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Bitte Expertenrat - Kann das wirklich Alzheimer sein?

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  • Bitte Expertenrat - Kann das wirklich Alzheimer sein?

    Hallo!

    Es geht um meinen Vater. Er ist 63 Jahre alt, seit drei Jahren Rentner. Seine Grundpersönlichkeit war schon immer aufbrausend, cholerisch, intolerant, jedoch bis zu einem Vorfall auf seiner Arbeitsstelle, aufgrund dessen er quasi "strafversetzt" wurde, hielt sich das alles sehr im Rahmen. Das ist jetzt etwa 12 Jahre her. Seitdem konnte man bei ihm eine immer stärkere Ausprägung dieser Wesensmerkmale beobachten. Etwa seit 10 Jahren nimmt er immer mal wieder verschiedene Antidepressiva, die ihm sein "Hauspsychiater" verschrieb. Etwa um 2000 herum begann sich bei ihm eine gewissen Vergesslichkeit einzustellen. Zunächst waren nur Namen von Personen betroffen, die er ohnehin nur selten zu Gesicht bekam und zu denen er meist früher nur kollegiale Kontakte hatte. Nach und nach begann er dann auch Termine und Verabredungen zu vergessen, wenn er sie sich nicht notierte. Das dehnte sich dann auch auf den Inhalt von Telefonaten aus, weshalb er begann, sich Stichwortlisten zu erstellen, um den Inhalt der Telefonate an meine Mutter weitergeben zu können.
    Andere Dinge, wie beispielsweise den Inhalt von Zeitungsartikeln, die er am Morgen oder an vorhergehenden Tagen gelesen hat, kann er sich allerdings nach wie vor hervorragend merken. Das tagesaktuelle Geschehen in der Politik beobachtet er aufmerksam und interessiert, kennt sich aus, politisiert, kritisiert (alles aber sehr aggressiv, stets stark wertend und intolerant, was sich auch und vor allem an seiner radikalen Wortwahl bemerkbar macht). Mir gibt er von Zeit zu Zeit Zeitungsartikel, die sich auf mein Berufsfeld beziehen, zum Lesen mit und erinnert sich auch noch Wochen danach, dass er sie mir gegeben hat und fragt mich dann nach meiner Meinung.
    Der letzte gemeinsame Urlaub meiner Eltern vor etwa zwei Wochen war eine mittlere Katastrophe für meine Mutter, da mein Vater einzig und allein damit beschäftigt zu sein schien, möglichst schnell an möglichst viel Essen heranzukommen (O-Ton dreimal täglich: ich will mich mal wieder richtig satt essen) oder, alternativ, Steine und Sämlinge zu sammeln. Von den Geschehnissen um ihn herum bekam er wenig mit; das befreundete Ehepaar, welches mitgefahren war (man kennt sich seit 20 Jahren), ignorierte er wohl größtenteils, er beteiligte sich nicht an Gesprächen, nicht an der Planung von Tagesausflügen, zog sich in seine Welt zurück und machte sich nur bemerkbar (wegrennen, Türen knallen), wenn etwas nicht nach seinem Willen geschah. Alles in Allem: kindliche Verhaltensweisen.

    Insgesamt muss ich hinzufügen, dass meinem Vater seine Vergesslichkeit durchaus bewusst ist und dass er sich dadurch auch massiv belastet zu fühlen scheint. Seine Aggressionen scheinen ihm allerdings nicht bewusst zu sein, auch nicht seine Wirkung auf seine Umwelt (immer mehr Freunde meiner Eltern kapseln sich ab, weil er auch sehr oft Streit wegen Nichtigkeiten anfängt).

    Anfang 2009 war er für vier Wochen in einer psychiatrischen Einrichtung (welche er nur auf Drängen der Familie aufsuchte); dort wurde auf dem MRT-Bild ein Hirnschwund festgestellt.
    Die Diagnose lautet momentan Alzheimer im Anfangsstadium.
    Was mich allerdings stutzig macht, ist sein "selektives Vergessen" und die lange Dauer seines "Persönlichkeitsveränderungsweges". Sofern ich das einschätzen kann (als Laie wohl eher schlecht), ist so etwas doch eher untypisch?
    Er geht nicht in Hausschuhen einkaufen, verlegt nicht den Kamm im Kühlschrank, benimmt sich was den Alltag angeht eigentlich total "normal". Einzig seine wachsene Aggressivität, seine extreme Intoleranz und das "selektive Vergessen" sind nicht normal (abgesehen vom diagnostizierten Hirnschwund).

    Was können wir tun, um zu helfen bzw. um die Diagnose entweder zu bestätigen oder zu entkräften?
    Ist denn so ein Verlauf typisch? Deuten Symptome auf etwas anderes hin?

