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Arzt verschreibt kein Medikament

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  • Arzt verschreibt kein Medikament

    Hallo,

    ich lese schon seit geraumer Zeit die interessanten und meist sehr bewegenden Beiträge im Forum.
    Meine Mutter (90 Jahre) leidet wohl schon seit geraumer Zeit an Demenz. Da sie aber immer noch sehr mobil war, ist es meinem Bruder und seiner Familie erst einmal nicht so sehr aufgefallen. Meine Mutter wohnt im Hause meines Bruders. Sie hat dort eine eigene Wohnung im Nebenhaus, das auch von einigen Mietern bewohnt wird. Sie wird 1 x tgl. durch den Caritas-Pflegedienst betreut. Mein Bruder (66 Jahre und seit einigen Jahren in Rente) sowie meine Schwägerin (62 Jahre) kümmern sich um sie. Meine Schwägerin ist auch als "pflegende Person" eingetragen. Das ist auch so nach dem Tode meines Vaters vereinbart worden. Mein Bruder bekam damals das Haus überschrieben und meine Mutter hat lebenslanges Wohnrecht.
    Ich selbst habe regelmäßigen Kontakt zu meinem Bruder und der ganzen Familie.
    Das Verhältnis zu meiner Mutter gestaltet sich für alle etwas schwierig, da sie schon immer sehr eigensinnig und launisch war. Mein Vater, der schon mit 60 Jahren an einem Gehirntumor verstarb, bekam das leider auch oft zu spüren. Trotzdem versuchen wir alle mit ihr klarzukommen, was manchmal nicht so einfach war und auch noch ist. Mein Vater hat uns vor seinem Tod noch gebeten, dass wir uns um unsere Mutter kümmern sollen. Ich selbst bin ganztags berufstätig und komme abends auch immer recht spät nach Hause.
    Meine Wohnung ist ca. 30 km von meiner Familie entfernt; unsere Kontakte sind meist telefonisch. Meine Schwägerin hat in all den Jahren einiges von ihrer Schwiegermutter einstecken müssen, aber trotzdem tut sie wirklich alles für meine Mutter. Sie kümmert sich um ihre Wäsche, besorgt die nötigen Sachen und putzt die Wohnung. Essen bekommt meine Mutter täglich über eine naheliegende Gaststätte, da ihr das Essen meiner Schwägerin nicht schmeckt. Man kann sagen, seit dem Tode meines Vaters (sie war damals so alt wie ich jetzt - 60 Jahre) hat meine Mutter aufgehört, sich selbst und ihren Haushalt zu versorgen. War sie früher schon immer krank oder nervlich fertig, so wurde das jetzt noch schlimmer. Die meiste Last lag und liegt bei meinem Bruder bzw. seiner Ehefrau. Interessanterweise wurde es mit ihr dann wieder besser, als sie altersmäßig eigentlich mehr abbauen sollte. Ich denke, es lag daran, dass ihr da erst richtig bewusst wurde, dass sie auf die Hilfe ihrer Kinder angewiesen ist.
    Trotzdem tut mir speziell meine Schwägerin oftmals leid, da
    es doch ab und zu immer wieder Bösartigkeiten von Seiten meiner Mutter gibt. Inzwischen hat aber meine Schwägerin sich gegenüber meiner Mutter verändert und läßt sich nicht mehr alles von ihr gefallen. Ich selbst bin froh, dass ich nicht in dem Haus wohne, sonst hätte ich mit Sicherheit des öfteren Auseinandersetzungen mit ihr.
    Dies nur zur Info.

