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Ltersverwirrtheit und Medkikation

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  • Ltersverwirrtheit und Medkikation

    Gutn Tag,
    ich arbeite bei einem Ambulanten Pflegedienst in der hauswirtschaftlichen und psychosozialen Betreuung einer 90 jährigen Dame. Diese ist inzwischen überwiegend desorientiert in Zeit, Raum und ihrer Person. Gestern war es extrem. Sie meinte, nicht in ihrem Haus zu sein und wünschte, fortgefahren zu werden. Das Essen sei vergiftet etc .Agrressivitäten kommen auf. Ihre Sprache ist zunehmend verwaschen, Gedankengänge konfus + Konfabulationen. Überalle fremde Männder Tiere etc.
    Die Betreuung ist sehr zeitintensiv. Tagsüber 9 Stunden, Nachtschicht 15 Stunden. Das Team ist streckenweise überfordert. Sie leidet stark unter den Ängsten. Es ist für alle beteiligten schwer auszuhalten. Die Pflegeleitung lehnt einen Neurologen ab. Die Hausärztin verschrieb als Bedarfsmedikation 1 EL Dipiperon.
    Nimmt sie aber nicht immer bei Bedarf, da sie meint sie werde vergiftet.
    Ich weiß inzwischen nicht mehr, wie ich kommunikativ auf sie eingehen kann. Wenn ich versuche ihr zu erklären, dass keine fremden Männer oder sonstiges im Raum sind, fühlt sie sich nicht ernst genommen.Würde ich ihre Eindrücke bestätigen (was schon von anderen versucht wurde), fühlt sie sich, sofern sie wieder klare Momente hat, total veräppelt.
    Was kann man machen? Auf Dauer befürchte ich, psychisch daran Schaden zu nehmen.
    Meinen Dank für Ihre Antwort.
    V.G. Jean

  • Re: Ltersverwirrtheit und Medkikation


    Hallo Jean,
    es ist in der Tat keine leichte Aufgabe sich mit den Verhaltensveränderungen und der Welt eines demenzkranken Menschen auseinanderzusetzen. Nicht jeder hat genügend Kraft, Geduld und Verständnis, um damit klar zu kommen, ohne selbst Schaden zu nehmen.

    Ich weiß wovon ich spreche, denn ich habe meinen an Alzheimer erkrankten Vater (inzwischen PS 3) mehrere Jahre selbst betreut.
    Hilfreich ist in jedem Fall sich mit "Validation" zu befassen, inzwischen werden auch Lehrgänge und Seminare dazu angeboten, die einem praktisch vermitteln, wie man agieren muss und was dies beim Erkrankten auslöst bzw. in Gang setzt.

    Vielleicht einige Links:

    http://www.integrative-validation.de/start.htm

    http://www.alzheimerforum.de/aai/HA-...anken_1997.pdf

    http://www.integrative-validation.de...Validation.pdf

    http://www.altenpflegeschueler.de/pflege/demenz.php

    Vielleicht brauchen Sie einfach auch einmal ein wenig Distanz. Der Pflegeberuf ist sehr anstrengend und die Erholungszeiten in der Regel viel zu kurz. Könnte man Sie nicht für eine gewisse Zeit in einem anderen Bereich einteilen, so dass Sie sich regenerieren können und dann gestärkt und vielleicht mit neuen Erkenntnissen wieder im Demenzbereich arbeiten können?

    Rationale Erklärungen helfen bei Demenz nicht, die Realität des Kranken ist eine andere als unsere eigene. Dies muss man akzeptieren lernen. Sie müssen die Sicht der alten Dame nicht teilen, sondern ihr einfach nur das Gefühl geben, dass sie ihr glauben, dass sie die Dinge so erlebt,wie sie es ihnen schildert.

    Wie sieht es mit Angehörigen aus? Gibt es welche und kommt von dort Unterstützung?

    Mit Melperon und anderen Neuroleptika habe ich selbst sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Sie verschlechterten den Zustand meines Vaters sehr drastisch und brachten noch sehr viel mehr Verwirrung. Ich bin sicher, dass jeder Gesunde, der diese Mittel in ausreichender Menge nimmt, sich "dement" fühlt und auch von der Umwelt dafür gehalten wird.

    Besser wäre es, die zugegebenermaßen teuren Antidementiva zu verordnen (Exelon, Aricept, Reminyl), die uns immerhin 2-3 Jahre fast normalen Lebens geschenkt haben.

    Leider ist die Verordnung noch immer nicht die Regel - eher ist die Entwickling hier aus Kostengründen rückläufig. Ein Zustand, den ich - in einer Gesellschaft wie der unseren - unerträglich finde.

    Ich wünsche Ihnen viel Kraft und den Mut zur richtigen Entscheidung. Falls Sie noch Fragen haben, melden Sie sich.

    Mit den besten Wünschen
    Leona

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    • Re: Altersverwirrtheit und Medikation


      Danke für Ihre Rückmedlung.
      Ein großes Problem ist, die mangelnde Unterstützung seitens der Plegeleitung. Nur einmal im Monat haben wir Team. Hier werden die Termine vereinbart und nur das allernötigste besprochen. Weiterbildungen etc. werden nicht angeboten, geschweige Supervisionen. Längerer Urlaub ist nicht schlecht und zu überlegen. Doch wir bekommen keinen bezahlten Uralub, noch haben wir Arbeitsverträge. Ausfall durch Krankheiten wird auch nicht bezahlt. Wobei das Gehalt zu dem viel zu gering ist. Die Bedingungen sind hier besonders schlecht, wenn sich auch die anderen Unternehmen nicht sonderllich davon unterscheiden.
      Ich habe auch beobachtet, dass bei Gabe von Neuroleptika sich ihre Verwirrtheit verstärkte. Eine kontunuierlich Medikation ,wie sie vorschlugen von Antidepressiva, würde ich auch als günstiger ansehen.
      Ihnen einen guten Rutsch
      jean10

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      • Re: Ltersverwirrtheit und Medkikation


        Hallo,
        die Pat. hat offensichtlich eine Psychose und muss einem Psychiater vorgestellt werden. Eine Psychose kann man relativ erfolgreich behandeln, wenn die Verantwortlichen "handeln"!
        LG
        Ischwalm

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        • Re: Altersverwirrtheit und Medikation


          Hallo Jean10,

          ist Ihre Pflegeleitung amtlicher Betreuer der Patientin? Falls nein, hat sie kein Bestimmungsrecht über die Frage bzw. Notwendigkeit einer m.E. unbedingten und dringlichen Vorstellung der Patientin vor einem Facharzt. Suchen Sie sich einen besseren Arbeitgeber, denn es gibt auch gute ambulante Pflegedienste und auch gute Heime, die engagierte Menschen schätzen.

          LG
          E§gon-Martin

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          • Re: Altersverwirrtheit und Medikation


            Hallo EgonMartin,
            Deine klaren Worte finde ich einfach gut!
            LG IS

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