    Ich bitte inständig und höflichst um Rat und Hilfe (im Rahmen des hier möglichen), denn dieser Zustand ist mittlerweile untragbar, in erster Linie für meine Mutter.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Schnurzpiepe


  • Re: Bitte Expertenrat - Kann das wirklich Alzheimer sein?


    Liebe/r Schnurzpiepe,
    zunächst eine Frage zur Diagnose - Ihr Vater wurde ja stationär untersucht. Welche Tests wurden durchgeführt und wissen Sie, wie er abgeschnitten hat? (Sie können sich übers Netz übrigens auch selbst Tests beschaffen, z.B. den Mini-Mental-Status-Test und ihn mit Ihrem Vater durchführen, ebenso den Uhrentest) - Wurde eine Liquor-Untersuchung gemacht? Und wo genau war die Gehirnschrumpfung festzustellen? Denn diese allein muss noch keine krankhaften Auswirkungen haben. Allerdings gibt es alzheimertypische Veränderungen - an den Schläfenlappen zum Beispiel.

    Wenn also die Diagnose "frühe Alzheimererkrankung" gestellt wurde, so muss doch eigentlich auch ein Antidementivum (Cholinesterasehemmer: Exelon, Reminyl o.a.) verordnet worden sein. Meist wird auch der Blutdruck korrigiert und ein blutverdünnendes Mittel wie ASS gegeben. Dies alles müssten Sie uns nochmal mitteilen.

    In den frühen Stadien ist alles möglich - je nachdem, wo der Zelluntergang beginnt. Es sind selten alle Bereiche gleichzeitig betroffen. Und ihre Schilderung erinnert mich an die frühen Stadien meines Vaters, der innerhalb von 4 Jahren ein schwerer Pflegefall wurde.
    Die ersten 2 Jahre konnten wir aber noch gut mit den Antidementiva bewältigen, erst dann kam der Absturz.

    Wie hat Ihr Vater auf die Diagnose reagiert? Hat er sie akzeptieren können oder vehement dagegen argumentiert? Mein Vater z.B. zog sich darauf zurück, dass die Ärzte nur Geld an ihm verdienen wollten und wohl selbst nicht ganz dicht seien. Nur sehr selten räumte er in sehr persönlichen Gesprächen ein, dass er hoffe, man werde bald ein wirksames Medikament gegen Alzheimer finden, damit er diesem Schicksal entgehen möge.

    Die Persönlichkeitsveränderung kann sich in der Tat über einen sehr langen Zeitraum vollziehen - zunächst unmerklich. Wie ich von einem Fachmann erfuhr, beginnt die Degeneration oft 20 Jahre bevor man offenkundige Auswirkungen bemerkt.
    Auch die von Ihnen geschilderte "aggressive Phase" konnte ich bei meinem Vater beobachten - ich vermute, es ist das Auflehnen gegen die "Schwächen", die der Betroffenen selbst bemerkt und verständlicherweise nicht wahr haben will. So wird erst einmal die Umwelt für alles verantwortlich gemacht und eine starke Gereiztheit macht sich breit.

    Auch das selektive Vergessen ist nichts Ungewöhnliches. Vater las noch Zeitung und berichtete was er gelesen hatte, aber er behauptete auch, fremde Leute drängen nachts in seine Wohnung ein und würden ihn bestehlen, sein Wasser und seinen Strom benutzen.
    Im Allegmeinen kann man sagen, dass Ereignisse, die in irgendeiner Weise mit Emotionen verknüpft sind, länger und klarer erinnert werden.

    Sie könnten zu Ihrer Sicherheit noch eine zweite Meinung einholen - vielleicht verändert dies ja noch etwas an der Diagnose. Ich wünche Ihnen und Ihrem Vater alles Gute.
    Und wenn Sie mehr Infos brauchen: www.deutsche-alzheimer.de und www.alzheimerforum.de.

    Leona

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    • Re: Bitte Expertenrat - Kann das wirklich Alzheimer sein?


      Hallo Schnurzpiepe,

      ob es eine Demenz vom Alzheimer Typ ist, läßt sich strengenommen erst nach dem Tod durch Hirnbiopsien feststellen. Ich halte - wenn auch als Laie - Morbus Pick für wahrscheinlicher (frontotemporale Demenz). Dafür spricht die relativ lange Erhaltung intellektueller Fähigkeit in Verbund mit dem Verlust an Empathie.

