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Demenz und Weinen

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  • Demenz und Weinen

    Mein Vater ist sein einem halben Jahr in einem Heim, weil seine Demenz Betreuung erfordert, die meine Mutter nicht bieten konnte. Sie hat ihn solange betreut, bis sie einen Nervenzusammenbruch hatte. Deshalb lebt die Mutter (zehn Jahre jünger)nun alleine in einer kleinen Wohnung. Der Vater kann das nicht verstehen und fühlt sich im Stich gelassen. Jedes Mal, wenn meine Mutter ihn besuchen geht, ca. 4 x die Woche, weint er wie ein kleines Kind. Auch bei uns Kindern ist das so. Das stimmt uns natürlich traurig. Wie ist dieses Weinen einzuschätzen und wie können wir damit am besten umgehen? Danke.


  • Re: Demenz und Weinen


    Hallo Vivi3,

    zunächst einmal: Ihre Mutter läßt ihren Mann NICHT im Stich. Sie besucht ihn ja häufig. Also daraus bitte keine Schuldgefühle entwickeln.

    Ich weiß nicht, wie weit die Demenz Ihres Vaters fortgeschritten ist; aber er kann mit Sicherheit seine Situation nicht mehr richtig beurteilen. Könnte er es, so wäre ihm seine Heimunterbringung erklärbar und er würde sie akzeptieren, weil er ja seine eigene Familie nie belasten würde. Diese Belastung aber ist es ja, die den Nervenzusammenbruch Ihrer Mutter verursacht hat.

    Vielleicht gibt es ja die Möglichkeit, nachdem sich Ihre Mutter einigermaßen erholt hat, den Vater mal für ein Wochenende "zu Besuch" nach Hause zu nehmen. Aber das kann natürlich auch zu belastbaren Abschiedsszenen führen. Wie haben Sie denn den Vater in das Heim bekommen?

    Aber auch das Heim sollte sich bemühen, durch möglichst viel Abwechslung und Zuwendung, sich um Ihren Vater zu kümmern. Vielleicht kann man es ja dem Kranken auch so erklären, dass er "hier" (im Heim) eine sehr wichtige Aufgabe zu erfüllen hat. Manche bemerken gar nicht das Heim, sondern denken sie seien an ihrer Arbeitsstelle, usw. (Im biografischen Buch "Ich habe Alzheimer" denkt der Patient, der von seiner Tochter ins Heim gebracht wurde, er sei an einer anderen Universität versetzt worden - er war mal Hochschullehrer - und sieht in den PflegerInnen und Mitbewohnern und sogar Stofftieren Studenten und Kollegen). Das kann man u.U. nutzen. Es kommt daher viel auf ein wirklich gutes Heim an.

    Über das Weinen würde ich mir keine so großen Gedanken machen, denn das wird bald wieder vom Patienten vergessen - das Heimumfeld sollte - wie gesagt - natürlich mithelfen. Ich habe zuhause Weinattacken von Vater - der früher nie weinte - miterlebt, die innerhalb einer Stunde vorüber waren und in ihr Gegenteil umschlugen während Mutter und ich noch in Sorgen grübelten.

    Auch bei meinem Vater (er kann sich nicht mehr alleine gründlich waschen, an- und ausziehen und braucht auch zunehmend Hilfe beim Essen, usw.) ist die Unterbringung in einem Pflegeheim nicht mehr weit und wir - Mutter und ich - haben natürlich auch entsprechende Befürchtungen.

    Vielleicht würde auch folgender Trick Entlastung bringen: Falls Ihr Vater sich mit seinem Spiegelbild unterhält - das taucht bei vielen Patienten irgendwann auf - einfach einen bruchsicheren Spiegel dem Vater mitbringen und Bilder, sowie ein Stofftier, das Ihrem Vater gefällt.

    Die Demenz wirkt wie eine Rückwärtsentwicklung in das Kindsein - Ischwalm hat dazu hier im Forum was geschrieben. Das sollte man bedenken.

    LG
    Egon-Martin

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    • Re: Demenz und Weinen


      hier noch schnell der Link zu Ischwalms Beitrag:

      http://forum2.onmeda.de/read.html?26...46#msg-1640446

      LG
      EM

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      • Re: Demenz und Weinen


        Ich danke Ihnen, Egon-Martin. Ihre Zeilen haben mir viel gebracht. Ich erinnere mich noch an den Aufenthalt meines Vaters in der Tagesklinik als er noch zuhause lebte. Er war überzeugt, man brauch e ihn dort als Experten. Es könnte tatsächlich helfen, ihm nun auch im Heim eine 'Aufgabe' zu übertragen. Seinen Heim-Aufenthalt sieht er allerdings nur als vorübergehend an und spricht die ganze Zeit vom Ausziehen, wir wissen nicht so recht, ob wir ihn in dem Glauben lassen sollen, oder ihm die Wahrheit sagen. Wenn er mich traurig anschaut und sagt 'für immer?' bricht es mir fast das Herz.
        Liebe Grüsse
        Vivi

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        • Re: Demenz und Weinen


          Hallo Vivi,

          ich würde Ihren Vater in seinem Glauben belassen. Mit der Zeit wird er wegen der Krankheit jeden vergangenen Tag vergessen und auch keine Zukunftspläne mehr machen können. "Nein, nicht für immer, aber jetzt ist es wichtig, weil er damit seiner Familie sehr hilft, usw." - so in etwa würde ich das rüberbringen. Und es ist immer Jetzt. "Du bist doch erst vor kurzem angekommen - etwas bleiben solltest du schon noch - ist sonst unhöflich und würde das Projekt gefährden, usw." Und immer kräftig loben auch bei Kleinigkeiten. So in etwa.

