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Alzheimer im Krankenhaus:Sedierung

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  • Alzheimer im Krankenhaus:Sedierung

    Es ist erschütternd:
    Meine Mutter hatte einen Sturz, Oberschenkelhalsbruch, wurde am Mittwoch operiert
    und wird seitdem derart mit Schmerz-und Beruhigungsmitteln traktiert, daß sie wimmert, sterben möchte, nicht mehr weiß, was geschehen ist und wo sie sich überhaupt befindet.
    Es macht mir Angst. Ich verstehe einerseits, daß man sie ans Bett fixiert hat, damit sie nicht aufsteht, und daß man sie ruhigstellen muß, um ihr die Schmerzen zu nehmen und die Angst. Aber mit einer mittelschweren Alszheimer-Demenz hat ihr Gehirn keine Chance mehr -
    so sieht es für mich aus - das Erlebte zu verarbeiten und nun erst recht nicht unter der Wirkung von sedierenden Tropfen, die schon einen Gesunden umhauen.
    Besteht die Hoffnung, daß sich ihre Ausfälle wieder verringern? Oder gibt das Ganze der Krankheit einen irreversiblen Schub?
    Wie sind Eure Erfahrungen?


  • Re: Alzheimer im Krankenhaus:Sedierung


    Heikel, liebe buteonia, ich habe es selbst wiederholt mit meinem Vater erlebt. Krankenhausaufenthalte sind immer sehr problematisch für Alzheimerpatienten und verschlechtern den Zustand immens. Es wäre gut, wenn Ihre Mutter so bald als möglich wieder in ihre gewohnte Umgebung kommt. Einiges wird sich nach einer gewissen Zeit wieder bessern, aber vermutlich wird der gleiche Level nicht wieder erreicht. Schwierig wird auch das Ausschleichen der Beruhigungs- und Schmerzmittel werden. Achten Sie darauf, dass diese Mittel nur so lange wie unbedingt nötig gegeben werden. Ich wünsche Ihnen und Ihrer Mutter alles Gute. Leona

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    • Re: Alzheimer im Krankenhaus:Sedierung


      Danke, Leona.
      Es ist bisher langsam vorangeschritten mit Mutters nachassenden geistigen Kräften,
      und wir konnten uns langsam anpassen und ruhig und besonnen reagieren,
      nun kommt wie ein Hammer der deutliche Verlust der Realität. Das will verarbeitet werden. Mutter hat Schübe von Selbsttötungsgedanken und dann wieder ist sie nach ein wenig
      gutem Zureden recht tapfer und findet, das "wird schon wieder"...
      Wie bald (und ob überhaupt...) Mutter wieder nach Hause kann, hängt natürlich vom Genesungsprozeß ab und von dem Einsatz ihres Betreuers, der im Krankenhaus schon
      dafür gesorgt hat, daß man uns Angehörige abblockt. Man plant wohl, Mutter im angeschlossenen Geriatrie-Zentrum zu rehabilitieren. Mehr konnte ich nicht erfahren.
      Vielleicht ist es auch noch zu früh für aussagefähige Prognosen, immerhin war der Sturz erst vor einer Woche.
      So hilflos daneben stehen zu sollen, zerrt gewaltig an meinen Nerven.
      LG
      buteonia

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      • Re: Alzheimer im Krankenhaus:Sedierung


        Hallo buteonia,

        welche Beruhigungsmittel und wieviel bekommt Ihre Frau Mutter???
        Bitten Sie den Stationsarzt nach einem psychiatrischen oder einem neurologischen
        Konsil ! Nach einer möglichen Depression muß fachärztlich geschaut werden, nach der Medikation unbedingt ebenso !
        Alles Gute
        Ischwalm

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        • Re: Alzheimer im Krankenhaus:Sedierung


          Hallo!
          Mutter wurde heute in die Geriartie verlegt. Ich werde mich vor Ort überzeugen, wie es ihr geht.
          Vielen lieben Dank für die Hinweise. Ich berichte, wie es weitergeht.
          Liebe Grüße
          buteonia

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          • Re: Alzheimer im Krankenhaus:Sedierung


            Hallo!

            Bei meiner Tante haben wir sehr schlechte Erfahrung mit Beruhigungsmitteln gemacht.Ich bin zwar kein Experte, habe aber das Gefühl, das Beruhigungs- und generell viele Medikamente bei Demenzerkrankten anders wirken als bei gesunden Menschen.Vielleicht liegt es auch einfach an der Dosierung. Ältere Menschen brauchen oft wesentlich weniger als gesunde,kräftige Patienten.