      In unserem Stirnhirn - unmittelbar oberhalb der Augenhöhlen (orbita) befindet sich ein Hirnbereich, der für unsere soziale Anpassung (Gewissen, Über-Ich, Mitgefühl, Rücksichtnahme) zuständig ist (orbitofrontaler Cortex, OFC). Ist dieser lädiert, wird der Patient rücksichtlos und zunehmend unsozial. Berühmtes Beispiel aus der Geschichte der Neurologie ist ein Mann namens Phineas Gage, ein Vorarbeiter beim Eisenbahnbau in den USA im 19.Jahrhundert. Durch einen Arbeitsunfall wurde sein OFC zerstört und der vorher liebevolle Familenvater wurde zu einem rücksichtslosen und zuweilen sogar gewalttätigen Menschen.

      Fragen Sie doch mal gezielt nach Läsionen im OFC bei den MRT-Bildern.

      Bei Morbus Pick empfiehlt sich m.E. ein früher Einsatz von Neuroleptika.

      Soweit meine Erklärungsversuche.

      Gruß
      Egon-Martin

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      • Re: Bitte Expertenrat - Kann das wirklich Alzheimer sein?


        Hallo Schnurzpiepe, hallo Egon,
        Egon du bist - wie meist - auf der richtigen Fährte.
        Zu Morbus Pick folgenden Link:

        http://www.alzheimerforum.de/2/5/3/morbus-pick.html

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        • Re: Bitte Expertenrat - Kann das wirklich Alzheimer sein?


          Nachtrag:

          http://www.pick-demenz.de/

          Kommentar


          • Re: Bitte Expertenrat - Kann das wirklich Alzheimer sein?


            Danke Leona - aber das letzte Wort überlasse ich natürlich Dr. Spruth. Im nächsten Leben, wenn es Reinkarnation geben sollte, werde ich Medizin studieren :-).

            Hier noch etwas Erweiterung zu NL - das war zu platt von mir:

            http://forum2.onmeda.de/read.html?26...24#msg-1671624

            Irgendwie bin ich in letzter Zeit etwas durcheinander...

            LG
            Egon

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            • Re: Bitte Expertenrat - Kann das wirklich Alzheimer sein?


              Hallo EgonMartin und Leona;

              vielen lieben Dank für die Infos. Was ich auf der Seite mit dem Morbus Pick - Link gelesen habe, hat mich zum Weinen und zum Aufatmen gebracht. In der Tat scheint MP eher zuzutreffen, natürlich ist es grausam das alles zu lesen, weil ich auch den Eindruck habe, es sei mein Vater um den es hier geht, die Geschichte ist fast identisch, die Fresslust, die Lauflust, die Ignoranz, das komplette Verhalten. Aber es ist auch beruhigend zu wissen, dass mein Verdacht, es handele sich möglicherweise nicht um Alzheimer, durchaus richtig sein könnte.
              Außer einem MRT ist nichts gemacht worden, sagt meine Mutter, keine Tests (Uhr, Mini-Mental), keine Liquor-Untersuchung. Nur das MRT. Um ehrlich zu sein (sorry schonmal im Voraus für meine Wortwahl): Mich kotzen diese Provinzärzte mittlerweile massiv an. Das was auf der Seite, die mir Leona verlinkt hatte, geschrieben wurde hinsichtlihc der Ärzte in Dresden trifft nämlich auch auf die Sache bei meinem Vater zu - möglicherweise ist das ein "Ost-Phänomen", denn meine Eltern leben zwischen Leipzig und Dresden und sind auch nur in dieser Region bei Ärzten gewesen. Da ich seit Jahren in NDS lebe, weiß ich, dass Ärzte durchaus auch anders handelt als "die im Osten" (bitte diese Pauschalisierung nicht zu ernst nehmen).

              Nochmals vielen lieben Dank für die Hinweise und Hilfe,
              Herr Dr. Spruth wird eventuell auch noch antworten?? Das wäre toll!

              Herzlichen Dank
              Schnurzpiepe

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              • Re: Bitte Expertenrat - Kann das wirklich Alzheimer sein?


                Hallo,
                man sollte erst einmal "auf dem Teppich bleiben".
                Eine fachärztliche Diagnostik mit einem bildgebendem Verfahren ( hier ein MRT ) wurde bei ihrem Vater durchgeführt.
                Die Diagnose - Beginnende Demenz vom Alzheimer-Typ - wurde festgestellt.
                Ein Facharzt ist durchaus in der Lage, einen Morbus Pick von anderen Demenzen zu unterscheiden. Auch wenn man als Laie glaubt, die richtigen Symptome zu kennen, zeigt ein bildg. Verfahren einiges mehr.
                Oft ist es der Angehörige, der eine gewisse Zeit benötigt, die Diagnose Alzheimer zu akzeptieren.
                Morbus Pick ist sehr selten, 1 - 3 % der der Demenzen, eine familiäre Häufung in etwa 40 % der Fälle, Frauen sind etwa doppelt so oft betroffen wie Männer.
                Antidementiva sind bei Morbus Pick nicht wirksam, können eher verschlimmern. Behandlung häufig durch Neuroleptika.
                Vertrauen Sie dem Befund vom Facharzt, fragen Sie nach Antidementiva.
                Eine 100 % Sicherheit gibt es auch nicht durch eine Liquor - Untersuchung. Mir scheint ein Therapiebeginn sehr wichtig. Lesen Sie auch die verschiedenen Berichte im Forum.
                Alles Gute
                Ischwalm

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                • Re: Bitte Expertenrat - Kann das wirklich Alzheimer sein?


