige kennengelernt, die ich im Notfall fragen könnte)
    • Gibt es jemanden in der Verwandtschaft, der bereit wäre, eventuell ein paar Tage zu kommen. Gibt es jemanden im Freundeskreis, den Ihre Mutter bereits kennt und der vielleicht bei Ihnen wohnt und dann ab und zu bei Ihrer Mutter vorbeischaut.
    • Könnten Sie Ihre Mutter überreden "Urlaub" zu machen und gäbe es einen Verwandten, der Ihre Mutter ein paar Tage aufnehmen würde?

    Es ist unheimlich schwer, aber es wäre gut, wenn Sie versuchen, Ruhe zu bewahren, damit diese Ruhe sich auf Ihre Mutter überträgt.

    Ich hoffe für Sie, dass die Biopsie ein gutes Ergebnis bringt. Dann sollten Sie trotzdem versuchen, für den Fall der Fälle, möglichst gut vorzusorgen.

    Falls mir noch etwas einfällt, werde ich mich wieder melden. Vielleicht können Sie die äußeren Umstände ja noch etwas besser beschreiben (evt. auch die Wohngegend nennen - dann kennt vielleicht jemand dort eine Betreuungsmöglichkeit), damit man hier im Forum Ihnen Ideen geben kann, die Ihnen weiterhelfen, eigene Ideen zu entwicklen.

    Alles Gute,
    Eva Franziska



    .................................................. .................................................. .................................................. .................................................. ..................................... Mein Steckbrief (Stand Januar 2010): Mutter, 86, betreut von mir (Tochter), 52, selbstständig. Keine weiteren Verwandten; Wohnen im selben Haus; Schweregrad: Anfang mittleres Stadium; Verstärkte Auffälligkeiten seit zirka 2006 nach Narkose wegen Arm-OP. Therapie nach Diagnose seit August 2009: Citalopram 20mg, Aricept 5mg, 1-2x/Woche Krankengymnastik wegen Gang-Ataxie; 1x/Woche tiergestützte Ergotherapie mit Hirnleistungstraining; 1x/Woche 2Std. Betreuung (über Betreuungsgeld) durch eine befreundete Ergotherapeutin mit Austausch über verschiedene Lebensthemen. Ich versuche hauptsächlich mit Hilfe integrativer Validation (Nicole Richard) die Grundstimmung zu stabilisieren.