    Als sich die ersten Auffälligkeiten bei meiner Mutter zeigten, haben wir dies aufgrund ihrer wechselnden Stimmung nicht so ernst genommen. Aber nachdem ich hier einige Berichte gelesen habe, wurde mir mehr und mehr klar, dass vieles auf meine Mutter zutrifft. So z.B. beschuldigte sie schon vor mind. 5 Jahren eine Familie, die in dem Teil des Hauses wohnt, wo sie auch lebt, sie hätten ihr Kleidungsstücke gestohlen. Das Zimmer hatte sie damals selbst dieser Familie zwecks Unterbringen von zusätzlichen Gegenständen zur Verfügung gestellt. Die aus Bangladesch kommende Familien lebt schon viele Jahre friedlich in dem Haus und hat sich auch immer um meine Mutter gekümmert, z.B. Lebensmittel eingekauft, Medikamente besorgt etc. damit mein Bruder auch einmal Urlaub machen konnte. Ich habe dann natürlich auch mehrmals in der Woche nach meiner Mutter geschaut. Meine Mutter hatte sich um den Sohn der Familie gekümmert, als dieser noch klein war. Dadurch wurde sie insgesamt wieder zugänglicher. Sie hatte endlich wieder eine Aufgabe. Für den kleinen Jungen war sie wie eine Oma und er nannte sie auch so.
    Durch diesen Vorfall änderte sich dann alles: Der Junge kam verständlicherweise nicht mehr zu ihr. Meine Mutter versuchte damals sogar meinen Bruder unter Druck zu setzen, dass er der Familie die Wohnung kündigen solle, da sie nicht mit solchen "Verbrechern" unter einem Dach leben könne. Es gab damals sehr viel Ärger. Ich hatte auch versucht, auf meine Mutter einzuwirken.Leider ohne Erfolg. Sie wurde richtiggehend böse und einmal hat sie mir am Telefon den Hörer aufgeknallt. Für uns alle war ihr Verhalte nicht verständlich. Schließlich handelte sich doch nur um alte, längs abgetragene Kleidung meiner Mutter, die noch in einem Schrank sein sollte ???. Meine Mutter hatte diesen Schrank schon jahrelang nicht mehr aufgemacht, geschweige denn die alten Sachen angezogen, weil er sich im ehemaligen Schlafzimmer meiner Eltern im 1. Stock befand. Sie schläft schon lange im Erdgeschoss, da sie Probleme mit dem Treppensteigen hat. Aber irgendwann war sie wohl mal in diesem Zimmer (obwohl sie behauptete, sie könne kaum Treppen steigen !) und damit ging das Drama los.
    Mittlerweile sind viele Jahre vergangen, die Familie wohnt immer noch im Haus meines Bruders, der Junge ist schon mind. 15 Jahre alt. Vor ca. 2 Jahren hat meine Mutter dann wie aus heiterem Himmel das Kriegsbeil begraben und beide Parteien können sich endlich wieder begrüßen und miteinander reden. Zum 90-järigen Geburtstag meiner Mutter letztes Jahr war sie auch eingeladen. Trotzdem hat der Junge das nicht vergessen und hält sich meiner Mutter gegenüber sehr zurück, was eigentlich völlig verständlich ist.

    Dafür hat sie nun eine andere Mieterin, die auch schon sehr lange in dem Haus wohnt auf dem Kieker. Es handelt sich um eine alleinstehende Frau, die eigentlich sehr nett ist, aber leider ein Alkoholproblem hat. Dies störte meine Mutter auf einmal so sehr, dass sie die Frau beschimpfte und sich bei meinem Bruder beschwerte, sie würde ständig von ihr belästigt. Jahrelang hat sie das nicht interessiert ! Es geht dann noch weiter. Angeblich würde sie nachts betrunken im Flur (dort wohnt ja meine Mutter alleine; die anderen Mieter wohnen im 1. bzw. 2 Stock des Hauses) die Toilette aufsuchen und ihr das Toilettenpapier klauen. Die Toilette hat noch den Zugang durch den Flur, wie das früher in alten Häusern üblich war.
    Auch Küche und Wohnzimmer sind über den Flur begehbar. Wir haben ihr gesagt, sie soll die Toilette abschließen, dann könne niemand mehr hinein. Das lehnte sie ab mit der Begründung, dass sie dann nachts Probleme hätte, rechtzeitig zum „Stillen Örtchen“ zu kommen. Bis heute besteht sie darauf, dass die Mieterin ihr das Toilettenpapier wegnehmen würde. Mittlerweile kommen noch andere Sachen dazu, z.B. schleichen nachts fremde Gestalten um ihr Fenster herum. Manchmal erzählte sie mir auch, dass Kinder im Hof spielen würden und dabei so laut wären, dass sie nicht schlafen könne. Ich habe dann immer zu ihr gesagt, sie würde das bestimmt nur träumen. Aber sie beharrt darauf, dass das so wäre und wollte sogar schon die Polizei holen. Mein Bruder hat das dann noch verhindern können. Alles Geschichten, wie sie hier schon von vielen Angehörigen geschildert wurden.

