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Wirklich Alzheimer?

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  • Wirklich Alzheimer?

    Hallo!
    Mein Vater (68) redet schon immer etwas wirr daher, allerdings ist es in den vergangenen eineinhalb Jahren, seit er Rentner ist, schlimmer geworden.
    Auch hat er Probleme sich in unbekannter Umgebung zu orientieren, findet nicht auf Anhieb das Auto im Parkhaus etc.
    Der Hausarzt meint, er habe Alzheimer. Er ließ ihm den Uhrentest machen, wobei er kläglich versagte. Als ich ihn drauf ansprach, sagte er, er wusste gar nicht so recht, was der Doktor eigentlich von ihm will. Kernspintomografie ergab nichts, EKG und Blut waren in Ordnung. Blutdruck ist leicht erhöht. Der Neurologe machte einen Test. So weit ich das mitbekam, hatte er nur leichte Probleme beim Kopfrechnen, d.h. die richtige Lösung parat aber nicht sofort. Der Neurologe meinte, es sei schon "auffällig" und verschrieb ihm die Exelon-Pflaster und sagte, er solle in drei Monaten wieder kommen.
    Aber was ist mit seinen anderen Leiden? Er hat außerdem oft starke Rückenschmerzen, beklagt sich über Flimmern im Auge und über kalte und teils taube Füße und Hände. Das wurde überhaupt nicht abgeklärt. Er bekommt lediglich zusätzlich ein blutdrucksenkendes Mittel und ASS 100 und muss Efirox nehmen, weil ihm die Schilddrüse vor acht Jahren entfernt wurde.
    Können die Orientierungsstörungen, Sprachdefizite etc. nicht auch an einer anderen Erkrankung liegen, z.B. eingeklemmter Nerv, Durchblutungsstörungen???? Wenn etwas anderes die Ursache ist, ist es dann gefährlich, wenn er jeden Tag Exelon-Pflaster verwendet?


  • Re: Wirklich Alzheimer?


    Hallo Lucifer,
    über die Schädlichkeit von Exelonpflaster bei einem möglicherweise nicht dementen Patienten vermag ich leider im Moment nichts zu sagen. Vielleicht kann Ingo Schwalm hier weiter helfen oder ganz sicher Dr.Spruth. Ich würde an Ihrer Stelle eine größere Einrichtung aufsuchen - den Vater stationär auf einer neurologischen Abteilung mal richtig durchchecken lassen. Hilfreich wäre auch die Gedächtnissprechstunde einer Universitätsklinik (Adressen: www.deutsche-alzheimer.de). Was die durch Mangeldurchblutung verursachten Demenzen angeht, so wären Sie mit den verordneten Medikamenten ebenfalls auf dem richtigen Weg. Meistens handelt es sich ohnehin um Mischformen. Deshalb hat der Neurologe ASS 100 verordnet und der Blutdrucksenker ist bei zu hohem Blutdruck ebenfalls notwendig - auch was die Demenz angeht. - Besondere Beachtung sollte man möglicherweise den Schilddrüsenwerten schenken. Ich nehme doch an, dass die Werte regelmäßig kontrolliert werden? Denn hier könnten ebenfalls Ursachen für Hirnleistungsschwächen liegen.
    Ein eingeklemmter Nerv hingegen führt zwar unweigerlich zu Schmerzen oder auch Taubheitsgefühlen. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass er Einfluss auf die kognitiven Fähigkeiten hat. Warten wir, was Dr.Spruth dazu meint.
    Mit den besten Wünschen
    Leona

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    • Re: Wirklich Alzheimer?