          LG
          Egon-Martin

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          • Re: Demenz und Weinen


            Hallo Vivi,

            ich habe lange in einem Pflegeheim gearbeitet und weiß genau wovon Sie sprechen.

            Ich finde es sehr gut, dass Sie sich Gedanken machen und sich Hilfe und Rat holen.

            Zu vielen Angehörigen habe ich immer wieder gesagt, dass man nur selber helfen kann, wenn es enem gut geht und von daher haben Ihre Mutter und Sie das richtige getan und den Vater in die Pflege gegeben. So haben Sie wieder die Kraft, ihn zu besuchen und Sie können sich sicher sein, dass es ihm gut geht.

            Ich weiß nicht, wie weit die Erkankung Ihres Vaters vorangeschritten ist, daher ist es schwierig zu antworten.

            Ein Laitsatz lautet jedoch: Man soll den Patienten da abholen, wo er sich befindet.

            Wenn er also in einer anderen Zeit lebt, dann ist das okay und man begibt sich, ihm zuliebe, in diese Zeit.

            (Bsp. Ein Mann meinte er wäre noch immer Oberstudienrat und ging morgends zur Arbeit. Er bekam seinen Schreibtisch mit Aktenordnern und konnte den ganzen Tag Akten sortieren, Papier lochen, ... Damit war der Mann zufrieden und er fühlte sich ernstgenommen...)

            Wenn Ihr Vater beim Abschied weint ist es sicherlich schwer und es tut weh. Sagen Sie Ihrem Vater, wann Sie wiederkommen, erklären Sie Ihm, dass Sie nach Hause gehen um zu Essen und um zu schlafen. Wenn es Ihnen möglich ist, scheuen Sie keinen Körperkontakt, streicheln Sie Ihrem Vater die Hand, nehmen Sie Ihn in den Arm... Gefühle verstehen auch schwer erkrankte Demenzpatienten.

            Ich hoffe, ich konnte Ihnen ein wenig helfen.

            Einen kleinen Tipp noch: Vertrauen Sie sich der Stationsleitung an, damit diese weiß, wie es Ihnen und Ihrer Mutter geht und sie kann Sie bestimmt unterstützen, indem sie z.B. die Pfleger anweist, dass diese sich um Ihren Vater beim Absched kümmern und ihn nicht alleine auf seinem Zimmer zurücklassen.

            Und sprechen Sie mit Ihrer Mutter, ob Sie alle der Meinung sind, dass Ihr Vater in genau dieser Einrichtung richtig aufgehoben ist. Es gibt Einrichtungen mit speziellen Progammen für dementiell Erkrankte Bewohner.

            MfG Galaktika

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            • Re: Demenz und Weinen


              Lieber Egon-Martin
              Sehr herzlichen Dank für auch diese sehr wohltuenden Worte! Sie helfen uns damit sehr.
              Mit besten Grüssen
              Vivi

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              • Re: Demenz und Weinen


                Hallo,
                ichmöchte erst einmal sagen, dass auch meine Mutti set zwei Jahren im Heim lebt, mit Demenz.Mir geht es manchmal genauso wie Ihnen. Ihr Vati hat zwar Demenz, aber er hat auch noch Gefühle.Wenn Sie oder Ihre Mutti Ihn besuchen, dann verbindet er das mit Geborgenheit und zuneigung.Ich würde auch weinen müsste ich im Heim sein. Dortwird er versorgt mit dem nötigsten, aber ohne zuneigung und Geborgenheit. Die geben Sie und ihre Mutti.Es tut ihnen und der Mutti sehr weh, aber Sie haben bis zu ihrer Grenze doch versucht alles für den Vati zu tun.Ich kann das sehr verstehen, wie sie sich fühlen wenn ihr Vati weint, mir geht es genauso wenn meine Mutti weint wenn ich gehe,aber ich kann es auch nicht ändern,ich kann nur meiner Mutti Liebe und Zuneigung geben und dolle auf Sie aufpassen,dass sie keine Beruhigungsmittel und dgl bekommt,da das einen Demenzkranken noch kränker macht.Ich wünsche ihnen und ihrer Mutti von Herzen ganz viel Kraft und machen sie sich keine Vorwürfe uns Angehörigen sind eben auch Grenzen gesetzt.
                liebe Grüsse
                heidrun Hoffie Maresch

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                • Re: Demenz und Weinen


                  Hallo Galaktika, danke für Ihre Worte. Wir haben nun in der Zwischenzeit zwei freiwillige Helfer organisiert, die mit dem Vater spazierengehen und sonst sich um ihn kümmern. Das gibt für uns als Familie Entlastung, vor allem für die Mutter. Kürzlich wurde er zufälligerweise von einer Heimangestellten am Hauptbahnhof aufgefunden, er war verwirrt und sagte er suche seine Frau. Das zeigt uns, dass sich sein Zustand verschlimmert. Er kann jetzt nur noch mit einer Betreuungsperson nach draussen. Ich habe ihm auch erklärt, dass er eine wichtige Funktion im Heim hätte, er müsse die Leute dort beraten. Er war früher als Unternehmensberater tätig. Das ist hilft tatsächlich. Es gibt ihm das Gefühl, eine Aufgabe zu haben. Unser Vater ist noch nicht in einer Einrichtung mit speziellen Programmen für Demenz-Kranke, da es in unserer unmittelbaren Nähe keine gibt. Wir wollten ihn so lange wie möglich in unserer vertrauten Umgebung haben.
                  Nochmals herzlichen Dank für Ihre aufmunternden Worte.
                  Vivi

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