    Sorry, für die lange Vorgeschichte, aber wenn man einmal am Schreiben ist, dann kommt wieder so vieles zum Vorschein.

    Mittlerweile denke ich, das das angebliche Stehlen der Kleidung schon der Anfang der Krankheit war, oder ?????..

    Inzwischen ist es so, dass meine Mutter keinen Arzt mehr möchte und auch die Infusionen, die sie früher immer bekam, will sie nicht mehr haben. Sie liest keine Zeitung mehr oder auch Illustrierten, kein Fernsehen und will niemanden um sich haben. Das letztere ist für uns nichts Besonderes, da sie schon immer kaum Kontakte zu Personen außerhalb der Familie wollte. Auch ihre engsten Bekannten will sie nicht mehr sehen. Von meiner Schwägerin habe ich gehört, dass sie die meiste Zeit tagsüber schläft und kaum aufsteht, nur wenn es unbedingt sein muss.
    Dafür hat sie schon des öfteren nachts den Piepser ihres Notrufes betätigt und meinen Bruder aus dem Bett geholt. Dann hat sie Hunger und meine Schwägerin muss ihr mitten in der Nacht etwas zum Essen bringen. Zu Heiligabend war ich mit meinem Freund bei meinem Bruder. Vorher war ich mit meiner Nichte bei meiner Mutter. Sie lag im Bett und wollte erst gar nicht aufstehen. Ich habe sie aber dann doch soweit gebracht, dass sie aufstand. Wir haben uns auch ganz gut unterhalten. Klar, dass sie noch nicht so ganz bei der Sache war. Aber das Gespräch verlief recht gut. Dann plötzlich blickte sie meine Nichte an war völlig entgeistert und fragte sie wer sie sei und was sie hier wolle. sie kenne sie überhaupt nicht.
    Nicole, meine Nichte war richtig geschockt. Ich sagte meiner Mutter: das ist doch Nicole, Dein Enkelkind. Was dass soll Nicole sein. Nein, das stimmt nicht. Sie sieht doch ganz anders aus. Außerdem wird sie nächstes Jahr 30 Jahre alt. Interessanterweise stimmte diese Aussage meiner Mutter wieder. Trotzdem war sie jetzt völlig durcheinander. Wir beschlossen dann, zu gehen und zum Abschied sagte sie zu mir, ich solle doch das nächste Mal meine Schwägerin mitbringen. Ich sagte zu ihr, Sara wohnt hier im Haus, sie kommt doch jeden Tag zu Dir und kümmert sich um Dich. Hier im Haus ??? meinte sie, ich weiß nicht was Du meinst. Wer soll das denn sein. Ich habe sie dann etwas beruhigt. Dann meinte sie noch, ich solle meinen Mann grüßen und er solle doch das nächste Mal mitkommen. Ich versuchte ihr kurz zu erklären, dass ich nicht verheiratet sei. Aber ich hatte den Eindruck, es kam alles nicht bei ihr an. Meine Nichte erzählte mir dann, dass sie gar nicht mehr so gerne zu ihr ginge, da die Oma sie das letzte Mal auch nicht erkannte und sie aus der Wohnung gewiesen habe.

    Ich bin sehr froh, die vielen Berichte hier gelesen zu haben. Denn inzwischen denke ich, dass wir uns meiner Mutter gegenüber doch anders verhalten müssen. Durch meine Versuche, ihr zu erklären, dass sie sich irre, habe ich sie vermutlich noch mehr durcheinander gebracht. Aber das ist leider nicht so einfach, vor allen Dingen für meinen Bruder, Schwägerin und deren Tochter, die tagtäglich mit meiner Mutter umgehen.