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    • Re: Verzweifelt


      Mittlerweile sind ein paar Wochen verstrichen, so dass ich berichten kann, wie es weitergegangen ist mit mir und meiner Mutter. Ich habe sie für die Zeit meines Krankenhausaufenthalts in einem Heim in der Nähe (Kurzzeitpflege) untergebracht. Täglich habe ich sie mehrfach aus dem Krankenhaus angerufen, musste ihr aber jedes Mal erklären, wo ich war und was ich dort machte. Wie mir die Pflegerinnen berichteten, war sie pflegeleicht, auch wenn sie ständig nach Hause wollte, ohne ihren Wunsch in die Tat umzusetzen. Insgesamt war ich erleichtert. - Nach meinem Krankenhausaufenthalt habe ich sie gleich wieder nach Hause geholt, aber mir wird immer mehr bewusst, wieviel Hilfe und Anregung sie braucht, aber auch wie schwierig sie in mancher Hinsicht geworden ist. - Ein Problem ist z.B. das Duschen. Möchte ich sie dazu bewegen, sagt sie, dass sie "zu Hause" duschen werde oder schon geduscht habe. Argumentation von meiner Seite zwecklos - sie reagiert nicht auf Argumente! Viele Male am Tag spricht sie davon, dass sie "nach Hause" wolle, obwohl ich bedingt durch meine Krankheit viel Zeit mit ihr verbringe. Wenn ich sie erst schonend, dann etwas deutlicher darauf hinweise, dass sie seit ihrer Flucht 1945 kein Elternhaus mehr hat, wird sie ärgerlich und aufsässig: Natürlich hat sie noch Eltern und auch ihre Geschwister leben noch! (Dabei lebt niemand mehr von ihnen, meine Mutter ist die Jüngste mit 88!). Bis vor ca. zwei Jahren hat sie immer noch ihren Haushalt geführt und ihre Freude an ihrer Wohnung gehabt. Schleichend habe ich - auch dass es mir gar nicht so bewusst war - immer mehr Tätigkeiten übernommen. So bereite ich alle Mahlzeiten zu und kann eigentlich auf keine Hilfe von ihr zählen. Ich muss ihr sagen, wo das Geschirr steht. Wenn sie nach ihrer Hautcreme sucht, kommt sie nicht darauf, im Bad nachzuschauen. Auf Sauberkeit in der Wohnung achtet sie nicht mehr. Wenn ich sie nicht darauf hinweise, wechselt sie auch nicht ihre Unterwäsche etc. etc.. Ich kann sie auch nicht dazu bewegen, zur Fußpflege zu gehen, obwohl da dringend etwas gemacht werden müsste. Mal stimmt sie zu, dann macht sie alles wieder durch Ausflüchte zunichte. Insgesamt benimmt sich meine Mutter so, als sei sie zu Besuch in ihrer eigenen Wohnung. Abends will sie "nach Hause" oder sagt, dass sie nicht gedacht hätte, dass sie hier noch einmal übernachten würde. Dabei lebt sie seit 10 Jahren in dieser Wohnung! Offensichtlich ist ihr alles fremd. Ihrer Meinung nach gehen auch fremde Leute in ihrer Wohnung ein und aus - was natürlich absurd ist! Sie trägt ständig ihren gesamten Schmuck, aus Angst er könnte ihr gestohlen werden. Sie berichtet mir von einer fremden Frau, die vor ihrem Schlafzimmerschrank gestanden und dann die Wohnung verlassen haben soll. Dabei hat niemand aus ihr und mir einen Wohnungsschlüssel! Manchmal erkennt sie mich nicht, redet mich mit einem falschen Namen an. Sie verwechselt die Namen ihrer Brüder und ihres Ehemanns. Sie beschäftigt sich auch nicht mehr viel: Sie scheint noch etwas in der Zeitung oder einer Illustrierten zu lesen, aber sie spricht nicht darüber. Sie sieht auch nur mit mir fern, scheint dem, was dort gezeigt wird, auch nicht mehr folgen zu können, auch wenn sie das nie zugeben würde! Überhaupt: Sie gibt nicht die kleinste Schwäche zu, kaschiert jeden Fehler, auch wenn er noch so offensichtlich ist. Besonders verletzend ist, dass sie mich verhöhnt, mich regelrecht auslacht, wenn ich etwas richtigstelle. Sie hat in allem Recht, legt eine nie gekannte Überheblichkeit an den Tag. - Das zu den Alltagsproblemen. Nächste Woche beginnt meine Chemotherapie - über 24 Wochen, dann Bestrahlung - zwar ambulant, aber ich weiß noch überhaupt nicht, wie ich sie vertragen werde. Es wird sicher schwierig, weil ich meiner Mutter ständig aufs Neue erklären muss, was mit mir los ist. Ich muss Mahlzeiten organisieren, wenn ich nicht in der Lage bin zu kochen. Aber ich will versuchen, optimistisch zu sein.

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      • Re: Verzweifelt


        Liebe sadsoul,

        aus eigener Erfahrung kann ich Ihnen nur sagen, dass es immer besser ist, nicht zu korrigieren, außer bei lebensnotwendigen Dingen, wo es gar nicht anders geht.

        Ihre Mutter KANN es nicht verstehen, wie Sie denken, oder was man denken oder tun soll. Man macht sich nur damit kaputt, wenn man versucht, dem Demenzkranken etwas "beizubringen". Versuchen Sie, ihre Mutter innerlich so anzunehmen, wie sie zur Zeit ist. Das ist unglaublich schwer, aber je mehr man versteht, dass das eine Krankheit ist und der Mensch nicht anders kann, um so mehr lernt man, die Verhaltensweise nicht persönlich zu nehmen. Die Gefühlsebene ist meist noch gut ausgeprägt und dort kann man anknüpfen.

