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Frühdiagnostik - neue Möglichkeiten

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  • Frühdiagnostik - neue Möglichkeiten

    Liebe Forum-Mitglieder,

    ich arbeite an einer neuen Frühdiagnostik für Morbus Alzheimer und bitte Sie um die Teilnahme an einer Umfrage. (Wer Fragen zum Projekt hat kann mich gerne kontaktieren - und noch eines ist mir wichtig: das Verfahren ist noch in der Entwicklung. Ich möchte also keine falschen Erwartungen wecken oder gar etwas verkaufen.)

    Ich suche nach Antworten für die Akzeptanz und das Interesse an einem neuen diagnostischen Verfahren. Die Entwicklung benötigt noch erhebliche finanzielle Mittel. Um die Suche nach einem Investor zu unterstützen führe ich diese Umfrage durch.

    Es geht bei der Umfrage um das Thema leichte kognitive Störungen und Alzheimer. Eine Vorstudie hat gezeigt, dass mit einer neuen Technologie die Vorstufe (leichte kognitive Störungen) bereits frühzeitig anhand einer Blutprobe diagnostiziert werden kann. Was sehr wichtig für die frühzeitige Therapie wäre.

    Hier finden Sie die Umfrage:
    http://spreadsheets.google.com/viewf...RWRPNzF2U1E6MA

    Vielen Dank für Ihre Teilnahme und Unterstützung.

    Tobias Keller


  • Re: Frühdiagnostik - neue Möglichkeiten


    Sehr geehrter Herr Keller!

    Ihr Fragebogen enthält eine Formulierung, um deren Klärung ich Sie bitten möchte:
    "Die Behandlung von leichten kognitiven Störungen kann verhindern, an Alzheimer zu erkranken."

    Diese Behauptung verblüfft mich sehr. Mein Arzt hat mir die Diagnose einer leichten kognitiven Störung gestellt. Er hat mich zur Kontrolluntersuchung in 12 Monaten eingeladen und KEINERLEI Behandlung verordnet. Auch Dr. Spruth hat bestätigt, dass es bei dieser Diagnose NICHT ÜBLICH ist, Medikamente zu geben. Im Netz habe ich Hinweise darauf gefunden, dass Antidementiva in diesem Stadium der Erkrankung nicht wirken.

    Welche Behandlung, die das Ausbrechen der Alzheimer-Krankheit verhindern könnte, ist im Fragebogen gemeint?

    Der im Bogen abgefragte Preis, den der Leser für den Test zahlen würde, hängt von den Möglichkeiten ab, die man ihm nach gestellter Diagnose eröffnen kann. Wenn "Abwarten" und "nach einem Jahr wiederkommen" die einzigen sind, wäre es besser, auf die Diagnose zu verzichten.

    Ich würde mich freuen, wenn Sie andere Perspektiven aufzeigen könnten!

    Vielleicht könnten Sie noch Genaueres über Ihr Projekt erzählen?

    Suchen Sie auch nach Antikörpern im Blut wie die Göttinger Runde?

    Bei Früherkennungstests frage ich mich immer, ob die Patienten vor falsch positiven Befunden ausreichend geschützt sind. Ich schätze deren Wahrscheinlichkeit bei neuropsychologischen Tests hoch ein, weil Angst und Nervosität ein Testergebnis verschlechtern können.
    Wie sieht es diesbezüglich bei Bluttests aus? Sollen sie die neuropsychologischen Tests nur ergänzen oder könnten sie bald ein Ersatz dafür werden?

    Und die wichtigste Frage: Wann kommt der erste auf den Markt?

    Freundliche Grüße
    Maria55

    Kommentar


    • Re: Frühdiagnostik - neue Möglichkeiten


      Sehr geehrte Frau Maria55,

      im Folgenden einige Antworten zu Ihren aufgeworfenen Fragen:

      Bei der "Sinnhaftigkeit" bzw. den Erfolgsaussichten einer Therapie von leichten kognitiven Störungen kommen wir in meinen Augen zu einer Glaubensfrage. Einige Wissenschaftler verneinen dies schlichtweg weil es noch keine medikamentöse Therapie gibt.
      Es gibt andere Forscher, die dies differenzierter sehen. Im Folgenden zitiere oder berufe ich mich auf eine Broschüre des Zukunftsforum Demenz ("Frühformen der Demenz – Früherfassung, Risikofaktoren und Prävention bei MCI"):
      - "Doch wie lässt sich eine solche Entwicklung verhindern? (...) Sicher ist, dass die Risikofaktoren, die das Herz-Kreislauf-System schädigen, auch die Hirnfunktion
      beeinträchtigen können. Daher sollten alle älteren Menschen versuchen, Gewicht, Blutdruck und die Blutfettwerte so nah wie möglich an der Norm zu halten.
      - Kontrolle des Homocysteinspiegels (z.B. durch Folsäure).
      - "Als Vorbeugemaßnahme gegen eine Altersvergesslichkeit wird auch immer wieder das Hirn-Jogging genannt. Nachgewiesen ist, dass Menschen mit geistig anspruchsvollen Berufen zwar nicht vor Demenz gefeit sind, aber deutlich später hilfsbedürftig werden als Personen, die ihr Hirn zeitlebens nicht so stark beansprucht haben. Daher gilt: Das Hirn in Trab halten!"
      - "Besonders soziale Kontakte – sei es nun der Schach-Club, die Bridge-Runde oder andere Aktivitäten in Gesellschaft – regen den Geist an."
      - "Körperliche Bewegung hält nachgewiesenermaßen den Gesamtorganismus fit (...). Auch das Hirn profitiert von Sport."
      - Veränderung der Ernährung (wozu es auch zahlreiche Studien gibt).