    Ich hatte Anfang des Jahres mit meiner Schwägerin vereinbart, dass der Hausarzt meine Mutter besuchen solle und gehofft, dass dieser sie einmal richtig untersucht. Da sie erkältet ist und einen hartnäckigen Husten hat, ließ sie es auch zu.
    Meine Schwägerin unterhielt sich dann auch mit ihm und fragte, ob er meiner Mutter etwas wegen ihrer Demenz verschreiben könne. Der Arzt sagte nicht viel, nur dass er von diesen neuartigen Medikamenten nicht viel halte und diese nach seiner Erfahrung nicht helfen würden. Dann ging er wieder.
    Als ich gestern mit meiner Schwägerin telefonierte, erzählte sie mir, was der Arzt zu ihr gesagt hat.
    Ich muss sagen, mich hat diese Aussage richtig wütend gemacht. Ich frage mich, warum der Arzt nicht wenigstens versuchsweise ein Medikament verschreibt.
    Oder hat ein Mensch, nur weil er inzwischen 90 Jahre alt ist kein Recht, den Rest seines Lebens doch noch einigermaßen gesund und bei vollem Bewusstsein zu erleben.

    Oder bringen Medikamente in diesem Alter nicht mehr viel?
    Dann meine ich aber, hätte ein Arzt die Verpflichtung, den Angehörigen auch eine ausreichende Begründung für sein Handeln zu geben.
    Was können wir nun tun ? Einen anderen Arzt suchen, ist ziemlich schwierig, da meine Mutter ja kaum einen Arzt erlaubt.
    Ich habe eigentlich nur positives über die Medikamente gelesen, auch hier im Forum.

    Kann mir hier jemand einen Rat geben, was wir tun können ? Denn mit Sicherheit wird der Zustand meiner Mutter in nächster Zeit nicht besser. Mein Bruder möchte auch nicht unbedingt, dass sie die letzten Jahre noch in einem Heim verbringen soll und ich denke auch so.

    Danke für Euer Verständnis für meine lange Geschichte

  • Re: Arzt verschreibt kein Medikament


    Liebe arabeske,
    ehe ein Medikament verschrieben wird, muss eine klare Diagnose vorliegen. Insofern hat der Arzt nicht unüberlegt gehandelt. Es wäre wichtig, die Hirnleistungsfähigkeit Ihrer Mutter zuerst zu untersuchen. Die Medikamente, die gegen Demenz eingesetzt werden (Cholinesterasehemmer: Reminyl, Aricept und Exelon), greifen allesamt tief in den Hirnstoffwechsel ein und sollten natürlich nur dann genommen werden, wenn tatsächlich eine Erkrankung vorliegt.

    Die Beobachtungen, die Sie schildern, können natürlich alle der Phantasie Ihrer Mutter entspringen - aber genau kann man das doch nicht sagen. Vielleicht ist tatsächlich das ein oder andere vorgefallen und Sie wissen nur nichts davon? Einem alten Menschen von 90 Jahren sollte man auch eine gewissen "Schrulligkeit" zubilligen - wer erreicht schon solch ein Alter? Dass da auch mal etwas fehlinterpretiert oder anders gesehen wird als bei jungen Menschen, scheint mir nicht ungewöhnlich.

    Die Verkennung der Ihrer Nichte - wenn sie diese lange nicht gesehen hat - kann auch durchaus vorkommen und muss nicht unbedingt krankheitsbedingt sein. Bei solch einem alten Menschen kann schon eine Schwankung im Flüssigkeitshaushalt oder eine andere Stoffwechselentgleisung (Unterzucker, Blutdruckkrisen etc) zu Hirnleistungsstörungen führen.

    Haben Sie schon mal den ganz einfachen Uhrentest mit Ihrer Mutter gemacht? Daran kann man schon ein bisschen was ablesen. Googeln Sie mal: Uhrentest und Demenz.

