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Wir sind so hilflos

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  • Wir sind so hilflos

    Hallo,

    meine Mutter ist 75 Jahre alt, alleinstehend und zunehmend geistig verwirrt.
    Leider lehnt sie jede Hilfe von uns ab und weigert sich vehement einen Arzt aufzusuchen.
    Das wäre aber dringend nötig, zumal sie auch an starker Osteoporose leidet.
    Sie war schon seit über einem Jahr bei keinem Arzt mehr, stattdessen bestellt sie bei irgendwelchen "Kurpfuschern", die sich bei ihr telefonisch gemeldet haben nutzlose Mittelchen u. behauptet, die würden ihr viel besser helfen.

    Wir bemerkten ihre anfänglich nur zunehmende Vergesslichkeit schon seit einigen Jahren,
    aber ganz schlimm ist es seit Anfang diesen Jahres.
    Es begann damit ,das sie anfing an unzähligen Gewinnspielen teilzunehmen. Seitdem stapeln sich in ihrer Wohnung die Pakete mit den unmöglichsten Dingen, das Einzige, was ja bei solchen Gewinnspielen rauskommt. Wenn wir mit ihr schimpften, erzählte sie uns, das sind Geschenke und sie braucht auch nichts zu bezahlen. Dabei kriegt sie stapelhaft Mahnungen wegen unbezahlten Rechnungen.

    Dann fing sie an, aus ihrem Wohnzimmer quasi ein Büro zu machen. Das ganze Zimmer lag voll von irgendwelchen Werbezetteln usw. Diese wurden, nach welchen Schema auch immer, für mich nicht nachvollziehbar, abgeheftet u. geordnet (z. B. wenn was erledigt werden muß usw.)
    Sie hat früher im Büro gearbeitet u. wahrscheinlich denkt sie, dort ist sie immer noch.

    Dann fing sie an zu klagen, dass sie mit ihrem Geld nicht mehr zurechtkommt.
    Meine Mutter war immer eine sehr dominante Person, zu Hause wurde nur das gemacht, was sie wollte u. keiner traute sich zu widersprechen, auch mein Vater nicht.
    Auch wurde nie über Geld geredet, keiner durfte wissen, was sie verdiente bzw. jetzt an Rente bezieht.
    Wir sagen ihr schon seit Jahren, sie soll mir eine Bankvollmacht erteilen, damit wir, wenn ihr mal etwas passiert, wenigstens ihre Geldangelegenheiten erledigen können.
    Aber sie weigerte sich auch da mit Erfolg. Das Einzige, wozu ich befugt bin ist, mal auf ihr Konto zu schauen. Was ich dann darauf hin auch tat.
    Da dachte ich, mich trifft der Schlag. Das Konto war bis zur Grenze überzogen, belastet mit monatlich 700 Euro an Lottospielen u. vierstelligen Telefonrechnungen. Dabei bekommt sie eine Rente, von deren Höhe manch einer träumt, der arbeiten geht.
    Die Telefonrechnungen stammten natürlich auch von Rückrufen bei Gewinnspielen mit 0900-Nummern.
    Ich ließ dann erst mal alles, was ging zurückbuchen, besorgte ihr eine geheime Telefonnummer, ließ das Telefon für diese 0900-Nummern sperren.
    Wir redeten ihr ins Gewissen, entfernten alles an diesem Papierkram, was wir finden konnten, aus der Wohnung, ließen ihre Post zu uns umleiten, damit sie von diesem Kram nichts mehr bekommt.
    Nur das Konto ist weiter im Minus. Es werden monatlich größere Beträge abgehoben und keiner weiß, wo das Geld bleibt. Sie weiß es angeblich nicht u. wir können nichts finden.

    Hinzu kommt, das sie plötzlich anfing, mit meinem - seit 10 Jahren toten Vater - zu reden. Sie spricht nur noch in der Wir-Form. Zu Hause steht sein Bild auf dem Wohnzimmertisch, davor ein gefülltes Glas zum Trinken. Jedem erzählt sie, das zuhause ihr schwerkranker Mann wartet, dem sie essen machen muß u. den sie nicht allein lassen kann. Jetzt bekam sie eine Einladung von meiner Tante zum Geburtstag, da sgte sie z. B., sie weiß noch nicht, ob sie kommen kann, sie muß erst mal sehen, was Opa dazu sagt, aber er kann da sicher nicht mitkommen.

    Um ihre Ernährung kümmert sie sich auch nicht mehr, sie hat stark abgenommen, ist nur noch Haut u. Knochen. Aber wenn Opa nichts ißt, dann kann sie auch nicht Essen.
    Alle unsere Hilfsangebote gehen ins Leere, unsere Bitten endlich einen Arzt aufzusuchen schlagen fehl. Ich habe auch schon mit ihrem Hausarzt gesprochen, der sagte so lange sie sich nicht selber schadet, kann er auch nichts machen. Aber das tut sie doch, indem sie ja ihr ganzes Geld verjubelt. Ich bin kurz davor, einen Antrag auf Betreuung zu stellen, da sie sich von uns ja überhaupt nichts sagen läßt. Aber ich glaube, dann würde sie gar nicht mehr mit uns reden. Aber so kann es doch nicht weitergehen, es muß doch dringend etwas geschehen.
    Was können wir tun?
    Wir können uns auch nicht ständig kümmern, da wir einige Kilometer entfernt wohnen.
    Mein Mann ist selbständig u. stark eingespannt. Ich habe noch ein schulpflichtiges Kind u. war vor 3 Jahren selbst an Krebs erkrankt. Ich bin mit meinen Nerven am Ende u. weiß nicht mehr weiter. Kann uns jemand einen Rat geben.?