      Also alles in allem eine frühzeitige Veränderung der Lebensführung!

      Der Erfolg einer solchen "Behandlung" kann m.E. anhand einer Diabetes Typ 2 Präventionsstudie abgelesen werden (was auf den ersten Blick durchaus gewagt ist - ich gehe am Ende dieser Antwort aber noch auf die Theorie hinter diesem Vergleich ein):
      Die finnische Diabetes-Präventionsstudie hat aufgezeigt, dass neben Bewegung auch die Ernährung eine wichtige Rolle bei einer Insulinresistenz spielt. Das Risiko aus einer gestörten Glukosetoleranz einen Diabetes Typ 2 zu entwickeln konnte um 58% gesenkt werden. Über eine Ernährungsberatung wurde den Patienten folgende Veränderung der Ernährung empfohlen: Ein Anteil von Fett gemessen am gesamten Energiewert von nicht mehr als 30%, von gesättigten Fetten von nicht mehr als 10%. Grundsätzlich eine erhöhte Einnahme von Ballaststoffen, Vollkornprodukten, Gemüse, Obst, Verwendung von fettarmer Milch und fettarmem Fleisch sowie Ölen mit einem hohen Anteil von ungesättigten Fettsäuren. Durch diese Ernährungsumstellung und moderate Bewegung konnte auch eine deutliche Abnahme des Körpergewichts erzielt werden.
      Neben dem beeindruckenden Wert von 58% vermindertem Risiko eines Diabetes Typ 2 ist es aufschlussreich eine genauere Analyse vorzunehmen. Die Patienten wurden danach bewertet, inwiefern sie den Empfehlungen zur Veränderung des Lebenswandels gefolgt sind. Dabei wurden 5 Ziel formuliert: Gewichtsreduktion von 5%, Anteil von Fetten von unter 30%, Gesättigte Fettsäuren unter 10%, Ballaststoffe von mindestens 15g je 1000 kcal und mindestens 4 Stunden Bewegung pro Woche. Aus der Gruppe, die 4 von 5 Zielen erreichte, hat kein Patient einen Diabetes Typ 2 entwickelt!

      Jetzt steht natürlich die Frage im Raum: was hat Diabetes mit MCI oder Alzheimer zu tun? In der Forschung gibt es den Ansatz Alzheimer als Diabetes Typ 3 zu bezeichnen. Diese Gruppe von Forschern geht davon aus, dass Alzheimer durch eine Insulinstoffwechselstörung im Gehirn entsteht. Neuritische Plaques und Tangles sind demnach nur Folgeveränderungen.

      Noch ein paar Worte zum im Fragebogen angesprochenen Verfahren: es werden unterschiedlichste Moleküle im Blut gemessen (keine Antikörper), welche auf Stoffwechselveränderungen hinweisen. Eine Vorstudie hat die Machbarkeit aufgezeigt. Leider ist das Projekt wegen der fehlenden Finanzierung gescheitert.

      Bei weiteren Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

      Mit freundlichen Grüsse
      Tobias Keller

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      • Re: Frühdiagnostik - neue Möglichkeiten


        Sehr geehrter Herr Keller!

        Danke für die ausführliche Antwort!

        Die Behandlung soll also darin bestehen, dass dem Patienten eine Umstellung seiner Lebensweise nahegelegt wird? Einen Haken hat dieser Ansatz schon: Im Fall eines „idealen Patienten“ wird er wirkungslos!
        Der ideale Patient hat sich schon vor der Diagnosestellung vitaminreich und fettarm ernährt. Seine Laborwerte und sein Blutdruck liegen ebenso im Normalbereich wie sein Gewicht. Er macht täglich zumindest ein bisschen Sport und hat einen geistig anspruchsvollen Beruf, der ihm viele soziale Kontakte beschert.
        Sagen Sie jetzt nicht, einen solchen MCI- oder Alzheimerpatienten gäbe es nicht! Ich kenne jemanden, der dem beschriebenen Idealbild ziemlich nahe kommt!

        Es tut mir Leid, dass aus Ihrem Projekt nichts geworden ist. Wenn Blutuntersuchungen die neuropsychologischen Tests ersetzen könnten, wäre das in meinen Augen ein großer Gewinn für die betroffenen Patienten. Zurzeit nimmt man ja vielen dieser Menschen die letzte Würde, bevor sie die erste Tablette bekommen.

        Ich habe Ihr Merkblatt „Morbus Alzheimer als Stoffwechselerkrankung“ gelesen und hoffe sehr, dass der darin beschriebene Denkansatz langfristig zu einer Verhinderung der Alzheimerkrankheit führen kann oder Heilungsmöglichkeiten für sie erkennbar macht.

        12g Galactose und zwei Tassen grüner Tee gehören für mich schon zum täglichen Pflichtprogramm.
        An den vier Stunden Sport pro Woche arbeite ich noch.

        Noch einmal DANKE und freundliche Grüße
        Maria 55

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