    Ich nehme Ihre Einschätzung der Situation durchaus ernst - aber ohne fachärztliche Untersuchung kann ich nicht zu einem Medikament raten. Zur Unterstützung der Hirnfunktion können Sie allerdings eine Reihe von Nahrungsergänzungmitteln heranziehen, wie Gingko Biloba, Folsäure, die Vitamine der B-Gruppe besonders B12, Vitamin E und hochdosiertes Lecithin. Ganz wichtig ist eine abwechslungsreiche Ernährung, sehr viel trinken und Bewegung an frischer Luft.

    Zu Bedenken wäre auch noch, ob sich hinter der Antriebslosigkeit Ihrer Mutter eine Altersdepression versteckt. Die müsste dann wieder ganz anders behandelt werden. Die Symptome sind denen einer Demenz besonders am Anfang durchaus ähnlich.

    Schauen Sie auch unter www.deutsche-alzheimer.de. Dort gibt es auch ein Kapitel über die Abgrenzung der verschiedenen Erkrankungen.

    Ihnen und Ihrer Mutter alles Gute!

    Leona

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    • Re: Arzt verschreibt kein Medikament


      Hallo arabeske,
      Leona hat Recht - ohne Diagnose geht nichts. Die geschilderte Lebensweise kann selbst Ursache für die festgestellten Auffälligkeiten sein und hätte dann einfach keine krankheitsbedingte Ursache.
      Wir haben in unserer WG für die "Langschläfer" folgendes Verfahren eingeführt: morgens bei der Tablettengabe (amb. Pflegedienst) mindestens ein Glas Wasser, danach alle 2 Stunden bis zum Aufstehen. Ohne Getränke: Hallunizationen, Aggressivität, Rückfall in irgendwelche Zeitspannen, schon längst Beerdigte sollen plötzlich besucht werden etc....
      Weiterhin führt das sich zurückziehen nicht nur zur Vereinsamung; die Gedächtnisleistung und das gesamte Denkvermögen nimmt rapide ab. Beides zusammen hat dann den Anschein, als läge eine krankheitsbedingte dementielle Einschränkung vor.
      Beobachten kann man diese Veränderung sehr häufig in Folge von Opterationen bei älteren Menschen im Krankenhaus, wenn dort auf die Zuführung von Getränken nicht geachtet wird. Wochenlange Auffälligkeiten sind anschließend nicht selten. Im Bekanntenkreis mußte ich miterleben, wie so mal eben ein "gesetzlicher Betreuer" in wenigen Minuten zwecks OP-Zustimmung aus "dem Hut gezaubert" wurde. Dauerte dann fast ein halbes Jahr, den wieder los zu werden.
      Zum Gedächtnistrainingskreis hatte ich eine ältere Dame eingeladen, die seit 4 Jahren ausschließlich ihren Mann pflegt (im Bett), so gut wie keine sozialen Kontakte mehr pflegte. Zunächst schien alles im grünen Bereich zu sein (trat auf als ehem. Geschäftsfrau, freute sich wirklich über die Einladung) - man merkte aber sehr schnell, dass vieles überspielt wurde und der geistige Leistungsbereich nur noch sehr eingeschränkt ist. Einfachste - aber für sie neue - logische Aufgaben wurden nicht mehr erfaßt. Ergebnis: Frust und Flucht in Gespräche mit der Nachbarin. Sie ist auch für weitere Besuche nicht mehr zu motivieren gewesen.
      Vergleicht man das Gehirn mit einem Muskel, würde ich behaupten, aufgrund mangelnden Trainings komplett zurückgebildet. Vermutlich könnten diese Einschränkungen relativ wieder schnell abgebaut werden.
      Dies würde auch passen zu dem, was wir in der WG feststellen:
      Die vielen Gespräche in familiärer Umgebung, ohne den Stress mit Familienmitglieder an sich (die Vorbelastungen), regen die Aktivitäten des Gehirns wohl doch recht kräftig im positiven Sinne an. Anläßlich unserer Weihnachtsfeier war der Ehemann (Arzt) der Enkelin mehr als überrascht, wie seine "Schwiegeroma" jetzt schlagfertig reagieren konnte und so zu einem sehr entspannten Miteinander mit viel Lachen beitragen konnte (er kannte sie nur als höchst aggressiv und böse bis beleidigend - bei der Tochter/Schwiegermutter lagen die Nerven blank). Jetzt war von Demenz nichts zu erkennen. Seine Äußerung "ein völlig anderer Mensch. Wo ist die Aggressivität geblieben?"
      Na ja, kaum waren wieder alle weg, konnte sich die Oma noch nicht einmal daran erinnern, dass wir gerade gefeiert hatten. Wir haben zwischenzeitlich festgestellt, dass das bildhafte Vorstellungsvermögen wohl bei Null liegt. Geht man davon aus, dass das Gedächtnis wohl zum größten TEil bildhafte Verknüpfung erfordert, wird vieles erklärlich. Sobald wir Bilder/Fotos vorlegen, "wird das Gedächtnis" aktiviert und vieles ist wieder präsent. Ähnlich ist es, wenn starke Empfindungen mit Ereignissen verbunden sind. Der Hund meiner Tochter hatte am Unterarm eine Verletzung verursacht - an den Hund kann sie sich noch nach 3 Monaten erinnern - an die Tochter schon nach wenigen Augenblicken nicht mehr (es sei denn, man legt ein Foto vor).