      Hallo Lucifer,
      eine Demenz-Diagnostk wurde bei einem Facharzt ( in dem Fall ein Neurologe )
      durchgeführt. Ein Facharzt schließt bei der Demenzdiagnostik andere, mögliche Diagnosen wie Pseudodemenz, Hirntumor,Vergiftunggen, hormonelle Ursachen u.s.w. aus.
      Eine Testung, wahrscheinlich MMST oder DemTEC ergeben einen deutlichen Hinweis. Der Uhrentest ist der einfachste anerkannte Test Ihr Vater hat also nicht mehr eine Uhr mit den Zahlen und den zwei Zeigern rekonstruieren können. Eine gewisse Zeit, die die Uhr bei der Zeichnung aufzeigen muß ( 11 Uhr und 10 Minuten ) ist demnach nicht gelungen. Dies ist sehr auffällig. Das CT soll ohne irgendwelchen Befund sein? Lassen Sie sich eine Befundkopie
      geben. Ein wenig Bluthochdruck und der wird medikamentös eingestellt? Kontrollen sind erforderlich auch nach einer Einstellung ( siehe Grundlagen der Demenzbehandlung, ein schönes Beispiel ist der Befund ). ASS 100 bekommt fast jeder ältere Mensch als z.B. Schlaganfall-Vorbeugung.
      Der Facharzt hat Exelon-Pflaster verschrieben! Nun Vertrauen Sie auch einem Facharzt mal, bringen für sich selbst und ihren Vater " Ruhe " ins Leben. Akzeptieren sie die Diagnose ( nach ihren Bericht zu urteilen, besteht die Demenz wahrscheinlich schon längere Zeit )!!
      Rückenschmerzen sollten vom Orthopäden, Augen vom Augenarzt, untersucht werden. Sollte man organisch nichts finden, kann man mit einem gut verträglichen Antidepressivum bei bestehender Symptomantik, z.B. Cymbalta, viel gegen Schmerzen tun. Dies muß jedoch erst fachärztlich geklärt werden. Kleben Sie regelmäßig das Exelon-Pflaster, dies ist in der Regel sehr verträglich.
      Fragen Sie ihren Vater mal nach dem heutigen , genauen Datum, fragen sie ihn mal was es heute bzw. gestern zum Mittagessen gab. Sollte er unwirsch reagieren, hören sie mit dem Fragen aber wieder auf.
      Alles Liebe
      Ingo Schwalm

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      • Re: Wirklich Alzheimer?


        Hi Ingo,

        vielleicht ist an dieser Stelle die Medikation meines Vaters (als Beispiel) angebracht:

        Vater hat Arteriosklerose, senile Demenz vom Alzheimertyp und altersbezogene Makuladegeneration und bekommt täglich derzeit:

        10 mg Aricept (Reminyl 24 mg abgesetzt)

        300 mg Aprovel (ein sehr guter AT1-Anatgonist gegen Bluthochdruck - bekomme ich auch)
        2,5 mg Bisoprolol (Beta-Blocker in Kombi mit Aprovel - ich glaube, dass Beta-Blocker auch Aggressionen vorbeugen, weil sie - so hörte ich mal - sexualtriebdämpfend seien und beim Mann dieser Trieb neuroanatomisch dort (mit)verortet ist, wo auch Aggressionen mitbewirkt werden: im sog. nucleus präopticus medialis, einem Kern im Hypothalamus, den Frauen nicht haben).
        200 mg ASS (Infarktprophylaxe und entzündungshemmend)
        20 mg Simvastatin (Cholesterinsenker)
        10 mg Nitrendipidin (Ca-Antagonist)
        sowie Ocuvite AMD duo (Vitaminkonzentrat für die Augen)

        Bis auf das Antidemantivum und das VitKonzentrat nimmt Vater diese Medis schon seit Jahren (schon vor Ausbruch der SDAT) ohne über NW zu klagen.

        Nach einer Bypass-OP Ende 2005 sind Vaters Beine wieder gut in Form - der marschiert locker mehrere km am Tag. Leider kann man das von anderen Dingen nicht sagen.

        LG
        Egon

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        • Re: Wirklich Alzheimer?


          Hallo EgonMartin,
          diese Medikation ist ein gutes Beispiel für ein notwendiges " verblistern " der Medikamente.
          Im Bericht über die " Grundlagen der Demenzbehandlung " kann man mehr erfahren.
          Die Einstellung des Cholesterinspiegel ist bei einer Demenz nicht nur zur Vorbeugung wichtig, sondern hat auch auf den Verlauf einen gewissen Einfluss.
          Besser kann man übrigens, als Nicht-Mediziner, die Medikation des Vaters kaum beschreiben.
          Verschieden Erkrankungen erfordern eine spezielle Medikation. Niemand kommt auf die Idee,
          z.B. ein Herzmedikament in Frage zu stellen.
          Alles Gute
          Ingo Schwalm

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          • Re: Wirklich Alzheimer?


