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es geht so schnell vorran

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  • es geht so schnell vorran

    Mein Mann vor gut 3 Jahren an Alzheimer erkrankt, lebt nun seit fast 3 Monaten in einem Pflegeheim. 1 1/2 Jahre bin ich alle 6 Wochen mit meinen Mann in eine Uni-Klinik ( 125 km eine Wegstrecke) in die Gedächtnissprechstunde gefahren. Es hat alles nichts gebracht, es ging nur bergab. Mein Mann zerfällt von Tag zu Tag mehr.Heute sitzt er überwiegend im Rollstuhl und vegetiert vor sich hin. Er ist doch erst 64 Jahre alt. Vielleicht mögen mich jetzt einige von den Forumteilnehmer steinigen, aber ich bete jeden Abend zu Gott, dass er ihn nicht so lange leiden lassen möge. Er war mir immer ein guter Ehemann und hat dieses Sch...leben nicht verdient.


  • Re: es geht so schnell vorran


    hallo ullaandreas,
    Sie werden bestimmt nicht gesteinigt.
    Diese schnellen, progressive Verläufe habe ich bei
    frühen Alzheimer - Pat. schon viel zu oft sehen müssen.
    Verdienen tut dies niemand.
    LG
    Ischwalm

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    • Re: es geht so schnell vorran


      Hallo ullaandreas....

      da stimme ich ischwalm vollkommen zu. Wenn sich der Zustand meines Paps nicht bessert, wünsche ich ihm auch lieber eine schnelle Erlösung. Ich musste bis letztes Jahr im März zwei Jahre lang mit ansehen, wie sehr sich meine superliebe Schwiegerma, wegen eines nicht heilbaren Gehirntumores quälen musste. Auch ihr haben wir schweren Herzens die Erlösung gewünscht. es fällt schwer,daß zuzugeben, aber ich glaube ( und bei uns war es so) daß irgendwann, wenn es keine Lebensqualität mehr besteht, der Tod das beste für alle ist. Natürlich auch sehr schmerzlich. Aber wie der Spruch schon sagt,: Ihn/Sie solange leiden sehen und nicht helfen können, war unser allergrösster Schmerz...
      Ich kann sie also sehr gut verstehen...

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      • Re: es geht so schnell vorran


        Hallo Ulla,

        nein, gesteinigt werden Sie gewiß nicht. Zudem sollte nur Steine werfen, wer ohne Sünde ist und das ist außer Christus niemand und dieser wirft keine Steine.

        Sie beten ja auch nicht für den Tod Ihres Mannes sondern für seine Erlösung. Sterben müssen wir alle einmal - ohne Ausnahme. Das sterben geht ja schon im Mutterleib los. Dort müssen viele Zellen sterben (was man Apoptose nennt), damit sich der Mensch formen kann. Und beim Kleinkind geht das Sterben sogleich weiter. Dort ist es erstaunlicherweise das Gehirn. Ein Neugeborenes hat ca. doppelt so viele Gehirnzellen wie ein Erwachsener. Und doch müssen viele davon zugrunde gehen bei der notwendigen "Verdrahtung" des Gehirns. Und das geht dann immer so weiter. Nach einer gewissen Anzahl von Jahren sind fast alle Körperzellen durch neue (Kopien) ersetzt worden. Irgendwann werden die Kopien immer schlechter. Das ist das Altern. Und irgendwann geht nichts mehr. Das ist der Tod. Das Grausame an der Demenz ist der Hirntod in Zeitlupe, denn auch wenn wir ohne Demenz sterben, degenertiert das Gehirn immer - nur rasend schnell.

        Denken sie auch an die vielen Lebewesen, von denen wir uns ernähren müssen. Der Tod - ob man es glaubt oder nicht - gehört in die Ordnung dieser Welt. Leider haben wir oft fast jede tiefsinnige Betrachtung des Todes verloren und verdrängen ihn - bis er dann an unsere Türe klopft.