      Übrigens werden außer blutdrucksenkende Medikamente keine weiteren demenztypischen Medikamte verabreicht. Der Umgang (Validation !!) und die vielfältigen, gesteuerten sozialen Kontakte (nicht überfordern) haben zu dem heutigen Ergebnis geführt. Mutter und Tochter können heute wieder entspannt miteinander umgehen (daran hatte im Mai 09 keiner geglaubt). Dies erfolgte in Abstimmung mit dem Neurologen. Wir werden auf Vorschlag der Tochter zukünftig die Nahrung mit Galactose anreichern. Mal sehen, ob und wie sich Vränderungen feststellen lassen können.

      Trotzdem - das zeitliche Denken ist weg (war Ansatz, dass sie selbständig "ihren" Kalender jeden Tag neu stellt), regelmäßig muss irgendwas gesucht werden - die Namen der Enkel werden vergessen - depressive Zustände bis zu Suizidgedanken - zum xsten Male wieder was erklären - Berlin und Eitorf ist doch nebenan - wo ist meine Mutter, muss sie doch versorgen (seit 20 Jahren verstorben) - gestern habe ich ihr mitteilen müssen, dass ihr Mann vor einem Jahr verstorben ist (vielleicht zum 30igsten Mal .......... kann endlos fortgeführt werden. Aber alles jetzt nur noch sehr selten mit Aggressivität verbunden.

      Warum so ausführlich?
      Einerseits wollte ich darlegen, dass Medikamente nicht unbedingt notwendig sein müssen und etwas Mut vermitteln, den Focus mehr auf die sozialen Belange zu lenken (die Eigeninitiative tendiert ja gegen null). Als Außenstehender kann man vieles viel eher leisten und wird auch eher akzeptiert; hier hat die WG ganz einfach ungeahnte Vorteile. Häusliche Pflege ist wirklich sehr wichtig - aber sehr häufig wird gerade dieser Aspekt der Ansprache und der sozialen Kontakte vernachlässigt (geht ja auch nur in wenigen Fällen).

      Würde gern diese Thematik - Einfluß auf den Verlauf der Demenz durch Intensivierung sozialer Kontakte und erhöhter Beanspruchung der geistigen Leistungsreserven - vertiefen. Wer hat ähnliche Erfahrungen gemacht?
      LG
      Manfred

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      • Re: Arzt verschreibt kein Medikament


        Hallo,

        danke für die guten Tipps.
        Leona, die Vermutung, dass meine Mutter unter Depressionen leidet, ist völlig richtig. Sie bekommt auch schon lange deshalb Medikamente.Ich denke, dass sie diese jetzt auch noch nimmt, es sei denn, der Arzt hat sie abgesetzt. Aber das glaube ich nicht.
        Meine Schwägerin hatte schon letztes Jahr einen Neurologen, der zu meiner Mutter nach Hause kommen wollte. Sie hat es aber abgelehnt.