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            • Re: Alzheimer im Krankenhaus:Sedierung


              So ist es auch.
              Mittlerweile ist meine Mutter in der geriatrischen Station und wird nicht mehr sediert und nicht mehr fixiert. Sie wird mobilisiert und mit Schmerzmitteln so weit behandelt, daß sie schmerzfrei (weitgehend) ist. Ihre mentale Verfassung ist zwar noch nicht wieder auf dem Stand von vorher, aber schon besser als unter den Sedativa.
              Ich bin mir sicher, daß eine Demenz durch solche starken Beruhigungsmittel höllisch verschärft wird und das möglicherweise irreversibel. Das muß sich bei meiner Mutter noch zeigen.
              Jetzt ist zwar einerseits nachvollzienbar, daß demente Patienten für eine chirurgische Station eine große Belastung sind und selbst bei intensiver Beobachtung Selbstschädigungen stattfinden, andererseits verwundert es, daß ein Wechsel bzw. das Absetzen dieser Beruhigungsmittel von einem Tag zum anderen "ganz einfach" zu sein scheint, inklusive dem Verzicht auf Bauchgurt etc.
              "Wir machen das hier nicht" wurde mir erklärt. Dafür sind deutlich mehr Pfkegekräfte auf dieser Station, die sich freundlich und geduldig mit den Patienten beschäftigen. Soviel dazu.
              Ich bin dankbar für dieses Forum. Es hilft ungemein, sich auf diese Weise mit anderen Menschen austauschen zu können, die auch ganz nah dran sind.

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              • Re: Alzheimer im Krankenhaus:Sedierung


                Liebe buteonia,
                ich freue mich für Sie und Ihre Mutter, dass es in der Klinik eine Geriatrische Station gibt. Dort hat man in der Regel sehr viel mehr Verständnis für die Bedürfnisse des älteren oder dementen Menschen. Glück im Unglück! Wunderbar, dass man bereits begonnen hat, die sedierenden Mittel abzusetzen und sich auf die Rehabilitierung konzentriert. Mit der unwiederbringlichen Vernichtung kognitiver und körperlicher Fähigkeiten durch sedierende Mittel muss ich Ihnen leider aus bitterer Erfahrung Recht geben. Hier gilt es noch viel dazuzulernen, denn Alzheimer geschädigte Gehirne alter Menschen reagieren in der Tat meist völlig anders als das junge Gehirn eines psychisch kranken Menschen. Gute Besserung für Ihre Mutter und einen lieben Gruß! Leona

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                • Re: Alzheimer im Krankenhaus:Sedierung


                  Sehr geehrte buteonia,

                  ich freue mich über die positive Wendung im Fall Ihrer Mutter. Es sollte insbesondere in der Behandlung der Schmerzen daran gedacht werden, daß viele Analgetika ähnlich negative Auswirkungen auf die Hirnleistung haben können, wie Sedativa. Es sollte also daran gedacht werden, auch diese im Verlauf auf ihre Notwendigkeit zu überprüfen. Da sich Ihre Mutter aber in einer spezialisierten Einrichtung befindet, wird man hiermit aber Erfahrung haben.

                  Mit freundlichen Grüßen,

                  Spruth

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                  • Re: Alzheimer im Krankenhaus:Sedierung


                    Liebe Leona, lieber Herr (?) Spruth,
                    es ist wirklich das Beste, was meiner Mutter in dieser Situation "passieren" konnte.
                    Ich war vorgestern dort. Man hatte ihr wenige Minuten zuvor auf Geheiß ihres Betreuers
                    die gerichtliche Genehmigung für die "freiheitsentziehenden Maßnahmen", die auf
                    der Chirurgie-Staion erforderlich gewesen waren, ausgehändigt, und sie hatte nicht verstanden, daß diese Phase nun vorbei ist, sie hatte diese Maßnahmmen überhaupt
                    nicht wahrgenommen.
                    Und weil ich allein nur mit Mühe erklären konnte, was warum mit ihr getan worden war, kam auf mein Erscheinen im Schwesternzimmer hin sofort jemand mit, um ihr zu versichern, daß das nur eine Vorsichtsmaßnahme gewesen war und jetzt nicht mehr gemacht wird. Sie hat auch diese Aufregung , so hoffe ich, wieder vergessen, sie war
                    kurz und heftig, fällt aber wohl unter Kurzzeitgedächtnis und ist damit erledigt.
                    Ich habe auch den Betreuer damit konfrontiert und ihm damit aufgezeigt, wie sensibel Demenzkranke sind.
                    Mutter wird freundlich und geduldig behandelt, sie kann schon ganz prima am Rollator gehen, am Montag sollen die Fäden gezogen werden...
                    Man gibt ihr übrigens nicht mehr das "Aricept", sondern "Exelon 4,5" als Pflaster.
                    Das hat sicher mit bestimmten Wechselwirkungen zu tun, die bei oraler Einnahme zusammen mit Blutdrucksenkern auftreten können.
                    Und mittlerweile haben Betreuer und Haushaltshilfe sogar beschlossen, daß meine wiederholten Hinweise auf die Unmöglichkeit von Alkohol mit diesen Medikamenten
                    wohl doch mehr waren als "Gemecker" und daß Mutter keinen Alkohol mehr gekauft bekommt.. Immerhin war sie alkoholisiert, als sie stürzte, nach dem Genuß von knapp 300ml Kräuterlikör mit 35 Vol.%....
                    Nun denn.
                    Wollen wir nach vorne schauen.
                    Danke für die Hinweise und Anteilnahme. Es tut gut.
                    Bis bald,
                    buteonia

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