        Diese Welt - in der der Tod gehört - ist aber mit Sicherheit nicht die ganze oder auch nur die wahrhafte oder wirkliche Welt. Denken Sie an die Lebewesen, welche die Evolution lange vor uns hervorgebracht hat. Auch sie haben ein Weltverständnis. Aber ihr Weltverständnis ist weit geringer als das unsere. Selbst für ein weit entwickeltes Lebenwesn wie ein Schimpanse ist der Mond nur ein heller Fleck am Himmel und eine Synphonie oder eine Gedicht sagt ihm gar nichts. Von Atomphysik, usw. versteht er auch nichts. Wenn aber nun die Welterfassung aller Lebewesen begrenzt ist, so ist auch unsere Welterfassung begrenzt. Denn es wäre ein unhaltbares Mittelpunktsdenken, wenn wir uns anmaßen würden, die ganze Welt jemals verstehen zu können. Auch wir sind ja nur eine Etappe in der Evolution, in einer Schöpfung - um mit dem Apostel Paulus zu reden - welche sich erst in den Geburtswehen befindet. Was wir Welt nennen, ist nur das zwar sehr komplexe, aber doch immer unvollkommene Bild einer Welt. Vielleicht gelangen wir ja nach dem Tod in die wirkliche, d.h. vollkommene Welt, von der wir derzeit nur Schatten wahrnehmen.

        Das Ganze ist unvorstellbar größer und ein alter Buddhist hat einmal gesagt: "Wer die ungeborene Natur des Geistes verstanden hat, für den gibt es keinen Tod."

        Ich hoffe, mit meinen Zeilen nicht zu sehr verwirrt zu haben.

        LG
        Egon-Martin

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        • Re: es geht so schnell vorran


          Hallo Egon-Martin,
          ich bin ja nicht "gläubig", finde Ihre Zeilen aber doch nachvollziehbar und vor allem sind Sie ein sehr einfühlsamer Mensch, echt schön!
          Lg, Flieder

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          • Re: es geht so schnell vorran


            Liebe ullaandreas,

            ich denke, keiner will jemanden leiden sehen, und Ihre Gefühle sind nachvollziehbar. Haben Sie das Gefühl dass er leidet? Klar wissen Sie nicht, was sich in seiner Gedankenwelt abspielt, aber vielleicht findet sich doch ein Ansatz der Sie tröstet. Immerhin können Sie oft bei ihm sein, und er merkt Ihre Nähe. Natürlich hat er es nicht verdient so jung zu erkranken und unselbstständig zu werden, es gibt keine Gerechtigkeit.
            Liebe Grüße, Flieder

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            • Re: es geht so schnell vorran


              Der neuste Neurologische Befund meines Mannes lautet: Alzheimer im Endstadium. Was bedeutet Endstadium 1/2 Jahr, 1Jahr, 2Jahre ?
              Wie kann ich mich auf den Abschied vorbereiten, ohne daran zu zerbrechen.Mein Sohn hat seine eigene kleine Familie, da hat meine Trauer im Moment keinen Platz.
              Ulla

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              • Re: es geht so schnell vorran


                Hallo ullandreas,
                die Demenz wird allgemein in 3 Stufen eingeordnet.
                Beginnende Demenz, mittelgradige Demenz und schwere Demenz.
                Je nach dem Verlust von Fähigkeiten und Degeneration der Nervenzellen
                wird der fließende Übergang eingeteilt. Man stirbt nicht an der Demenz.
                Folgeerkrankungen durch eine herabgesetzte Körperabwehr ( z.B.: eine
                Lungenentzündung ) sind häufig die Todesursache. Je nach körperlicher
                Verfassung ( starkes Herz-Kreislaufsystem ) lebt man noch viele Jahre
                im Pflegebett. Den Zeitpunkt bestimmt " der liebe Gott ".
                Alles Gute und viel Kraft, evtl. auch die Kraft den Angehörigen ( wenn es über
                die eigene Kräfte geht ) in ein Pflegeheim zu geben. Auch die Kraft und die
                Standhaftigkeit einer vermeintlich erforderlichen PEG, nicht zuzustimmen!
                Ingo Schwalm