                  Sehr geehrte Frau Schwalm (ich hoffe jetzt liege ich richtig?),

                  da muss ich Ihnen leider widersprechen, wir haben eine 6-jährige Odyssee hinter uns, mit dem Erfolg, dass man bis jetzt nicht gesichert weiss, was mein Vater hat! Am einfachsten scheint für die Ärzte die Diagnose "V.a. Alzheimer", allumfassend! Bitte lesen Sie mal alleine meine Threads zu Lewy-Body-Erkrankung durch, und Sie werden feststelllen wie wenig Rücklauf es hierzu gibt, obwohl es dieses Krankheitsbild bis zu 20% der Demenzerkrankungen zumindest zu einem Anteil betreffen könnte! Und auch bei meinem Vater wurde rumgerätselt, ob er evtl. Pick hat, zumindest ein bisschen etc., und man traute sich deshalb anschließend nicht Cholisterinase-Hemmer zu geben, und jetzt nach 3 Jahren "Fehlbehandlung" sagt man, dass wir jetzt schnellstmöglich darauf umstellen sollen - und wenn ich mir die Bilder meines Vaters von vor 5 Jahren erklären lasse, dann ist da auch ein "Anteil" Alzheimer zu sehen, aber meines Empfindens nach ist der relativ gering im Verhältnis zu den Auswirkungen der anderen betroffenen Regionen (z.B. Atrophien), und entsprechend der Verlauf.

                  Also in so unklaren Fällen unbedingt zu absoluten Fachstellen gehen, und Verhalten etc. schildern!

                  Ein Trost an schurzpiepe: Mir scheint das Rätselraten ist überall gleich, nicht nur im Osten

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                  • Re: Bitte Expertenrat - Kann das wirklich Alzheimer sein?


                    Hallo Flieder,
                    natürlich gibt es diese Einzelfälle, natürlich auch schwarze Schafe.
                    Trotzdem kann und darf man nicht den Fehler begehen, dies auf
                    alle Fälle zu übertragen. Schon gar nicht im Internet, ohne den betroffenen
                    Menschen zu kennen, bzw. die genauen Befunde. In diesem Fall sollte man sich
                    erst einmal die Befunde in Kopie geben lassen um genaueres zu erfahren.
                    Bevor man urteilt,sollte man sich auch selbst ausreichend über die erforderlichen
                    Grundkenntnisse informieren. Es geht hier nicht um : wer hat Recht, sondern um
                    das Machbare für den Betroffenen möglich zu machen. Der Betroffene ist über das Krankheitsbild zu informieren und ist dadurch oft erleichtert. Der an Demenz erkrankte
                    Mensch sollte nicht noch verunsichert werden.
                    Kleiner Nachtrag zum letzten Bericht : Menschen die unter Depressionen leiden
                    haben ein erhöhtes Risiko, an einer Demenz zu erkranken.
                    Leider, Flieder, liegen Sie auch mit " Frau Schwalm " nicht richtig.
                    LG
                    Ingo Schwalm

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                    • Re: Bitte Expertenrat - Kann das wirklich Alzheimer sein?


                      Hallo!

                      Was ich völlig vergessen habe zu erwähnen: meine Großmutter (Mutter meines Vaters) hatte eine ähnliche Erkrankung, bei der ebenfalls nicht die "normale Alzheimersymptomatik" zutraf. Sie verstarb Ende 2005; die Diagnose lautete auch bei ihr Alzheimer, wurde etwa 2002 gestellt.

                      Ich glaube, nach allem was ich bisher in Erfahrung bringen konnte, nicht, dass ein MRT ausreicht, und nach den Angaben meiner Mutter sind keine weiteren Tests gemacht worden. Der behandelnde Arzt war dort übrigens auch nicht bereit, überhaupt ein umfangreiches Gespräch mit meiner Mutter zu führen, war permanent unerreichbar. Alles was meine Mutter in Erfahrung bringen konnte, erfuhr sie auf telefonischem Weg.