            Natürlich kann es eine andere Ursache haben, wenn möglich zu Alternativärzten gehen, viel Trinken, Bewegen (wenn die Schmerzen nicht dadurch schlimmer werden), und irgendetwas machen dass die Rückenschmerzen besser werden, zur Muskelentspannung, Wärme, Einreiben regelmässig, Krankengymnastik etc. Am besten ein bisschen durchs Forum durchlesen.
            Viel Glück, Flieder

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            • Re: Wirklich Alzheimer?


              War nochmal beim Hausarzt meines Vaters, der dann doch mit einem Befund der MRT-Untersuchung herausrückte.
              Zu lesen ist, dass die inneren und äußeren Liquorräume deutlich erweitert sind, die Temporalhörner sind balloniert und von einer deutlichen Atrophie ist die Rede. Die Bilder sind gut vereinbar mit einer Demenz vom Alzheimertyp.
              Hab da allerdings dennoch noch leichte Zweifel aufgrund eines Vorfalls, der sich gestern und auch schon ein paar Mal in der Vergangenheit ereignete.
              Bei einer Ganztages-Wanderung geriet mein Vater richtig in Schieflage. Eine Schulter war nach oben gezogen, die andere nach unten, so dass der Oberkörper auffällig zu einer Seite gebeugt war, aber ansonsten konnte er relativ normal weiterlaufen und hatte auch keine Schmerzen. Nach mehrstündigem Ausruhen war das auch wieder weg.
              Außerdem klagt er ständig über Spannungen im Kopf.
              Kann es nicht auch sein, dass da zu viel Gehirnwasser im Kopf ist, wodurch all diese Symptome entstehen? Welcher Arzt hilft hierbei weiter? Auch der Neurologe?
              Größtes Problem sind momentan die Orientierung vor allem in der Fremde und oft vorhandenes Schwindelgefühl.
              Gedächtnismäßig hält es sich in Grenzen. Er weiß sehr wohl, was er gestern gegessen hat, was heute in der Zeitung steht, wen er gestern alles getroffen hat. Nur bei komplexeren Zusammenhängen blickt er nicht mehr so richtig durch.
              Danke für Eure Hinweise
              Lucifer

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              • Re: Wirklich Alzheimer?


                Hallo Lucifer,
                in jedem Fall ist hier der Neurologe - oder eine neurologische Ambulanz - der richtige Ansprechpartner. Es gibt z.B. auch Fälle, in denen mit Liquor (Hirnwasser) gefüllte Zysten auf bestimmte Bereiche des Gehirns drücken oder sie regelrecht wegdrängen. Allerdings sollte das bei bildgebenden Verfahren deutlich werden.

                In solchen Fällen kommen häufig Schwindel, Gangunsicherheit und Krampfanfälle vor.
                Vielleicht sollten Sie noch eine zweite Meinung einholen.

                LG
                Leona

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                • Re: Wirklich Alzheimer?


                  hallo Leona!
                  Ich will auf jeden Fall noch eine zweite Meinung einholen.
                  Heute war ich auch mal bei der Diakonie und hab mich nach allen mögichen Angeboten etc. erkundigt. Als ich der Dame beschrieb, wie man Vater momentan drauf sei, meinte sie auch, dass das gar nicht so typisch ist. Z.B. weiß er sehr wohl, dass etwas mit ihm nicht in Ordnung ist. Er sagt immer, mit seinem Hirn stimme etwas nicht. Außerdem hat er halt immer irgendwo Schmerzen....
                  Viele Grüße
                  Lucifer

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                  • Re: Wirklich Alzheimer?


                    Sehr geehrter Lucifer,

                    ich schließe mich der Empfehlung eine Gedächtnissprechstunde aufzusuchen an. Ich denke, daß bei Ihrem Vater die Neuropsychologische Testung, die oft sehr aufschlußreich ist, bisher zu kurz kam. In einer Gedächtnissprechstunde kann man auch die Wahrscheinlichkeit des Vorliegens einers Normaldruckhydrocephalus (Aufstau von "Hirnwasser") beurteilen und ggfs. weitere diesbezügliche Diagnostik veranlassen.

                    Mit freundlichen Grüßen,

                    Spruth

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