        Es ist wirklich nicht so einfach mit ihr, da sie ja mittlerweile jegliche Kontakte mit Ärzten ablehnt. Dass ihr Hausarzt sie besuchen durfte, war auch nur, weil sie erkältet war.
        Ich habe auch immer, wenn ich bei ihr war versucht auf sie einzuwirken, dass sie auch mal rausgeht zum Spazieren oder Bekannte besucht. Aber sie wurde immer recht böse und meinte. ich solle sie damit in Ruhe lassen. Das war aber schon vor vielen Jahren. Damals habe ich ihr eben gesagt, dass sie sich auch nicht beschweren soll, dass sich niemand um sie kümmert. Denn meine Schwägerin musste sich sogar vom Hausarzt und der damaligen Heilpraktikerin meine Mutter sagen lassen, dass ihre Schwiegermutter völlig vereinsamt sei. Der vorwurfsvolle Ton war nicht zu überhören, erzählte mir meine Schwägerin. Ein paar Mal hat der Pfarrer versucht, mit ihr Kontakt aufzunehmen. Einmal gelang es ihm auch, sie zu einem Gespräch zu überreden. Sie hat mir dann davon erzählt und meinte, ein Gespräch hätte ihr gereicht, den Pfarrer brauche sie jetzt nicht mehr. Es gab außer uns eigentlich nur noch eine Kontaktperson, ihre langjährige Freundin. Diese musste aber immer zu ihr nach Hause kommen. Für einen auswärtigen Besuch fühlte sie sich immer zu schwach. Diese Freundin ist aber vor ca. 3 Jahren gestorben und seitdem hat sie sich noch mehr zurückgezogen.

        Aber wie ihr schon geschrieben habt, wir benötigen auf jeden Fall eine Diagnose. Keiner will sie mit irgendwelchen Medikamenten vollstopfen, die sie nicht verträgt oder ihr gar nicht helfen. Am besten scheint mir wirklich ein Neurologe dafür geeignet.

        Was den Hausarzt angeht, so hätte er sie wenigstens untersuchen oder noch besser einen Besuch bei einem Neurologen vorschlagen. Ich denke, auf ihn hätte meine Mutter eher gehört.
        Jetzt müssen wir eben sehen, dass wir sie überreden.
        Ich weiß nur noch nicht wie wir das anstellen sollen.
        Wir wollen auf jeden Fal versuchen, dass sie ein Neurologe einmal gründlich untersucht.

        Den Uhrentest habe ich mir mal angeschaut. Ist auch für
        "Gesunde" evtl. nicht einfach. Da ich überhaupt nicht zeichnen kann (auch in der Schule war das schon so)
        hatte ich sebst doch etwas Probleme bei diesem Test.
        So wie ich meine Mutter kenne, würde sie sich sicherlich weigern, einen solchen Test zu machen.

        Ich werde weiter berichten, wie es bei uns läuft.

        Viele Grüße

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        • Re: Arzt verschreibt kein Medikament


          Hallo,
          eben habe ich auch über das Problem gepostet. -Verdacht auf Alszheimer. Brauche dringend Rat-.
          Der behandlende Arzt unseres Vaters verschreibt auch nichts und überweist noch nicht mal zum Neurologen. Heute sprach ich mit meinem Hausarzt darüber. Sehr wohl kann man Medikamente geben, meinte er. Bei Alzheimer können sie die Erkrankung hinauszögrn und auch Symptome mildern. Heilen ist ja leider nicht. Diverse Neuroleptika würden auch helfen. Die Betroffenen werden dann etwas ruhiger, was ja für alle Beteiligten auch sehr wichtig ist. Meine Mutter ist z.B. inzwischen total gerädert.
          Außerdem muss ja nicht gleich hochdosiert werden. Inzwischen sind recht gut verträgliche, mildere Psychopharmka auf dem Markt.
          Viele Grüße
          Eliag

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