                      Dass wir uns mit der Diagnose Alzheimer nicht anfreunden können, stimmt so nicht, im Prinzip wäre uns das sogar lieber, denn, subjektiv betrachtet, finde ich Morbus Pick "unangenehmer". Fragen Sie mich jetzt aber nicht, warum, das ist einer ein Gefühl.

                      DASS mein Vater krank ist und DASS es sich um eine solcherart gelagerte Krankheit handelt, stelle ich nicht in Abrede, ich bin aber sehr daran interessiert, dass A, die Diagnostik "vernünftig" gemacht wird und B, die entsprechende Behandlung auch die sinnvolle ist.
                      Wenn ich also lese, dass man bei MA anders medikamentiert als bei MP, ist mein Interesse an einer Klärung, um welche Krankheit es sich denn nun handelt, durchaus nachvollziehbar, auch im Sinne meiner schwer kranken Mutter (Herzinfarkte, Dialysepatientin etc.pp.), die meinen Vater ja momentan "erträgt".
                      Wir Kinder sind aus beruflichen Gründen weit weg, nehmen immer nur das wahr, was wir bei Besuchen zu sehen bekommen, und das ist schon hart genug. Wenn dann eventuell auch noch "falsch" behandelt wird, wäre das sicherlich eine behebbare Erschwernis des Ganzen.

                      Liebe Grüße,
                      Schnurzpiepe

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                      • Re: Bitte Expertenrat - Kann das wirklich Alzheimer sein?


                        Noch ein Nachtrag:
                        meinem Vater wurde bisher von keiner Seite deutlich gesagt, "sie haben Alzheimer", der Arzt meinte nur zu ihm: "Naja, Herr B., Sie wissen ja, was Sie haben."

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                        • Re: Bitte Expertenrat - Kann das wirklich Alzheimer sein?


                          Hallo Zusammen,

                          ich denke, wir sollten die Stellungnahme unseres Forenexperten Hr. Dr. Spruth abwarten. Kann manchmal etwas dauern - aber wird wohl noch kommen.

                          Es gibt an die 100 Demenztypen und diejenigen, von denen wir hier hauptsächlich im Forum schreiben, sind derzeit alle unheilbar. Bzgl. der richtigen Medikation ist selbstverständlich ein sorgfältiges differentialdiagnostisches Vorgehen erforderlich - und dennoch müßte man eigentlich mehrfach biopsieren um m.E. ganz sicher zu sein. Das aber verbietet sich vmtl. wegen der enormen Risiken (etwas daneben gehandhabt und schon sind einige Mio. Neuronen unwiederbringlich verloren - von anderen Gefahren ganz zu schweigen) und vmtl. auch wegen der Kosten.

                          MRT und anderen bilgebende Verfahren ermangelt es wegen der Auflösung an der exakten Erkenntnis von Feinstrukturen (wir haben es hier mit Vorgängen im Mikro- und Nanobereich zu tun). Tau-Prot. und Beta-Amyloid - durch eine LP gefunden - kann auch was anderes bedeuten. Erst das Zusammenspiel dieser und nichtinvasiver Verfahren wie Tests und Interviews kann eine einigermaßen - aber immer nur statistische - Sicherheit geben. Zu allem Übel gibt es auch noch Mischformen von Demenzen (z.B. DAT und VD).

                          Ist ja alles Statistik - auch das was wir Naturgesetze nennen. Diese stellen nichts anderes als quantenphysikalische Hochwahrscheinlichkeiten dar, die zumindest theoretisch auch Anomalien zulassen.

                          LG
                          Egon-Martin

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                          • Re: Bitte Expertenrat - Kann das wirklich Alzheimer sein?