        Ich sage oft, wenn meine Mutter etwas nicht findet oder weiß: "ich glaube, ich hatte das dahin gelegt" oder "da muss ich auch mal überlegen, lass uns doch mal da und da schauen". Dann fühlt sie sich nicht so allein mit ihrer Unzulänglichkeit. Wenn sie etwas falsch wegräumt, sage ich nichts, sondern lege es dann bei Gelegenheit an den richtigen Platz.

        Wenn sie z.B. von der fremden Frau spricht, dann machen Sie Ihr Mut, dass Sie ja da sind und aufpassen. Wenn Sie Namen verwechselt, lassen sie es stehen oder deuten nur vorsichtig an, dass Sie einen anderen Namen in Erinnerung haben.

        Wäsche wechsle ich z.B. so, dass ich einfach "heimlich" alles austausche, was sie z.B. abends abgelegt hat. Die Strümpfe haben die gleiche Farbe und so merkt sie es nicht. Damit sie trotzdem nicht verlernt, zu wissen, dass man von Zeit zu Zeit frische Wäsche braucht, sage ich ihr bei Gelegenheit auch mal, dass ich waschen muss und noch Wäsche brauche, damit es sich lohnt.

        Wie wäre es, wenn Sie eine Fußpflegerin ins Haus bestellen, eventuell auch für Sie selbst, dann ist es Ihrer Mutter vielleicht nicht so unangenehm? Die haben auch Desinfektionsgeräte, wenn Ihr Mutter nicht breit ist, sich vorher die Füße zu waschen.

        Trinkt Ihre Mutter genug? Wichtig ist sicher, medizinisch abzuklären, was genau los ist. Gut ist ja schon einmal, dass der Aufenthalt in der Pflege eher positiv verlaufen ist. Vielleicht können Sie das wiederholen und sie dann dort häufiger besuchen.

        Soweit ein paar spontane Gedanken,
        wünsche Ihnen viel Kraft,
        LG, Eva Franziska




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        Mein Steckbrief (Stand Januar 2010): Mutter, 86, betreut von mir (Tochter), 52, selbstständig. Keine weiteren Verwandten; Wohnen im selben Haus; Schweregrad: Anfang mittleres Stadium; Verstärkte Auffälligkeiten seit zirka 2006 nach Narkose wegen Arm-OP. Therapie nach Diagnose seit August 2009: Citalopram 20mg, Aricept 5mg, 1-2x/Woche Krankengymnastik wegen Gang-Ataxie; 1x/Woche tiergestützte Ergotherapie mit Hirnleistungstraining; 1x/Woche 2Std. Betreuung (über Betreuungsgeld) durch eine befreundete Ergotherapeutin mit Austausch über verschiedene Lebensthemen. Ich versuche hauptsächlich mit Hilfe integrativer Validation (Nicole Richard) die Grundstimmung zu stabilisieren.
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        • Re: Verzweifelt


          Liebe sadsoul,
          alles, was Sie beschreiben, habe ich mit meinem Vater, der vor 7 Wochen verstarb, auch durchgemacht: das nach Hause wollen, obwohl wir in seiner Wohnung waren, die Verleumdung des Todes der Eltern, das Nicht-Erkennen und Verwechseln meiner Person, die Verwunderung, nun schon wieder in "dieser Wohnung" schlafen zu müssen, die Weigerung sich zu waschen mit dem Hinweis, dass er das doch schon getan habe oder "zu Hause" machen werde, die Persönlichkeitsveränderung (kein wirkliches Mitgefühl mit dem Leiden und der Krankheit anderer), die Verhöhnung, wenn ich versuchte etwas richtig zu stellen...die Erkrankung scheint unheimlich parallel zu verlaufen. Dies habe ich auch schon beim Austausch mit EgonMartin festgestellt.