    Entschuldigung, das es so lange geworden ist. Ich habe schon versucht, mich so kurz wie möglich zu fassen.

  • Re: Wir sind so hilflos


    Hallo dormax,
    ich kann Ihre Beunruhigung und Not sehr gut verstehen, wenngleich ohne fachärztliche Untersuchung keine wirklichen Rückschlüsse möglich sind. Auch wenn es schwer sein wird, so geht doch kein Weg an einer ärztlichen Begutachtung vorbei. Kann hier nicht doch der Hausarzt ein wenig helfen? Da Ihre Mutter sich nach Ihren Schilderungen auch schlecht ernährt und vermutlich auch viel zu wenig trinkt, können einige Auffälligkeiten auch auf dieses Konto gehen. Offenbar ist sie meistens alleine, was in ihrem Alter und Zustand nicht zuträglich ist.

    Da Ihre Mutter finanziell ganz gut versorgt ist, würde ich zunächst Essen auf Rädern ins Auge fassen oder noch besser: eine Tagespflege organisieren. Dies könnte zunächst probeweise für 4 Wochen geschehen. Wenden Sie sich an eine caritative Organisation in Ihrer Nähe oder auch eine Beratungsstelle für Senioren (Psychosozialer Dienst der Gemeinde oder des Kreises). Vielleicht gibt es auch eine Selbsthilfegruppe für Angehörige in Ihrer Nähe, wo Sie sich austauschen und wertvolle Ratschläge bekommen können.

    Die caritativen Einrichtungen haben oft auch einen Besuchsdienst für Senioren oder können halb ehrenamtliche Helfer vermitteln, die beispielsweise bei der Mittagsmahlzeit dabei sind oder einen Spaziergang mit dem alten Menschen machen oder Kartenspiele und ähnliches machen. Auch wenn sich Ihre Mutter zunächst sträubt (hat mein Vater auch getan), wird Sie sich rasch an die neue Situation gewöhnen und sie auch schätzen lernen.

    Wenn Sie ein Gespräch beim Psychosozialen Dienst führen, können Sie die Problematik beschreiben und auch in Hinblick auf eine zukünftige Betreuung Informationen einholen.

    Vorab finden Sie wertvolle Informationen auch unter www.deutsche-alzheimer.de.
    Ich habe am Anfang unseres Themenforums zwei Info-Threads eingestellt, in denen Sie weitere wichtige Adressen finden, so finden Sie unter www.deutsche-alzheimer.de auch die Adressen und Kontaktdaten der Gedächtnissprechstunden und Memorykliniken, wo Sie mit Ihrer Mutter m.E. am besten aufgehoben wären. Außerdem gibt es teilweise kostenlos, teilweise sehr preiswert, hilfreiche Ratgeber für fast alle Situationen, die während einer Demenzerkrankung auftreten können.

    Ich wünsche Ihnen viel Kraft für die nächsten Schritte.
    Herzlichst Leona

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    • Re: Wir sind so hilflos


      Sehr geehrte dormax96,

      Leona hat Recht: die Abklärung der Beschwerden ist der wichtigste nächste Schritt. Sofern diese durch einen Spezialisten erfolgt dürfen Sie in der Folge auch damit rechnen, daß Ihre Mutter adäquat behandelt wird und, daß Ihnen darüber hinaus auch eine Beratung bezüglich der sozialmedizinischen Aspekte der Erkrankung vermittelt wird. Diese erscheint mir wichtig, da eine Betreuung meines Erachtens sinnvoll, wenn nicht gar unumgänglich ist. Wenn Sie keinen Konflikt mit Ihrer Mutter provozieren wollen, sprechen Sie mit ihrem weiterbehandelnden Arzt darüber, ob er oder die/der beratende Sozialarbeiterin/Sozialarbeiter dies für Sie übernehmen kann (die Antragsstellung).

      Mit freundlichen Grüßen,

      Spruth

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      • Re: Wir sind so hilflos


        Einen guten Abend,
        als ich den Beitrag gelesen habe, dachte ich es wird von meiner Mam geschrieben, nicht zu glauben.
        Meine Mam ist 76 Jahre und uns ging es vor einem Jahr fast genau so. Meine Mam spricht und sieht auch unseren Vati, er ist vor 8 Jahre verstorben. Meine Mam wollte auch nicht zum Arzt. Ich habe mich mit dem Vormundschaftsgericht in Verbindung gesetzt und habe eine Betreuung angeregt, da Sie auch mit Ihrem Geld nicht mehr umgehen konnte. Ich habe bei uns sehr viel Hilfe von Ämtern und Ärzten erfahren dürfen. Das Vormundschaftsgericht hat meine Mam zuhause besucht und begutachtet. Nun bin ich seit 3 Wochen Ihre Betreuerin ohne das Sie es groß bemerkt. Scildere es dem Gericht ganau wie Du es hier beschrieben hast, mit Sicherheit bekommst Du Hilfe. Meine Mam ist nun leider seit 2 Wochen im Krankenhaus, da Sie wieder mein Vater gesehen hat, der in Ihrem Wohnzimmer lag und Hilfe brauchte und nun auch noch meine Oma die schon sehr lang verstorben ist. Wir sind auch beide Selbstständig und konnten auch nur 1 Mal in der Woche zu Ihr. Ich weiß heute meine Mam leidet an Demenz und Sie ist zuviel alleine obwohl ich schon einen Pflegedienst habe der 4 Mal am Tag kommt. Die Demenz schreitet so schnell fort, so dass Sie nicht einmal die Toilette finden kann. Wartet nicht zu lang, holt euch schnell Hilfe.
        Ich wünsche viel, viel Kraft
        Viele Grüße evamaria

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