                            Sehr geehrte/r Schnurzpiepe,

                            der klinische Verlauf, wie Sie ihn beschreiben, ist letztlich vereinbar sowohl mit einer beginnenden Alzheimer-Demenz (AD) als auch mit einer beginnenden Frontotemporalen Demenz (FTD), wenn man sich in der Diskussion auf diese zwei Demenzformen beschränken möchte. Wie Egon-Martin jedoch bereits richtig anmerkte, gibt es aber noch eine Vielzahl anderer möglicher Ursachen (darunter auch nicht-organische), woraus sich die Notwendigkeit einer ausführlichen medizinischen Abklärung bei jedem Patienten mit einer Hirnleistungsstörung ergibt. Die genaue Zuordnung entscheidet nämlich über die weitere Therapie und (daher) auch die weitere Prognose.
                            Für eine AD untypisch wäre das Alter Ihres Vaters bei Symptombeginn. Er war, soweit ich Sie verstehe, etwa 54 Jahre alt, als Sie erste Auffälligkeiten bemerkten. Zwar gibt es Fälle, bei denen die Erkrankung sich bereits in diesem Alter manifestiert, diese stellen aber Ausnahmen dar. Untypisch für diee FTD ist das frühe Auftreten von Gedächtnisstörungen. Die Reizbarkeit und motorische Unruhe helfen uns nicht weiter, da sie bei beiden Erkrankungen auftreten können.
                            Letztlich kann ich Ihnen nur empfehlen, nochmals mit Ihrem Vater eine spezialisierte Einrichtung aufzusuchen, z.B. eine Gedächtnissprechstunde. Das Rückgrat der Diagnostik ist eine neuropsychologische Testung, die offentsichtlich noch nicht durchgeführt wurde. Hierbei werden (deutlich ausführlicher als beim Mini-Mental-Status oder Uhren-Test) verschiedene Hirnfunktionen getestet. Da diese an unterschiedliche Hirnareale gekoppelt sind, kann man aus dem Ausfallsmuster Rückschlüsse auf die von der Erkrankung v.a. betroffenen Hirnregionen ziehen. Da die verschiedenen neurodegenerativen Erkrankungen unterschiedliche Schädigungsmuster aufweisen, vergleicht man diese mit dem Testergebnis, was dann meist eine nähere Zuordnung erlaubt.

                            Mit freundlichen Grüßen,

                            Spruth

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                            • Re: Bitte Expertenrat - Kann das wirklich Alzheimer sein?


                              Sehr geehrter Herr Dr. Spruth,

                              vielen Dank für Ihre Antwort. Ich werde mit meiner Mutter sprechen, sodass diese bei einer Sprechstunde mit der Ärztin, welche den Klinikaufenthalt meines Vaters im Januar ermöglicht hatte, die angesprochenen Untersuchungen thematisieren kann.

                              @all,
                              ich berichte hier weiter, sobald es etwas Neues gibt.

                              Herzliche Grüße
                              Schnurzpiepe

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                              • Re: Bitte Expertenrat - Kann das wirklich Alzheimer sein?


                                Hallo!

                                Ich hatte ja angekündigt, sobald sich etwas Neues ergibt, hier weiterzuschreiben.
                                Meine Eltern waren nun gestern in Leipzig bei einer Neurologin, und zwar diejenige, die ihnen im Januar den Klinikaufenthalt in Wermsdorf vermittelt hatte.
                                Es stellte sich heraus, dass außer einem MRT tatsächlich nichts weiter an Tests gemacht worden ist in dieser Klinik, kein Uhrentest, kein Mini-Mental-Status, nichts. Einzig das MRT sollte die Diagnose Alzheimer stellen. Man hat meinem Vater dort wohl sechs Wochen Beschäftigungstherapie "vergönnt" und sonst - heiße Luft. Klasse.
                                Die Neurologin hat es nun selbst übernommen, Tests für meinen Vater anzukurbeln; sie wird selbst noch einmal ein MRT machen und ihn "auf Herz und Nieren" testen.
                                Was bei meinem Vater erschwerend hinzu kommt, ist, dass er seit Jahren und fürchterlichen Rückenschmerzen leidet, was sicherlich auch zu seiner schlechten seelischen Verfassung beigetragen hat. Die Neurologin hat ihn (nach dem Motto "wenn Sie eh grad da sind") akupunktiert (zwei Dauernadeln) und danach, O-Ton meiner Mutter, sprang er herum wie ein junges Reh.
                                Sein derzeitiger Zustand ist, was die für seine Umgebung wahrnehmbare "Hirnleistung" angeht, gleich geblieben; er vergisst einiges (aber nichts essentielles), frisst wie ein Scheunendrescher, ist aggressiv und ansonsten teilnahmslos.

                                Soviel für heute,
                                herzliche Grüße
                                Schnurzpiepe

                                Kommentar


                                • Re: Bitte Expertenrat - Kann das wirklich Alzheimer sein?


                                  Hallo Schnurzpiepe,
                                  hätte ja nicht gedacht, dass es eine Klinik gibt, die so eine mangelhafte Diagnostik durchführt. Dies erklärt dann auch die fehlende Therapie. Ein Uhrentest und ein
                                  MMST dauern gerade mal 15 Minuten. Weitere Diagnoseverfahren wie z.B. eine Blutentnahme
                                  sind erforderlich um andere Ursachen ausschließen zu können. Das Bildgebende Verfahren
                                  ist jedoch sehr wichtig.
                                  Bin auf die " neu " gestellte Diagnose sehr gespannt.
                                  LG
                                  Ischwalm

                                  Kommentar


                                  • Re: Bitte Expertenrat - Kann das wirklich Alzheimer sein?