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                • Re: es geht so schnell vorran


                  Hallo ich lese das eben grade und bin ihrer Meinung es muß doch eine Erlösung geben.Meine Mama ist mit 46 an Krebs gestorben und sie hat ums Überleben gekämpft,doch als am Ende die Kraft fehlte hat sie oft das Beispiel aus der Tierwelt erwähnt"Wenn Tiere nicht mehr können gibt man ihnen einen Schlag in den Nacken und erlöst sie dadurch".
                  Nun erlebe ich jetzt grade 17 Jahre nach dem Tot meiner Mama wie mein Papa seit ca.1Jahr an Alzheimer erkrankt,immer mehr zerfällt.Er ist jetzt 68 Jahre und hat eben auch frühe Demenz ,er gibt sich völlig auf (keine Lust zu nix,kein Elan ,bei Gesprächen kein Interesse überhaupt etwas nachzufragen).Er liegt den ganzen Tag und döst vor sich hin.Wir bereiten nun im Moment eine Wohnung bei uns im Haus vor für ihn.
                  Aber diese Selbstaufgabe ist so atzend und für mich schwer zu verstehen!Ich befürchte er wird irgendwann nicht durch Demenz sondern durch eine Krankheit die das Liegen verursacht sterben.
                  Aber leider gibt der Verstand es nicht mehr her das es nicht gut ist für ihn.Und er ist so zufrieden aber es ist Wahnsinn wie ein Mensch innerhalb eines Jahres sich verändert und zerfällt.
                  Ich habe Angst das dieser schnelle Verfall so weiter läuft!!!!!!!!!!!!!
                  L.G.Konzerte

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                  • Re: es geht so schnell vorran


                    Hallo Ischwalm,
                    vielen Dank für Ihre Zeilen. Habe gerade im WDR.de einen Bericht von Sonja Kolonko gelesen. Sie schreibt u.a., wenn der Nervenzellenuntergang das Kleinhirn erreicht hat, vergisst der Patient schließlich zu atmen, und selbst sein Herz vergisst zu schlagen. Vielleicht habe ich den ganzen Artikel auch falsch verstanden.
                    Gruß Ullaandreas

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                    • Re: es geht so schnell vorran


                      Guten Abend, habe eben auch den Artikel vom WDR von Sonja Kolonko aufgerufen. Ich glaubte bisher fast alles übr die Krankheit zu wissen, nachdem ich mich seit 8 Jahren wegen meines Mannes damit beschäftige. Wenn es wirklich sein kann, dass der Mensch Atmung und Herzschlag vergisst wenn das Kleinhirn betroffen ist, dann wäre das für mich eine fast tröstliche Nachricht. Wenn das so wäre, dann brauchte ich mir keine Gedanken um Sonde oder künstliche Beatmung, um Schmerzen, Austrocknung etc. zu machen. Einfach einschlafen. Was meint der Experte? Kann das so kommen? Ich weiss nicht, wer Sonja Kolonko ist und woher Sie dieses Wissen hernimmt. Aber es wäre irgednwie beruhigend, wenn das Ende so sein könnte. Nachdenklich Preston

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                      • Re: es geht so schnell vorran


                        Hallo liebe Leidensgenossin,

                        es ist absolut nicht lächerlich, zu Gott zu beten. Auch meine Mutter liegt seit 2 Jahre völlig hilflos im Bett. Sie hat Alzheimer Demenz,ist blind, hat eine Magensonde, ein Blasenkatheter und vergisst neuerdings oft das Atmen. Sie gibt dann stattdessen furchtbare , laute Schreie von sich. Was meinen Sie, wie oft ich zum liebem Gott spreche und ihn bitte, meine Mutter endlich zu sich zu holen. Sie ist 85 Jahre alt und hat ein gelebtes Leben hinter sich. Ihr Mann ist dagegen noch "jung" und ich fühle mit Ihnen.
                        Ich sende Ihnen ganz viel Kraft und umarme Sie unbekannterweise. Und beten Sie weiter. Ihre Leidensgenossin Karinw.

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