          Wie Franziska schon schreibt, dürfen Sie sich das alles nicht so zu Herzen nehmen - es ist krankheitsbedingt und Ihre Mutter kann sich nicht anders verhalten. In Ihrem speziellen Fall scheint mir auch sehr wichtig, dass Sie unbedingt mehr auf sich selbst achten und sich in irgendeiner Weise Entlastung suchen. Ich weiß, dass dies schwer ist, aber es wäre so wichtig für Sie selbst, damit Sie sich mehr Ruhe und Schonung gönnen können.
          Es ist ja niemand geholfen, wenn Sie krank sind und nicht gesunden. Die Belastung, der Sie ausgesetzt sind, ist immens. Auf wen könnten Sie zurück greifen? Gibt es noch andere Geschwister oder Freunde der Familie? Ich habe seinerzeit z.B. Hilfe bei der Kirchengemeinde gefunden. Wenigstens 1x wöchentlich kam eine junge Frau, die ihr soziales Jahr machte, für 2 Stunden zu Vater und beschäftigte sich mit ihm. Das konnte gemeinsames Kaffeetrinken, Karten spielen, Sprichwörter ergänzen oder Spazierengehen sein. Wenigstens in dieser Zeit konnte ich etwas für mich tun. Diese Unterstützung war kostenlos, wenngleich ich mich der jungen Frau gegenüber gelegentlich erkenntlich zeigte, weil ich ihr einfach dankbar war.
          Später bekam ich Unterstützung von einem Besuchsdienst der Caritas/Netzwerk Demenz hier in der Region. Ehrenamtliche Helferinnen werden auf den Umgang mit Demenzkranken vorbereitet und kommen ebenfalls 1-2 Mal wöchentlich für 1-3 Stunden zu dem Kranken. Es kostete einen kleinen Unkostenbeitrag (ca. 5,- Euro die Stunde), den man aber bei der Pflegekasse einreichen konnte oder steuerlich verwerten konnte.
          Vielleicht gibt es etwas Vergleichbares auch bei Ihnen.
          Ich hoffe, Sie haben in Ihrer schwierigen Lage wenigstens ein wenig Unterstützung und Zuspruch von Freunden und Nachbarn.
          Meine Gedanken sind bei Ihnen und ich wünsche Ihnen alle Kraft dieser Welt und gute Besserung. Herzlichst Ihre Leona

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          • Re: Verzweifelt


            Liebe sadsoul,
            hier noch ein Nachtrag, nachdem ich mir diesen Thread nochmal von Anfang bis Ende durchgelesen habe:

            Offenbar ist Ihre Mutter bisher noch keinem Neurologen vorgestellt worden und erhält auch noch keine Antidementiva (Exelon, Reminyl oder Aricept). Diese Mittel - sogenannte Cholinesterasehemmer - könnten Ihrer Mutter ganz gewiss hilfreich sein. Mein Vater erhielt 5 Jahre lang Exelonpflaster, die er gut vertrug und die uns zumindest 2 wertvolle Jahre schenkten. Unter Exelon kamen verschiedene Alltagsfertigkeiten wieder zurück und die Krankheit verschlechterte sich nicht so schnell. Ich habe auch nach den ersten zwei Jahren ( die zweifellos, was die Wirkung des Medikaments angeht, die besten waren) dafür gekämpft, dass Vater die Pflaster weiter erhielt. Als sie dann vor einem halben Jahr entgültig abgesetzt wurden ging es drastisch bergab. Ich weiß nicht, ob es Ihnen in Ihrer derzeitigen Lage möglich ist, mit der Mutter eine Gedächtnisambulanz oder einen Neurologen aufzusuchen, aber eine klare Abklärung der Verhaltensauffälligkeiten und eine Diagnose wären natürlich die Voraussetzung für die Verordnung eines Antidementivums. Die Hausärzte verordnen die verhältnismäßig teuren Medikamente in der Regel nicht, aber vielleicht haben Sie Glück, es gibt Ausnahmen. Was erhält Ihre Mutter ansonsten an Medikamenten? Ich habe seinerzeit noch eine Menge mit Nahrungsergänzungsmitteln gemacht: Gingko Biloba, Vitamin E, Vitamin C hochdosiert (1000 mg), Lecithin hochdosiert, Folsäure, Galactose, Vit. B12 u.a. Wenn Sie Genaueres wissen möchten, schreiben Sie mich noch einmal an. Sinnvoll wäre aber auf jeden Fall die Verschreibung eines der oben genannten Antidementiva.

            Lieben Gruß
            Leona

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