                                    [quote Ischwalm]
                                    Bin auf die " neu " gestellte Diagnose sehr gespannt.
                                    LG
                                    Ischwalm[/quote]

                                    Und ich erst! Leider ist der nächste Termin erst im August (!!!), warum auch immer das so lang dauert. Die Neurologin hat zumindest schon mal die Medikation verändert, leider wusste meine Mutter am Telefon (ich erreichte sie auf Arbeit) nicht die Namen der neuen und der alten Medikamente. Kann ich aber gern nachreichen.

                                    LG
                                    Schnurzpiepe

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                                    • Re: Bitte Expertenrat - Kann das wirklich Alzheimer sein?


                                      Hallo Schnurzpiepe,

                                      bis August könnte man ja schon einmal die Grundlagen der Demenzbehandlung
                                      umsetzen, z.B.: einen aktuellen und verblisterter Medikamentenplan, Blutdruckkontrollen u.s.w..
                                      Diese Grundlagen wären bestimmt sehr hilfreich.
                                      Ich Glaube nicht an ein anderes Ergebnis des Bildgebenden Verfahren ( MRT ), bin aber
                                      weiterhin von der Diagnostik die sie bisher erlebten, sehr überrascht.
                                      LG
                                      Ischwalm

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                                      • Re: Bitte Expertenrat - Kann das wirklich Alzheimer sein?


                                        Hallo!

                                        Heute Vormittag konnte ich ein längeres Telefonat mit meiner Mutter führen. Mein Vater war gerade im Garten, sodass sie auch mal "frei" reden konnte.

                                        Zunächst zu seiner neuen Medikation:
                                        Er bekommt jetzt:
                                        - Lamotrigin Destin Qad 100, morgens 1/4, abends 1/2, nach 14 Tagen soll er morgens und abends je 1/2 nehmen. Dieses Medikament ist wohl gegen seine Aggressionen.
                                        - Tymbalta, 28 Tage lang 30mg täglich, danach täglich 60mg. Dieses Medikament wurde ihm wegen seiner starken (Rücken)SChmerzen und auch als Antidepressivum gegeben. Er nimmt es seit gestern.
                                        Reminyl 16mg 1xtäglich. Das bekommt er wohl schon einige Monate.

                                        Dann habe ich mit meiner Mutter ein Frage-Antwort-Gespräch geführt hinsichtlich der geistigen Verfassung meines Vaters.

                                        Seine "Fresslust" bezieht sich vor allem darauf, dass er sich offensichtlich benimmt wie jemand, der immer aufpassen muss, dass er auch wirklich pünktlich und ausreichend Essen bekommt. Verschieben sich die Mahlzeiten um einige Minuten wird er oft schon nervös bis aggressiv und stopft zum Teil auch Unmengen in sich hinein.

                                        Seine Vergesslichkeit ist lt. meiner Mutter nicht genau zu definieren. In erster Linie vergisst mein Vater normale Erlebnisse, wie zum Beispiel viele Jahre zurückliegende Urlaubserlebnisse oder was er vor drei Wochen gemacht hat (allerdings: er wusste vorige Woche in einem Gespräch mit einem Freund noch sehr genau, dass er vor zwei Monaten auf der Buchmesse gewesen war und was er dort erlebt hatte) und Namen von Personen, ohne aber die Person an sich zu vergessen. Wenn er den Personen gegenübersteht, weiß er in der Regel sofort, dass er denjenigen kennt, kann aber beim besten Willen nicht sagen wie derjenige heißt. Andere Dinge, zum Beispiel, dass jeden Sonntag seine FAZ erscheint oder wo er sich seine Getränke kaufen muss, wenn sie alle sind, bekommt er problemlos hin. Er löst täglich auf Anraten meiner Mutter und der Ärztin hin Kreuzworträtsel und Rechenaufgaben, das bekommt er im Großen und Ganzen gut hin, aber viele Dinge, die er früher mit Sicherheit gewusst hätte, weiß er heute nicht mehr. Rechnen geht besser als Kreuzworträtsel lösen, sagt meine Mutter.
                                        Das Autofahren geht nach wie vor sehr gut, er hält auch lange Strecken (z.B. in den letzten Urlaub Richtung Krakau) sehr gut durch, es zeigen sich, soweit meine Mutter das beurteilen kann, keine Konzentrationsschwierigkeiten dabei.
                                        Wortfindungsstörungen hat er, aber eher selten, Bsp: er war im Garten, hatte Kohlrabi gepflanzt und wusste dann nicht mehr, wie die Dinger heißen die er da gepflanz hatte.
                                        Momentan hält sich seine bis vor einem halben Jahr ausgeprägte Lauflust in Grenzen, am liebsten geht er in seinen Garten, bleibt dort einige Stunden und macht dann daheim verschiedene kleine Dinge (Rätsel, Zeitung lesen). Sich selbst Essen aufzuwärmen, einen Kaffee zu kochen oder meine Mutter auf Arbeit anzurufen, alles kein Problem. Aber es muss immer alles an Ort und Stelle stehen, sonst wird er bei der Suche nach den gerade zu brauchenden Gegenständen nervös.
                                        Generell ist er momentan wenig kontaktfreudig, hängt sich sehr an meine Mutter, freut sich aber auch auf Verwandtenbesuche. Meine Mutter vermutet, dass er vor allem deshalb kontaktscheu ist, weil ihm seine Vergesslichkeit peinlich und unangenehm ist und er wohl auch Angst hat, sich zu blamieren. Er bekommt seine Vergesslichkeit sehr wohl mit und sagt dazu auch regelmäßig, das mache ihn "wahnsinnig".
                                        Enorme Probleme hat er mit allem was neu ist: neue Technik, neue Fotoapparate, Computer, Anglizismen, Handys.... alles was neu ist, macht ihn aggressiv, lehnt er vehement ab. Er ist regelrecht neophob. An neue Situationen kann er sich überhaupt nicht anpassen (irgendwann bezeichnete ein Arzt das eben auch als ausgeprägte Anpassungsstörung). Er begreift auch nicht, dass es nunmal Dinge gibt, die man einfach nicht ändern kann. Immer wieder drehen sich seine Gedanken um längst zurückliegende Ereignisse, die ihn verletzten, kränkten, in irgendeiner Form aus der Bahn warfen.

                                        Das ist jetzt erstmal das, was ich aus meiner Mutter herausfragen konnte. Sozusagen der neueste Stand der Dinge...

                                        Danke fürs Lesen bis hier hin.

                                        LG
                                        Schnurzpiepe

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                                        • Re: Bitte Expertenrat - Kann das wirklich Alzheimer sein?


                                          Hallo Schnurzpiepe,

                                          nur kurz zur Info (habe mal gegoogelt):

                                          Lamotrigin ist ein Antiepileptikum, wird aber auch gegen Depressionen und u.a. zur Stimmungsstabilisierung eingesetzt.

                                          Duloxetin ist der Wirkstoff des recht neuen Medikaments Cymbalta und ein angeblich sehr mächtiges Antidepressivum (NASRI) mit eher geringem analegtischen Potential, d.h. gegen Rückenschmerzen an sich wird es wohl eher nicht vorrangig verordnet - da wären ggf. nichtsteroide Antirheumatika sinnvoller wie z.B. Ibuprofen (Arzt fragen!).

                                          Die Behandlung zielt also vorrangig auf die Bekämpfung von Depressionen ab - soweit ich das als Laie beurteilen kann. Das scheint mir auch sinnvoll, da es einen engen Zusammenhang zwischen Depressionen und Aggressionen gibt.

                                          LG
                                          Egon-Martin

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                                          • Re: Bitte Expertenrat - Kann das wirklich Alzheimer sein?


                                            Hallo!

                                            Bei jedem verläuft Alzheimer anders. Ich habe schon Fälle gesehen, wo jemand schon 6 Jahre nach der Diagnose nicht mehr sprach, aber genauso auch jemanden, der ca.14 Jahre mit der Krankheit gelebt hat, ohne gravierende Einschränkungen in seiner Lebensqualität zu haben. Selektives Vergessen ist, glaube ich, auch typisch, vor allem Dinge, die in der Vergangenheit liegen, werden noch sehr lange und gut erinnert. Das Kurzzeitgedächtnis ist da schon eine andere Geschichte, meist werden die Sachen vergessen, die in unmittelbarer Vergangenheit geschehen sind.
                                            Viel Essen und Dinge sammeln ist auch typisch, genauso wie das, wie sie sagen, kindliche Verhalten und die Aggressivität. Ich bin aber kein Experte.Man sagt ja, dass sich die Eigenschaften, die wir als junge Menschen haben, im Alter verstärkt ausprägen, und da sie ja sagen, dass Ihr Vater schon immer ein sehr energischer Mann war, kommt das vielleicht jetzt einfach stärker zum Vorschein... Beste Grüsse

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                                            • Re: Bitte Expertenrat - Kann das wirklich Alzheimer sein?


                                              Hallo!

                                              Mit "selektivem Vergessen" war gemeint, dass er nur Dinge aus bestimmten Themenbereichen vergisst. Zwischen "alten" und "neuen" Erinnerungen unterscheidet er nicht. Er vergisst seine Kindheitserinnerungen ebenso wie das, was er morgens getan hat. Aber eben nicht alles, sondern nur bestimmte Dinge.
                                              Es wird nun in letzter Zeit auch zusehends schlimmer. Es ist schlimm, wenn man dem so hilflos zusehen muss.

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